Hans-Joachim Stuck und der Porsche 956

So schön war es nie wieder

Da traf er auf zwei, die er gut kennt: den Porsche 956 und die Nordschleife. PORSCHE FAHRER interviewte Hans-Joachim Stuck zu einem seltenen Anlass: Stuck durfte den Porsche 956, mit dem Stefan Bellof vor 30 Jahren die immer noch gültige Bestzeit von 6:11 min zum Training für das 1000-Kilometer-Rennen fuhr, auf Grand-Prix-Kurs und Nordschleife noch einmal bewegen.

Wenn Hans-Joachim Stuck von seiner Zeit bei Porsche erzählt und auf diesen Rennwagen zu sprechen kommt, spart er nicht mit Superlativen. Und klar, die Nordschleife kann man als seine Hausstrecke bezeichnen – auch wenn er hier nicht so oft mit einem Porsche fuhr. Der Sieg dort als 19-Jähriger beim ersten 24-Stunden-Rennen im Jahr 1970 stellte so etwas wie den Auftakt einer über 40-jährigen Karriere als Rennfahrer dar. Viele seiner Erfolge fuhr er im Langstreckenrennsport in der 1980er-Jahren auf 956 oder 962 ein, zwölfmal startete er in Le Mans auf verschiedenen Porsche beim 24-Stunden-Rennen, 1986 und 1987 war er im Team der Gesamtsieger auf einem 962 dabei. Seine Hausstrecke ist aber der Nürburgring, wo er unter anderem 20 Mal beim 24-Stunden-Rennen startete, hier oft am Steuer von BMWs saß.

© Tobias Kindermann
Hans-Joachim Stuck.
Doch wie begann seine Beziehung zu Porsche? „Als ich drei Jahre alt war, fuhr mein Vater einen 356 B. Da gibt es ein altes Foto, wo ich auf dem Kotflügel sitze. Das war 1954.“ Seinen ersten eigenen Porsche kaufte er 1977: „Das war ein 930 Turbo 3.0. Den finanzierte ich mit dem Geld, das ich aus der Formel 1 mitgebracht hatte“, erinnert er sich. „Auf den Wagen war ich megastolz, den habe ich gehütet wie meinen Augapfel.“ Am Steuer eines Rennporsche saß er aber schon sechs Jahre früher: „Das war beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring, mit Dieter Fröhlich auf einem 911, der von Oldenkott-Tabak gesponsert wurde.“ Ins Porsche Werksteam kam er im Herbst 1984: „Damals wusste ich, dass Stefan Bellof auf dem Weg in die Formel 1 war. Und im Team von Walter Brun hatte ich ja schon erfolgreich einige Rennen auf dem 956 gefahren. Da dachte ich, ich melde mich mal bei Porsche, die sicher meinten, ich sei ja fixer BMW-Werksfahrer. “

Also rief er einfach Helmut Bott an: „Der war höchst überrascht: Herr Stuck, wenn sie das machen wollen, dann kommen sie doch einfach mal vorbei.“ Wann er denn kommen solle, fragte Stuck. „Am besten gleich morgen“, antwortete Bott. „Gut, um 10 Uhr bin ich da.“ Stuck fuhr nach Weissach, innerhalb von 15 Minuten war der Vertrag über eine Dauer von drei Jahren fertig. „Der passte auf ein Din-A-4-Blatt Papier.“ Und somit war Stuck Porsche-Werksfahrer.

