Felix Bauermeister„Heizr“-Club Szene-Treff

Tobias Kindermann

 · 17.02.2026

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Foto: Moritz Ablinger, Yannick Hoos (14)

2021 ist das alles aus Spaß und ein wenig auch aus der Not heraus entstanden“, erzählt Felix Bauermeister (35) über die Anfänge. Nach dem Kauf seines ersten 911 fehlte ihm der Anschluss zur Szene. Seine Lösung: Ein Instagram-Aufruf zu Afterwork-Treffen. „Beim ersten Mal waren sechs Fahrzeuge und deren Besitzer dabei. Beim zweiten waren es 30 und ein paar Monate später dann 100 bis 150 Fahrzeuge auf irgendwelchen Parkdecks.“

Und heute? Zählt der Heizr-Club 3.000 Besucher und bis zu 500 Fahrzeuge bei seinen Events. Das Erfolgsgeheimnis? „Da spielen brutal viele Dinge eine Rolle“, sagt Bauermeister. Die neuen digitalen Medien trügen zum großen Teil zum Wachstum teil: „Es sind heute einfach wichtige Kommunikationskanäle. Und dementsprechend sind wir darüber auch wahnsinnig schnell gewachsen. Das war letztendlich der Anfang vom Erfolg.“

Die digitale Strategie zahle sich aus: „So schaffen wir es eben auch, über die Ländergrenzen hinweg Menschen zu erreichen. Und haben dementsprechend auch internationale Gäste, die davon mitbekommen haben.“

GENERATION SOCIAL MEDIA

Was unterscheidet den Heizr-Club von etablierten Oldtimer-Treffen? „Wir versuchen, frischen Wind in die Szene zu bringen", erklärt Felix Bauermeister. „Gerade die Dinge, die uns auch in unserer Freizeit begleiten, erwarten wir natürlich auch irgendwie auf den Events. Ich möchte einen Aperol Spritz aus dem Glas trinken, ich möchte coole Musik hören, ich möchte einen Smashburger oder eine Pizza aus dem Steinofen. Ich möchte mehr als die Wurst im Brötchen, die natürlich dennoch ihre Berechtigung hat und die ich auch sehr gerne mag.“

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Die andersartigen Locations seien bewusst außergewöhnlich gewählt: „Sei es ein Steinbruch, sei es ein Schrottplatz, sei es eine alte Fabrik oder Ähnliches. Und so, dass der Kontrast von den Fahrzeugen zur Umgebung sehr schön wirkt“, sagt Bauermeister.

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„VIELE JÜNGERE OLDTIMERFANS BEVORZUGEN EINE ENTSPANNTE ATMOSPHÄRE OHNE DIE ÜBLICHEN CLUBZWÄNGE.“

Besonders erfolgreich sei das Event bei Kaatsch Recycling im Juli 2025 gewesen: „Das war der Schrottplatz bei Stuttgart. Es gibt auch noch Ideen, wie wir das künftig noch interessanter gestalten können. Die hohen Besucherzahlen und das durch die Bank positive Feedback sprechen für sich.“

Location und Besucher würden sich gegenseitig befruchten. „Wir haben sehr viele Fotografen auf den Events, die sich dort austoben. Wir versuchen immer Szenarien zu gestalten, in denen man schöne Fotos und Videos produzieren kann, so dass die Fahrzeuge gut in Szene gesetzt werden.“ Die junge Zielgruppe habe zudem klare Erwartungen an die Randbedingungen: „Gute Drinks, gutes Essen, gute Musik. Und das Ganze muss dementsprechend auch fotogen sein und auf Videos außergewöhnlich aussehen.“

Die zweite Besonderheit des Heizr-Clubs sei die Partnerschaft mit Porsche. „Porsche war schon immer in meinem Herzen verankert und gehörte vermutlich zu meinen ersten gesprochenen Worten.“ Porsche war dann, zu seinem Erstaunen „und zu meiner Ehre“, einer der ersten Sponsoren, die im Frühstadium der Heizr-Bewegung zu den Parkhaus-Treffen gekommen seien und Felix Bauermeister gefragt hätten, wie man ihn unterstützen könne. „Sie kamen am Anfang mit Magazinen oder mit einem Kofferraum voller Energydrinks.“ Was mit bescheidenen Mitteln begann, entwickelte sich zu einer strategischen Partnerschaft.

