Kuwait – Yousef Fittiani

Porsche-Fans weltweit

Die Porsche-Welt ist klein und groß zugleich. Die Begeisterung reicht um den ganzen Globus, Fans gibt es in jedem Land der Erde. PORSCHE FAHRER stellt sie vor. Teil 5 führt uns in den Nahen Osten.
© Yousef Fitiani

Mein Name ist Yousef Fittiani, ich bin 47 Jahre alt. Nach meinem Studium in den USA habe ich lange in der von meinem Vater gegründeten Firma für Medizin-Technik in Kuwait gearbeitet, einem der größten Unternehmen dieser Art im Mittleren Osten. Nach dem Verkauf der Firma bin ich mit meiner Familie, mit meiner Ehefrau und meinen zwei Kindern, nach Jordanien gezogen. Die Einfuhrzölle sind sehr hoch, und Autos, die älter als fünf Jahre alt sind, dürfen nicht auf Dauer eingeführt werden. Das macht es mir leider schwer, meiner Leidenschaft für luftgekühlte Porsche nachzugehen.

Wie hat es angefangen? Vor über 40 Jahren war mein Vater oft geschäftlich in Deutschland, und ich hatte das Glück, ihn begleiten zu dürfen. Viele Geschäftsfreunde meines Vaters fuhren deutsche Autos. Einer dieser Freunde kam immer mit den neuesten Autos, und einer seiner Favoriten war der Porsche 911. Als ich sieben oder acht Jahre alt war, durfte ich einmal mitfahren. So erlebte ich das erste Mal einen 911 auf der Autobahn. Danach wollte ich immer mehr über Porsche wissen, es war der Beginn meiner Leidenschaft: Seit meiner Kindheit gab es für mich nichts anderes. Seit dieser Zeit wusste ich, dass diese einfache Form mich anzog. Ein Auto, das nicht angeben will, seine Konkurrenten an Leistung und Zuverlässigkeit jedoch übertrifft ‒ ein echter Sportwagen für den Alltag. Nichts zieht mich so an wie die typische Form eines 911. Ich habe immer geglaubt, dass der 911 das Synonym für Porsche ist, der Kern. Auch wenn es jetzt andere Versionen von Porsche-Fahrzeugen gibt, bleibt der 911 für mich der Kern der Marke.

© Yousef Fitiani

Warum Porsche? Der Name Porsche bedeutet für mich mehr als Autos. Er steht auch für die Community, in der ich mich seit vielen Jahren bewege, für die ganze Porsche-Experience, die ich seit vielen Jahren auf der ganzen Welt genieße, und die Menschen, die ich kennenlerne. Ob Rennstrecke oder Wintertraining in Finnland, mit Porsche kann man alles Mögliche erleben. Ich habe keine anderen automobilen Vorlieben. Mein erster Porsche war ein 944 S2 Cabrio, das ich Ende 1990 gekauft habe. Ich habe schon alle möglichen Arten von Elfern besessen: G-Modell-Typen, 964 und 993, heute sind es vor allem GT-Typen. Ich habe viel und lange in unserem Familienunternehmen gearbeitet, da blieb wenig Zeit für anderes. Deswegen bin ich auch kein Sammler-Junkie, der so viele Autos wie möglich haben will. Zu viele Autos machen zu viel Arbeit. Und ich bin sehr wählerisch! Ich habe nur einige Autos, doch die gehören zu den besten, zur Crème de la Crème. Für meine Autos habe ich hart gearbeitet, aber sie machen mir Freude, es ist ein Hobby, eine Passion. Andere investieren in Kunst, ich investiere in Porsche ‒ für mich sind sie ebenfalls Meisterwerke, die alten wie die neuen. Mal sehen, wie es mit dem Mission E weitergeht. Vielleicht ist das ein interessantes Auto für die Familie.

