Ästeht in LederhosenMarkus Meindl

Porsche Klassik

 · 17.02.2024

Ästeht in Lederhosen: Markus MeindlFoto: Peter Straub
Den 356er in klassischem Taubenblaugrau hat Meindl gemeinsam mit Bekannten in mühsamer Kleinarbeit komplett selbst restauriert. Er mag es unverfälscht und authentisch.
Foto: Peter Straub

Wenn man mit Markus Meindl ins Gespräch kommt, geht es natürlich irgendwann um Mode und Lederhosen. Das ist sein Metier. Aber es geht auch ziemlich schnell um Begriffe wie Echtheit, Nachhaltigkeit, Geradlinigkeit. Das ist seine Passion. Solche Begriffe fallen unweigerlich, wenn er zum Beispiel einen Einblick gewährt hinter die Kulissen seines Unternehmens. Die Kulissen sind sein Ladengeschäft, gleichzeitig die Geburtsstätte des Unternehmens. Hier hat sein Vorfahr Petrus Meindl 1683 einen Schusterbetrieb eröffnet. »Hinter dem Laden und der Werkstatt hatten meine Großeltern noch ihre Wohnstube«, erzählt der 45-Jährige Markus Meindl selbst ein wenig gerührt bei den Gedanken an seine Kindheit. Heute lockt dort ein schickes Schaufenster. Aber was heißt lockt? Viel Laufkundschaft gibt es nicht in Kirchanschöring, einer gut 3.000-Seelen-Gemeinde in der äußersten südöstlichen Ecke von Deutschland. Die Kunden kommen ganz gezielt: Weil sie hier finden, was sie woanders vergeblich suchen.

Sein Angebot heißt Qualität. Man nimmt es an oder nicht. Nach diesen Maßstäben entscheidet er auch für sich selbst. Beim Auto heißt die Antwort: Porsche! Er fährt einen Cayenne, das heißt, oft fährt ihn seine Frau Daniela, die damit die Kids Maria, Valentin und Greta in der Gegend herumkutschieren muss. Das passt dem Hausherrn eigentlich ganz gut. Dann kann er die andere Doppelgarage seines Neubaus öffnen und zwischen seinen zwei Lieblingsgefährten wählen: einem 911 Targa, Baujahr 84, und dem Nachbarn, einem himmelblauen 356er.

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Beide sind super restauriert, aber nicht aus dem Ei gepellt. »Ich benutze sie ja auch richtig«, sagt Meindl, während er heute den 356er wählt und dem typischen Käfer-Geräusch des warm laufenden Motors lauscht. Nach eigenen Aussagen hat er ihn »als Ruine gekauft, aber damals, noch vor dem totalen Boom, für eine vergleichsweise lächerliche Summe«. Gemeinsam mit fachkundigen Bekannten hat er ihn monatelang restauriert. »Wir haben ihn komplett in alle Einzelteile zerlegt.« Unter den Überlackierungen haben sie die Originalfarbe gefunden, dieses klassische Taubenblaugrau, und nach einigen Versuchen rekons-truiert. Drinnen wurde alles möglichst original gelassen. »Kein Schnickschnack dazu. Es muss authentisch sein, seine Patina haben.« Das Leben hinterlässt Spuren. Das zeugt von Echtheit. Meindls Credo.

Für Meindl ist klar: Man muss die Kultur, die Geschichte, die Authentizität spüren. Auch beim Rundgang durch seine Produktion wird das an jeder Station spürbar. Sowohl im Umgang mit den Materialien als auch im Respekt der Mitarbeiter.

Zum Thema »Lebensspuren« zählt auch die Tatsache, dass Meindl das Schiebedach seines 356er Coupés selbst bei Ausfahrten an strahlenden Sommertagen nicht öffnet. »Hier in den Bergen kann sich das Wetter schnell ändern. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich das Verdeck bei Regen auch wirklich wieder schließen kann«, schmunzelt er.