Fast so schnell die Formel 1

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Der Porsche 956 geht auf die Strecke.
Von seinem damaligen Dienstwagen ist Stuck heute noch begeistert: „Das war das absolut geilste Rennauto meiner Karriere. Die Kombination aus Leistung, Abtrieb und Reifenbreite war einfach phänomenal.“ Auf Strecke, auf denen damals auch die Formel 1 unterwegs war, habe man sich in den Tests ganz nah an deren Zeiten bewegt. „Das zeigt, wie schnell die Fahrzeuge waren. Es war durch den Groundeffekt für den Fahrer auch schwierig, den inneren Schweinehund zu überwinden, in die Kurve reinzufahren und zu wissen, dass es eigentlich theoretisch nicht geht, aber praktisch hat es dann doch funktioniert.“

Es sei eminent wichtig gewesen, mit dem Porsche 956 viel zu fahren: „Ich habe von Porsche die Chance bekommen, zweimal in der Woche in Weissach in dem Wagen zu sitzen und zu testen. Mit dem Auto war ich wirklich eins. Die Rennen, die ich damit gewinnen durfte, waren für mich in meiner Karriere die schönste Zeit.“ Von Stefan Bellof habe er gelernt, wie man seine Fahrtechnik dem Auto habe anpassen müssen. „Man konnte am meisten auf der Bremse holen, wenn man diesen ersten Bremsschlag extrem ausgeführt hat, denn je höher der Speed war, umso größer war der Abtrieb, desto weniger blieben die Räder stehen. Auch das in die Kurve reinbremsen, damit das Auto vorne Gewicht hat und man den Speed mitnimmt, war extrem schwierig zu lernen. Doch ich konnte das dann Gott sei Dank. Wer das umsetzen konnte, war mit dem Auto richtig schnell unterwegs.“

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Die Technik wurde noch einmal geprüft.
Und was ist es nun für ein Gefühl, wieder in einem 956 zu sitzen? „Nun, ich habe ein spezielles Verhältnis zu alten Rennwagen. Ich finde, die Autos muss man schonen und pflegen. Die Autos aus der damaligen Zeit sind megagefährlich. Aber damals hatte man nichts Besseres. Deswegen freue ich mich, doch ich weiß auch, ich muss extrem vorsichtig sein, damit dem Wagen nichts passiert. Einfach genießen und fahren.“

Weißwürste zum Sieg

Wenn Hans Joachim Stuck ein Rennen gewonnen hatte, rückte er in Weissach mit einer Ladung Weißwürsten an: „Ich kann mich noch gut an das erste Mal erinnern. Da habe ich früh um 5 Uhr beim Metzger die Weißwürste geholt, bin dann weiter Richtung Stuttgart gefahren.“ In der Kantine bereitete er die zusammen mit frischen Brezen zu. Am Anfang seien die Schwaben ganz vorsichtig etwas misstrauisch um den Topf geschlichen und geschaut was das sei. „Als sie dann einmal probiert hatten, haben sie immer gefragt: Stucki, wann kommscht Du wieder mit die Weißwürstle?“, lacht er.

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Einblick in das Innenleben.
Bevor er zu Porsche gekommen sei habe er sich immer gewundert: „Warum gewinnen die immer alles?“ Als er dann die Rennabteilung von innen kennenlernte, sei ihm das sofort klargewesen: „Bis dato habe ich nicht gewusst, wie perfekt man Rennautos bauen kann, mit welcher Konsequenz und Weitsichtigkeit. Auf einem ähnlichen Niveau habe ich das später nur bei Audi erlebt. Das sind schon zwei Firmen, die auch einem ultrahohen Niveau Autos bauen.“

Wie sieht er den Motorrennsport heute? „Wir müssen aufpassen, dass wir diesen Sport nicht kaputt machen, in dem wir ihn unübersichtlich gestalten. Der Rennsport muss versuchen, wieder ein bisschen mehr Emotionen reinzubringen, obwohl das schwierig ist. Ohne künstlich zu werden, etwa Flügel, Kers, Optionsreifen, künstliche Tankstopps, was auch draußen keiner mehr versteht. Warum ist Fußball so gut und beliebt? Weil es da seit Jahren immer die gleichen Regeln gibt. Im Motorsport muss man die Reglements so gestalten, dass sie übersichtlich sind, klar sind – und Spitzensport entsteht.“

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