Porsche-CommunityDudes, Start Your Engine

Porsche Klassik

 · 16.03.2024

Porsche-Community: Dudes, Start Your EngineFoto: Tim Adler
Zum DudeRacing kamen: diverse offene und geschlossene 356, ein leckerer RS60 Spyder,  viele frühe 911, ein 964 Carrera 2 und der originale 906.
Foto: Tim Adler

Es tropft. Erst gemütlich, dann gemein – und nach fünf Minuten schließlich so heftig, dass die Scheibenwischer ihre liebe Mühe haben. Tapfer huschen sie über die flachen Scheiben der alten Porsche, die sich bei diesem Aprilwetter auf den Weg gemacht haben. Nach Sachsen – um dort gemeinsam mit Gleichgesinnten ein Porsche-Wochenende der besonderen Art zu erleben. Eins, das Lust auf die kommende Saison macht. Sie quasi einläutet. Warum? Warum nicht! Schließlich ist »DudeRacing« – eine Mischung aus Treffen und Race-Event – in mehr als zehn Jahren zu einem schönen Kult in der Szene geworden. Mit einem ganz besonderen Höhepunkt, aber dazu gleich mehr. Am ersten Tag, der auf einen Samstag fällt, kämpfen sich alle mehr oder weniger durch den Regen. Grobe Richtung: Augustusburg. Die ansehnliche Festung mit dem urigen Innenhof ist ein prächtiges Überbleibsel aus dem 16. Jahrhundert und liegt – wie die meisten ihrer Art – auf einem ebenso ansehnlichen Berg, was im Allgemeinen geschwungene Asphaltstreifen auf den Plan ruft. In diesem Fall verlaufen diese sogar hübsch ausgewogen – und der Regen hilft dabei, den leichten Heckschwüngen der Porsche-Clique eine Prise Dynamik zu verpassen. Diese Tatsache hebt die Stimmung beim Pausenstopp. Man klopft sich auf die Schulter, wirft einen Blick auf den neuen Umbau oder die fertige Restauration von Bekannten und freut sich trotz des miesen Wetters, es wieder einmal zu dieser Veranstaltung geschafft zu haben. Zu dem Zeitpunkt mag jedoch noch keiner daran glauben, dass die liebe Sonne am nächsten Tag Erbarmen haben soll. Und den Regen verbannt.

Doch genau das ist ihr Plan – und das Timing könnte nicht besser sein: Nach einem verregneten, aber dennoch unterhaltsamen ersten Tag in freier Wildbahn versammelt sich die illustre Porsche-Schar am Sonntagmorgen auf heiligem Boden – der Teststrecke des Porsche-Werks Leipzig. Es nieselt, daher wird zuerst einmal die Cafébar gestürmt. Und mit erwartungsvollem Blick auf den schwarzen Asphaltkreisel geschaut, dessen Ruf ihm weit vorauseilt. Kein Wunder: Jede der neun Kurven wurde einem berühmten Vorbild nachempfunden – vom Suzuka-S über die langsame Rechts aus Sebring bis hin zum Bus Stop aus Spa-Francorchamps ist alles dabei, was an Kurven im Rennsport Rang und Namen hat. Auf der Leipziger Porsche-Teststrecke kann man sie alle erleben – hier wurden sie zu einem einmaligen Ensemble vereint. Und da sich jetzt auch noch die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke sucht, ist die Euphorie der Teilnehmer riesig.

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Eine einmalig schöne Strecke für alte und junge Porsche – sie ist so aufgebaut, dass man die Sportwagen perfekt spüren kann. Auch ohne dabei ans Limit zu gehen.

