Cayenne S Coupé

Mode-Erscheinung

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Die schwer im Trend liegende Coupé-Version des großen Porsche-SUV kommt spät, die Konkurrenz von BMW, Mercedes-Benz und Audi hat einen klaren Vorsprung. Zwischen Basismodell, E-Hybrid und den gewaltigen Turbo und Turbo S E-Hybrid ist das Cayenne S Coupé so etwas wie der Klassiker im neuen Look.
Cayenne Coupe
© Roman Rätzke

DAS IST Es

Lange hat Porsche gezögert, eigentlich unverständlich. Mit sportlichen Coupés kennt sich die Firma ja nun wirklich aus. Seit Mitte des letzten Jahres stellt Porsche dem Cayenne – einige Kunden werden sich denken: endlich – eine Coupé-Version des großen SUV zur Seite. Das passt in die Zeit. Fast ein Drittel der Neuzulassungen in Deutschland 2019 waren SUV, erstmals wurden in den ersten elf Monaten des Jahres mehr als eine Million Neufahrzeuge dieses Segments zugelassen.

Mit dem Gedanken, einen Geländewagen in sportlicher Silhouette zu fahren, tun sich Traditionalisten, Starrachsen-erprobte Offroad-Fahrer und gewohnheitsmäßige Nutzer von Anhängerkupplungen noch immer schwer. Trotzdem, der Erfolg gibt den Herstellern recht: Neben dem SUV-Coupé-Erfinder BMW, dessen X6 mittlerweile in dritter Generation und seit über zehn Jahren am Markt ist, drängen auch Mercedes GLE Coupé und Audi Q8 in die lukrative Nische. Mit den viel Platz bietenden und Dynamik signalisierenden SUV-Coupés lässt sich noch einmal mehr Geld verdienen.
Das gilt auch für das Cayenne S Coupé, den letzten Neuzugang der Porsche-SUV-Baureihe. Ein Cayenne S steht mit 94.183 Euro in der Preisliste, das Coupé kostet mit einem Basispreis von 99.657 Euro über 5000 Euro mehr.

Cayenne S Coupe
© Roman Rätzke

Inzwischen ist die Modellpalette komplett, zu jedem Cayenne gibt es ein Cayenne Coupé. Den Anfang macht die Einstiegsversion mit 3,0-Liter-V6-Turbo und 340 PS zum Preis von 83.711 Euro. Darauf folgt beim Preis, aber nicht bei der Leistung die E-Hybrid-Version mit 462 PS. Über dem S Coupé liegt das 550 PS starke Cayenne Turbo Coupé mit 4,0-Liter-V8-Biturbo, und die Spitze markiert der Cayenne Turbo S E-Hybrid mit 680 PS Systemleistung. Mit 178.293 Euro ist er mehr als doppelt so teuer wie das kleinste Modell!

Das Cayenne S Coupé mit seinem 440 PS starken V6-Biturbo liegt mittendrin. Der 2,9-Liter-Motor wird so auch im Macan Turbo, dem neuen Topmodell der kleineren SUV-Baureihe, verbaut. Durch die geänderte, 20 mm niedrigere Dachlinie und das scheinbar kompaktere Auftreten, tatsächlich baut das Heck durch geänderte Türen und Kotflügel 18 mm breiter, sieht das Cayenne Coupé aus dem einen oder anderen Blickwinkel dem Macan ähnlicher als dem konventionellen Cayenne-Schwestermodell.

Ab Werk sind neben dem Sport-Chrono-Paket unter anderem die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung Plus, 20-Zoll-Leichtmetallräder, der Park-Assistent vorn und hinten inklusive Rückfahrkamera (ein absolutes Muss wegen der konsequent verbauten Sicht nach hinten!), das Porsche Active Suspension Management (PASM) und ein 2,16 Quadratmeter großes Panorama-Festglasdach an Bord. Ebenfalls serienmäßig: die Einzelsitzanlage in der zweiten Reihe, die das Cayenne S Coupé zum großzügigen Viersitzer macht. Für Dach und Rücksitzbank gibt es alternative Lösungen. Das Coupé kann mit einem über 20 Kilogramm leichter bauenden Carbon-Dach und normaler dreisitziger Sitzbank geordert werden – letzteres kostet noch nicht einmal Aufpreis.

