Peter Fischer tauschte ein altes Laptop gegen einen Porsche 924

Blau, schnell und billig

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Dieser Porsche darf ganz anders sein als seine beiden Kollegen in der Garage. Der schwarze 356 A aus dem Jahr 1959 ist ein ungeschweißtes USA-Auto und steht edel da, der 911 L ein verkappter Rennwagen und wirkt kaum weniger fein. „Ich mag eigentlich die nicht so perfekten Autos lieber“, sagt Peter Fischer. So gesehen nimmt sein dritter Porsche, ein 924, eine ganz besondere Rolle ein. PORSCHE FAHRER war beim ersten Roll-Out eines Fahrzeugs dabei, das eigentlich schon abgeschrieben war und ging der Frage nach, wie viel Fahrspaß man bekommt für ein gebrauchtes Laptop als Startkapital für ein ungewöhnliches Auto-Projekt.

© Tobias Kindermann
Er darf für den Kauf kein Geld in die Hand nehmen, das war die Vorgabe vom Familienrat – und Peter Fischer hielt sich daran. „Ich wollte einfach einen Transaxle haben“, sagt er. Einen Porsche 924 besaß Fischer schon einmal. 2007 kaufte er ein sehr gut erhaltenes Exemplar aus zweiter Hand von einem Apotheker in Stuttgart. „Braun-metallic, unter 70.000 Kilometer Laufleistung, scheckheft-gepflegt, aber mit Wartungsstau. Den muss man nehmen, die sind im Kommen“, erinnert er sich. Beim Preis von 2700 Euro verstummte auch seine Frau, die den Frontmotor-Porsches nicht so viel abgewinnen kann. Ein Unfall (jemand fuhr ihm ins Heck) beendete die Liaison. Als Peter Fischer sich nun, Jahre später,  nach einem möglichen Nachfolger umsah, stieß er auf inzwischen doppelt so hohe Preise, „und darunter viele Grotten“.  Also suchte er am anderen Ende – den erkennbar ganz schlechten Wagen. Und dieser Ansatz wurde zum Leitfaden für das ganze Projekt: Der Wagen sollte nichts kosten – und der Aufwand ihm zum Laufen zu bringen sich in Grenzen halten.

Comeback für einen Teileträger

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Dieser Porsche darf auch im Matsch spielen.
Ein besseres Exemplar für sein Vorhaben als der Wagen, der nun in seiner Garage steht, hätte er kaum finden können: Der Porsche 924 aus dem Baujahr 1979 stand bei einem Bekannten in Ebersdorf bei Coburg. Der hatte den Wagen in lindgrün-metallic vor Jahren gekauft um ihn selber zu fahren. Dann stand die Erwerbung doch nur herum, am Ende fing er an, ihn auszuschlachten. So fehlten bereits einige Teile, als Peter Fischer neuer Besitzer wurde („das Laptop hatte vielleicht noch einen Wert von 200 Euro“). Kilometerleistung: Unbekannt – der Tacho war verkauft worden. Aber Austauschmotor soll erst um die 30.000 Kilometer gelaufen sein. „Ich fand noch das Verkaufsschild vom Vorvorbesitzer im Auto.“

Neben allen Instrumenten fehlten auch die Schieberegler für die Heizung und die elektrischen Fensterheber. Im Kaufpreis enthalten waren auch eine Menge Beulen und eine Reihe anderer optischer Mängel: Der Stoff im Innenraum auf den Sitzen trägt das Pascha-Muster in seltenem Beige – und selten verwohnt. Bei der Übernahme hingen die Kabel wüst aus dem Armaturenbrett. Und die Außenspiegel fehlten auch. Immerhin hatte der Wagen so etwas wie Prominenz unter den Fahrern vorzuweisen: „Einer der Vorbesitzer ist jetzt Bürgermeister in einer Gemeinde in der Region.“