© Yousef Fitiani

Zu meiner Sammlung gehören vier GT-Modelle, ein Turbo S Cabrio und eine 550-Spyder-Replika. Der Turbo S vom Typ 996 ist von 2005 und hat eine spezielle Dachkonstruktion, die es mir erlaubt, den Wagen als Coupé, Targa oder Cabriolet zu fahren. Mein GT2 besitzt ein Club-Sport-Paket und alle möglichen Optionen von Porsche Exclusive. Ich hatte die Gelegenheit, einen GT2 CS auf dem Nürburgring zu fahren und zu erleben, wie sich dieses Auto bei hohen Geschwindigkeiten anfühlt, wie es über die Curbs geht und wie es sich lenkt ‒ mein eigenes Auto dafür mitzubringen, wäre viel zu kompliziert und teuer gewesen. Und leider gibt es in Kuwait keine Rennstrecke. Sowohl der GT3 als auch der GT3 RS gehören zur Baureihe 997, und der 550 Spyder sieht toll aus und macht einfach Spaß zu fahren. Jeder meiner Porsche hat seine ganz eigenen Charakteristika, jeder hat eine spezielle Bedeutung für mich. Mit jedem verbinde ich unterschiedliche Erinnerungen: wo und wie ich ihn gekauft habe, wann und wo ich damit gefahren bin. Fast alle sind modifiziert und alle haben Handschaltung; ich finde, ein Porsche muss ein Schaltgetriebe haben. Derzeit lasse ich ein 911 Cabrio von 1989 restaurieren, für den Umbau im Stil der achtziger Jahre habe ich bei dp-Motorsport in Deutschland extra Karosserieteile gekauft. Der Motor bleibt unverändert, aber das Fahrwerk wird optimiert. Oberstes Ziel ist es, Gewicht einzusparen.

Mein Favorit ist der Carrera GT. Als er neu war, habe ich mich gefragt, wer so verrückt ist, für ein Auto an die 500.000 Dollar zu bezahlen. Später habe ich mich dann selbst auf die Suche nach einem Auto gemacht. Ich war nervös und unsicher, weil ich ein Auto noch nie von einem Privatmann gekauft hatte, und wohl auch deshalb hat es eine Weile gedauert, bis ich den richtigen Carrera GT gefunden habe. Mein Auto gehörte zuvor einem bekannten Rennfahrer aus den Arabischen Emiraten. Es standen nur 4000 Kilometer auf der Uhr, und der Wagen war makellos und gepampert, wie mit der Zahnbürste gepflegt. Für mich ist der Carrera GT eines der bedeutendsten Autos der letzten 100 Jahre und ein Sinnbild für das Porsche-Denken, für die Porsche-eigene Obsession für Technik und Geschwindigkeit. Der Carrera GT stellt den Höhepunkt dieser ganzen Entwicklung dar. Motor, Keramik-Bremsen und Keramik-Kupplung sind ein Zeichen dafür. Als erstes Serienfahrzeug besaß er ein Monocoque aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Das Faszinierende am Carrera GT ist der Umstand, dass er eigentlich der Nachfolger des GT1, ein Le-Mans-Auto ist, das für die Straße weiterentwickelt wurde. Auch deswegen ist er seiner Zeit um Jahre voraus, und deswegen sagen wohl auch viele, dass das Auto gefährlich sei.

„FÜR MICH IST DER CARRERA GT EIN SINNBILD FÜR DAS PORSCHE-DENKEN.“

© Yousef Fitiani
Einen Carrera GT kann nicht jeder fahren, man braucht Erfahrung für den Umgang mit diesem Auto ‒ er ist eben ein Supersportwagen, auch wenn er schon mehr als 15 Jahre alt ist. Man muss weit draußen sein, allein, ohne andere Leute auf der Straße, und man muss lange Strecken fahren. Alle Porsche müssen gefahren werden, sonst gehen sie kaputt. Gelb ist genau die richtige Farbe für den Carrera GT! Porsche-GT-Modelle müssen auffällige Farben haben, finde ich. Viel kann man an einem Carrera GT nicht machen, aber ich habe einen großen Heckflügel montiert, die Felgen passend zur Wagenfarbe lackieren lassen und einen anderen Auspuff angebracht. Damit ist der Motorsound noch etwas heller und klingt mehr nach Formel-1-Fahrzeug. Das Einzige, was ich auszusetzen habe, ist, dass kein Hersteller einen Rennreifen oder Slick für den Carrera GT anbietet, mit dem man wirklich ernsthaft auf der Rennstrecke unterwegs sein kann. Ich versuche gerade, genug Interessenten zu finden, um solch ein Projekt mit einem Anbieter anzuschieben. Behalten will ich den Carrera GT auf jeden Fall. Ich bin nicht gierig, ich will keine 100.000 Dollar daran verdienen, ich will damit fahren. Ich träume davon, einen Rennwagen wie einen 904, 906, 910 oder 917 zu besitzen, doch das wird immer ein Traum bleiben. Aber ein 356 Speedster, ein möglichst spezielles, einzigartiges Exemplar, fehlt mir noch.

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