Kremer 997 K3R

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Siege in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft, Erfolge in der Gruppe C. Danach wurde es ruhig um Kremer Racing, fast herrschte Stille. Heute ist der Rennstall zurück – mit einer Hommage an die eigene Geschichte: 997 K3R.
Kremer 997 K3R Fahraufnahme
© Robb Pritchard

Der letzte große Triumph, der Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Daytona im Jahr 1995, wurde ausgiebig gefeiert, denn eigentlich hatte niemand an eine Chance geglaubt. Doch dieser Erfolg hatte nicht mehr den Stellenwert wie früher, danach herrschte Stillstand.

Erwin Kremer verstarb 2006, und die kleine Werkstatt, ehemals ein großer Rennstall (siehe Ausgabe 1-2021), der sich die letzten Jahre mit Wartung und Umbau von Serienmodellen über Wasser gehalten hatte, stand kurz vor der Schließung. Erwins jüngerer Bruder Manfred Kremer hatte sich in Spanien zur Ruhe gesetzt und war nicht sonderlich daran interessiert, nach Deutschland zurückzukehren und das Unternehmen weiterzuführen. Erwin Kremer hinterließ auch kein Testament, sodass zwischen seiner Frau und seinem Bruder Unklarheit darüber herrschte, wem was von den Hinterlassenschaften gehörte.

Auftritt Eberhard Baunach, langjähriger Porsche-Enthusiast und Rennfahrer auf der Suche nach einem individuellen Fahrersitz für seinen 996 Turbo. Die Firma dp Motorsport wurde ihm als die beste Adresse empfohlen, wenn es um maßgeschneiderte Formteile für einen Porsche ging. Aber trotz der Erinnerungsstücke an den Wänden hatte Baunach bei seinem ersten Besuch keine Ahnung, dass sein leise sprechender Gesprächspartner Ekkehard Zimmermann war, der Formgeber der eigens entworfenen Karosserien der Kremer-K-Modelle.
Als er das erkannte, änderten sich schnell die Gesprächsthemen. Zimmermann erwähnte, dass Bob Wolleks K2 935 mit der einprägsamen Vaillant-Lackierung aus der DRM von 1977 zum Verkauf stand. An dieses Auto aus mseiner Kindheit konnte sich Eberhard Baunach gut erinnern, und obwohl es viel teurer war, als er dachte, konnte er nicht widerstehen. Und so begann sein Engagement bei Kremer Racing ...

Kremer 997 K3R
© Robb Pritchard

Baunach begann nachzuforschen, was aus diesem einstmals großen Namen geworden war, und fand heraus, dass Erwins Ehefrau lange Zeit eingelagerte Rennwagen und Teile, die letzten Vermögenswerte des Unternehmens, weit unter Marktwert verkaufte. Er beschloss, bei Kremer Racing zu investieren, und zwar auf lange Sicht: „Geld um des Geldes willen zu verdienen, interessiert mich nicht“, gesteht er lächelnd. „Und den Namen wiederaufzubauen, hat mich richtig motiviert. Also kaufte ich Kremer Racing.“

RETTUNG KURZ VOR SCHLUSS

Am Anfang standen ein wenig juristische Arbeit und Behördengänge, wie zum Beispiel die Registrierung des Namens und des Logos als Marke, was die Brüder nie getan hatten. Einer der ersten von ihm veranlassten Schritte war die Wiedereinstellung von Walter Heuser, einem Ingenieur und Mechaniker, der seit Beginn der siebziger Jahre an jedem Auto gearbeitet hatte. Dann folgte die Neuorientierung, so Baunach: „Ein Unternehmen kann nicht nur in der Vergangenheit leben, daher war mir in geschäftlicher Hinsicht bewusst, dass wir auch für wassergekühlte Porsche ein Name sein mussten.“ Ein exklusives Auto, ein moderner Supersportwagen sollte den einstigen Glanz in die Neuzeit transportieren. „Ein Wagen mit der Silhouette der Gruppe 5 auf einer modernen Basis.“
Das Ergebnis heißt Kremer 997 K3R, die Mixtur eines allradgetriebenen 997 Turbo von heute unter dem riesigen Spoilerwerk im Look von gestern. Seine Abstammung kann bis zum K1 zurückverfolgt werden, der den Werks-Martini-Porsche bei der Marken-Weltmeisterschaft das Siegen richtig schwer machte.

Kremer 997 K3R Innenraum
© Robb Pritchard

Um die Verbindung von Kremer Racing zu dp Motorsport lebendig zu halten, wurde die Geschichte bei diesem Projekt wiederholt. Mit der Herstellung der Karosserie wurde Zimspeed betraut – und dahinter steht Holger Zimmermann, der Sohn von Ekkehard. „Holger hat ein gutes Händchen und wie sein Vater das angeborene Gespür für das Material, die Konturen und die Proportionen. Ich hätte auch nicht gewollt, dass jemand anderes dieses Projekt übernimmt.“ Aber es dauerte!

„Der Kremer 997 K3R IST EIN ECHTER KREMER-PORSCHE UND WÜRDE IMMER NOCH IN DAS REGLEMENT DER GRUPPE 5 PASSEN.“

Das Projekt brauchte Jahre an Design- und Technikentwicklung, um auf den heutigen Stand zu kommen. „Ich hatte keine Ahnung, dass es so kompliziert werden würde. Wir mussten uns überlegen, wie die einzelnen Teile integriert werden sollten, etwa die Aluminium-Sicherheitsstoßstange hinter der neuen Nase, die Klimaanlage und die Luftführung zum Ladeluftkühler, die Gestaltung des Hecks. Und selbst einfache Dinge, von denen man es nicht gedacht hätte, erforderten viel Arbeit – so wie der Scheibenwaschwasserbehälter, der viermal neu positioniert werden musste.“ Das Entwicklungsteam wurde wegen der Scheinwerfer, die ursprünglich wie beim K3 eingelassen waren, vom TÜV mehr als einmal an das Zeichenbrett zurückgeschickt.

Kremer 997 K3R Front
© Robb Pritchard

„Der Kremer 997 K3R ist ein echter Kremer-Porsche, und ich bin mehr als stolz darauf, dass ich ihn auch so nennen darf. Es ist auch ein ehrlicher Porsche, denn er würde immer noch in das Reglement der Gruppe 5 passen“, so Eberhard Baunach. „Sicher wird der wassergekühlte Motor den Mythos der letzten luftgekühlten Triebwerke nicht erreichen, aber er ist immer noch ein Sechszylinder-Boxer und wird als der letzte Mezger-Motor in die Geschichte eingehen. Und ich denke, das ist perfekt für ein solches Retro-Klassiker-Konzept.“


Lesen Sie den kompletten Bericht mit weiteren Bildern in Ausgabe 2-2021.
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