Zu Besuch im PorschezentrumDer Rückkehrer

Dino Medic

 · 29.05.2026

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Foto: Jan Steinhauer

Tastaturen klackern, Augen fliegen über Codezeilen. Aus den Cockpits und unter den Motorabdeckungen fädeln sich Kabel, Port-Zugänge und Anschlüsse hervor. Balkendiagramme und technische Illustrationen auf den Bildschirmen der Laptops spiegeln sich in den wandhohen Fenstern der Werkstatt. 911-Modelle der Generation 997 sieht man hier, auf der Hebebühne thront ein Cayenne, sein Metalliclack glänzt in modernen Grautönen, die Felgen größer als Wagenräder. Und mittendrin, zwischen all den Hochleistungscomputern, steht eine unscheinbar wirkende Gestalt. Eine Silhouette aus einer anderen Zeit. Die Fronthaube, ganz nach oben gereckt, scheint sich fast nur mit Mühe halten zu können. Der Motorblock, achtarmig und mit Fetzen gestopft. Nur das Wappen hebt sich mit einer gewissen Verve hervor. Aufgebockt im Rampenlicht schluckt das einst so strahlende Grandprixweiß des 928 von 1977 das Licht fast vollständig. Ein Relikt aus einer Periode, in der Porsche neue Wege beschritt, die bis heute nachwirken.

Der einzige Porsche, der „Europäisches Auto des Jahres“ wurde

Hier im Porsche Zentrum 5 Seen im oberbayerischen Gilching, wo nicht nur Neufahrzeuge eine Zukunft haben, soll der Schweizer Scheunenfund wieder zum Leben erweckt werden. Die Classic-Abteilung rund um Stefan Golling kümmert sich um diesen Sportwagen, der 1978 als erstes und einziges Porsche-Modell den Preis Europäisches Auto des Jahres gewann. Ende der 1970er-Jahre wollte Porsche den 911 durch eine neuen sportlich-luxuriösen Grand Turismo ersetzen. Dafür wurde mit vielen Dingen gebrochen, die den 911 ausmachten. Man präsentierte einen wassergekühlten V8-Motor mit 4,5 Litern Volumen und 240 PS Leistung, der noch dazu in der Front verbaut war. Die Transaxle-Bauweise wiederum setzte das Getriebe ins Heck. Von 1978 bis 1995 baute Porsche mehrere Varianten, vom Einstiegsmodell bis zum Kraftprotz GTS mit5,4-Liter-Motor und 350 PS.

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Die Presse lobte das Auto für sein Design und sein Fahrverhalten. Das lag neben der ausgeglichenen Gewichtsverteilung dank Transaxle an einer besonderen technischen Innovation: der Weissach-Achse. Diese sorgt dafür, dass bei Lastwechseln in Kurven die Spur des äußeren Hinterrads automatisch in Richtung Vorspur korrigiert, um das Fahrzeugheck zu stabilisieren und gefährliches Übersteuern zu verhindern. Die Weissach-Achse machte den Porsche 928 zwar in der Kurve nicht schneller, aber für den Normalfahrer wesentlich einfacher und sicherer beherrschbar. Diese Innovation legte den Grundstein für die moderne Achskinematik und wurde später auch in anderen Modellen wie dem Porsche 911 (ab Typ 993) eingesetzt. Auch wenn vieles für den 928 sprach, richtig durchsetzen konnte er sich indes nie.

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» Bringt ihn wieder zum Laufen – das ist erstmal der Auftrag «

Vom Glanz der Siebzigerjahre ist beim Restaurierungsobjekt nur wenig übriggeblieben. Die Besitzerin, Vera Bedenek aus der Schweiz, hatte gezielt nach einem Fahrzeug mit einer niedrigen Fahrgestellnummer gesucht. Der Zustand des Wagens war für sie erstmal nebensächlich gewesen. Denn „trotz der äußeren, mechanischen und elektrischen Mängel“, erzählt Bedenek, „waren der originale Matching-Numbers-Motor und das Getriebe vorhanden.“

Für die notwendige Instandsetzung landete der 928 jetzt im Gilchinger Porsche Zentrum. Aber warum gerade dort? „Die Besitzerin hat in den Fahrzeugpapieren und dem Wartungsbrief gesehen, dass genau dieses Porsche -Zentrum diesen Wagen damals im Angebot hatte“, berichtet Stefan Golling. Mit der Zulassung im November 1977 und der Fahrgestellnummer 61 sei er einer der ersten 928 gewesen, die in Deutschland verkauft wurden. „Der Erstbesitzer“, ergänzt Vera Bedenek, „war Herr Georg Hörmann, der Gründer der Firma Hörmann, die seit 1991 als Porsche Zentrum 5 Seen Hörmann Sportwagen GmbH firmiert. Diesen Wagen fast 50 Jahre später zurück ins Porsche Zentrum 5 Seen zu bringen, fühlte sich wie eine Heimkehr an.“

