Eine 964er-Freundschaft

Susanne Maracks Porsche-Weg

Teilen
Susanne Marack ist dort geboren, wo auch der erste Porsche seinen Ursprung hat. In Kärnten. Sie fährt einen 87er Carrera 3.2 RDW Turbolook und ihr zweiter Favorit ist der 930. Für PORSCHE FAHRER online schreibt sie von Ihrer Faszination Porsche und Ihrem ganz persönlichen "Porsche-Weg".
Marack Porsche 964
© Sarah Sertschnig

Eigentlich war ich 2017 auf der Suche nach einem Porsche 911 als Geldanlage. Ein 930 oder so. Das wäre schon cool, da ich selbst einen 1987er WTL fahre...das gäbe vielleicht lustige Bilder. Tatsächlich entschloss ich mich dann aber, vor einer Anschaffung erst einmal Rat von einem richtigen Porsche-Fuchs einzuholen: Christoph Pfeifhofer, dessen Familie das Porsche Museum Gmünd in Kärnten, Österreich, betreibt und dort auch das ursprüngliche Porsche Konstruktionsbüro besitzt.

Susanne Marack
© Sarah Sertschnig

Christoph hatte mir schon im Zuge der Anschaffung meines privaten 911 mit Rat und Tat zur Seite gestanden und mir im Laufe der letzten Jahre alle Fragen zu G50-Getrieben, matching numbers oder Wartungsintervallen beantwortet, die man als blauäugiger Porsche-Youngster nur so haben konnte. Auch über Christophs Engagement beim Austria Histocup, einer österreichischen Rennserie für klassische Automobile, waren wir über die letzten Jahre viel in Kontakt gewesen und gerade bei meinem Freund, Johannes Geissler, hatten die Besuche in Spielberg oder am Salzburgring wahrlich bleibenden Eindruck hinterlassen.

Christoph ist nicht nur beruflich als Museumsdirektor bei Porsche Gmünd unterwegs, sondern verbringt auch seine Freizeit am Steuer von Rennwagen. Seit den 1995 ist er mit unterschiedlichsten Fahrzeugen der Marke Porsche erfolgreich im Motorsport unterwegs und mehrfacher Seriensieger sowie 2014 Gesamtsieger des Porsche Alpencup. Die Erfolge im Motorsport motivierten Christoph eben in 2014 auch dazu, ein eigenes Rennteam inkl. Mechanikern und Ingenieur ins Leben zu rufen und sich nun auch im Austria Histocup einzuschreiben. Den vollen Focus auf’s Fahren und die strategische Arbeit wurde auch von seinem Auto gefordert, einem 1993er 964 RSR. Nur ein Jahr später sollte Christoph den nächsten Schritt in seiner Motorsportkarriere gehen und mit dem Bau eines Rennwagens nach seinen Bedürfnissen beginnen.

Marack Motorsport
© Sarah Sertschnig

Wer schon auf einem luftgekühlten RSR erfolgreich Siege einfährt, für den kann die logische Steigerung nur ein turbo-aufgeladener 911 sein. Und vor 5 Jahren fand Christoph die perfekte Basis, um seine persönliche Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben: einen Porsche 965 Turbo S LM GT. Jedoch nicht als fertigen Rennwagen, sondern eine Ersatzkarosse für die 1993er Langstreckenrennen in Le Mans und Sebring. Knapp zwei Jahre lang bauten Christoph und sein Team das Fahrzeug von Grund auf, kauften Teile und Technik aus aller Welt und konnten schon im Frühjahr 2017 den ersten Test mit dem schwarzen Brumo’s Porsche realisieren.

Wer ein solches Projekt realisiert, hat ein großartiges Netzwerk, und weiß vielleicht auch schon, wo das für mich passende Auto steht. Dachte ich mir, als ich im September 2017 mit meinem Freund und einer langen Liste an potentiellen Investment-Autos nach Österreich fuhr. Wir trafen uns diesmal bei einer Halle, in der die Familie Pfeifhofer Fahrzeuge für die wechselnde Ausstellung im Porsche Museum Gmünd lagert. Während ich mit Christoph meinen Fragenkatalog abarbeitete, sah sich Johannes um und fand neben den Perlen des Museums einen knallgelben 964 Rennwagen mit der unmissverständlichen Beklebung “FOR SALE”. Das Auto gehörte einem Bekannten von Christoph, der es für ihn im Rahmen von Trackdays auf dem Red Bull Ring bewegen sollte, um es so an seinen neuen Besitzer zu bringen.

Johannes Geissler selbst war seit Kindheit dem Motorsport verfallen. Auch er besaß 2017 bereits einige automotive Perlen, die meisten davon mit vier Ringen im Grill, hatte spaßhalber früher an Slalomrennen teilgenommen, aber hegte alles andere als insgeheim den Traum vom Rundstreckensport.

