Porsche-MenschenMario und Constantin von Jascheroff – Tatort Berlin

Porsche Klassik

 · 10.07.2023

Porsche-Menschen: Mario und Constantin von Jascheroff – Tatort BerlinFoto: Anatol Kotte
Mario und Constantin von Jascheroff haben Kunst im Blut. Und Porsche im Kopf.
Foto: Anatol Kotte

»Das erste Bild vom Westen, das sich mir eingebrannt hat, waren die vielen bunten Autos«, erinnert sich Constantin von Jascheroff an seinen ersten Westberlin-Moment. »Ich war drei Jahre alt, neben mir auf der Rücksitzbank saß mein Bruder Felix, wir hielten uns vor lauter Aufregung die Augen zu ...«

Die Eltern Mario und Juana von Jascheroff flüchteten im Juni 1989 mit ihren beiden Söhnen Constantin und Felix von Ostberlin in den Westen. Nur vier Monate später fiel die Mauer. »Wir hatten ja keine Ahnung, im Frühsommer war von der Wende noch nichts zu spüren«, sagt Mario von Jascheroff, Constantins Vater. »Wir hätten sicher noch gewartet, hätten wir’s gewusst. Ich rief nur noch einmal an und sagte der Behörde, dass sie unser Haus behalten könne.«

Der 59-jährige Schauspieler genoss in Ostdeutschland zwar mehr Freiheiten, als anderen DDR-Bürgern zuteilwurden, doch der Preis dafür war umso höher. »Wenn ich zu einem Gastspiel auf Reisen ging, behielt der Staat meine Kinder als Pfand ein. Sie waren deren Sicherheit, dass ich von meinen Auftritten im Westen immer wieder zurückkehre«, erzählt von Jascheroff. »Das war Zündstoff für unseren Entschluss zur Flucht. Diese Willkür ist schwer zu verstehen. Wir gaben kurz vor dem Aufbruch sogar noch eine geheime Abschiedsparty.«

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Nach dem Mauerfall war Mario von Jascheroff bald nicht mehr nur als Schauspieler gefragt, sondern auch als Regisseur und Synchronsprecher. Walt Disney rief irgendwann zur Besetzung der deutschen Stimme von Micky Maus auf – und Mario von Jascheroff ging als Micky Maus aus dem mehrtägigen Casting hervor. Seine Stimme folgt dabei übrigens dem gleichen Prinzip wie es der Sänger Prince angewendet hat: Falsett.

Die Falsettstimme ist die um eine Oktave hochgestellte männliche Sprech- oder Gesangsstimme, bei der die Stimmbänder nicht vollständig, sondern nur an ihren Rändern schwingen. Sie heißt auch Kopfstimme. Das klingt leichter, als es ist. »Die Micky-Maus-Stimme ist äußerst komplex. Selbst kleine Passagen, auch Takes genannt, werden mehrfach geprobt, bevor sie aufgenommen werden. Sogar auf der Apple Watch bin ich zu hören, wenn ich im Stil von Micky Maus die Zeit ansage«, freut sich von Jascheroff. »Doch nach den vielen Stunden im Studio freue ich mich umso mehr auf mein 993 Cabrio und das Röhren des Sechszylinders«, sagt er und zwinkert.

»Das erste Bild vom Westen, das sich mir eingebrannt hat, waren die vielen bunten Autos. Ich war drei Jahre alt, neben mir auf der Rücksitzbank saß mein Bruder Felix. Wir hielten uns vor lauter Aufregung die Augen zu.« Constantin von Jascheroff

Mit Mitgliedern des Porsche Clubs Berlin trifft sich das Mitglied von Jascheroff regelmäßig. Gemeinsame Ausfahrten stehen genauso auf dem Programm wie der regelmäßige Stammtisch im berühmten Café Literaturhaus in der Fasanenstraße. »Der Besitzer war auch begeisterter Porsche-Fahrer, leider ist er kürzlich verstorben. Jetzt steht jedes Mal sein Rennfahrerhelm an der Stelle seines Platzes beim Stammtisch«, erzählt von Jascheroff und blickt dabei aus seinem 993 Cabrio gen Himmel. »Ich bin äußerst dankbar, ein paar Porsche-Modelle in meiner Garage zu parken, und vergesse meine Wurzeln nicht. Genauso Constantin. Wir arbeiten hart für den Sportwagen unseres Herzens. Die DDR ist immer noch ein Teil von mir, auch wenn wir in den Genuss des Luxus der westlichen Welt gekommen sind.«