Günstiges Teilepuzzle

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Peter Fischer am Steuer seines alten, neuen Autos.
Doch die Technik war komplett und ließ sich mit überschaubarem Aufwand zum Leben erwecken. Die Bremsen überholte Peter Fischer, dazu kam der Wechsel aller Flüssigkeiten sowie Filter, neue Kappe und Läufer für den Zündverteiler, Zündkerzen, Zahn- und Keilriemen – alles in Eigenregie. Bei den überschaubaren Preisen beim 924 seien so etwa 100 Euro zusammengekommen, der Einkauf der Fehlteile war mit 250 Euro erledigt, ein Satz neuwertiger Winterreifen auf Felgen von einem Audi 100 war für 50 Euro zu haben. Kaum mehr kostete die optische Verwandlung des Autos: Drei Löcher schweißen, 15 Euro für den Lack (günstig im Restpostenmarkt erworben), 40 Euro für die Aufkleber. Zunächst dachte er an Mattschwarz, dann gab er aber doch der Farbkombination der Gulf-Porsche den Vorzug. „Ich habe sogar kurz überlegt, ans Heck noch einen 917-Schriftzug zu kleben“, lacht er. Die Farbe trug er mit der Rolle auf. Dazu kamen Nachbauten der Talbot-Spiegel, wie sie bei alten Porsche-Rennfahrzeugen wie dem 904 zu finden sind. „Die lagen bei mir noch im Regal.“

Unser Rennwagen, so nennt sein Sohn Johannes (4) seitdem den Porsche 924. Einen Bezug zum Rennsport gibt es tatsächlich, wenn auch nur einen aufgeklebten: „Die Pirelli-Schriftzüge stammen von VW Motorsport aus der Zeit, als man dort noch mit dem VW Golf II Rallye gefahren ist“, sagt er. Besorgt hat die historischen Schriftzüge sein Schwager Thomas Peter, der bei VW arbeitet.  „Die Kinder haben den größten Spaß am Wagen, denn meine Tochter und mein Sohn dürfen darin herumklettern wie so wollen.“

Viel Spaß für wenig Einsatz

© Tobias Kindermann
Kleine Nebenstrecken sollen auch künftig sein Revier sein.
Zehn Stunden Zeit, überschlägt er, würden in dem Projekt bisher stecken: „Der Wagen soll nicht nur nichts kosten, er soll auch keine Arbeit machen.“ Am längsten habe es gedauert, die Scheibenwischer auszubauen und zu prüfen: „Das war im Werkstatthandbuch von Haynes nicht richtig beschrieben.“ Technisch gesehen sei der Wagen sogar besser als das gut erhaltene Sammlerstück, das er 2007 gekauft habe. Mit Blick auf das geplante Einsatzgebiet sollen sich auch die weiteren Arbeiten in Grenzen halten. Peter Fischer will den 924 als Winterauto einsetzen, für Fahrten zum Kindergarten („ich habe schon überlegt, auf den Rücksitzen Vier-Punkt-Gurte einzubauen“), als Spaßauto für Fahren auf verschneiten Nebenstraßen – und als Rennwagen. Aber das nur im Eispokal Oberfranken (http://www.eispokal-oberfranken.de/).

Dafür könnten noch paar günstige Schalensitze in den Wagen kommen – mehr aber wohl nicht. „Kein Schiebedach, 5-Gang-Getriebe, die optionalen Stabis vorne und hinten – eigentlich hat der Wagen ja schon eine RS-Ausstattung“, lacht er. Viele Verkleidungsteile im Innenraum seien ohnehin so leicht, dass es vom Gewicht her kaum lohne sie auszuwechseln. „Wenn man alles so lässt wie es ist, erfüllt es seine Funktion auch.“ Für den Eispokal sei die ausgewogene Gewichtsverteilung ideal: „Ein Käfer schiebt zu sehr, ein BMW E30 braucht viel Ballast hinten.“