Ob wir den Porsche mal testen wollten, fragte Christoph, ich glaube bis heute noch, dass das eher als Scherz gemeint war. So ein Blödsinn, war mein erster Gedanke. Doch Johannes’ Interesse war bereits geweckt. Dann natürlich ein paar Informationen zum Auto. Der 964 war als Carrera 2 Straßenfahrzeug in Deutschland erstausgeliefert worden und fand Ende der 1990er seinen Weg nach Österreich, wo nach dem Import der schrittweise Umbau zum Rennwagen statt fand. Das Auto war mit seinen Vorbesitzern gewachsen und so stand es heute da, fertig und ready to go: completely stripped, mit geschweißtem Käfig und Sparco Sitzen. Konvertierung auf RS 3.8 Motor mit 6-Gang Schaltgetriebe. Hebeanlage. Optisch umgebaut auf 964 Cup, mit notwendigem RS Flügel für den abflugfreien Streckenbetrieb. Mehr als 300 PS bei weniger als 1.000 Kilogramm Gewicht. Einmal reinsetzen, einmal die Pedalerie ausprobieren. Mehr als dieses Trockentraining war an jenem Samstag für Johannes nicht drin. Doch das hatte bei Weitem ausgereicht, um seine Augen strahlen zu lassen, ein Porsche Moment.

Marack Motorsport
© Sarah Sertschnig

Während der nächsten Tage beschäftigte der 964 mich selber und ich schaute mich nach vergleichbaren Fahrzeugen um. Etwa am Mittwoch wusste ich, dass ich dieses Auto kaufen würde. Mit unklarer Wertentwicklung, ohne finalen Preis und entgegen meiner ursprünglichen Pläne, nicht zum Wegstellen, sondern zum Fahren. Der 964 sollte Johannes den eigenen Start in die Welt des Motorsports schon zur nächsten Saison des Austria Histocups ermöglichen und er könne ihn mir zu einem späteren Zeitpunkt abnehmen. Johannes war aus dem Häuschen. Eine Woche später waren wir wieder in Gmünd, diesmal inklusive Probefahrt, Kaufvertrag und einem Mentor, den wir uns besser nicht hätten wünschen können.

Das Schöne an Porsche als Marke, meinen eigenen Erfahrungen innerhalb der Porsche Szene und nun auch der Kauf des eigenen Rennwagens anstelle eines biederen Investitions-Elfers bedeutet genau das, was im Jahr 2018 das Motto des 70-jährigen Sportwagenjubiläums sein sollte: geteilte Leidenschaft, oder eben in unserem Fall #racecartogether.

Im Mai 2018 ging mit dem Team Marack Motorsport neben dem Porsche Museum Gmünd im Brumo’s 965 auch Johannes mit dem gelben 964 an den Start am Salzburgring. Was mit einer geteilten Box an diesem ersten gemeinsamen Rennwochenende begann, hat sich bis heute zu einer Geschichte über Porsche, Rennsport und Freundschaft entwickelt. Matthias Bucher ist seit dem zweiten Rennen von Marack Motorsport als Mechaniker im Team, Sarah Sertschnig begleitet Gmünd & Marack seither als Teamphotographin - der 964 gehört inzwischen Johannes und ich bin bereits auf der Suche nach dem nächsten 911...

Rennteam Porsche Museum Gmünd

Fahrer / Teamchef: Christoph Pfeifhofer

Fahrzeug: Porsche 965 Turbo S LM GT

Baujahr: 1993

Leistung: 520 PS

Gewicht: 1.210 kg

Anmerkungen: kein Bremskraftverstärker, kein ABS

Marack Motorsport

Fahrer: Johannes Geissler

Teamchefin: Susanne A. Marack

Fahrzeug: Porsche 964 Carrera 2

Baujahr: 1991

Leistung: 308 PS

Gewicht: 980 kg

Anmerkungen: Cup Umbau mit geschweißtem Käfig, RS 3.8 Motor, 6-Gang-Schaltgetriebe

Bildergalerie
Ähnliche Artikel
Artikel teilen

Bitte wählen Sie eine Plattform, auf der Sie den Artikel teilen möchten:

Beitrag melden

Ihr Name

Ihre E-Mail-Adresse

Bitte beschreiben Sie kurz, warum dieser Beitrag problematisch ist


xxx
Newsletter-Anmeldung

* Pflichtfeld

** Der HEEL Verlag erhebt Ihre Daten zum Zweck des kostenlosen E-Mail-Newsletters. Die Datenerhebung und Datenverarbeitung ist für die Durchführung des Newsletters und des Informationsservice erforderlich und beruht auf Artikel 6 Abs. 1 a) DSGVO. Zudem verwenden wir Ihre Angaben zur Werbung für eigene und HEEL-verwandte Produkte. Sie können sich jederzeit vom Newsletter abmelden. Falls Sie keine Werbung mehr auf dieser Grundlage erhalten wollen, können Sie jederzeit widersprechen. Weitere Infos zum Datenschutz: ds.heel-verlag.de