Porsche-MomenteAndy Warhol meets Porsche

Porsche Klassik

 · 30.06.2023

Porsche-Momente: Andy Warhol meets PorscheFoto: Tim Adler
Treffen in Berlin: Der Galerist Michael Schultz hat Andy Warhols Porsche-Story recherchiert.
Foto: Tim Adler

Seit seinem Debüt bewegt der Porsche 911 die Menschen – er bewegt sie von A nach B, aber viel mehr noch spricht er wie kein zweites Automobil die Emotionen der Besitzer und Betrachter an. Auch Warhol und seine Werke berührten und berühren Menschen – nicht nur Kunstinteressierte. Beide, Warhol und der Porsche 911, waren revolutionär und ihrer Zeit voraus.

Geboren wird Warhol als Andrej Warhola in Pittsburgh, seine Eltern kamen als Immigranten aus den Karpaten in die USA. Bereits mit 21 Jahren macht er seinen Abschluss in den Fächern Malerei und Design und zieht nach New York. Bei seiner ersten Ausstellung 1952 wird sein Name schon ohne das zweite »a« veröffentlicht, und aus Andrej wird Andy. Auch der Porsche 911 firmiert zunächst unter anderem Namen: Kurz vor Verkaufsstart 1963 erfährt der Porsche-Prototyp 901 dann allerdings eine Umbenennung und trägt seither die legendäre Bezeichnung 911. Die nächste Parallele.

In den 50er-Jahren ist Warhol als Grafiker und Illustrator (unter anderem für »Vogue« und »Harpers Bazaar«) sehr erfolgreich und zählt zu den bestbezahlten Grafikdesignern. Gleichzeitig verändert er sein Äußeres und lässt sich die Haare hellblond färben. Ab 1961 beginnt Warhol alltägliche Dinge wie Coca-Cola-Flaschen, Dollarnoten und Campbell’s Suppendosen abzubilden und macht die Kunst durch den verstärkten Einsatz von Siebdruck massentauglich – er demokratisiert die Kunst. 1963 gründet Warhol die Factory in New York, eine einzigartige Kombination aus Arbeits- und Lebensstätte für Künstler und Intellektuelle. Warhol ist schon in jungen Jahren unverwechselbar. Und verpasst sich selbst ein neues Markenzeichen: eine silberfarbene Perücke. Auch der Porsche 911 ist durch seine Silhouette einzigartig. Die markante Fließheckform hat entscheidenden Anteil daran – obwohl sie für einen Viersitzer nicht die ideale Karosserieform darstellt. Bis heute ist jede neue Generation des Porsche 911 eine Herausforderung für Designer und Konstrukteure. Die vermeintlich unveränderte, jahrzehnteübergreifende Form trägt zum Mythos dieses Sportwagens bei. Bis heute bietet er nicht nur überzeugende Agilität, Zuverlässigkeit und Robustheit – auch Rennsportzitate wie das Zündschloss links vom Lenkrad sind Teil seines Charakters.

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Andy Warhol hat die Sichtweise auf die Kunst grundlegend verändert. Sein Schaffen beeinflusst unvermindert das Hier und Jetzt, seine Werke erzielen astronomische Rekordpreise. Der Beginn der 60er-Jahre zählt zu den kreativsten Schaffensphasen Warhols – eine Zeit, in der auch der Porsche 911 seine endgültige Form annimmt, bevor er 1963 der Weltöffentlichkeit vorgestellt wird. Warhol versucht sich an immer neuen Experimenten, tritt in TV-Sendungen auf, bringt Magazine auf den Markt, produziert Multimedia-Shows, dreht Underground-Filme, gründet eine Rockgruppe und nimmt alltägliche Gespräche mit seinem Tonband auf.

Im Jahr 1966 folgt Warhol, der Automobile liebte und als Industrieprodukte verehrte, einer Einladung des Porsche-Teams in Amerika – und dokumentiert diesen Termin entgegen seinen Gewohnheiten nicht selbst. Die Porsche-Manager zeigen ihm einen besonderen 911: Außen in Irish Green mit Länderausstattung USA, innen schwarzes Leder und das Radio Blaupunkt Frankfurt. Ziel des Treffens ist es, Andy Warhol als Image-Mittler zu gewinnen. »Andy Warhol ist zweimal um das Auto gegangen und hat gesagt: »Es ist perfekt, perfekt vom Design, es strahlt eine Aura aus, da gehe ich nicht ran«, erzählt Michael Schultz, heute erfolgreicher Galerist in Berlin, als wäre er dabei gewesen. Schultz hat mit seinem Expertenteam diese ungewöhnliche und weitgehend unbekannte Geschichte recherchiert und dokumentiert –

in allen Details. »Dann wollte Andy Warhol das Auto kaufen, für sich haben. Seine Berater rieten ihm ab«, berichtet Schultz. Trotz der Faszination, die Autos auf Warhol ausübten, besaß er nie einen Führerschein.

Andy Warhol hat den Porsche 911 also nicht künstlerisch veredelt. »Andy hat es aus ästhetischen Gründen abgelehnt, was ein Kompliment für die Marke ist«, attestiert Schultz und ergänzt: »Die Initiative kam vielleicht etwas zu früh – lange bevor andere Hersteller derartige Ideen hatten.« Besagter Porsche 911 ist heute noch bestens erhalten. Er stand viele Jahre in einem klimatisierten Lager – ob einzig und allein zur Instandhaltung oder als Wertanlage, ist nicht überliefert. Vor Kurzem jedenfalls wurde das Schmuckstück präsentiert: Im Hotel Mond in Berlin stand das Auto im Zentrum einer Ausstellung mit dem Titel »Warhol Unlimited«, kuratiert von Michael Schultz. Ergänzend zeigte der Galerist zahlreiche ungewöhnliche Exponate – wie beispielsweise das Sofa, das in Andy Warhols New Yorker Atelier stand. »Das war eine sehr beliebte und gut besuchte Ausstellung. An einem Sonntag zählten wir 300 Interessenten. Das Sofa ist übrigens verkauft.« Schultz bleibt diskret, deutet jedoch verschmitzt an, dass der 911 wohl bald eine neue Besitzerin finden wird. Die Dame aus der Schweiz habe einen sehr persönlichen Kaufgrund, ihr Geburtsdatum sei der 1. Juli 1966 – das Datum der Erstzulassung des grünen Porsche. Laut Papieren.

Der irischgrüne 911 und Andy Warhol – sie blieben stets ein Traumpaar auf Abwegen. Gerade deshalb scheint dies eine jener elektrisierenden Geschichten zu sein, die kein Drehbuchautor jemals erfinden und die nur das Leben selbst schreiben kann.

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