© Roman Rätzke

DAS KANN das Porsche Cayenne Coupé

Es geht um viel Platz, viel Leistung und um Komfort. Warum als ein Coupé in dieser Größe kaufen, wenn dabei Platz verloren geht? Vermutlich, weil die Firma zahlt und Crossover dieser Art en vogue sind. Privatleute werden eher zum herkömmlichen Cayenne greifen. Aber das Coupé, vor allem in der S-Version mit furios aufspielendem V6-Biturbo, aufs Aussehen zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht. Beeindruckender als die Güte der Materialien und die lange Liste der Extras sind Fahrleistungen und Handlichkeit. In nur 5,0 Sekunden pusten die 440 PS das Zwei-Tonnen-SUV-Coupé auf Tempo 100, die Spitze liegt über 260 km/h. Alles kann, nichts muss. Mit der serienmäßigen 8-Gang-Tiptronic findet das Coupé beim sanften Dahinrollen schnell den ökonomischsten Gang und legt auch bei aufpreispflichtig aufgezogenen, großen 22-Zoll-RS Spyder-Design-Rädern ausreichend Watte über schlechte Straßen und quer laufende Schienen. Schalter auf Sport, Fuß aufs Gas – ähnlich gekonnt und harmonisch zaubern adaptive Luftfederung, Wankstabilisierung und Hinterachslenkung ein straffes, sicheres und unendlich leicht anfühlendes Fahrverhalten hervor. Lob an die Ingenieure und die Steuerungs-Software! Selbst bei einem Preis von rund 7000 Euro für alle drei Fahrwerks-Assistenz-Systeme ist das Ergebnis beeindruckend und scheint gut investiert.

Die Gewinnspannen in dieser Wagenklasse sind üppig, vieles, was Spaß oder Sinn macht, kostet. Vom 90-Liter-Tank (119 Euro) über den Park-Assistenten inkl. Surround View, also computergenerierter Luftaufnahme (737 Euro) bis zum Nachtsicht-Assistenten (2213 Euro) und zur Feinstaub einsparenden PSCB-Bremsanlage mit Wolframcarbid-Beschichtung auf den Bremsscheiben und weiß lackierten Bremssätteln (2975 Euro). Bei einem Basispreis von etwas über 99.000 Euro stehen am Ende 156.000 Euro auf der Rechnung! Schluck.
Mit einem Durchschnittsverbrauch von 12,0 Litern Super Plus benötigte das S Coupé auf einer Distanz von 1000 Kilometern übrigens genauso viel Sprit wie der 100 PS schwächere, weniger souverän agierende Cayenne V6.

© Roman Rätzke

DAS KANN das Porsche Cayenne Coupé NICHT

Die Eleganz eines echten Coupés geht dem großen Viertürer naturgemäß ab, daran ändern auch die mit mehr Tempo abfallende Dachlinie und der fest stehende Dachspoiler nichts. Bei einem massigen, hoch liegenden Karosseriekörper mit abgesenktem Dach geraten die Proportionen eben durcheinander – auch die Konkurrenz löst diesen gestalterischen Spagat nicht besser. Weil alle Gestalter damit zu kämpfen haben, wirken die Autos im SUV-Coupé-Segment vor allem in der Seitenansicht verwechselbar und von hinten betrachtet schwerfällig. Zu viel Heck bei zu wenig Dach!

Ladevolumen und Flexibilität leiden im Vergleich zum normalen Cayenne. Um genug Kopffreiheit auf der Rückbank zu schaffen, wurde diese 30 mm tiefer installiert und die verschiebbare Rückbank gestrichen. Die Neigung der Rückenlehne lässt sich jedoch weiterhin verstellen, was es den Insassen bequemer und den Kofferraum eine Spur flexibler macht, ohne gleich Sitze umlegen zu müssen. Während im Cayenne laut Porsche 770 bzw. 1740 Liter Platz finden, passen in die Coupé-Version nur 625 bzw. 1540 Liter. Da ist ein Macan mit 500 Litern Kofferrauminhalt nicht mehr weit entfernt.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die schlechte Übersicht trotz erhöhter Sitzposition. Front und Heck entziehen sich den Blicken, Einparken und vor allem Rückwärtsfahren sind ohne Unterstützung von Kameras mühsam bis unmöglich. Lästig!

Cayenne S Coupe
© Roman Rätzke

Fazit

Etwas weniger Ladekapazität für etwas mehr sportliche Linie – so sieht sie aus, die Soll-und-Haben-Seite des Cayenne Coupé. Natürlich ist der normale Cayenne praktischer als die neue SUV-Spielart mit ihrem leicht eingeschränkten Nutzwert, aber für lange Offroad-Touren sind beide ja ohnehin nicht gedacht. Hier geht es vor allem ums Aussehen, also um den persönlichen Geschmack. Der etwas höhere Preis wird unter Dienstwagen-Fahrern keinen großen Eindruck hinterlassen. Abseits aller Moden beeindruckt das Cayenne Coupé mit Handlichkeit, Dynamik und in der Fülle seiner Ausstattungen mit Luxus und hochwertiger Machart. Aber macht ein SUV-Coupé überhaupt Sinn? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten.


Diesen Bericht mit weiteren Fotos finden Sie in Ausgabe 2-2020.
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