Panamera GTS

Desert Storm

Es gibt noch Hoffnung. Der Panamera für alle, die lieber einen Elfer fahren würden, ist zurück. Der neue GTS will Sportfahrer ins Sportlimousinen-Lager locken, überzeugt am Ende aber vor allem durch seine Ausgewogenheit.

© Porsche
Es gibt noch Hoffnung. Der Panamera für alle, die lieber einen Elfer fahren würden, ist zurück. Der neue GTS will Sportfahrer ins Sportlimousinen-Lager locken, überzeugt am Ende aber vor allem durch seine Ausgewogenheit.
Die logische und emotional sinnvolle Ergänzung der Panamera-Palette. Deren Einstiegsmodell ist der 90.655 Euro teure Panamera mit 330 PS starkem V6-Motor und Heckantrieb. Das Ende der Fahnenstange markiert der Turbo S E-Hybrid, der es auf 680 PS Systemleistung aus Turbobenziner und Batterie bringt und als lange Executive-Version rund 100.000 Euro mehr kostet als die günstigste Ausführung.

In die große Lücke zwischen dem Panamera 4S mit V6-Triebwerk und 440 PS und dem Turbo mit V8-Biturbo und 550 PS schiebt sich jetzt die neue GTS-Variante, die sowohl als Limousine als auch in der Sport-Turismo-Version angeboten wird. Allradantrieb und PDK sind bei beiden Pflicht, ein GTS mit Heckantrieb oder Schaltgetriebe ist nicht zu bekommen.

Ebenfalls serienmäßig ist ein um 10 mm tiefergelegtes Fahrwerk, das mit einer Dreikammer-Luftfederung arbeitet. Sportauspuff, 20-Zoll-Räder und eine Bremsanlage mit größeren Scheiben, vorn beträgt der Durchmesser 390 mm, hinten 365 mm, sind ebenfalls im Preis inbegriffen. Der typische GTS-Look, der alle Porsche-Varianten mit dem Sport-Kürzel ausmacht, kommt durch mattschwarze Bauteile und viel vornehm-griffiges Alcantara im Cockpit zustande – das Sport-Design-Paket gehört ebenfalls ab Werk zur Ausstattung.

Bei der Leistung ist der 460 PS starke GTS dem S näher als dem Turbo, bei der Motor-Hardware ist es andersrum: Im GTS arbeitet der gleiche V8-Biturbo mit 4,0 Litern Hubraum, hier allerdings zahmer abgestimmt. Das maximale Drehmoment liegt bei 620 Nm, den Durchschnittsverbrauch gibt Porsche mit 10,3 bzw. 10,6 Litern pro 100 Kilometer an. Preislich liegt die neue Panamera-Variante genau in der Mitte der beiden bekannten Modelle: Ein 4S kostet 115.050 Euro, der Turbo schlägt mit 157.652 Euro zu Buche und der GTS kommt auf einen Preis von 138.493 Euro (Sport Turismo: 141.349 Euro).

Das kann er

© Porsche
Schnell fahren. Und gut aussehen. Vor allem dann, wenn grelles „Mambagrün-Metallic“ im Kontrast zu schwarzen Anbauteilen wie Front und Heckschürze, Auspuffblenden oder Seitenschweller steht – das berühmte „Viperngrün“ der siebziger Jahre lässt grüßen. Die schwarzen Applikationen betonen den Sport, weniger die Limousine; in Verbindung mit dem schönen Sport Turismo, der im Fond einen mittigen fünften Notsitz offeriert, kommt das GTS-Gen noch besser zum Tragen.

Innen ist alles schwarz oder eloxiert. Alcantara ist beim Dachhimmel, am beheizbaren Sportlenkrad und in Kombination mit Leder an Sitzen serienmäßig. In Verbindung mit Aluminium-Blenden erinnert das tatsächlich ein wenig an alte 911-Modelle. Wird gegen Aufpreis das Interieur-Paket GTS bestellt, findet sich das Kürzel auch eingestickt in den Kopfstützen und sorgen kontraststarke Gurte und Nähte in Karminrot oder Kreide für etwas Farbe im Innenraum. Neu bei Porsche, aber im Automobilbau spätestens seit der Vorstellung der Corvette C5 vor 20 Jahren ein alter Hut: das ab Werk installierte Head-up-Display.

