Portugal – Pedro Oliveira

Porsche-Fans weltweit

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Die Porsche-Welt ist klein und groß zugleich. Die Begeisterung reicht um den ganzen Globus, Fans gibt es in jedem Land der Erde. PORSCHE FAHRER stellt sie vor. Heute führt uns die Reise nach Portugal.
Porsche 944 Turbo
© Pedro Oliveira

Mein Name ist Pedro Miguel Oliveira, ich komme aus Portugal und bin 39 Jahre alt. Ich bin Designer und arbeite derzeit in der Forschung & Entwicklung. Ich liebe alles rund um Design, Musik, Fotografie, alte Mountainbikes - und natürlich Motorsport und Autos.
Ich mag Autos, alle Autos. Entweder wegen ihres historischen Hintergrunds, wegen des Designs, der Entwicklungsprozesse oder - natürlich - ihrer Rennsportgeschichte. Mein Respekt gilt allen Modellen, gleichermaßen für einen wunderbaren 911 2.7 RS als auch für einen Audi A2 aus Aluminium mit einem guten Design. Obwohl ich es nicht mehr in der Regelmäßigkeit mache wie früher, liebe ich die Verbindung aus Fotografie und Rennautos. Ich kann mich jedes Mal fast schon kindlich freuen, wenn ich einen tollen Schnappschuss eines Autos hinbekomme, das mir gefällt.
Ich fühle mich sehr wohl, wenn ich ein paar Stunden mit Autos verbringen kann, um kleinere Arbeiten und Anpassungen vorzunehmen. Wann immer ich mich wirklich an etwas herantraue, was ich noch nie getan habe, empfinde ich das als meinen eigenen kleinen Sieg. Es ist meine Art von Yoga.
Aber es geht natürlich nichts über das Fahren des richtigen Autos auf der Straße oder einer Rennstrecke. Das ist es, was ich am Liebsten tue!

Wie hat es angefangen und warum Porsche?

