Zu Huschke von Hansteins 100. Geburtstag

Renn-Baron in Porsche-Diensten

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Am 3. Januar 2011 wäre Fritz „Huschke“ von Hanstein 100 Jahre alt geworden. Von 1952 bis 1968 prägte Hanstein als Pressechef, Rennleiter und Rennfahrer das Image der damals noch kleinen Firma. Dann überwarf er sich mit Ferdinand Piech, der zu dieser Zeit als Ingenieur in der Technik-Abteilung Karriere machte und die Entwicklung neuer Rennwagen vorantrieb. Hanstein pflegte einen anderen Stil als Piech. Seine oft etwas schlitzorige Art, mit der er dem Unternehmen gelungene PR-Auftritte mit kleinem Budget ermöglichte, und das Auftreten des eher kühlen, disziplinierten Technikers Piech passten nicht zusammen.

© Porsche
Von Hanstein 1955 in einem 550 Spyder.
„Aus der abenteuerlustigen, von Rennen zu Rennen improvisierenden Mannschaft des damaligen Rennleiters und langjährigen Seelentrösters von Ferry Porsche, Huschke von Hanstein, schweißte Piech in kurzer Zeit ein militärisch straff organisiertes Team zusammen“, schrieb die Zeitschrift Capital in ihrer Ausgabe 4/1969. Und traf damit die Art und Weise gut, wie von Hanstein seit seinem Eintritt ins Unternehmen im Jahr 1952 agiert hatte – und wohl auch agieren musste. Man darf nicht vergessen: Vom Porsche 356 baute das Werk insgesamt weniger als 74.000 Exemplare und brauchte dafür rund 18 Jahre, eine Zahl, die Porsche heute mit seiner Modellpalette in etwas mehr als elf Monaten erreicht. So etwas wie einen großen Etat besaß die kleine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit nicht.

© Porsche
Von Hanstein war einige Zeit auch für die PR zum Porsche 914 verantwortlich.
Nach dem Abschied aus der Rennabteilung sollte von Hanstein Sonderaufgaben für Ferry Porsche wahrnehmen, hieß es für Öffentlichkeit relativ überraschend in einer Pressemitteilung vom November 1968. Doch von Hanstein übernahm die Öffentlichkeitsarbeit für die neue VW-Porsche-Vertriebsgesellschaft in Ludwigsburg, die den neuen 914 unter das Volk bringen sollte. Dort der Absatz erfüllte nicht die Erwartungen, so das 1971 seine Tätigkeit dort endete und er danach nur noch für einige Zeit mit einem Beratervertrag an Porsche gebunden war.

Von Hanstein übernahm anschließend repräsentative Aufgaben für Porsche und machte Karriere als Sportfunktionär. Als Sportpräsident des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Präsident der Obersten Nationalen Sportkommission (ONS) und als Vizepräsident des Internationalen Automobilsport-Verbandes (FISA) repräsentierte er weltweit den deutschen Motorsport. Er gehörte zu den Leuten, die die Formel Super Vau populär machten.

Erste Rennen auf dem Motorrad

In Halle als Sohn eines adligen Großunternehmers geboren, wurde Huschke von Hanstein nach seinem Abitur zu einem erfolgreichen Rennfahrer der Vorkriegszeit. Noch während seiner kaufmännischen Lehre in Hamburg bestritt er 1929 sein erstes Motorrad-Rennen bei der ADAC-Reise-Tempo-Fahrt. Seine Langstreckenfahrten setzte er in den nächsten Jahren auf Motorrädern von FN, Ardie, BSA und Norton fort. Bald darauf stieg er auf vier Räder um und war als Werksfahrer bei Hanomag, Adler und BMW bei Langstrecken-, Berg- und Rundstreckenrennen in ganz Europa erfolgreich. Ab 1936 nahm er bereits regelmäßig an dem legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil und wurde zwei Jahre später auf BMW Deutscher Bergmeister. Einen grandiosen Erfolg feierte von Hanstein 1940 beim Ersatzrennen der Mille Miglia, als er das Deutsche Nationalteam auf einem BMW 328 zum Gesamtsieg führte.

Nach dem Krieg setzte er zunächst seine Motorsportaktivitäten mit Eigenbau-VW-Sportwagen fort, bevor er durch Vermittlung des ehemaligen Auto-Union-Rennleiters Dr. Feuereisen 1950 mit Porsche in Kontakt kam. Im September 1951 gehörte er bereits zur Porsche Rennfahrer-Equipe, die in Montlhéry 17 Weltrekorde einfuhr. Ein Jahr nach dem „Abenteuer von Montlhéry“ wurde Huschke von Hanstein in Personalunion Rennleiter und PR-Chef bei Porsche. In den folgenden fünfziger und sechziger Jahren prägte der Freiherr maßgeblich den sportlichen Stil des noch jungen Hauses Porsche mit. Als Rennleiter und Fahrer bestritt er nicht nur europäische Veranstaltungen wie Le Mans, Targa Florio, Giro di Sicilia sowie den Langstreckenklassiker Lüttich-Rom-Lüttich, sondern steigerte weltweit den Bekanntheitsgrad des jungen Unternehmens Porsche durch Rennauftritte in den USA, Mexiko, Venezuela und auf den Bahamas.

© Porsche
Von Hanstein mit Jo Siffert (links) bei einem seiner letzten Einsätze als Rennleiter im Jahr 1968.
Weltmännisches Auftreten und Eleganz gepaart mit rhetorischer Gewandtheit und Vielsprachigkeit verschafften Huschke von Hanstein großes Ansehen in der Automobilwelt. Zusammen mit seiner Ehefrau Ursula galt er als perfekter Gastgeber, der in seinem Haus am Stuttgarter Kräherwald legendäre Abende ausrichtete. Als Markenbotschafter vertrat er die Marke Porsche nicht nur gegenüber den internationalen Medien, sondern war auch bei unzähligen internationalen Porsche-Clubtreffen ein geschätzter Gast.

Als hoher Sportfunktionär blieb Huschke von Hanstein dem Unternehmen Porsche auch nach seinem Ausscheiden bis zu seinem Lebensende eng verbunden. Er verstarb am 5. März 1996 und fand seine letzte Ruhe neben seinem Vater Carlo von Hanstein auf dem Friedhof in Wahlhausen. Als eine Hommage an den berühmten Mitarbeiter zeigt das Porsche-Museum in der ständigen Ausstellung einen ehemaligen Dienstwagen Huschke von Hansteins. Das dunkelgrüne Porsche 356 A 1600 S Coupé mit creme-farbenem Interieur zeugt noch heute vom guten Geschmack des legendären „Renn-Barons“.

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