„Mittlerweile ist es im Wesentlichen die größte junge Community, die von Porsche gefördert wird", erklärt Bauermeister. Der Grund für das Engagement liege auf der Hand: „Porsche hat relativ früh verstanden, dass Communities in Zukunft eine große Rolle spielen werden. „Viele jüngere Oldtimerfans bevorzugen eine entspannte Atmosphäre ohne die üblichen Clubzwänge wie feste Standordnungen oder vorgeschriebene Fahrzeugreihenfolgen bei Ausfahrten – sie schätzen vielmehr das Ungezwungene, die Lockerheit.“

„PORSCHE WAR SCHON IMMER IN MEINEM HERZEN VERANKERT UND GEHÖRTE VERMUTLICH ZU MEINEN ERSTEN GESPROCHENEN WORTEN.“

Über BWL-Studium und Auslandsaufenthalte, Stationen bei Volkswagen und Porsche landete der gebürtige Hamburger schließlich beruflich bei Mercedes. Da leuchtet es ein, dass Felix Bauermeisters eigene Klassiker-Geschichte mit einem Mercedes W123 Coupé begann, bevor er zu seinem ersten 911 fand: „Porsche war natürlich immer ein Traum und dann habe ich ein sehr günstiges Auto in England gefunden, einen roten 3.2 Carrera. Den habe ich dann über die Corona-Zeit viel bearbeitet, jede Menge daran gemacht und stetig optimiert – sei es beim Fahrwerk oder der Optik.“

Und trotzdem: Es war nicht sein Traumwagen: „Das war mein erster Porsche, den ich ursprünglich nie verkaufen wollte. Letztendlich habe ich mich aber doch davon getrennt, weil ich mit der roten Farbe nie richtig warm geworden bin – ich bin wählerisch, was Farben angeht.“ Stattdessen kaufte Bauermeister einen 911 SC in Kaschmirbeige, inzwischen nah am Idealzustand. „Das Interieur ist in einem warmen Cognac-Ton mit grau-beigen Akzenten und Nadelstreifen gehalten, dazu kommen ein Sportlenkrad und ein sportliches Fahrwerk. Den ursprünglichen Motor habe ich gegen einen 3.2 Carrera mit schärferen Nockenwellen getauscht, eine neue Abgasanlage und ein KW-Fahrwerk verbaut – so entstand mein ultimativer Elfer.“ Der Ansatz für den Umbau war pragmatisch: „Perfektion ist nicht mein Anspruch. Wichtig ist mir, dass das Auto hervorragend performt und Fahrspaß bietet – und das tut es definitiv.“

Seit Sommer 2025 kümmert sich Bauermeister hauptberuflich um den Heizr-Club. „Es ist kein Verein im eigentlichen Sinne. Es heißt nur Club, es ist aber eigentlich eine offene Com munity. Es gibt keine Mitglieder und auch keine Jahresbeiträge. Man kann sich ein Ticket kaufen und am Treffen teilnehmen.“

Zwischen den Veranstaltungen koordiniert Felix Bauermeister das Ganze praktisch allein: „Tatsächlich ist es eine Ein-Mann-Show – ich kümmere mich um sämtliche Bereiche: Sponsorenbetreuung, Eventplanung, die Suche nach neuen Locations, Partnergespräche sowie die gesamte Social-Media-Präsenz mit Instagram, Foto- und Videoproduktion.“

FOTOGENE LOCATIONS

Der ungewöhnliche Name war eine spontane Eingebung, ebenso schnell war ein Instagram-Kanal eröffnet. Rückblickend betrachtet er die Namenswahl jedoch mit gemischten Gefühlen: „Im Nachhinein hätte ich vielleicht eine andere Bezeichnung gewählt. Man kann sich vorstellen, welche Reaktionen es hervorruft, wenn man bei einer Behörde ein Event vom ‚Heizr-Club‘ anmelden möchte – da erntet man naturgemäß erst einmal Fragezeichen.“

Nicht alle verstünden den neuen, anderen Ansatz. Beim Event am Schrottplatz bei Stuttgart erlebte Bauermeister ein Art Generationskonflikt: „Da hatten wir einen Gast, der kam vier Stunden zu früh, weil er den Artikel in der Zeitung falsch gelesen hatte und meinte dann: ‚Wie könnt ihr Eintritt verlangen – junge Leute haben doch gar kein Geld für solche Autos!‘ Und dann ist er etwas verärgert wieder weggefahren.“