Bevor es jedoch losgehen kann, spricht der Organisator von DudeRacing ein paar mahnende Worte, schließlich hat man sich hier nicht zu einem Rennen auf letzter Rille verabredet. Vielmehr wollen alle der gemeinsamen Leidenschaft für Porsche-Fahrzeuge frönen und zuvor ein paar Spendengelder für einen guten Zweck geinsammeln. Läuft! Dass die luftgekühlten Heckbrummer aus frühen Tagen in der Überzahl sind, ist bei der aktuellen Sammel-Situation kein Wunder. Da überrascht schon mehr, dass beispielsweise auch ein tadelloser 964 C4 den Weg nach Leipzig gefunden hat. Sein Besitzer, Volker Klemp, ist überglücklich: »Wir standen auf der Warteliste für diese Veranstaltung und haben uns total gefreut, als das Go kam. Vor allem unser 964 – der hier endlich mal passenden Auslauf bekommt.« Vor der Strecke habe er Respekt, erzählt er bei einem Cappuccino. Dann kommen die Instruktoren zu Wort, sie beherrschen nicht nur den Rundkurs, sondern auch ihr Handwerk und wissen, wie sie die Truppe motivieren können. Sie versprechen allen einen »wunderbar schnellen Tag«. Springen wir drei Stunden in der Zeit nach vorn. Ein paar Sonnenstrahlen streicheln gerade die Strecke, während über Start und Ziel vier Porsche unterschiedlicher Baujahre jagen. Ihr Bass ist satt und wummert so wunderbar, dass sich alle anderen Teilnehmer an die Boxenmauern drängen. Und jubeln, weil der kleine 914/6 das Feld anführt, hinter dessen Lenkrad Volker Weber sitzt. Seinen Wagen hat er 1980 als Student gekauft – für 2.000 DM: »Damals wollte die Teile einfach keiner haben, die standen teilweise wie Blei.« Dass er bei diesem Event neben einem Porsche 356 GT Le Mans und einem echten 906 starten kann, zaubert ihm eine Gänsehaut auf die Unterarme. Ähnlich geht es den anderen Fans, die den anspruchsvollen Kurs Runde für Runde besser kennenlernen. Und zwischendrin in der Boxengasse über Reifen, Fahrwerke, Sitze und Ersatzteilqualitäten plauschen. Dabei knistern ihre alten Schätzchen um die Wette, riecht die Luft angenehm nach Öl und warmen Pneus. Kurz gesagt: Ist das Leben wunderbar.

Wir kommen mit Peter Inversen ins Gespräch, der mit seinem Porsche 906 den hier teuersten Wagen mitgebracht hat. Ein wunderschöner Rennwagen, nahezu in Originalzustand. Für Peter ist die Veranstaltung ideal, »um seinen 906 wieder mal etwas fordern zu können.« Elke Middeldorp und ihr roter 911 T Baujahr 1969 stehen gleich daneben. Die vielen Aufkleber auf dem Dach ihres Porsche verraten, die Frau hat es faustdick hinter den Ohren: »Ja, Sie haben richtig erkannt, ich bin mit meinem Elfer bereits bei der berühmten Carrera Panamericana gestartet. Insgesamt bereits fünf Mal! Dieser Elfer war jedoch noch nicht ganz so oft dabei, aber das kann ja noch werden«, schmunzelt sie verlegen und kann zu seinen vielen Schrammen lauter lustige Anekdoten erzählen. Nach dem guten Mittagessen mit reichlich Benzingesprächen spaltet sich das Teilnehmerfeld auf: in diejenigen, die ihren Fahrzeugen noch ein paar schnelle Runden spendieren und sie dann leider schon wieder verladen müssen, um am Abend die ferne eigene Garage erreichen zu können. Und in all jene, die es auf der Strecke noch lange krachen lassen – wann hat man schließlich schon mal die Chance, über diesen Kurs zu tanzen. Stefan Neukirchen sitzt in seinem Porsche 356 GT Le Mans und fühlt das Erlebte noch einmal nach: »Tolle Strecke für meinen GT, der so gebaut ist, dass ich ihn auf so einem Parket perfekt spüren kann.« Dem können die verbliebenen Teilnehmer nur zustimmen – auch sie klettern adrenalinverzaubert aus ihren alten Wagen. Zu verdanken haben sie diese Glücksgefühle übrigens dem guten Draht von DudeRacing zum Porsche-Werk Leipzig, das jedes Jahr für einen Tag seine Strecke hergibt. Respekt!

Als die letzte Runde des Tages abgewinkt ist, wird sich in der Boxengasse verabschiedet. Wohlwollende Worte fliegen umher, Verabredungen werden getroffen, Pläne für neue Umbauten geschmiedet. Nach den langen dunklen Tagen ist die neue Saison mit den alten Porsche endlich da – dessen sind sich alle bewusst. Und steuern bestens gelaunt gen Heimat. Für die Jungs von DudeRacing ist die Arbeit getan – und beginnt genau genommen auch aufs Neue: die Orga-Zeit fürs nächste Treffen dieser Art. In der Szene sind die Veranstaltungen längst keine Geheimtipps mehr, daher herrscht Jahr für Jahr großer Andrang auf die rund 65 Plätze. Vor dem Starterfeld muss sich dabei keiner fürchten – es geht nicht darum, hochpreisig restaurierte Modelle zu präsentieren. Sondern mit viel Freude alte Porsche zu bewegen. Patina? Gerne doch! Leistung? Egal! Um ein Bild zu bekommen: Dieses Mal waren diverse offene und geschlossene 356 dabei, ein leckerer RS60 Spyder, viele frühe 911, ein 964 Carrera 2 und der originale 906 aus dem hohen Norden. Um die Startplätze für 2018 wird bereits hart verhandelt.

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