992

911 8.0

Keine Sorge: Der Elfer bleibt sich treu, ist und bleibt auch in der achten Generation der Sportwagen zwischen SUV, Cross-over-Modellen und Sportlimousinen. Der Verbrenner im Heck ist alternativlos. Noch.

© Porsche
Schwarz, breit, stark. Die neue Elfer-Generation verfügt wie frühere Modelle über eine betont schmale Taille.
Bei Porsche investieren sie Milliarden in die Elektromobilität, sagen dem Sauger leise Servus und bauen in Boxster und Cayman sogar Vierzylinder ein – kein Wunder, dass die Fangemeinde mit Sorge auf den neuen 911 schaut: Denn einen 2,0-Liter-Motor oder gar einen Hybridantrieb in der Mutter aller Sportwagen mögen sich Porsche-Puristen gar nicht erst vorstellen. Müssen sie auch nicht. Zumindest noch nicht. Denn wenn Porsche im November auf der Autoshow in Los Angeles das Tuch von der Baureihe 911 zieht, dann ist der neue Elfer ganz der alte. "Nur dass er in jeder Hinsicht wieder ein bisschen besser wird", verspricht Baureihenleiter August Achleitner, der die Entwicklung der Ikone verantwortet.
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Tarnung zwecklos. Noch tragen die Prototypen kaschierendes schwarz, aber das markante, bullige Heck mit hoch liegender Leuchtenleiste lässt sofort die neue Linie des 992 erkennen.
Los geht es hinsichtlich des Generationswechsels mit dem Coupé, das im Frühjahr ausschließlich als 911 S an den Start geht – wie bisher mit einem 3,0-Liter-Turbo, der nun aber 450 PS und 530 Nm entwickelt, in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt und gute 305 km/h schafft.
Aber wie immer bei Porsche wird die Palette breit aufgefächert: Cabrio und Targa sind auf den Testfahrten schon mit dabei, natürlich gibt es wieder ein Basismodell, den GTS und selbstredend den Turbo, und auch am Allrad führt kein Weg vorbei, genauso wenig wie an den GT- und RS-Modellen. Deshalb muss sich Porsche wahrscheinlich fast schon wieder ein wenig ranhalten, wenn die rund zwei Dutzend Modellvarianten bis zum Facelift alle durch sein sollen.Außen wird das Auto natürlich auch neu eingekleidet, wird ein paar Millimeter größer und sieht wieder ein bisschen mehr nach Sportwagen aus. Innen machen die Designer den Elfer ein bisschen hübsch für den Flirt mit der Generation Smartphone.

PLATZ FÜR E-MASCHINE

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Aber unter dem Blech bleibt auch die Baureihe 992 ein Sportwagen, der keine Kompromisse macht – und deshalb auch weiterhin mit Sechszylinder-Boxern unterwegs ist. "Fürs Erste zumindest wird es keine anderen Antriebsvarianten geben", beruhigt Achleitner die Vollgasfraktion, lässt sich aber zumindest für das erste Facelift eine Hintertür offen. Denn die neue Plattform sei so konstruiert, dass man auch bei den beschränkten Platzverhältnissen eines Heckmotor-Sportwagens eine E-Maschine und einen Plug-in-Akku unterbringen könnte. Nur muss dafür erst einmal jemand einen Hybriden entwickeln, der Achleitners Ansprüchen genügt. "Alles, was bislang greifbar ist, hat zu viele Pfunde oder zu wenig Performance und im schlimmsten Falle beides", erklärt der Baureihenleiter.
Wenn Achleitner zur Ausfahrt mit seinen nur noch mäßig getarnten Prototypen bittet und man natürlich links vom Lenkrad den Motor anlässt, hört man deshalb nach wie vor das vertraute Brabbeln eines Boxers. Und auch wenn die Instrumente längst digital sind, zuckt in der mittleren der fünf Tuben des Cockpits bei jedem Gasstoß noch ganz traditionell ein analoger Drehzahlmesser – so viel ist Porsche der Legende schuldig.
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Nur ganz kurz streift der Blick über die Mittelkonsole mit dem großen Touchscreen und den Schalterleisten wie im Panamera, für ein paar Sekunden spielen die Finger noch mal an dem leider noch immer ziemlich billigen Drehrad neben der Hupe, mit dem man die Fahrprogramme wechseln kann, und wohlig drückt sich das Popometer tief in die Sitzschale, die so wunderbar nah am Asphalt montiert ist – dann schnappt die Doppelkupplung zu, der erste von acht Gängen rastet ein und der Elfer fährt allen Zweifeln davon – schon eine Rechts-links-Kombination genügt, dann lösen sich sämtliche Sorgen in Luft auf. Ja, auch die Generation 992 bleibt ein Gradmesser für Fahrdynamik, kein anderer Sportwagen ist so messerscharf und präzise und dabei trotzdem so gutmütig wie der Elfer.
"Uns ging es darum, den Spagat der Eigenschaften noch weiter zu spreizen", sagt Achleitner. Schärfer und präziser in den Kurven, schneller auf der Geraden und komfortabler auf der Langstrecke. Dafür hat Porsche in jeder Hinsicht nachgelegt: Die Spur ist breiter, und zum ersten Mal fährt der Elfer auf Mischbereifung mit 21 Zoll hinten und 20 vorn, esgibt ein überarbeitetes Fahrwerk und eine noch mal verbesserte Lenkung, und selbst bei den Assistenten rüsten die Schwaben auf.

PDK MIT ACHT GÄNGEN

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Autonomes Fahren macht in einem Sportwagen zwar in etwa so viel Sinn wie alkoholfreies Bier auf dem Oktoberfest. Aber um eine Abstandsregelung und einen Spurhalteassistenten kommt offenbar auch der Elfer nicht mehr herum.
Zwar bleibt der neue Elfer tatsächlich ganz der alte, gibt den entspannten Langstreckenläufer auf dem Highway und abseits davon den gierigen Kurvenfresser und ist im Stadtverkehr so zahm wie ein Kleinwagen. Doch selbst wenn Achleitners Augen vielversprechend leuchten, sobald man den Projektleiter auf weitere Varianten anspricht, mit ihm von GT-Modellen schwärmt und über die beste Linie auf der Nordschleife philosophiert, wird sich der Elfer wohl nicht dauerhaft der Zukunft verschließen können. Es ist nicht nur so, dass die Plattform schon Platz für die Akkus hat, sondern man sieht es auch spätestens beim Blick auf die Navi-Karte – dort sind die Ladestationen bereits eingetragen.

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Text: Thomas Geiger
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