Erste Schritte in der Käfer-Szene

Mit dem 924-Projekt schließt sich auch ein Kreis: Mit dem Auto-Schrauben begann der 35-jährige Softwareentwickler aus Zeyern bei Kronach im Jahr 2000. Downhill-Fahren mit dem Mountainbike ist eines seiner Hobbies – er war dabei gestürzt und hatte sich den Oberschenkelhals gebrochen. Damit war erstmal Pause mit Radfahren. Aber sein Fahrradhändler hatte für diese Zeit eine andere Beschäftigung zu bieten. „Bei ihm standen zwei alte Käfer herum, einer aus dem Jahr 1974, dazu ein Mexico-Käfer von 1981. Ich bekam sie für zusammen 500 Mark. So sahen sie aber auch aus. Aus den zwei Fahrzeugen habe ich dann eines zusammengebaut. Vorher habe ich nur an Fahrrädern etwas gemacht.“ Der 924 führte ihn so zurück zu seinen Schrauber-Anfängen.

Fünf Käfer, ein Karmann Ghia Typ 14 mit 2,0-Liter-Motor und 150 PS, rechnet Fischer die Autos aus seiner ersten Phase zusammen. Mit dem Karmann wollten er und seine Frau einmal bei der Carrera Panamericana starten. Dann kam 2003 der Hauskauf in Zeyern dazwischen (ein altes Bauernhaus, das um 1750 gebaut wurde) und die Wagen wurden verkauft.

Zwei weitere Porsche in der Garage

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Der erste Driftversuch gelang auch ohne Probleme.
Zur Hochzeit 2005 kam wieder ein Oldtimer ins Haus – der schwarze Porsche 356 A aus dem Jahr 1959. Wenn man will eine Art Vernunftkauf: „Wir wollten in einem Speedster heiraten, doch bekamen keinen geliehen. Also habe das Coupé gekauft.“ Der 1,6-Liter-Motor wurde von ihm überholt und einer Tuningaktion unterzogen, die mit 120 PS endete und einer teuren Erkenntnis: „Der Porsche-Motor bietet nicht die Reserven des Käfers. Die Maschine hielt nicht lange.“ Nachdem im Auslieferungszustand ein 60 PS-Dame-Triebwerk eingebaut war, treibt den Wagen heute ein 75-PS-Motor aus dem Jahr 1959 an.

Auch der zweite Porsche, der silberne 911 L, ist praktisch ein Familienauto. „Meine Frau hat sich immer einen 911 mit goldener Schrift auf dem Heckdeckel gewünscht.“ Er kam vor etwa fünf Jahren ins Haus, als sie mit dem ersten Kind schwanger war. Und entsprechend umgebaut steht er nun im Wartestand für die Panamericana-Aktion, die beide noch nicht aufgegeben haben.

Anspruchslos und ehrlich

© Tobias Kindermann
Kann man Fahrspaß am Gesicht ablesen? Peter Fischer am Ende der Probefahrt.
So gesehen darf sich der 924 in dieser Runde als echtes Männerauto fühlen. Von der Frau eher wenig geliebt, mit einer schrägen Farbkombination versehen, die aber irgendwie doch wieder zu dem Wagen passt, anspruchslos, weil sich übertriebene Pflege bei dem Zustand nicht lohnt. Bei seinem ersten Rollout in die neue Freiheit als Spaß- und Winterauto schlug er sich gut. Das etwas müde Benzinpumpenrelais sorgte zwar für leichte Startschwierigkeiten, aber der Motor lief sofort sauber, mechanisch leise und rund („mit mehr Druck als mein erster 924“). Die Scheibenwischer arbeiten noch etwas träge und irgendwann blieb der Kontaktschalter für die Rückfahrscheinwerfer hängen, so dass sie auf Dauerleuchten schalteten.

Aber die Botschaft stimmt: Spaß ist nicht mit Geld aufzuwiegen. Und falls böse Zeitgenossen Peter Fischer diesen Erfolg nicht gönnen wollen: Der 924 besitzt eine originale Alarmanlage, die den Traum vom Fahren mit wenig Geldeinsatz gegen unbefugte Benutzung schützt.

Porsche 924 Gulf-Edition

Motor: gesund

Fahrleistungen: schnell genug für den Einsatzzweck

Gewicht: leicht

Preis: glaubt einem eh keiner

Fazit: Unbezahlbares Einzelstück

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