Porsche 356 B 1600 S

Tuning an der US-Westküste

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Die Fahrzeug-Kultur an der US-amerikanischen Westküste ist vielfältig, die Tuning-Szene groß. Die Modeströmung des „Cal Look“ für frühe Volkswagen wurde in Kalifornien erfunden, und vom Käfer bis zum Porsche 356 ist es nicht weit.
Porsche 356 B 1600 Super
© Maurice van den Tillaard

Es war auf einer Grillparty in Los Angeles, die Rene Astengo veranstaltete und die sich zu einem Autotreffen in der Einfahrt entwickelte. Rene entstammt einer authentischen Chicano-Familie, wie die Nachfahren mexikanischer Einwanderer in den USA genannt werden, und Autos sind ein Teil dieser Kultur. Zu den Besuchern in der Hofeinfahrt gehörten zwei Freunde mit ihren VW Käfer, die von Mitgliedern des Auto-Clubs „Kleine Panzer“ restauriert worden waren. Dabei handelt es sich um einen alten VW-Club, dessen Anfänge in den sechziger Jahren liegen und der vom Enthusiasmus seiner Mitglieder her mit der heutigen Porsche-911-R-Gruppe vergleichbar ist. Ein paar Minuten später tauchte ein wunderschöner 356 B auf. Wenig später machte ich Bekanntschaft mit seinem Besitzer Salvador Mendez, ein Liebhaber historischer Volkswagen-und Porsche-Modelle. Zu dieser Zeit gehörten ein VW Typ 3 von 1964, ein 356 A mit Schiebedach, ein 911 T von 1970, ein rarer 911 S von 1967 und ein Westfalia Camper, ebenfalls von 1967, zu seiner Sammlung. Zwischen all den Hot-Rods und sonstigen Umbauten sah sein 356 B ausnehmend gut aus.

Porsche 356 B 1600 Super
© Maurice van den Tillaard

Sal und Rene begannen vor vielen Jahren damit, alte VW im Stil des bekannten „Cal Look Style“ umzubauen. Eine glatte Optik mit so wenig Zierrat wie möglich, ein tiefergelegter Vorderwagen und leistungsstarke Motoren gehören zu den wichtigsten Zutaten dieser in Kalifornien geborenen Tuning-Bewegung. Zusammen mit weiteren Freunden implantierten sie große Boxer in ihre Käfer und donnerten damit die Boulevards entlang. Sals erstes Auto war ein VW Typ3 Kombi, aber seine große Leidenschaft waren Porsche. Schon bald, nachdem sein Kombi im Cal Look erstrahlte, entdeckte er seinen ersten 356. Damals war er 18 Jahre alt. Sal erinnert sich, dass er den Wagen für 2000 Dollar kaufte. Er war in keinem perfekten Zustand, dafür aber sehr zuverlässig. Die Werkstatt, die den Porsche zum Verkauf anbot, hatte einige Arbeiten daran durchgeführt, aber die Besitzerin holte ihn nicht mehr ab. Der Wagen verblieb als Pfand, und Sal konnte ihn auslösen.

EIN Porsche 356 ZUM RESTAURIEREN

Porsche 356 B 1600 Super

Motor: luftgekühlter Boxermotor Typ 616/2

Zylinder: 4

Bohrung x Hub: 82,5 x 74 mm

Hubraum: 1582 ccm

Leistung: 75 PS bei 5000/min

Drehmoment: 117 Nm bei 3700/min

Verdichtung: 8,5 : 1

Gemischaufbereitung: zwei Fallstromvergaser Zenith 32 NDIX

Kraftübertragung: Hinterradantrieb

Getriebe: Porsche-Vierganggetriebe Typ 741/0 A

Karosserie: Karosserie auf Stahlblech- Kastenrahmen

Fahrwerk: Einzelradaufhängung, Kurbellängslenker und querliegende Drehstabfedern mit Stabilisator (vorn), Pendelachse an Längslenkern und querliegende Drehstabfedern mit Stabilisator (hinten)

Bremsen: Trommeln

Radstand: 2100 mm

Spur: 1306 mm (vorn), 1272 mm (hinten)

L x B x H: 4010 x 1670 x 1330 mm

Räder/Reifen: 4,5 J x 15 mit 5,60-15 S bzw. 165-15 S

Leergewicht: 900 kg

Zul. Gesamtgewicht: 1250 kg

Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h

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Beschleunigung 0–100 km/h: 15 s

Bauzeit: 1959–1963

Stückzahl: 20.597 (Coupé)

