Porsche-ReiseBugatti trifft Porsche – Gipfeltreffen

Porsche Klassik

 · 15.07.2023

Porsche-Reise: Bugatti trifft Porsche – GipfeltreffenFoto: Markus Bolsinger
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Foto: Markus Bolsinger

Wer die größten Werke der Malerei liebt, besichtigt die Sixtinische Kapelle, besucht die Mona Lisa oder van Goghs »Sternennacht« im New Yorker MoMA. Wer sich für Architektur begeistert, muss das Opernhaus von Sydney, das Museo Guggenheim in Bilbao und das »Vogelnest«-Olympiastadion in Peking gesehen haben. Doch wohl niemand, der zu solchen Kultstätten pilgert, kann von sich behaupten, selbst die Kreation eines vergleichbaren Meisters zu besitzen.

Wie glücklich dürfen wir uns also schätzen, dass unsere Tour durchs Elsass beides vereint: die Audienz in einem wahren Tempel der Automobilbaukunst – und die Reise in einem Fahrzeug, das selbst als Kunstwerk gelten darf. Denn wir folgen den Spuren des großen Ettore Bugatti in einem Porsche 911 SC 3.0 targa, dessen Gene auf den nicht minder genialen Ferdinand Porsche zurückgehen.

Offen für spontane Abstecher. Wer einfach mal rechts oder links von der Route des Vins abbiegt, entdeckt die totale Ruhe inmitten der ausgedehnten Weinfelder und kann neue Ziele in den nahegelegenen Hügeln anpeilen.

Gibt es ein perfekteres Auto für Touren durch diesen einzigartigen Landstrich? Das Elsass vereint in vielerlei Hinsicht zwei Welten: die flache Rheinebene und die wilden Vogesen, Weinbaukunst und Bierbrautradition, deutsche und französische Einflüsse. Der Targa wiederum gilt seit seiner Premiere 1965 als das »Missing Link« zwischen Coupé und Cabrio. Und unser 1981er G-Modell passt gleichermaßen ideal zu den schnellen Landstraßen der Ebene wie zu den engen Gassen der Fachwerkdörfer und erst recht zu den Serpentinenorgien der bis zu 1.400 Meter hohen Passstraßen.

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Doch so viele fahrerische und kulinarische Genüsse eine Reise durch das Elsass auch zu bieten hat – am Anfang und am Ende stehen für uns diesmal der charismatische Ettore Bugatti und sein Œuvre. Und das heißt: Die Fahrt führt von Molsheim, wo die Legende entstand, bis nach Mulhouse, wo das größte Automobilmuseum der Welt eine grandiose Bugatti-Sammlung beherbergt.

In der Manufaktur in Molsheim – eine halbe Fahrstunde westlich von Straßburg – bauen ausgewiesene Meister ihres Fachs in Handarbeit heute die Supersportwagen, die den Namen Bugatti seit 1998 wieder zum Synonym machen für diese einzigartige Synthese aus Kraft, Ästhetik, Luxus. Besuche in diesem Tempel der Automobilbaukunst sind für Nicht-Bugatti-Besitzer, wenn überhaupt, dann nur aus besonderen Anlässen möglich. Doch für PORSCHE KLASSIK öffneten sich die Pforten – und die Garagentore. Denn zum Fototermin mit dem zur erweiterten Familie gehörenden 911 SC 3.0 targa erscheinen zwei Cousins, die jedem Automobil-Enthusiasten den Atem stocken lassen. Von der einen Seite rollt mit sonorem Fauchen ein 1.100 kW starker Bugatti Chiron über die makellosen Kieswege heran. Von der anderen Seite, aus der Remise rechts vom Familienstammsitz Château St. Jean, lugt ein Bugatti Typ 35 hervor. Jenes Achtzylindermodell, das mit über 1.000 Rennsiegen, dem WM-Titel 1926 und fünf Targa-Florio-Triumphen in Folge als einer der besten Rennwagen aller Zeiten gilt. Und der mit seinem Hufeisen-Kühlergrill das Gesicht der Luxusmarke ins kollektive Gedächtnis einbrannte. Allein schon dieses charismatische Kunstwerk vor den herrschaftlichen Treppenaufgang zu rollen und an einem Lenkrad zu drehen, das Kaliber wie Louis Chiron und Tazio Nuvolari in Händen hielten, lässt dem Redakteur wohlige Schauer über den Rücken laufen.

Vor dem Château St. Jean trifft der Porsche 911 SC 3.0 targa auf Erbe und Zukunft einer ebenso unvergleichlichen Marke: Bugatti Typ 35 und Bugatti Chiron definieren das jeweils technisch Machbare ihrer Zeit.