© Pedro Oliveira
Mein Vater und mein Bruder haben Autos immer schon geliebt. Für sie war es das Größte, wenn sie Sonntagmittags das Formel 1-Rennen während des Mittagessens gucken konnten. Aber für mich war das nichts. Ich habe lieber Zeit draußen verbracht, habe mein Mountainbike gefahren oder sowas anstatt Formel 1 zu schauen. Ich habe Motorsport einfach nicht so sehr gemocht.
Aber dann hat sich einiges getan. Der erste “halbe Klick”, sag ich mal, war, als mir eine 1:18-Miniatur eines Ferrari (ja, Ferrai!) 348 tb angeboten wurde. Ich glaube, dass ich da 15 Jahre alt war damals. Ich habe mich total in diese Miniatur verliebt, fand dieses Auto einfach perfekt und – das muss ich zugeben – ich habe immer wieder mal überlegt, ob er nicht was für mich wäre.
Noch heute hat dieses Auto eine besondere Anziehung auf mich, auch wenn ich weiß, dass es auf keinen Fall das beste Auto der Welt ist. Aber genau deshalb, wegen dieses Wissens, habe ich glaube ich nie versucht, wirklich eins zu kaufen. Nicht mal, als sie wesentlich billiger waren als sie es jetzt sind.
Der letzte Stoß in Richtung Porsche und Autos kam dann viel später, da war ich 20 im Jahr 2000. In einer portugiesischen Fachzeitschrift habe ich damals das womöglich erste Review zum 996 Turbo gelesen. Der Artikel hat mich so in seinen Bann gezogen, weil er auch so gut geschrieben war, dass es mich voll in das Universum aus Benzin und Geschwindigkeit eingesogen hat. Das war magisch. Ab dem Moment habe ich dann alles, aber wirklich alles, mitgenommen, was ich an Fachzeitungen oder Events in der Nähe kriegen konnte.
Mit 23 bin ich durch das ERASMUS-Programms (ein Förderprogramm für Studierende innerhalb der Europäischen Union, Anm. d. Red.) nach Dortmund gekommen und habe dort studiert. Die Zeit habe ich aber auch genutzt, um alle möglichen Porschezentren zu besuchen, Ausstellungen habe ich besucht, Messen, Events und natürlich Stuttgart, das Mekka. Es war das erste Mal, dass ich die Stadt gesehen und das Museum mit dem Areal drumherum erlebt habe, ich war im siebten Himmel. Nach diesem Erlebnis bin ich dann komplett dem “Porsche-Virus” erlegen mit allem, was dazu gehört.
© Pedro Oliveira
Ich habe jedes Rennen besucht, was ich finden konnte. Ich liebe alles, was die Geschwindigkeit so mit sich bringt: die Ästhetik, Geräusche, Gerüche und die Fotografie. Ganz nebenbei kann ich es mir nicht vorstellen, dass Rennen ohne Fotografie und umgekehrt stattfinden. Mit Porsche habe ich mich dann durch Bücher, Filme und Foren nochmal mehr befasst. 2007 habe ich fast (und die Betonung liegt auf fast) einen 70er 911 aus den USA importiert. Sie waren damals viel günstiger als die europäischen Modelle zu der Zeit und die Importzölle und Auflagen auf klassische Autos waren nicht so erschwerend wie sie heutzutage in Portugal sind. Am Ende war es dann so, dass der Deal nicht durchgegangen ist, obwohl alles vorbereitet war.
Kurz darauf habe ich dann einen 1994er Audi Porsche RS2 im Internet gesehen, der mir schon immer gut gefallen hat, von dem ich aber nie dachte, dass ich jemals genau dieses Auto haben würde. Der Impuls war dann zu stark, das Auto habe ich dann irgendwann echt gekauft. Es war jetzt nicht das, was wir einen “Standard”-Porsche nennen, aber er hat seine verdiente Daseinsberechtigung und macht sich gut. Als ich den dann hatte, habe ich auch endlich mal Trackdays besuchen können, um noch ein besseres Verständnis für die Begebenheiten, die Besonderheiten und Vorgaben zu Erlangen und lernte bei diesen Events und Erlebnissen auch jede Menge dazu.
Das Auto hat sich gut verhalten auf der Strecke und konnte sogar mit anderen, neueren Modellen mithalten, die nicht das Momentum hatten, um mich ans Limit zu pushen. Es war definitive ein schöner Wagen mit einer interessanten Backstory, aber hat nicht genug Spaß gemacht. Wie das dann so ist, habe ich mich nach einem anderen Auto umgeschaut. Es konnte wegen meiner ruhig weniger Power haben, das war mir egal, aber es musste ein besseres Chassis und ein gutes Handling und Feedback haben, das war oberste Priorität.

