Die Welt als großer Marktplatz. Jedes Inserat eine Chance. So einfach war es tatsächlich einmal. Vor zehn bis 15 Jahren herrschte eine Art Goldgräberstimmung bei Importen vor allem aus den USA. Was ist davon noch geblieben? Christian Reyer (39) ist seit nun 18 Jahren im Geschäft und Chef der Reyer Group. Mit seiner Firma transportiert, exportiert und importiert er Fahrzeuge rund um die Welt. Und er ist Porsche-Fahrer. In seiner Garage: ein 997 Carrera 4S Cabrio von 2012. Er ist einer, der sich auskennt und dessen Herz im Boxertakt schlägt. Seine neuesten Nachrichten für alle, die sich für ein Fahrzeug zum Beispiel aus dem USA interessieren, sind durchaus gemischt.
Die derzeitige Weltsituation bedeutet für den Import von Oldtimern zunächst mal gar nicht so viel. Das mag seltsam klingen, doch bereits seit Corona sind die Transportpreise auf einem stabil hohen Niveau. Die Steuern und Abgaben gestalten sich nach wie vor günstig. Bei Fahrzeugen aus den
USA mit einem Alter über 30 Jahren und auch generell beim Import aus einem Drittland wie etwa UK, Schweiz oder UAE gilt: kein Zoll und nur 7% Einfuhrumsatzsteuer. Das könnte eine gute Nachricht sein, doch verglichen mit der Situation von vor etwa zehn Jahren ist der Markt schwierig geworden, weiß der Experte: „Damals konnte man fast alles, was noch halbwegs Zustand 3 entsprach, aus den USA holen und konnte sich – von Ausnahmen abgesehen – sicher sein, dass man günstig kauft. Der Wechselkurs war für die Europäer vorteilhaft, die Transportkosten übersichtlich und der Markt voll mit Autos. Denn im Nachgang der Immobilienkrise haben viele Amerikaner verkauft.“ Inzwischen sei der Markt aber regelrecht abgegrast. Zudem verhageln die seit Jahren hohen Transportkosten und der starke Dollar Importeuren das Geschäft. Da lohnt es sich eigentlich nur noch, echte „Perlen“ nach Europa zu holen. Christian Reyer rät dazu, sehr genau auf Fahrzeughistorie und Zustand zu achten. Für mittelklassige Fahrzeuge ist die Chance auf ein neues Leben in Europa geringer geworden. Was aber ist mit Fahrzeugen, die noch nicht das H-Kennzeichen tragen dürfen? Christian Reyer wiegt bedächtig den Kopf hin und her: „Das macht bei 10 % Zoll und 19 % Umsatzsteuer plus Transportkosten im Grunde wenig Sinn. Dafür sind die Fahrzeuge im Ausland in der Regel zu teuer.“ Das gilt für alle Fahrzeuge, die jünger als 30 Jahre alt sind. Ausgenommen sind hier natürlich spezielle Sammlerstücke, die voraussichtlich im Wert weiter steigen werden.
Inwieweit sich der Iran-Krieg auswirken wird, ist noch ungewiss. Tatsächlich sind aus den USA und auch aus Europa in den vergangenen Jahren viele Fahrzeuge an solvente Fans in Saudi-Arabien, Bahrain, die Emirate, Dubai oder Kuwait gegangen. Die Porsche Community ist vor allem in Dubai sehr groß. Dorthin sind die Lieferketten derzeit (Stand bei Redaktionsschluss Mitte April) unterbrochen. Der hohe Ölpreis mit entsprechenden Gewinnmargen für die Oberschicht der ölfördernden Staaten wird aber dafür sorgen, dass die Kauflust nach einem Ende der unmittelbaren Kampfhandlungen sicherlich wieder zurückkehrt. Mittel- bis langfristig ist in dieser Weltregion außerdem ein Bevölkerungswachstum zu erwarten. Und auch der Hunger der Welt nach Öl ist ungebrochen. Insofern ist damit zu rechnen, dass dieser Markt stark bleibt und aufgrund des fehlenden eigenen Oldtimerbestandes in anderen Weltregionen und auf anderen Kontinenten einkaufen wird.
