Matt Farah und seine Lösung für den Stadtverkehr

Safari auf dem Sunset Boulevard

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Als er von New York an die amerikanische Westküste zog, stellte der YouTube-Star und weltbekannte Autojournalist Matt Farah fest, dass seine täglichen Fahrten durch LA eher wie eine Expedition auf ländlichen Pfaden als ein gewöhnlicher Arbeitsweg durch die Stadt anmuteten. Aber auf Porsche-Fahren wollte er dennoch nicht verzichten.
Safari 911
© Larry Chen

Nur sein Pick-up konnte die monströsen Fahrbahnübergänge auf der Interstate 405, die aufgebrochenen Straßen im Zentrum von Venice Beach und die zahlreichen Unebenheiten auf den Straßen meistern.

„Wir sind gesegnet mit Orten wie dem Angeles National Forest und den Malibu Canyons, zwei der großartigsten Orte der Welt, um einen Sportwagen zu fahren, aber die Stadt selbst ist ein Albtraum“, erklärt Farah. „Die Infrastruktur ist marode, Straßen werden nur oberflächlich erneuert, die Fahrbahnübergänge auf dem Freeway sind der Albtraum jedes Sportwagenfahrers und für eine so weitläufige Stadt wie LA ist es immer furchtbar voll auf den Straßen. Für niedrige, moderne Sportwagen ist diese Stadt eine echte Herausforderung.“

Aus diesem Grund war sein Pick-up mit Baja-Fahrwerk und riesigen Reifenflanken seine „Rettung“, wie er sagt. Trotzdem sind Trucks im Baja-Stil zwar schön zu fahren, aber letztendlich doch zu unhandlich für enge Innenstädte, selbst im autofreundlichen LA. Wie konnte also die Lösung aussehen? Für Farah war die Antwort klar: „Ich wollte ein ähnliches Fahrzeug wie den Truck, aber kleiner, daher war ein Rallye-Fahrzeug naheliegend. Ich bin den Safari 911 von Leh Keen gefahren und mir ist ein Licht aufgegangen.“

Für eine so weitläufige Stadt wie LA ist es immer furchtbar voll auf den Straßen. Für niedrige, moderne Sportwagen ist diese Stadt eine echte Herausforderung.

© Larry Chen

Der zweifache Grand-Am Rolex GT-Champion und Porsche-Fan Leh Keen verbrachte die vergangenen fünf Jahre mit dem Entwurf und Bau des Safari 911 für Personen, die sich das ultimative Fahrzeug für alle Lebenslagen wünschen. Farah, der viele Kontakte hat, bekam die Chance, Keens ersten Safari (ja genau, Fahrzeug Nr. 1) in seiner Sendung „/DRIVE“ zu fahren. Obwohl er zugibt, dass das Konzept „ganz anders ist als das, was die meisten Menschen normalerweise mit einem 911 im Sinn haben“, war er begeistert. „Gleich im Anschluss schickte ich ihm einen Scheck für die Anzahlung.“

Im Rahmen des sogenannten „The Keen Project“ stellt Leh dem Kunden entweder ein Basisfahrzeug zur Verfügung oder der Kunde bringt dieses selbst mit (dabei muss es sich um ein 911 G-Modell von 1979 bis 1989 handeln). Farah entschied sich für die zweite Option, da er „Lackierung, Jahr und Interieur“ selbst auswählen wollte.

Safari 911
© Larry Chen

Er wollte unbedingt ein G-Modell der Baujahre 1987 bis 1989 mit G50-Getriebe, da „sich die Schaltung direkter anfühlt“. Daher wählte er einen 87er 3.2 Carrera in auffälligem Cassisrot – eine seltene Retro-Farbe, die er mithilfe einer Xpel-Schutzfolierung erhalten wollte. Er entschied sich somit gegen eine Neulackierung des Wagens – im Gegensatz übrigens zu den meisten anderen Käufern, die auf Rallye-Fahrzeuge umsteigen.