Vor mehr als 100 Jahren ließen die Zeitgenossen Ettore Bugatti und Ferdinand Porsche fast zeitgleich mit ihren ersten großen Kreationen aufhorchen. Bugatti konstruierte in seiner Geburtsstadt Mailand 1898 und 1900 zwei viel beachtete Automobile. Der Baron und Automobilfabrikant Eugène de Dietrich war von dem Wunderknaben fasziniert und holte den 20-jährigen Bugatti als Technischen Leiter der Automobilfertigung ins elsässische Niederbronn. Der sechs Jahre ältere Porsche baute 1899 den Lohner-Porsche, das erste Hybridfahrzeug der Welt. Doch während Porsche bei Lohner und an jeder folgenden Station durch seine brillanten Konstruktionen zu höchsten Ehren und Anerkennung kam, hielt es der eigenwillige Bugatti nirgendwo lange aus. Folgerichtig gründete er schon 1910 als 24-Jähriger seine eigene Firma: Automobiles Ettore Bugatti. Ein Bankier, den er von seiner ersten Tätigkeit im Elsass kannte, empfahl ihm den Standort Molsheim. Das erste Domizil der jungen Marke waren zwei kleine Schuppen. Doch an großen Stückzahlen war der Meister eh nie interessiert – Ettore Bugatti wollte stets individuell auf jeden Kundenwunsch eingehen und perfekte handwerkliche Qualität liefern. 1928 erwarb Bugatti das Château in unmittelbarer Nähe des damaligen Werks.

Zurück auf die Straße und auf nach Straßburg. Wir müssen es zugeben: Autofahren macht hier nicht einmal in einem klassischen Porsche Spaß. Der Charme der Altstadt ist eh viel schöner per Fuß zu erspüren. In ihrem südwestlichen Viertel, in den engen Gassen des berühmten La Petite France, sind Autos ohnehin ausgesperrt. Dafür gibt es hier ein anderes reizvolles, total entschleunigtes Verkehrsmittel: das Bateau. Auf einer Schiffstour über die vielen kleinen Kanalarme zeigt sich das ehemalige Viertel der Fischer, Gerber und Müller von seinen romantischsten Seiten. Auf der Fahrt lassen sich bereits die gemütlichsten Restaurants für den Abend aussuchen, denn viele von ihnen besitzen hölzerne Terrassen, die leicht über das Wasser ragen. Ihre Geländer und Giebel werden von einer wuchernden Blütenpracht eingerahmt, vor der jeder deutsche Geranienbalkon verblasst. Den Kontrapunkt inmitten aller Gemütlichkeit setzt eine Hochburg der Moderne: das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, kurz MAMS.

Auf dem Weg nach Süden können Navi und Reiseführer getrost im Handschuhfach bleiben. Themenstraßen wie die Route des Vins und die Romanische Straße führen Autofahrer in die schönsten Ecken des Elsass. Obernai, Kaysersberg, Riquewihr, Ribeauvillé – jedes dieser wunderschönen Fachwerkdörfer lohnt einen Besuch. Und immer wieder bietet es sich an, einfach mal in die westlich der Rheinebene aufsteigenden Vogesen abzubiegen. Oft steigt die Straße am Dorfausgang zunächst sanft an, beschreibt erste sanfte Schwünge, die Kurvenradien werden enger, dann schraubt sie sich in zwei, drei Serpentinen die nächste Steigung hoch, um gleich darauf eine kurze Gerade freizugeben, auf der das heisere Bullern des Dreiliter-Boxers zwischen den hohen Bäumen widerhallt. Diese Straßen sind zum sinnlichen Erleben von Autofahren wie gemacht und schnell werden – insbesondere in einem Porsche 911 targa – aus den 190 Kilometern, die das Elsass von Nord nach Süd misst, gern mal Touren der doppelten und dreifachen Länge. Irgendwann auf unserem Ausflug mit dem G-Modell taucht in der Rheinebene inmitten der Weinfelder Colmar auf. Mit seinem mittelalterlichen Stadtkern, dem malerischen Fachwerkviertel Klein Venedig, holprigen Gassen und herrschaftlichen Häusern bringt das Städtchen die elsässische Lebensart auf den Punkt. Schlusspunkt der Tour ist schließlich Mulhouse – wahrlich kein Schmuckstück des Elsass. Dafür lebt hier, in der spektakulären Bugatti-Sammlung der »Cité de l’automobile«, die Legende weiter. Und zeugt davon, welche Eleganz, Exklusivität und Erhabenheit die Werke des großen Ettore bis heute ausstrahlen.

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