Porsches erster Sieg in Le Mans 1970

Die Materialschlacht

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Im Rückblick verschwimmt vieles: Alle sprechen heute nur noch vom Sieg der Nr. 23 mit Hans Herrmann und Richard Attwood auf einem Porsche 917. 1970 sollte das Jahr des ersten Gesamtsieges für Porsche werden. Dabei geht unter, was für ein verrücktes Rennen es tatsächlich war, was sich Ferrari und Porsche für eine Materialschlacht im strömenden Regen lieferten.
© Porsche

Porsche wollte den Sieg in Le Mans 1970 mit aller Macht. In den zwei Jahren zuvor war man bereits auf Platz 2 gelandet, einmal dabei nur um wenige Meter geschlagen (Link zum ersten Text einfügen). Dazu fuhr man eine Armada von Porsche 917 auf, gegen die das groß angelegte Programm von Ford mit seinem GT40 in den Jahren zuvor bescheiden wirkte. Ferrari war noch stärker vertreten.

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Die Italiener brachten vier ihrer neuen 512 S als Werksteam an den Start, dazu kamen sieben weitere, privat eingesetzte Fahrzeuge. Damit wollte man den Porsche 917 in Schach halten, der 1969 das Rennen 21 Stunden lang überlegen angeführt hatte, bevor er ausfiel. Auch Porsche hatte aufgerüstet und die Mannschaft von John Wyer als Werksteam verpflichtet. In der Sportwagenweltmeisterschaft fuhren die blauen Wagen mit dem orangen Streifen 1970 von Sieg zu Sieg. Wyer hatte auch die aerodynamischen Probleme des 917 in den Griff bekommen. Er ließ am Heck Aluminium-Leisten montieren, die dem Wagen mehr Stabilität gaben.

Mit drei Fahrzeugen ging Wyer an den Start, dazu kamen ein Langheck-917 von Martini Racing und ein Team von Louise Piech, der Tochter von Ferdinand Porsche, die über ihre Salzburger Porsche Holding ebenfalls einen 917 Langheck mit neuem 4,9-Liter-Motor und einen 917 Kurzheck mit 4,5-Liter-Motor nach Le Mans brachte.

Sechs Porsche 917 gegen elf Ferrari 512 S. Die Italiener sollte es hart treffen: Schon nach weniger als zwei der 24 Stunden hatte sich das Feld stark gelichtet. Ein Ferrari 512 S eines Privatteams fuhr wegen einer ölverschmierten Frontscheibe langsam Richtung Boxen. Das übersahen zwei 512 S in schneller Fahrt und krachten in das Auto, ein weiterer Ferrari 512 S überdrehte seinen Motor beim Abbremsen. Mit einem Schlag waren vier Fahrzeuge aus dem Rennen. Zu der Zeit war schon ein Werks-Porsche 917 wegen technischer Probleme ausgeschieden, ein weiterer Werks-Porsche 917 hatte einen Unfall gehabt, ein weiterer Werks-Ferrari einen Motorschaden.

© Porsche

Der führende Werks-917, der letzte Wagen aus dem Wyer-Team, schied noch am Samstag aus, Jo Siffert hatte den Motor überdreht. In der Nacht hatte Vorjahressieger Jacky Ickx auf seinem Ferrari 512 S an zweiter Stelle liegend einen schweren Unfall, bei dem ein Streckenposten getötet wurde.

Das Team von Louise Piech war etwas unerwartet in Le Mans erschienen – und rettete am Ende das Rennen für Porsche. Zwar fiel der von den Österreichern eingesetzte Langheck-Porsche mit dem 4,9 Liter-Motor in Führung liegend in der 18. Rennstunde mit Motorproblemen aus. Plötzlich lag ein Wagen vorne, den zu Beginn des Rennens niemand auf der Rechnung hatte: die Nr. 23 mit Hans Herrmann und Richard Attwood. Aber Attwood und Herrmann kämpften am Ende des Rennens mehr gegen den Regen und damit, den Porsche 917 auf der Strecke zu halten, als gegen die Konkurrenten. Sie hatten rund 15 Minuten Vorsprung auf den nächsten Verfolger.

Am Ende siegten sie mit fünf Runden Vorsprung vor Gérard Larrousse und Willi Kauhsen auf dem Langheck-Martini-917. Für Herrmann war es der 14. Le-Mans-Start gewesen, erstmals war er 1953 auf einem Porsche 550 dabei gewesen. Er beendete seine fast 20-jährige Karriere als Rennfahrer mit diesem Erfolg. Der starke Regen hatte das 24-Stunden noch einmal härter gemacht. Es gab viele Ausfälle. Am Ende erreichten ganze sieben Autos das Ziel in Wertung, vier weniger, als Porsche und Ferrari allein an Spitzenwagen an den Start gebracht hatten.

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