Kamm 912C

Kleine Freuden

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Ein reduzierter Restomod auf 912-Basis, da ist vor Miklós Kázmér noch niemand drauf gekommen. Nicht Hubraum, Höchstleistung und dramatisches Auftreten stehen im Mittelpunkt, sondern Leichtbau, Drehzahl und Handling. Weniger ist mehr.
Kamm 912C
© Rich Pearce

Es fällt schwer, diesen Motorsound zu beschreiben. Ich höre mir gerade meine Aufnahme davon an, und das habe ich schon viele Male getan, während ich darüber nachdachte. Bezeichnend ist, dass ich eine Gänsehaut bekomme, wenn ich ihn höre. Der luftgekühlte 2,0-Liter-Motor des 912c begeistert schon bei niedrigen Drehzahlen mit einem unaufdringlich sonoren Ansauggeräusch, das mit steigender Drehzahl von einem tiefen, satten Lied der Mechanik abgelöst und schließlich von einer schmetternden Auspuffresonanz überlagert wird. Das klingt sogar über den Lautsprecher meines Telefons mitreißend und hört sich in der Realität natürlich noch viel besser an. Die Melodie hat auch den Hauch eines klassischen Motorrads, und da es sich um einen Vierzylinder-Boxer handelt, ist der Klang ganz anders als bei einem Sechszylinder. Und das meine ich im positiven Sinne.

Kamm 912C: MOTORSOUND WIE MELODIE

Der 912 wurde im Vergleich zum 911 schon immer etwas anders betrachtet. Vielleicht liegt es am vermeintlichen Ruf einer Sparversion und der Tatsache, dass hinten im Vergleich zum 911 nur vier Zylinder arbeiten. Allerdings hat diese Einfachheit dem 912 nicht geschadet, denn zu Lebzeiten verkaufte er sich deutlich besser als der zwar stärkere, aber vor allem auch teurere 911.

© Rich Pearce

Ich kann nicht leugnen, dass ich den 912 selbst ein wenig übersehen habe. Nachdem ich unzählige Elfer gefahren bin, habe ich mich erst vor einem halben Jahr zum ersten Mal hinter das Steuer eines 912 gesetzt.

Diese erste Fahrt war eine Offenbarung, denn es handelte sich um ein schönes Exemplar mit einigen kleinen Verbesserungen. Keine großen Umbauten, nur einige durchdachte fachmännische Modifikationen, um die Laufruhe und das Ansprechverhalten zu optimieren, während alles andere so ziemlich im Originalzustand blieb. Er fuhr sich wunderbar und fühlte sich schnell, präzise und überzeugend an. Um bei einem 911 das gleiche Fahrgefühl zu erleben, müsste man deutlich schneller unterwegs sein.

Dieser 912 ist ähnlich und trotzdem anders. Gebaut wird er in der KAMM Manufaktur in Budapest und ist die Verwirklichung von Miklós Kázmérs Vorstellung seines perfekten Autos. Ihm gefielen schon immer die Schlichtheit des Modells 912 und sein überzeugendes Fahrverhalten – die Idee zum 912c war geboren.

Maßgeschneiderte Teile und die Arbeit von Spezialisten gehören zum Konzept. So wird der Motor von den Schweizer Experten für luftgekühlte Motoren, der Firma JPS Aircooled, beigesteuert. Aufhängungsteile liefert der niederländische Hersteller TracTive.

Kamm 912C
© Rich Pearce

MANUFAKTUR AUS BUDAPEST

Es ist ein Restomod, aber nicht so, wie es derzeit üblich ist. Anderswo entstehen alte Lieblinge neu auf eine Art, als ob eine KI sie durch Filter geschickt hätte, um sie zu perfektionieren, aufzupumpen und irgendwie zu verschönern.

© Rich Pearce

Der KAMM 912c will kein verklärter Nachbau sein, es gibt keine ausgestellten Radhäuser oder zusätzliche Flügel, dieses Auto bleibt der ursprünglichen Form treu. Der clevere Trick ist, dass der Kamm 912C bei einem Autotreffen von allen außer den Eingeweihten zweifellos übersehen werden könnte. Aber auch in der Boxengasse einer klassischen Rennserie oder an der Startlinie zu einem Bergrennen oder Zeitfahren wäre er aufgrund seines authentischen Aussehens genauso gut aufgehoben.

Zum Leidwesen Kázmérs weist der Prototyp sichtbares Kohlefasermaterial auf der Kotflügeloberseite und hinter den Vorderrädern auf. Auch die Linierung auf der Motorhaube und an den Türen enthält Andeutungen dieses Werkstoffs und ist als Demonstration dafür gedacht, was möglich ist. Kázmér wäre es lieber, wenn sie mit überlackiert wären, aber dieses Auto ist ein Marketinginstrument, ein Prototyp und ein Prüfstand für den harten Einsatz.

© Rich Pearce

Bis auf das Dach und die hinteren Kotflügel besteht die Karosserie aus Kohlefaser. Als Ergebnis dieser unermüdlichen Bemühungen um Gewichtsreduzierung bringt der Kamm 912C nur 750 kg auf die Waage. Noch bemerkenswerter ist, dass es sich hier um das fahrfertige Gewicht einschließlich einer elektrischen Klimaanlage handelt. Auf Wunsch wäre noch eine weitere Gewichtseinsparung möglich, was aber nicht unbedingt jeden Geschmack trifft.

Vor allem in seiner jetzigen Form sieht er perfekt aus, und er fühlt sich auch so an. In Anbetracht seines geringen Gewichts vermittelt er einen so soliden Eindruck, dass die Zahlenangabe nicht zu stimmen scheint.

© Rich Pearce

Das zeigt sich nicht nur beim Schließen der Türen, sondern auch bei den Bedienelementen, der sauberen Verarbeitung im Innenraum, die Art und Weise, wie die hoch bauenden Schalensitze den Fahrer aufnehmen und den mächtigen Gurten, die ihn fest im Sitz halten. Man hat nie das Gefühl, dass beim Streben nach Gewichtsreduzierung Kompromisse eingegangen wurden. Stattdessen wirkt alles so, als folge alles einem bestimmten Zweck.


Den kompletten Artikel mit weiteren Fotos finden Sie in unserer Ausgabe 2-2024.

Text: Kyle Fortune | Übersetzung: Manfred Kolb

Kamm 912C
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