Porsche verliert Sieg bei 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring

Schnellste, aber nicht Erste

Eine übersehene gelbe Flagge hat Porsche den Sieg bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring gekostet. Im Laufe des Rennens hatte sich der Porsche mit der Startnummer 911 des Manthey-Teams mit einer fast fehlerfreien Leistung an die Spitze des Feldes gesetzt und die Führung souverän verteidigt. Doch am Sonntag kurz vor 10 Uhr wendete sich das Blatt.

Exakt um 9:51 Uhr tauchte auf dem Monitor der Rennleitung die Information auf, dass gegen den Wagen eine Untersuchung eingeleitet wurde. Bis zu einer Entscheidung vergingen aber noch gut zweieinhalb Stunden. Was war passiert? Der Wagen war in einer Zone mit doppelt geschwenkten gelben Flaggen, unter denen maximal 120 km/h gefahren werden darf, mit 172 km/h gemessen worden. Weil die Überschreitung so groß ausfiel, wurde gegen den Wagen die maximal mögliche Zeitstrafe von 5:32 min verhängt.

Porsche 24-Stunden-Rennen 2019
© Porsche
Zu diesem Zeitpunkt saß Laurens Vanthoor im Auto: „Ich habe sie ganz einfach nicht gesehen. Ich hatte keinen Funk, wir hatten seit zwei Stunden Funkprobleme. Ich war im Verkehr und bin auf der anderen Seite vom Flaggenposten vorbeigefahren. Ich habe, seit ich auf dem Nürburgring fahre, noch nie eine Strafe wegen Code 60 bekommen."

Kurz zuvor war der zu diesem Zeitpunkt zweitplatzierte Frikadelli-Porsche mit der Nummer 31 (Jaminet/S. Müller/Dumas/Campbell) durch einen Reifenschaden zurückgefallen. Die Vorjahressieger im Manthey-Porsche #1 (Lietz/Makowiecki/Pilet/Tandy) hatten in der Nacht durch einen Unfall das diesjährige 24-Stunden-Rennen beenden müssen, lagen aber durch einen Reifenschaden schon vorher rund 5 Minuten von der Spitze zurück.

Der Porsche mit der Nr. 911 landete am Ende auf dem zweiten Platz. Mit 8:17,745 Minuten fuhr Kévin Estre in seinem letzten Stint immerhin die schnellste Rennrunde. Estre, Michael Christensen, Laurens Vanthoor und Earl Bamber hatten zuvor keinen Zweifel daran gelassen, dass sie das prestigeträchtige Langstreckenrennen in der Eifel gewinnen wollten. Nach einem sensationellen Überholmanöver übernahm Kévin Estre nach gut fünf Stunden die Führung, die er mit seinen Fahrerkollegen zwei Drittel der Distanz behauptete.

Porsche 911 GT3 R von Manthey-Racing beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring
© Porsche
Ein weiterer Porsche 911 GT3 R von Manthey-Racing mit der Startnummer 12 belegte den fünften Platz im Gesamtklassement und sicherte sich gleichzeitig den Klassensieg in der Pro-Am-Wertung. Die beiden Porsche Young Professionals Matteo Cairoli und Dennis Olsen zeigten zusammen mit Otto Klohs und Porsche-Testfahrer Lars Kern großen Kampfgeist. Die Mannschaft von Iron Force by Ring Police mit Jan-Erik Slooten, Lucas Luhr, Steve Jans und Adrien de Leener steuerte ihren Porsche 911 GT3 R mit der Startnummer acht auf Platz zwölf, was den vierten Rang in der Pro-Am-Wertung bedeutete.

Der Sieg ging an das Team von Phoenix mit einem Audi R8 LMS und der Besetzung Pierre Kaffer, Frank Stippler, Frederic Vervisch und Dries Vanthoor, dem jüngeren Bruder von Laurens Vanthoor.

24-Stunden-Rennen 2019: Earl Bamber und Michael Christensen
© Porsche

Ergebnis 24-Stunden-Rennen Nürburgring

1. Kaffer/Stippler/Vervish/Vanthoor (D/D/D/B), Audi R8 LMS, 157 Runden
2. Bamber/Christensen/Estre/Vanthoor (NZ/DK/F/B), Porsche 911 GT3 R, 156 Runden
3. Winkelhock/Haase/Fässler/Rast (D/D/CH/D), Audi R8 LMS, 156 Runden
5. Klohs/Kern/Olsen/Cairoli (D/D/N/I), Porsche 911 GT3 R, 155 Runden
12. Slooten/Luhr/De Leener/Jans) (D/D/B/L), Porsche 911 GT3 R, 153 Runden
17. Bachler/Bergmeister/Ragginger/Werner (A/D/A/D), Porsche 911 GT3 R, 145 Runden
39. Abbelen/Müller/Renauer/Preining (D/D/D/A), Porsche 911 GT3 R, 135 Runden
42. Dumas/Campbell/Müller/Jaminet) (F/AUS/D/F), Porsche 911 GT3 R, 134 Runden
126. Lietz/Makowiecki/Pilet/Tandy (A/F/F/GB), Porsche 911 GT3 R, 61 Runden

