Stattdessen rücken die Autos nach vorn, die die heutige Generation von Sammlern selbst geprägt haben. Wir reden hier verstärkt von den 1980er- und 1990er-Jahren. Es ist also eine natürliche VERSCHIEBUNG. Man sucht das, was man früher selbst schon cool fand.
Spannend sind auch die Unterschiede auf dem internationalen Markt. Der Porsche 356 B SC beispielsweise liegt laut Oldtimer-Index in Deutschland bei einem Minus von 4,8 Prozent. Auf dem amerikanischen Markt jedoch rangiert er leicht im Plus. Beim Wertgutachten wird es dann schwierig, valide Aussagen zum Wiederbeschaffungswert zu treffen, wenn das Interesse an einem Derivat in Europa einbricht, in den USA jedoch steigt.
Ein weiterer Trend, der sich verfestigt, ist die Suche nach dem Fahrspaß. Das sieht man gut beim 993. Klar, die Turbo-Modelle waren schon immer gefragt, aber mittlerweile erreicht das Interesse ein breiteres Segment. Die Leute wollen Autos, die den Charme eines Klassikers versprühen, aber gleichzeitig so zuverlässig sind, dass man sie auch im Alltag bewegen kann. Auch der 996 rückt dadurch mehr in den Fokus. Die Akzeptanz für die moderneren Klassiker steigt, weil sie eben diesen Spagat zwischen Nostalgie und Nutzbarkeit sehr gut meistern.
Was wir im Kundenkontakt ebenfalls beobachten: Der Trend geht weg vom „Standard-Porsche“ hin zur absoluten Individualität. Vor allem Kunden aus den USA grasen den deutschen Markt und sogar Portale wie Kleinanzeigen nach ganz spezifischen Details ab. Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Ein F-Modell? Gerne, aber bitte in einer seltenen Sonderfarbe! Alles, was besonders oder limitiert ist, bleibt weiterhin sehr gefragt. Wer ein Auto besitzt, das es so nur 50-mal gab, spielt in einer eigenen Liga – völlig losgelöst von volatilen Marktschwankungen.
Der Porsche-Markt sortiert sich also gerade ein wenig neu. Es ist weniger die Zeit der schnellen Spekulation, sondern mehr die Zeit der bewussten Entscheidung. Es geht um die Historie, die Seltenheit und vor allem um den persönlichen Bezug zum Fahrzeug. Das Schöne daran: Es zeigt, dass es weiterhin eine emotionale Entscheidung bleibt, einen Porsche zu kaufen – und das ist für uns alle doch eigentlich die wichtigste Nachricht.
Haben Sie auch eine Frage an unsere Expertin? Schreiben Sie uns an info@porscheklassik.com