© Pedro Oliveira
Nachdem ich mir fast (hier wieder dieses Wörtchen “fast”) einen 911 SC mit Renntuning und dann fast einen 964 Carrera 2, die alle viel günstiger waren als sie es heute sind, gekauft habe, wurde es am Ende ein 944 Turbo aus dem Jahr 1986. Ich hätte nicht zufriedener mit der Entscheidung sein können. So langsam wurde mir klar, dass sich mein Geschmack für Autos verändert hatte. Das, was ich von mir selbst wollte, hatte sich auch geändert. Zuerst dachte ich, ein Sammler von Kultautos zu sein, ein kleines Museum zu haben, das wäre was, aber dann hat es sich doch rausgestellt, dass die schnellen Autos mit guter Straßenlage und Commitment eher mein Ding waren. Ich konnte auch der 80er-Jahre Popästhetik des 944 nicht widerstehen, das kam noch hinzu. Den RS2 habe ich dann verkauft und mich voll auf den 944 Turbo konzentriert, was Porsche angeht.
In der Zwischenzeit habe ich noch ein 1998er BMW M Coupé als Impulskauf dazugeholt. Auch wieder so ein Auto, wovon ich niemals wirklich geträumt habe, aber auch hier ist es einfach so passiert. Ganz interessant finde ich ja, dass der 944 genauso viel Spaß macht auf der Strecke und genauso schnell ist wie das M Coupé, obwohl das 100 PS mehr hat und zehn Jahre jünger ist. Fakt ist, Porsche-Produkte sind einfach das Maß aller Dinge!
© Pedro Oliveira
Bei Trackdays ist der 944 für viele Leute immer wieder eine Überraschung. Ich wurde jetzt schon mehrmals von Fahrern anderer Autos angesprochen, dass ihnen der Wagen, der oft als “arme Leute-Porsche” abgestempelt wird, absolut positiv aufgefallen ist. 2018 war ich dann wieder im Porsche-Museum und habe da den roten 968 CS als Ausstellungsstück gesehen. Just da habe ich mich dann entschieden, das Angebot eines Freundes zu nutzen, der einen roten 944 Turbo aus dem Jahr 1989 verkauft hat, anzunehmen – am selben Tag natürlich! Komisch? Nicht für mich! In Portugal gibt es nicht viele 968 CS, wenn überhaupt einen, die zum Verkauf stehen. Ganz davon ab hat der 944 Turbo mehr Potenzial als Rennauto, also habe ich entschlossen, dass ich eine Mischung aus beiden Varianten nehme: CS und Turbo.
Die Idee dahinter war, den roten Turbo so nah wie möglich an das CS-Konzept heranzuführen, sei es von der Ästhetik oder dem Gewicht her. Um das hinzubekommen, habe ich die Felgen und die Rückseiten der Recaro Schalensitze rot lackiert wie das Chassis, dabei aber kleinere Komponenten entfernt. Das Ganze habe ich versucht in einer einfachen Herangehsweise so zu machen, dass ich das Original nicht ruiniere.
© Pedro Oliveira
Die Leidenschaft für die Marke Porsche ist schon groß. Ich bewundere alle Modelle aus den verschiedenen Zeiträumen auf ihre Weise. Porsche hat diese unübliche Fähigkeit es zu schaffen, dass selbst unauffällige Modelle über die Zeit ein gewisses Charisma Erlangen. Porsche hat, bis heute, zwei Persönlichkeiten – einmal als Rennauto und als Auto für jeden Tag. Andere Hersteller haben das auch, klar, aber keiner macht es wie Porsche. Es gibt eine Art verbauter und verlässlicher Qualität, die nur Porsche so hat und sie zu einer besonderen Marke macht.
Dann gibts da natürlich die ganz eigene Porsche-Ästhetik, die die Marke herausstechen lässt und mit der man sie auch verbindet. Es gibt genug Beispiele, die mich begeistert haben: die Poster von Erich Strenger, Anatole Lapines verrücktes rosa Schweinchen-Design bis hin zum radikaleren 928. Dann war da Tony Hatter und sein 993, Helmuth Botts 959, alle Werke von Harm Lagaay und natürlich die ganze Geschichte Porsche/Piëch – Porsche war immer etwas Besonderes!
Heute ist die Marke natürlich vollkommen erwachsen geworden, aber wie bei allen großen Unternehmen sieht man auch, dass die Ecken abgeschliffen worden sind und alles etwas seriöser wirkt. Manchmal, das muss ich zugeben, finde ich das wirklich sehr schade.

Audi Porsche RS2
© Pedro Oliveira

Welche Autos hast du (oder hattest du)?
Trotz meiner Leidenschaft für Porsche waren die ersten Autos, die ich hatte, alte BMWs. Die konnte man sich besser leisten, waren aber trotzdem sehr verlässlich, hatten ein gutes Design und haben Spaß gemacht.
Von meinem ersten Gehalt habe ich mir einen sehr bescheidenen, aber wirklich sauberen 1982er BMW 315 geleistet, den ich bis heute besitze. Danach einen 1974er BMW 2002, gefolgt von einem gelifteten 1974er 2002 tii. In der Zwischenzeit habe ich einen Audi Porsche RS2 gekauft, mit dem meine Geschichte mit der Marke Porsche dann endgültig begonnen hat. Später kam ein 944 Turbo aus 1986, dann ein Z3 M Coupe von 1998 und letztendlich, vor knapp einem Jahr, ein weiterer 1989er 944 Turbo.

Aktuell fahre ich den 944 Turbo von 1989 und das Z3 M Coupé. Leider, es macht ja auch keinen Sinn zwei Mal das gleiche Auto zu besitzen, habe ich vor einigen Wochen meinen ersten Porsche, den 1986er 944 Turbo, verkauft.

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