Elferspot – Markus Klimesch

Aus Ausgabe 1-2020

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Wenn sich alles im Internet finden lässt und für jedes Ding ein Verkaufsportal existiert – warum gibt es dann eigentlich keinen zentralen Marktplatz für klassische und junge Porsche?
Elferspot Markus Klimesch
© Andreas Beyer

Die Antwort auf die an sich im Stillen gerichtete Frage hat sich Markus Klimesch selbst gegeben. Am 9.11.2017 um 9:11 Uhr, mit symbolkräftigem Marketing kennt sich Klimesch aus, ging elferspot.com online. Entdecken, sehen ‒ von beidem steckt etwas im englischen Verb to spot. Heute, zwei Jahre später, ist die Plattform tatsächlich der größte internationale Porsche-Marktplatz in der großen digitalen Welt da draußen. Online natürlich, aber mit handfesten, ganz analog gefühlten Vorteilen: Die Masse an Fahrzeugen findet sich an einem Ort, der Vergleich fällt leicht.

© Andreas Beyer

„Bei uns gibt es nur 356, 911, Transaxle- und Mittelmotorautos“, sagt Markus Klimesch. „Keine Cayenne, keine Panamera, keine Macan. Gute Autos, aber unser Fokus liegt auf Porsche-Sportwagen.“ Aktueller Stand der gelisteten Autos: etwas mehr als 2600 Stück aus 21 Ländern bis hin zum aktuellen 992. Da sollte für jeden Geschmack etwas Passendes dabei sein.

Seinen ersten klassischen 911 Targa kaufte sich Markus Klimesch (42) vor zehn Jahren, da war er noch in seinem ersten Berufsleben unterwegs, managte Profifußballer in einer internationalen Agentur. „Ein spannender und herausfordernder Job und für jeden Fußballfan bestimmt das Tollste, was man sich so vorstellen kann. Aber am Ende geht es immer nur um Geld, um sehr viel Geld. Ein beinhartes Ellbogengeschäft ‒ den Spaß am Fußball kann einem das auch verderben.“

DER FOKUS von Elferspot LIEGT AUF DEN SPORTWAGEN

Aus dem Spielerberater-Geschäft im XL-Format wechselte Markus Klimesch in die kleine Start-up-Branche, bezog ein kompaktes Büro in der alten Tabakfabrik in Linz an der Donau. Die Programmierleistung liefert eine Agentur, Lebenspartnerin Susanne und Cousin Lukas arbeiten ebenfalls beim Elferspot, „wir sind also ein echtes Familienunternehmen“, berichtet Klimesch lachend.

Online-Marktplätze für Automobile sind keine neue Erfindung, natürlich nicht. In Deutschland bündeln die großen, allgemeingültigen Auto-Marktplätze wie Mobile, Autoscout24 oder eBay die Kräfte, in Frankreich ist es leboincoin, in den USA finden Liebhaber klassischer Autos bei Hemmings oder bringatrailer ihr Fahrzeug. „Bei uns gibt es ausschließlich Porsche-Sportwagen aus aller Welt, das macht den Unterschied aus und bietet den Mehrwert für Enthusiasten“, weiß Klimesch.

Elferspot Markus Klimesch
© Andreas Beyer

Die Geschäftsidee dahinter ist so simpel wie einleuchtend: Privatleute und Händler präsentieren gegen eine Gebühr ihre Offerte auf der Elferspot-Website, ein typisches Anzeigengeschäft. Die Zahl der Klicks und Anfragen liefert ein Feedback, wie viele Besucher sich für das Angebot interessieren. „Unsere Aufgabe ist es, möglichst viele Porsche-interessierte Menschen für unsere Plattform zu begeistern. So erreichen unsere Kunden die gewünschte Zielgruppe direkt ohne Streuverlust. Ein großer Vorteil der Spezialisierung auf Porsche“, so Klimesch.

