Thorsten Elbrigmann
, Tobias Schaefer
· 10.04.2026
Niemand kann Steve McQueen für sich vereinnahmen. Autos mussten schnell sein. Es konnte Porsche draufstehen. Musste aber nicht. Daneben faszinierten den unangepassten Ex-Problem-Jugendlichen, der ab 1956 auf Leinwänden und im neuen Medium Fernsehen auftauchte, Motorräder und Flugzeuge. Rebell, Charmeur, durchdringender Blick, sparsame Gesten. Ein Held des Mid Century, wie ihn das Publikum liebte.
Ähnlich wie mit seinem Hang zur Geschwindigkeit verhielt es sich mit seinem Faible für schöne Uhren. Nicht einer Marke gehörte sein Herz, es ging ihm um Design, um Klasse – und manchmal auch ums Dazugehören. Von drei Uhren wissen wir sicher, dass er sie getragen hat, da sie auf Fotos klar zu sehen sind. Interessant ist dabei, wie Steve McQueen die Uhren eingesetzt hat. Fangen wir an mit einem ikonischen Foto.
Sonnenbrille und Revolver, am rechten Handgelenk eine deutsche Uhr – eine Hanhart. So fotografiert das Life Magazine Steve McQueen im Jahre 1963. Am 12. Juli erscheint die Ausgabe mit Steve auf dem Cover, am Lenker eines Motorrades, die Sozia: seine Frau Neile. Beide lachen. Es ist eine Homestory, heile Welt – aber eben cool. Am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, kam „Gesprengte Ketten“ in die US-Kinos. Sicherlich der Film, durch den McQueen zu dem Star wurde, der er bis zum Ende blieb. Fast scheint es so, als wolle McQueen auf dem Foto auch die Uhr präsentieren, wie ein Statussymbol.
Betrachten wir aber den King of Cool mal in Situationen, die nicht inszeniert waren. Uhr am rechten Handgelenk – das war bei ihm immer so. Aber nicht immer war das Life Magazine zugegen, wenn McQueen Dinge tat. Und er tat Dinge, die damals für viele Schauspieler dazugehörten – zum Beispiel Rennen fahren. Dabei muss man klar festhalten: Er konnte was am Steuer und am Lenker. Da lohnt der Blick auf ein weiteres Foto: Der Motorradrennfahrer Steve McQueen wie er im Gras hockt, verschwitzt, lächelnd.
In der Rechten eine Zigarette, mit der Linken den Kragen richtend. Und im Hintergrund parkt ein – Wartburg 311. Und wirklich: Dieses Foto wurde 1964 aufgenommen in Erfurt. McQueen war zu diesem Zeitpunkt Mitglied der US-Nationalmannschaft bei der 39. Internationalen Sechstagefahrt im Motorrad-Geländesport. Und diese Fahrt fand in der DDR statt. Und die Uhr? Wieder ist es die Hanhart 417 ES.
Gefertigt wurde sie im anderen Deutschland, genauer im beschaulichen Gütenbach, einer Kleinstadt im Schwarzwald. Hier werden seit 1882 Uhren hergestellt, vor allem Stoppuhren. Weltberühmt jedoch ist die Marke für die Herstellung von Flieger-Chronographen, auf die nicht erst Piloten im Zweiten Weltkrieg gezählt haben. Die Modellreihe 417 ES wurde das erste Mal 1957 vorgestellt und von der Bundeswehr als offizielle Dienstuhr der Kampfpiloten eingesetzt. Überzeugt hat die 417 ES vor allem durch ihre gute Ablesbarkeit mit Zifferblatt in Schwarz und weißen Ziffern und Zeigern mit Leuchtmittelauflage. Ihre Funktionalität, gepaart mit einer hohen Robustheit, hat wohl auch Steve McQueen überzeugt. Dank zweier Hilfszifferblätter, einem für die permanente Sekundenanzeige auf der linken Seite und einem für die gestoppten Minuten auf der rechten Seite, konnte er Zwischenzeiten nehmen und die Sekunden im Blick behalten.
Und dies ist auch die Uhr, die man zu verschiedenen Zeitpunkten und auch auf Privataufnahmen immer wieder bei Steve McQueen sieht. Offensichtlich sein Favorit.
Was aber nicht bedeutet, dass es nicht zu der ein oder anderen Liaison gekommen ist. Zwei davon kann man am Filmset von „Le Mans“ betrachten. Zunächst trägt McQueen eine Rolex Submariner. Die wurde erstmals im Jahr 1953 vorgestellt und ist damit ein echter Klassiker, der in den folgenden Jahrzehnten stetig verbessert wurde. Bis heute ist die Ikone fester Bestandteil der Kollektion von Rolex und prägte, gemeinsam mit der Blancpain Fifty Fathoms, einst die Funktionsweise und das Erscheinungsbild der modernen Taucheruhr. Besonders die drehbare 60er-Lünette, mit der man unter Wasser die Tauchzeit beobachten kann um Sauerstoffvorrat und Dekompressionsstopps zu planen, ist dafür entscheidend. Bis heute ist die Submariner eine die begehrtesten Armbanduhren und hat sich in der Wahrnehmung von der professionellen Toolwatch zu einem salonfähigen Schmuckstück gewandelt.
Das wasserdichte Rolex Oyster-Case, eine der wichtigsten Besonderheiten der robusten Toolwatch, feiert dieses Jahr übrigens sein 100. Jubiläum. Der Klassiker von Rolex scheint auch Steve McQueen gefallen zu haben, doch dann kam alles anders.
Auftritt: Heuer Monaco! Heuer war in den 1960er-und 70er-Jahren eine der ersten Uhrenmarken, die gezielt Sponsoring im Motosport einsetzten, um ihre Produkte unter das begeisterte Publikum zu bringen. Besonders Jack Heuer, der zwischen 1962 und 1982 Geschäftsführer der 1860 gegründeten Marke war, forcierte diese Art des Marketings gezielt, wohl auch weil er selbst ein großer Fan von schnellen Rennen war. Über abenteuerliche Wege gelangten die Uhren für den „Dreh“ von Le Mans durch den Zoll ans Filmset. Und wie von Jack Heuer gewünscht, wurden sie an die Rennfahrer verteilt. Einer von ihnen: Jo Siffert. Der erklärte am nächsten Tag in vollem Rennfahrer-Outfit McQueen den Porsche 917. Danach sagte der US-Star, er wolle im Film exakt so aussehen wie Siffert und bekam exakt so einen Overall. „Und die Uhr brauche ich natürlich auch“, sagte McQueen und erhielt einen der authentischen Chronographen, den er fortan am Set trug. Wie die Hanhart handelt es sich dabei um eine Uhr mit zusätzlicher Stoppfunktion. Für Rennfahrer und Zuschauer nützlich, etwa um Rundenzeiten messen und nachvollziehen zu können – besonders bevor digitale Anzeigen und vollautomatische Messungen selbstverständlich geworden sind. Zwar wurde Heuer nach einer Fusion im Jahr 1985 zu TAG Heuer (Techniques d’Avant Garde) umbenannt, stellt aber bis heute einen Nachfolger der inzwischen legendären Monaco her. Die Heuer Monaco, die Steve McQueen am Set getragen hat, ist übrigens 2020 versteigert worden. Der Hammer fiel bei 2.208.000 Dollar. Das hätten viele von uns wahrscheinlich eher in einen Porsche investiert ...
Erschienen in Ausgabe 3-2026