Doch die Erfahrung zeige: Wer einmal da war, sei überzeugt, käme wieder. „Ich habe schon oft erlebt, dass ältere Oldtimer-Enthusiasten von ihren Söhnen oder Enkeln zu unseren Events mitgebracht wurden und anschließend völlig begeistert waren. Diese Atmosphäre muss man einfach einmal selbst erfahren haben.“ Es sei ein ganz besonderer Vibe auf den Veranstaltungen. „Die Atmosphäre ist sehr offen und herzlich – ein Miteinander. Niemand wird wegen seines Fahrzeugs von oben herab behandelt. Ganz im Gegenteil herrscht die Einstellung: ‚Komm, setz dich rein und schau dir alles in Ruhe an‘.“

Felix Bauermeister sieht die Herausforderungen bei der Verjüngung der Oldtimer-Szene gelassen: „Ich erkenne eigentlich keine größeren Schwierigkeiten. Im Gegenteil beobachte ich eine wachsende Begeisterung für diese Fahrzeuge. Das liegt möglicherweise auch daran, dass klassische Autos in Werbung und Musikvideos immer präsenter werden – sie sprechen die Menschen emotional an und wecken Sehnsüchte.“

Das eigentliche Problem liege woanders: „Noch wichtiger wäre es, jungen Menschen den direkten Zugang zu diesen Fahrzeugen zu verschaffen – damit sie diese selbst erleben können: Das bereitet unglaubliche Freude und ist wunderbar ursprünglich. Mit einem klassischen Auto entdeckt man das Fahren völlig neu, ganz anders als mit zeitgenössischen oder elektrischen Modellen.“

Steigende Oldtimerpreise sieht Bauermeister gelassen: „Klassiker wie ein Golf I oder II oder ein Mercedes 190 sind durchaus noch erschwinglich. Im Vergleich zu Neuwagenpreisen erscheinen sie mir sogar deutlich nachhaltiger, da diese Fahrzeuge ihren Wert tendenziell halten oder sogar steigern – ein Vorteil, den Neuwagen selten bieten.“

GEMISCHTE GEMEINSCHAFT

Selbst ein 911 der G-Serie für 50.000 bis 60.000 Euro sei eine gute Investition: „Da steht in der Garage ein wertbeständiges Objekt. Diese Stabilität bietet ein Jahreswagen im gleichen Preissegment definitiv nicht.“ Seine Einschätzung: „Natürlich ist es letztendlich ein Spielzeug und Luxusgut, das niemand wirklich benötigt. Man kann den Klassiker durchaus zum Hauptfahrzeug machen oder im Alltag nutzen – vielleicht ist man ansonsten ohnehin mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Aber für dieses Hobby muss man Leidenschaft mitbringen.“

Auf die Frage nach der Rolle der Frauen in der männerdominierten Oldtimer-Szene antwortet Bauermeister klar: „Letztendlich nehmen Frauen dieselbe Rolle ein wie Männer. Obwohl das Thema Automobil traditionell männerdominiert ist, erlebe ich zunehmend, dass Frauen oft die treibende Kraft sind, wenn es darum geht, sich einen schönen Klassiker anzuschaffen.“

Der Lifestyle-Charakter seiner Events macht einen spürbaren Unterschied: „Im Mittelpunkt steht auch die Person, nicht nur das Auto. Die Männer bringen ihre Partnerinnen mit und diese verbringen dort eine ebenso schöne Zeit – ob sie nun in einem Stadtcafé bei Aperol Spritz oder Flat White entspannen oder bei uns, wo zusätzlich noch etwas Faszinierendes geboten wird.“

Die Community, die Bauermeister aufgebaut hat, zeichnet sich durch Vielfalt aus: „Es ist eine Gemeinschaft entstanden mit einer sehr guten Balance – von Auszubildenden, die ihr gesamtes Erspartes in einen Golf II investieren, bis hin zu Sammlern mit 250 Fahrzeugen in der Garage, die jedes Mal mit einem anderen Klassiker erscheinen. Alle verstehen sich prächtig, und genau das macht es so außergewöhnlich.“

Bauermeisters Vision für die kommenden zehn Jahre: „Es ist nicht mein Anspruch, die größte Szene aufzubauen, die größte Community, sondern tolle Events auf die Beine zu stellen, mit neuen Konzepten um die Ecke zu kommen. Gerade fahraktive Events werden für mich immer interessanter. Es wird zunehmend interessanter, das eigentliche Fahren wieder stärker zu integrieren – etwa Rennstrecken-Events mit dem Heizr-Konzept zu verbinden." Etablierte Locations wie die Motorworld Metzingen und Kaatsch Recycling sollen aber fester Bestandteil des Programms bleiben. Am Ende sei der Ansatz aber doch ganz einfach zu verstehen: Erst kämen die Menschen, dann die Maschinen.

​​Erschienen in Ausgabe 2-2026.