Aber da ist noch ein anderer Aspekt: junge Gebrauchte werden in dieser Weltregion häufig schnell wieder abgestoßen – und das zu durchaus interessanten Preisen. Auch dann muss man, abgesehen von den Logistikkosten, noch 10 % Zoll und 19 % Umsatzsteuer hinzurechnen. Für Oldtimer, die älter als 30 Jahre sind, gelten wieder Vergünstigungen.
Was, wenn man den eigenen Porsche verkaufen möchte, ihn auf einem Portal inseriert – und dann meldet sich jemand aus den USA? Mal angenommen, alles erscheint seriös und man wird sich einig. Wie läuft dann der Export ab? Das ist trotz der hohen Zölle durch Trump auf jeden Fall ein Thema im Hochpreisbereich. Die Mittelschicht in den USA kauft zwar wenig bis gar nicht, dafür aber die High-End-Sammler, so Reyer: „Wir beobachten inzwischen einen gegenläufigen Trend: Fahrzeuge aus Europa werden in die USA gebracht,“ so Christian. Diese Entwicklung gilt insbesondere für gut gepflegte 964 und 993 mit lückenloser Historie. Die Frachtraten spielen hierbei keine Rolle. Mitunter stehen bei Christian Rey er auch bereits gekaufte Porsche auf Halde. Hier warten die Käufer in den USA noch ab mit dem Import, denn nachdem der Oberste Gerichtshof der USA Trumps Zollpolitik zum Teil kassiert hat, könnten sich die Zölle wieder dramatisch verringern. Vor dem Chaos waren es 2,5 %, derzeit kommen Strafzölle hinzu. Bei Heftschluss lag der Zollsatz bei 12,5 %. „Die Verunsicherung bei den Kunden in den USA ist groß.“, sagt Christian Reyer. „Als quasi über Nacht die Zölle kamen, hatten wir tatsächlich die Situation, dass ein Schiff mit Fahrzeugen, die wir in die USA transportieren sollten, unterwegs war und dann mit einem Male die Zölle rückwirkend obendrauf kommen sollten. Eine wirklich unschöne Situation für die Käufer in den USA“
Nun ist Christian Reyer jemand, der mit der Organisation von Transporten sein Geld verdient, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass er dazu rät, Importe oder Exporte nur mit einem Fachmann an der Seite durchzuziehen. „Aber das macht schon ganz erheblich Sinn“, erklärt Reyer, „denn gerade bei Geschäften mit Ländern in Nahost – und da sehe ich für die Zeit nach dem hoffentlich baldigen Kriegsende einen großen Markt – sind Kenntnisse von Geschäftspraktiken und über benötigte Unterlagen absolut wichtig.“ Und auch wenn es um so banale Dinge geht, wie „soll das Auto im Sammelcontainer oder Zweipack-Container verschifft werden“, ist es gut, einen Experten zu haben, der sich von A wie Abholung bis Z wie Zoll, um alles – und das von Tür zu Tür – kümmert. Christian Reyer dazu: „Als Kunde würde ich es sehr schätzen, vor dem Versand meines Traumfahrzeugs umfassend über die verschiedenen Logistikoptionen – etwa Container- oder Lufttransport – beraten zu werden. Gerade bei einem so emotionalen und wertvollen Gut wie einem Porsche geht es nicht darum, ein paar Euro zu sparen, sondern darum, Risiken von vornherein zu vermeiden.“
Eine fundierte Beratung gibt dem Kunden die Sicherheit, die richtige Entscheidung treffen zu können – beispielsweise zu verstehen, ob ein Fahrzeug in einem Zweier-Container ebenerdig und ohne zusätzliche Beladung transportiert wird oder in einem Sammelcontainer, bei dem unter Umständen ein weiteres Fahrzeug darüber verladen wird. Der Experte weiß: „Solche Details machen einen großen Unterschied, denn am Ende möchte ich sicher sein, dass mein Fahrzeug genauso unversehrt ankommt, wie ich es mir erträumt habe – und nicht mit vermeidbaren Schäden wie einem Ölfleck auf dem Stoffverdeck, nur weil ich über die Transportoptionen nicht ausreichend informiert war.“
Erschienen in Ausgabe 4-2026