[...]

Das kann er nicht

Panamera GTS

Motor: wassergekühlter 32V-dohc-V-Motor,
VarioCam Plus mit adaptiver Zylindersteuerung, Nockenwellen-Verstellung Ein- und Auslass-Seite, Zylinderabschaltung

Zylinder: 8

Bohrung x Hub: 86,0 x 86,0 mm

Hubraum: 3996 cm3

Leistung: 338 kW (460 PS) bei 6000/min

Drehmoment: 620 Nm bei 1800‒4500/min

Verdichtung: 10,1 : 1

Gemischaufbereitung: Benzin-Direkteinspritzung

Kraftübertragung: Allradantrieb mit elektr. geregelter
Lamellenkupplung (PTM)

Getriebe: Achtgang-PDK

Karosserie: selbsttragend, vollverzinkt

Fahrwerk/Lenkung: Einzelradaufhängung rundum, adaptive Luftfederung mit Dreikammer-Luftfedern und Porsche Active Suspension Management (PASM); elektromechanische Servolenkung,
optional Hinterachslenkung (HAL)

Bremsen: Sechskolben-Alubremssättel (vorn),
Vierkolben-Alubremssättel (hinten),
innenbelüftete Bremsscheiben
(390 x 38 mm vorn, 365 x 28 mm hinten)

Radstand: 2950 mm

Spur: 1657 mm (vorn), 1639 mm (hinten)

L x B x H: 5053 x 1937 x 1417 mm
(Höhe Sport Turismo: 1422 mm)

Räder/Reifen: 9,5 J x 20 mit 275/40 ZR 20 (vorn), 11,5 J x 20 mit 315/35 ZR 20 (hinten)

Leergewicht: 1995 kg (Sport Turismo: 2025 kg)

Zul. Gesamtgewicht: 2585 kg
(Sport Turismo: 2700 kg)

Höchstgeschwindigkeit: 292 km/h
(Sport Turismo: 289 km/h)

Beschleunigung 0‒100 km/h: 4,1 s

Tankinhalt: 90 l

Durchschnittsverbrauch: 10,3 l SP
(Sport Turismo: 10,6 l)

Preis: 138.493 Euro (Sport Turismo: 141.349 Euro)

Sich bei der Leistung so deutlich von der schwächeren S-Variante absetzen, wie er es optisch vollbringt. Und wie es sich viele Kunden vielleicht wünschen würden. Das Zeug dazu hätte der GTS, es wäre mehr drin, aber Porsche stapelt tief. Obwohl der Vierliter-V8 im Turbo 550 PS leistet, muss sich der mit dem gleichen Motor ausgerüstete GTS mit eher verhaltenen 460 PS begnügen – das sind nur 20 PS mehr als im S. Schon um den Abstand deutlicher zu machen und das in der Modellbezeichnung angelegte Thema Sport stärker zu betonen, klängen 480 oder sogar 500 PS einfach besser und würden dem GTS gut zu Gesicht stehen.

[...]

Fazit

Wenn Porsche eine Rennstrecke wie den Formel-1-Kurs in Bahrain als Ort für eine Modellvorstellung wählt, wird es ernst. Schnell ist der Panamera GTS, und für ein Fünfmeterauto überragend agil und handlich. Die Faszination des Vorgängers mit hochdrehendem 4,8-Liter-Saugmotor erreicht der aufgeladene Nachfolger bei aller Perfektion aber nicht. Seine tatsächliche Stärke liegt in der stimmigen Kombination von Leistung, Antrieb und Ausstattung – vieles, was im teuren Panamera Turbo steckt, gibt es beim GTS für 20.000 Euro weniger. Der GTS ist nicht so vernünftig und zurückhaltend wie die V6-Basisversion, technisch überladen und empfindlich kostenintensiv wie der E-Hybrid oder ultrastark wie ein 550-PS-Turbo. Damit erfüllt er treffend das Bild einer Sportlimousine aus Zuffenhausen und ist von allen Panamera am meisten Porsche.

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