Diese Entscheidung fiel ihm auch nicht leicht: „Bei der Farbe war ich mir wirklich unsicher. Der eigentliche Plan war: Egal welches Auto ich finde, ich lackiere es in Seeblau, der für mich vermutlich schönsten Farbe von Porsche aller Zeiten. Ich suchte nur nach einem sauberen Coupé mit G50-Getriebe und gerader Karosserie. Wie es der Zufall so wollte, war der Mann, der den Wagen verkaufte, nicht gerade Annie Leibovitz. Er hatte nämlich in der Mittagssonne Fotos vom Wagen geschossen, was das Cassisrot fürchterlich aussehen ließ, ein bisschen wie der Lippenstift von Cyndi Lauper. Ich äußerte mich auf Instagram kritisch über die Farbe und sagte, dass ich den Wagen umlackieren würde, was einen Aufschrei unter den Puristen verursachte. Der Preis war gut und alles andere schien auch zu stimmen. Als ich dort ankam, um das Auto abzuholen, sah ich, dass die Farbe in Wirklichkeit großartig war, und beschloss umgehend, das Auto doch nicht umzulackieren. Von Fans bekomme ich oft zu hören: „Ich hab‘s doch gesagt.“ Ehrlich gesagt finde ich, dass ich einen Teil dazu beigetragen habe, dass Cassisrot jetzt wieder cool ist.“

Nachdem Farah sein ungewöhnlich gut erhaltenes Basisfahrzeug gefunden hatte, wurde es nach Atlanta zu Keen verschifft, um ein neues Interieur und die Hardware im Baja-Stil zu erhalten. Die Teileliste liest sich wie ein Modellbau-Katalog: Schutzbügel, Unterfahrschutz, Rallye-Fernscheinwerfer, Seitenspiegel, verkleinerte Stoßfänger, Braid Motorsport Fuchs Felgen, Elephant Racing Safari-Fahrwerk, eine Quaife Differentialsperre und BF Goodrich K02 Reifen – zufällig die gleichen Reifen, auf denen auch sein Pick-up rollt.

© Larry Chen

Für den Innenraum wählte Farah ein, wie er sagt, aggressives Design: „Keen fand tatsächlich den handelsüblichen Bezugsstoff für die Sitze der Stadtbusse von LA; als ich den Stoff sah, war ich sofort begeistert. Das Auto war werkseitig mit Vollleder in Burgund ausgestattet, das noch in einem hervorragenden Zustand war, sodass wir den Dachhimmel, das Obermaterial der Türen und des Armaturenbretts sowie den Boden beibehalten konnten. Wir waren uns unsicher, ob der in den Bussen verwendete Stoff zu dem Burgund-Leder passen würde, was aber gut harmoniert. Am schwierigsten war das passende MOMO Prototipo Lederlenkrad; anscheinend waren 20 Versuche notwendig, bis es richtig eingebaut war. Daher musste ich übergangsweise sechs Monate lang mit einem schwarzen Lenkrad vorliebnehmen. Man kann sagen, dass wir das klassische Pascha-Muster komplett auf die Spitze getrieben haben. Dabei ist der Stoff aber auch sehr funktional, denn er ist auf eine Lebensdauer von 20 Jahren in einem Stadtbus ausgelegt. Wahrscheinlich wird er länger halten als das Auto selbst.“

Als der Wagen zurückkam, waren noch einige Arbeiten am Motor fällig, bevor er bereit für die Straße war. Das Ergebnis ist weit von allem entfernt, was man typischerweise als „Stadtauto“ bezeichnen würde, aber für Farah ist es perfekt. „Ich fahre damit wirklich jeden Tag. Kürzlich habe ich drei Pakete Feuerholz hinter den Rücksitzen verstaut. Ich meine, das Auto ist nicht für wilde Fahrten durch Canyons oder auf der Rennstrecke ausgelegt, sondern um einzukaufen, zur Arbeit zu fahren, Besorgungen zu machen und dann ein bisschen Offroad-Spaß zu haben. Es vereint die besten Eigenschaften eines Baja-Trucks mit denen eines luftgekühlten 911.“

Stadtautos müssen also offenbar nicht langweilig sein. Sie müssen sich nur für eine Stadtsafari in LA eignen.

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