ALLE WOLLEN NUR DAS EINE

© Andreas Beyer
Fachsimplen: Markus Klimesch im Gespräch mit Chefredakteur Jan-Henrik Muche

Die große Zahl an Fahrzeugen, der direkte Vergleich und die weltweite Reichweite von Elferspot machen das Angebot für Kaufinteressenten attraktiv. Wer seinen alten 996 in der lokalen Tageszeitung inseriert, wird wohl länger warten müssen, bis sich ein Käufer findet – hier wollen ja alle nur das eine, nur Porsche.

„Noch machen Händler-Fahrzeuge 95 Prozent des Angebots aus, aber der Anteil der Privatleute, die ihr Fahrzeug inserieren, steigt stetig.“ Im viralen Geschäft hilft es, dass sich Markus Klimesch nicht verbiegen muss, um seine Porsche-Plattform Elferspot bekannt zu machen. Ein 911 2.7 Targa steht bereit, und im Alltag fährt der Österreicher seit 2016 einen 911 SC von 1977 im auffälligen Petrolblau-Metallic, dessen kontrastreiche beige-braune Innenausstattung und zeitgenössischer Clarion-Stereoturm in der Mittelkonsole die Online-Gemeinde begeistern. „Das Handy-Video, wie ich mit dem SC den Berg hochfahre, wurde 160.000 Mal abgespielt“, sagt Markus Klimesch und wundert sich selbst ein bisschen.

Als Werbeträger bei Facebook und Instagram ist derzeit wohl kein besseres Auto vorstellbar, und besagte Social-Media-Kanäle spielen in der Vermarktung bei Elferspot eine sehr wichtige Rolle. „Wir erreichen damit pro Monat drei Millionen Menschen.“

Die größten Märkte seien die USA und Deutschland. Der Elfer mache den Großteil des Angebots aus, beschreibt Markus Klimesch, aber es seien nicht mehr die luftgekühlten 911, welche die größte Resonanz erhielten. „Wahrnehmung und Wirklichkeit liegen da auseinander. Der 993 ist bei uns am stärksten vertreten, aber am häufigsten angeklickt werden die Typen 996 und 997. Das liegt sicher auch daran, dass diese Typen günstiger gehandelt werden als die klassischen Elfer.“

Porsche 911 SC
© Andreas Beyer

BACKDATE IST auch bei Elferspot GROSSES THEMA

Ein anderes großes Thema: moderne 911-Typen auf alt getrimmt, in der Szene als Backdate oder Modified, zurückdatiert oder schlichtweg verändert, bezeichnet. ((Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserer Ausgabe 2-2020)) Meist seien es 964 mit modifizierter Technik im Look alter F-Modelle. „Kann man mögen oder nicht, aber solche Autos sind gerade schwer angesagt. Da spielt sicherlich der Umstand mit rein, dass sich viele zwar für alte Porsche begeistern können, aber die originale Technik als zu unkomfortabel, anstrengend oder untermotorisiert empfinden.“ Ein Portal, das den Fokus auf einen kleinen Markt wie den für Porsche-Sportwagen legt, liefert seismografische Ergebnisse. Für jedes Modell ließe sich ein Profil erstellen, die Anzahl der Klicks, der Besucher-Traffic und die Resonanz der Händler nach einem Verkauf ergeben ein recht klares Bild.

„Der 928 hat einen kleinen, aber treuen Kundenkreis, während das Interesse am 944 immer weiterwächst. Da sind viele Leute im richtigen Alter unterwegs, die den 944 noch aus ihrer Jugend kennen und sich heute ohne Vorurteile dafür begeistern können. Und ein 944 ist im Gegensatz zu vielen 911 immer noch bezahlbar“, resümiert Klimesch. Er selbst gehört dazu: „Ich hätte am liebsten einen späten 944 Turbo, aber das Projekt muss noch warten.“ Es gibt genug zu entdecken.

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