Das ZDF produzierte im Jahr 2014 mit den von Jascheroffs die zweiteilige DDR-Dokumentation »Nicht alles war schlecht«. Constantin von Jascheroff begibt sich dabei auf eine Zeitreise in das Land, das er mit drei Jahren verließ und nie richtig kennengelernt hat. Schauspielkollege Jörg Schüttauf, Box-Champion Henry Maske oder der heutige Leiter der Stasiunterlagenbehörde Roland Jahn kommen neben den von Jascheroffs und anderen zu Wort und erzählen von ihrem Leben in der DDR. Constantin schlüpft sogar in die Rolle des Michael Bradler, der von der Stasi verhaftet wurde und mehrere Jahre im Gefängnis saß. »Jetzt weiß ich, warum meine Eltern die DDR verlassen haben. Auch wenn am nächsten Tag die Mauer gefallen wäre: Eine Flucht aus diesem Land war folgerichtig«, so von Jascheroff junior, der dabei seinen Vater anschaut. Die beiden sind mehr als Vater und Sohn, das spürt man als Außenstehender ziemlich schnell, sie sind beste Freunde. Und sie teilen eine Leidenschaft: Porsche.

Die 993-Baureihe ist ihr gemeinsamer Nenner. Und die heimische Garage ist groß. Dort parken: ein 993 Cabrio, ein 993 Targa, ein 993 4S mit dem sogenannten Werks-Turbo-Look, ein 993 Turbo mit der Werkssteigerung 1 (WLS1), der Porsche-GT2-Fahrzeugen als Basis diente. Dann noch ein frisch restauriertes SC Cabrio aus dem Jahr 1983 sowie ein 997 Carrera 4 GTS Cabrio aus dem Jahr 2011.

Vater und Sohn. »Auch wenn wir den Luxus der westlichen Welt genießen, unsere Wurzeln haben wir nicht vergessen.« Mario von Jascheroff

»Mit 27 Jahren erfüllte ich mir meinen ersten Porsche-Traum, ein 993 Coupé. Doch das Erlebnis währte nur kurz, das Coupé wurde aus der Tiefgarage gestohlen. Ich war todtraurig«, so Constantin. »Auf seinen direkten Nachfolger, den 993 Carrera 4S im Werks-Turbo-Look passe ich besonders auf. Ich habe ihn für mich noch etwas überarbeitet. Die Kettenkästen der Nockenwellen habe ich optimiert, dazu noch eine RS-Kupplung, ein Einmassenschwungrad für mehr Drehfreudigkeit und andere kleine Maßnahmen«, fachsimpelt Constantin von Jascheroff. »Ich bin eben ein Jäger, kein Sammler. Der Porsche macht Riesenspaß, kürzlich bin ich zum Dreh von Til Schweigers Film »Klassentreffen 1.0« gefahren und am gleichen Abend wieder zurück. Das waren 600 Kilometer. Jeder Kilometer davon war Genuss pur.«

Von Jascheroff spielt neben Anna Maria Mühe und Fahri Yardim einen jungen Polizeikommissar in der neuen, heiß angekündigten Netflix-Produktion »Dogs of Berlin«. Sicher parkt auch sein Porsche unweit der Drehorte in der deutschen Hauptstadt. Die deutsche Netflix-Produktion erscheint im Dezember. »Sie zeigt Berlin, wie es ist. Für den einen oder anderen vielleicht zu hart, aber das ist nun mal die Wahrheit.« Doch egal ob Schauspielerei oder gemeinsame Musik, für die sie kürzlich bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet worden sind: Die schönste Melodie erklingt für die beiden immer noch aus einem heiseren, luftgekühlten Sechszylinder aus Stuttgart-Zuffenhausen.

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