Porsche Klassensieger 24-Stunden-Rennen Nürburgring

Klasse SP9 Pro-Am:
Porsche 911 GT3 R #12 | Manthey Racing
Otto Klohs, Matteo Cairoli, Dennis Olsen, Lars Kern
Klasse AT:
Porsche 911 GT3 Cup #320 | Team Care for Climate
Thomas von Löwis of Menar, Daniel Schellhaas, Axel Duffner
Klasse Cup 3:
Porsche 718 Cayman GT4 Clubsport #310 | Team Mathol Racing
Marc Keilwerth, Marcos Adolfo Vazque, Rüdiger Schicht, Montana
Klasse SP6:
Porsche Cayman GT4 Clubsport #80 | Schmickler Performance
Achim Wawer, Michael Grassl, Ivan Jacoma, Claudius Karch
Klasse SP7:
Porsche 911 GT3 Cup #62 | Mühlner Motorsport
Mark J. Thomas, Sebastian von Gartzen, Moritz Kranz, Marcel Hoppe
Klasse V3T:
Porsche 718 Cayman S #718 | Ralf Zensen
Fabian Peitzmeier, Michael Küke, Edgar Salewsky
Klasse V5:
Porsche Cayman S #146 | FK Performance Motorsport
Fabian Finck, Fabio Grosse, Jens Moetfindt, Yann Munhowen
Klasse V6:
Porsche 911 Carrera#133 | Black Falcon
Christoph Hoffmann, Carsten Palluth, Tobias Wahl, Robert Woodside

Stimmen zum Porsche-Abschneiden beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring

Sebastian Golz (Projektleiter Porsche 911 GT3 R)
© Porsche
Sebastian Golz
Projektleiter Porsche 911 GT3 R
"Wir haben über 24 Stunden eine extrem gute Perfomance mit dem Porsche 911 GT3 R gezeigt. Ein starkes Team hat toll zusammengearbeitet und die Leistung auf den Punkt gebracht. Das Glück war aber nicht auf unserer Seite, und zwei kleine Fehler haben am Ende dazu geführt, dass wir den Sieg nicht holen konnten. Ein guter zweiter Platz und der Klassensieg in der Pro-Am – in Summe ein gutes Wochenende für Porsche."

Earl Bamber
Porsche 911 GT3 R #911
"Ich denke, wir hatten das beste Auto und die beste Crew in der Pitlane. Wir haben einen Fehler gemacht und der hat uns den Sieg gekostet. Wir standen 5:32 Minuten in der Box und haben mit einem Rückstand von gut 40 Sekunden verloren. Das zeigt deutlich, wie stark wir waren. Jeder von uns hätte den Fehler machen können, der zu dieser Strafe geführt hat. Es ist sehr schwierig, alle Slow-Zones und gelbe Flaggen zu sehen. Aber so ein Missgeschick spornt uns zusätzlich an, im nächstes Jahr kommen wir stärker zum Nürburgring zurück."

Kévin Estre
Porsche 911 GT3 R #911
"Wir haben das Rennen über einen langen Zeitraum deutlich angeführt und hatten ein sehr gutes Auto. Leider hat uns ein Fehler den Sieg gekostet. Am Nürburgring ist es nicht immer leicht, die Flaggensignale zu sehen, besonders nachts ist es ein herausforderndes Rennen. Wie gut wir waren, zeigt meine schnellste Rennrunde, die allerdings heute leider zweitrangig ist."

Michael Christensen
Porsche 911 GT3 R #911
"Das war ein verrücktes Rennen. In einem 24-Stunden-Rennen kann so viel passieren, aber die Fahrer, die Mannschaft, alle zusammen haben das toll hinbekommen. Unser Auto war perfekt vorbereitet, die Ingenieure und Mechaniker haben uns optimal unterstützt. Es war heute einfach nicht unser Tag."

Laurens Vanthoor von Manthey-Racing
© Porsche
Laurens Vanthoor
Porsche 911 GT3 R #911
"Wir haben im gesamten 24-Stunden-Rennen nur einen Fehler gemacht. Ich habe die gelbe Flagge nicht gesehen. Ich weiß nicht, warum mir das passiert ist. Ich habe die Szene noch vor Augen, aber selbst da habe ich sie nicht bemerkt. Leider hatte das schwerwiegenden Konsequenzen. Das Rennen war ansonsten perfekt – bis auf die übersehene Flagge."

Nicki Raeder
Manthey-Racing
"Das ist schwer zu verdauen. Irgendwie eine Duplizität der Ereignisse. In Le Mans lagen wir auch lange Zeit in Führung, ehe eine Strafe uns zurückwarf. Man muss jetzt aber über die erste Enttäuschung hinwegkommen, denn ein zweiter Platz bei diesem Traditionsrennen am Ring ist ein Wahnsinnsergebnis und sollte gefeiert werden. Besondern freue ich mich darüber, dass wir mit Otto Klohs und seinen Jungs die Pro-Am-Klasse gewinnen konnten. Auch darauf können wir stolz sein."

Sven Müller
Porsche 911 GT3 R #31
"Ich war in meiner Karriere im Motorsport noch nie so enttäuscht wie heute. Das ganze Team hat alles gegeben, das Auto war mega zu fahren, alle Boxenstopps waren perfekt. Wir hatten heute eine echte Chance auf den Sieg und dann stoppt uns ein Defekt, der die Folge eines Reifenschadens war. Einfach unfassbar."


Nachtrag

Manthey verliert zweiten Platz.
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