Heute Morgen ist es erst einmal nur eine kurze Fahrt von seinem Wohnort ins benachbarte Kirchanschöring, seinem Firmensitz. Meindl selbst wohnt in Laufen, direkt an der österreichischen Grenze, ein halbes Stündchen von Salzburg entfernt. Hier hat er sich und seiner Familie ein Haus gebaut, das in jedem Detail typisch ist für seine Denkweise und seine Einstellung. »Ich baue nur schöne Dinge. Die ich selbst bewohne. Mit ehrlichen Materialien: Holz, Sichtbeton, Glas, Naturstein, Leder. Modern, aber warm«, erklärt Meindl und hat damit im Prinzip sein Eigenheim vollumfänglich beschrieben. Die Fassade besteht aus Winterlärche, »die hält 100 Jahre«. Auf dem Grundstück befand sich früher eine Brauerei. Unter der Wiese und dem Haus sind die alten Gewölbe noch erhalten. Darin ist die ultramoderne Heizungsanlage untergebracht und immer noch reichlich Platz für Weinkeller und eine Bogenschießanlage.

Die Fahrt in die Firma dauert nur gut zehn Minuten. Aber die genießt er intensiv am frühen Morgen. Ab 7 Uhr ist Markus Meindl jeden Tag am Arbeitsplatz. »Aber die Fahrzeit ist Freizeit!« Natürlich nur in seinen Lieblingsgefährten. Darin erlebt er seine persönliche Form der Entschleunigung. Im 356er sowieso, der ist als schnellstes Straßenfahrzeug seiner Zeit heutzutage nicht mehr auf der Höhe möglicher Geschwindigkeiten und Beschleunigungen. Aber auch in seinem 911er fühlt Meindl sich freier als in anderen Autos, »allein schon, weil er keine Freisprechanlage hat und ich nicht während der Fahrt telefonieren muss«.

Die Firma Meindl gibt es mittlerweile zweimal: Meindl-Schuhe und Meindl-Fashion. »Wir haben sie geteilt, das ist strategisch und familienpolitisch sinnvoller.« Seine beiden Cousins machen die Schuhe, Markus Meindl und sein Vater Hannes die Modelinie. »Wir produzieren nur Sachen, die ich selbst brauchen oder anziehen würde«, sagt der Chef, der mit seiner kernigen Statur und dem grauen kurzen Vollbart auch als Model für die Kollektion herhalten könnte. »Und entsprechend natürlich Damenmode.«

Ein Highlight der Kollektion sind natürlich die Lederhosen. Bis zu 60 Stunden Handarbeit stecken in einem Spitzenmodell – das kann dann auch schon mal 2.000 Euro kosten. Meindl zuckt mit den Schultern: »Für eine Hose findet man das teuer. Aber wenn man das Auto zur Reparatur bringt, ist das normal.« Dabei hält das in den meisten Fällen nicht so lange.

Meindl stellt sein Know-how in Sachen Leder auch anderen ausgewählten Kooperationen zur Verfügung. »Wir haben auch schon mit Porsche Design zusammengearbeitet«, erzählt er auf der Fahrt nach Hause zum Mittagessen. »Zu dem ersten Treffen in deren Stammsitz in Zell am See dachte ich, ich müsste besonders stilecht vorfahren«, lacht er im Nachhinein über sich, weil er mit seinem vierköpfigen Team die rund 100 Kilometer hin und wieder zurück in dem 356er bewältigt hat.

Am Nachmittag gönnt sich Markus Meindl wirklich ein paar Stunden Freizeit. Er schnappt sich den dreijährigen Sohn Valentin für eine Ausfahrt zum Mondsee im nahegelegenen Salzburger Land. Seine Wahl fällt nach kurzer Bedenkzeit und einem Blick zu den grauen Wolken am Himmel auf den 911er. Der rauscht durch die grüne Idylle, über die geschwungenen Straßen und knackigen Serpentinen den Berg hinauf, von dem man bei gutem Wetter, also besserem als heute, »bis nach München sehen kann«.

Die letzten Meter vor der Waldwirtschaft wird Valentin von dem Rücksitz befreit und darf auf dem Schoß des Vaters die Hände ans Lenkrad halten. Der Kleine ist schon total fixiert auf Autos, vor allem auf dieses. Markus Meindl lacht – etwas verlegen: »Sein erstes Wort war Porsche.«

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