Ferdinand Piëch unerwartet verstorben

Ex-VW-Chef wurde 82 Jahre alt

Ferdinand Piëch ist am Sonntag unerwartet bei einem Restaurantbesuch in Rosenheim zusammengebrochen und wenig später im Rosenheimer Krankenhaus gestorben. Der 82-Jährige war der Enkel von Ferdinand Porsche und prägte auch die Firma Porsche in den jungen Jahren seiner Karriere stark.
Ferdinand Piëch tot
Volkswagen AG

Ein Volkswagen-Konzernsprecher wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren. Piëch war offenbar für eine Veranstaltung nach Bayern gereist. Die genaue Todesursache derzeit noch unklar.
Die Witwe Piëchs, Ursula Piëch, hat den Tod ihres Ehemannes am Montagabend bestätigt. Ihr Mann sei am Sonntag "plötzlich und unerwartet verstorben", hieß es in einer Mitteilung des Anwalts der Familie, die der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend zugeschickt wurde. Die Beisetzung soll im engsten Familienkreis stattfinden.

Ferdinand Piëch "plötzlich und unerwartet verstorben"

Ferdinand Piëch (rechts) und Vic Elford (links) in Le Mans 1969.
© Porsche
Ferdinand Piëch (rechts) und Vic Elford (links) in Le Mans 1969.

Ferdinand Piëch galt vor allem als der autobegeisterte Manager, der VW zu dem Weltkonzern aufbaute, der er heute ist. Menschlich gab er sich nach außen unnahbar, er wurde hoch geachtet für seine Erfolge, aber auch gefürchtet für seinen Führungsstil. 1993 bis 2002 war er Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns gewesen, danach übte er weiterhin starken Einfluss auf das Unternehmen als Aufsichtsratsvorsitzender aus. Mächtigster Mann der Automobilindustrie wurde er auch genannt und das ist sicher nicht übertrieben. Erst als er sich 2015 mit dem damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn überwarf und diesen Machtkampf verlor, schwand sein Einfluss. Er zog sich zurück und trennte sich später sogar von seinen Firmenanteilen an der Porsche SE, dem Großaktionär des VW-Konzerns.

Der Österreicher begann seine berufliche Karriere bei Porsche, wo er 1963 eintrat und sich zum Leiter der Entwicklungsabteilung hocharbeitete. Das blieb er bis 1972, als nach einem Beschluss der Familie Porsche alle Familienmitglieder das Unternehmen als Manager zu verlassen hatten. Was zunächst nach einem Karriereknick für Piech aussah, entwickelte sich ganz anders. Er ging zu Audi, wo er 1988 Vorstandvorsitzender wurde, 1993 wechselte er zu VW.

Piëch hat Spuren bei Porsche hinterlassen, die bis heute zu erkennen sind und die das Unternehmen immer noch prägen: Das ist die starke Affinität zum Motorsport. Piech trieb vor allem die Entwicklung der Rennwagen voran und ehrgeizig wie er war, sollte sein Ziel ein Sieg in Le Mans sein. Der gelang Porsche schließlich 1970 mit dem 917. Piech war derjenige gewesen, der maßgeblich hinter dem Projekt stand und das finanziell riskante Vorhaben vorantrieb. Die Entwicklungskosten waren für das kleine Unternehmen damals kaum zu tragen gewesen.

Ferdinand Piëch und Huschke v. Hanstein 1968 in Le Mans.
© Porsche
Ferdinand Piëch und Huschke v. Hanstein 1968 in Le Mans.

So wurde die Weiterentwicklung unter dem Vorstandsvorsitzenden Ernst Fuhrmann gestoppt, nachdem alle Familienmitglieder Porsche 1972 verlassen hatten. Auf Dauer würde man diesen Weg nicht gehen können, so seine Einschätzung. Porsche musste im Bereich Rennsport praktisch neu anfangen. Doch die im 917 erstmals eingesetzte Turbo-Technik ermöglichte es Porsche, auch auf Basis des 911-Motors konkurrenzfähige Rennwagen zu bauen. Teile aus dem 917 wurde noch jahrelang für den Bau neuer Rennwagen verwendet, die Siege in Le Mans einfuhren.

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Kommentare
  • Ingrid Reinwald
    24.09.2019, 09:45 Uhr
    Ferdinand Piëch war ein großartiger Ingenieur und Visionär. Er hat den Konzern hart aber beispiellos geführt und sich in wesentlichen qualitativen und technischen Dingen logisch und positiv eingemischt. Alles wurde mit guizzardischer Fähigkeit durchgeführt. Dieses Talent haben nicht viele Manager mehr.

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