Er erzählt, dass er ziemlich rostig und verbeult gewesen sei. Da er aber so gut lief, benutzte er ihn als Alltagsauto. Besser wäre es aber gewesen, ein gutes Exemplar zu finden, denn das wollte Sal eigentlich ... Sein Vorhaben war, einen Porsche 356 zu restaurieren. Einige Monate später begann er mit der Suche nach einer guten Basis für eine Restaurierung. Kurz darauf, Anfang der Neunziger, fand er den 356 B. Sal kaufte das Auto von einem Mann, der in der Nähe von Sierra Madre wohnte. Dieser besaß den Wagen seit über 20 Jahren und hatte entschieden, dass es Zeit für einen neuen wäre. Für 3000 Dollar wechselte der Porsche, Ende 1959 gebaut und seitdem unverändert, den Besitzer. Sal erfuhr vom Vorbesitzer, dass er das Auto in den späten sechziger Jahren von einem englischen Adeligen gekauft hatte, der ebenfalls in Sierra Madre lebte. Sal war nun der dritte Besitzer des Autos, und nach einigen Monaten harter Arbeit und sparsamen Lebenswandels konnte die lange Restaurierung beginnen. Er wusste genau, worauf er hinarbeitete. Ihm schwebte das Aussehen der Mulholland-Wagen aus den Sixties vor. „Kannst Du Dir vorstellen, wie Steve McQueen um Mitternacht den Mulholland-Boulevard hinunterjagte?“, fragte Sal. „Ich sah sie alle mit ihren aufgemotzten Speedstern und 356.“

Eines Tages stolperte Sal über einen Mann, der in einer Werkstatt, nur einen Block von Sals Garage entfernt, an einem der Wagen arbeitete. Damals wusste er noch nicht, mit wem er es zu tun hatte, aber bald erfuhr er, dass es sich um den 356-Guru Angelino Pino handelte. Er arbeitete seit über 30 Jahren an alten Porsche, und Sal fand heraus, dass dieser Mann regelmäßig Steve McQueens Wagen wartete. Pino ist ein wahrer Meister in Sachen Karosserie. Er führt die Blecharbeiten in so hoher Perfektion aus, dass keine Spachtelmasse erforderlich ist. Für Sal stand fest: „Das ist der richtige Mann für die Karosseriearbeiten an meinem Porsche 356.“ Allerdings würde es eine Stange Geld kosten, und Sal hatte nicht genug im Budget ... Aber sie einigten sich trotzdem. Angelino Pino bekam Sals alten 356 und führte im Gegenzug die Blecharbeiten an seinem neuen Auto aus. Sal erzählte: „Als ich den Wagen vom Lackierer zurückbekam, war er so perfekt, dass mir nichts anderes übrig blieb, als die Arbeiten auf dem gleichen Niveau fortzusetzen.“

Sals Porsche 356: Ein LOOK MIT RENNWAGEN-FLAIR

© Maurice van den Tillaard

1993 begann Sal mit den Arbeiten am Fahrwerk. Jede Komponente wurde zerlegt, sandgestrahlt, anschließend verchromt oder pulverbeschichtet. Die Substanz war so gut, dass fast jedes Teil aufgearbeitet werden konnte, auch der 1600-S-Motor. Alle Motorteile trugen die Jahreszahl 1959, und nur zwei Kolben mussten ersetzt werden. Am Ende benötigte er weitere sechs Jahre, um den Wagen nach den Karosseriearbeiten von Pino fertigzustellen. Das Äußere des Wagens wurde bis auf wenige Feinheiten, die das gewünschte Rennwagen-Flair erzeugen, im Originalzustand belassen. Die passenden Räder, seltene Stücke in 5,5 Zoll Breite und mit Zentralverschluss, bekam Sal durch Zufall. Eines Tages kam einer seiner 356-Freunde damit vorbei und fragte, ob er sie an Sals Wagen probehalber anbringen könnte.

© Maurice van den Tillaard

Vom Aussehen mit diesen montierten Rädern waren die beiden derart begeistert, dass Sal sie direkt kaufte. Die Scheinwerferabdeckungen fertigte Sals Cousin Louie Mendez jr., Inhaber einer Customizing-Firma in Los Angeles, und die hinteren Ausstellfenster wurden durch Blechteile mit Lüftungsöffnungen ersetzt. „Sie sind mit einer Gummidichtung versehen, und die originale Ausstellvorrichtung funktioniert immer noch. Die Lüftungsschlitze sind so ausgeführt, wie Porsche sie damals wohl gemacht hätte.“

Sal fährt seinen „Chicano-Porsche“ regelmäßig, und mit dem Ergebnis der Arbeiten ist er noch immer zufrieden. Der sorgfältig gewuchtete Kurbeltrieb sorge dafür, dass der Motor herrlich rund laufe, mehr als eine Serienauspuffanlage brauche er nicht zu seinem Glück. Obwohl ..., er habe ja noch den alten 911 T, der dringend einen neuen Look bräuchte.


Diese Story mit noch mehr Fotos finden Sie in Ausgabe 3-2017.
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