Die Ersatzteillage ist bei Erstmodellen schwierig

Die Jahre sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Eine Lackdichte von nur noch 500 Mikrometern ist dabei das geringste Problem. „Der Auftrag heißt erstmal: Bringt ihn wieder zum Laufen!“, so Golling. Das heißt: Motor, Elektrik und Fahrwerk. Aber das ist einfacher gesagt als getan. Laut des Classic-Spezialisten ist die Ersatzteillage bei den Erstmodellen schwierig. Für manches wie Kraftstoffleitungen gibt es mittlerweile Nachbildungen. Doch das Ziel der Kundin ist, so nah am Werkszustand zu bleiben wie es geht. „Ich möchte die Werks-DNA erhalten und so viele Originalteile wie möglich bewahren, damit zukünftige Generationen aus erster Hand sehen können, wie diese Automobile damals zum ersten Mal erschienen sind“, sagt Bedenek.

» Das Ziel: die Werks-DNA und so viele Originalteile wie möglich erhalten «

Doch das Wissen um den Wagen fehlt oft. Denn Handbücher und Reparaturleitfäden sind schwierig zu bekommen – für Modelle abseits des populären 911 oder des 356. „Bei so einem Zustand kann man erst nach und nach sagen, ob alles klappen wird“, weiß Golling aus Erfahrung. „Das ist möglicherweise ein Fass ohne Boden.“ Allein die Überholung des Motors und das Erneuern der Bremsen ist kostspielig. Dazu kommen ein kaputter Kabelbaum und die defekte Wasserpumpe, zudem müssen Fahrwerksteile überprüft werden. „Und der Blick ins Getriebe kann erst im Anschluss erfolgen“, fügt Wolfgang Bader, Servicetechniker und Classic Spezialist im Gilchinger Porsche Zentrum, hinzu.

Das Persönliche zählt – und das einfache Lösen von Problemen

Für Franz Wörle, Geschäftsführer des Porsche Zentrum, ist „die Reparatur eines 928 in solchem Zustand eigentlich zu teuer.“ Im Classic-Bereich seien vielmehr die 993 mit 3,2-Liter-Motor das Hauptbetätigungsfeld.

Dennoch hat man sich auf die Herausforderung eingelassen. Technische Arbeiten am Motor, am Steuergerät und an den Fahrwerksteilen werden intern im Haus gemacht. „Lackierungen und andere Arbeiten geben wir teilweise an Partner aus der Region weiter“, so Wörle. Bei ihnen zähle nicht nur die Handschlagqualität, sondern auch das Entgegenkommen und das einfache Lösen von Problemen. Es gäbe nicht den typischen Porsche Classic-Kunden, weiß Wörle. „Manche sagen bei ihren Projekten, koste es, was es wolle, und manche sparen lange für Reparaturen, um sich den Kindheitstraum endlich zu erfüllen.“ Das Porsche Zentrum 5 Seen ist ein eigenständiger Betrieb, und damit sind Schwierigkeiten mitunter unkonventioneller und schneller zu beseitigen. „Das Persönliche steht immer im Vordergrund, weil man immer eine Lösung finden kann“, sagt Wörle.

Das schätzt auch Vera Bedenek. „Das Team vom Porsche Classic Partner 5 Seen ist für mich ein Glücksgriff. Es arbeitet höchst professionell und mit Liebe fürs kleinste Detail.“ Und wohin führt die erste Fahrt, wenn der Wagen fertig ist? „Ich kann es kaum erwarten, meine Eltern im wunderschönen Stansstad zu besuchen, einem kleinen Schweizer Juwel am Ufer des Vierwaldstättersees im Kanton Nidwalden. Von dort aus plane ich die kurvenreichen Straßen des Bürgenstocks hochzufahren, um dann bei einer heißen Schokolade das Panorama über dem See zu genießen.“

porsche fahrer/260113-pok-5seen-5056_acf6b594e7e775b5bc42af19e768dca0Foto: Jan Steinhauer

Porsche 928

  • Motor: V8-Motor
  • Hubraum: 4.474 ccm
  • Max. Leistung: 240 PS /5.500/min
  • Max. Drehmoment: 350 Nm /3.600/min
  • Getriebe: 5-Gang
  • Leergewicht: 1.450 kg