Steffen Wagner
· 22.02.2026
Erschienen inAusgabe 2-2026.
Die meisten Taycan stehen in besseren Wohngegenden mit großen Häuser und Garagen, Wallbox inklusive. Aber der Cross Turismo zeigt sich anders, enthält ein Versprechen von Abenteuer, eine Extraportion Bodenfreiheit und eine Prise Outdoor-Flair.
Klar, optisch bleibt der Cross Turismo dabei jederzeit als Taycan erkennbar: tiefer Schwerpunkt, muskulöse Schultern, lange Dachlinie, gelungene Silhouette. Dazu kommen zur Differenzierung dezente Offroad-Akzente wie robuste Kunststoffelemente an Schwellern und Radläufen. Alles wirkt stimmig, nichts aufgesetzt. Außerdem gibt es noch den „Gravel Mode“, der die Karosserie im Ernstfall um drei Zentimeter anhebt – praktisch, wenn’s mal über Schotter oder Schnee gehen soll. Viel mehr Geländekompetenz ist allerdings nicht zu erwarten, und wer einen rustikalen Crossover mit E-Antrieb sucht, muss seine Suche fortsetzen. Der Cross Turismo ist doch viel eher ein Sportwagen mit Trekking-Schuhen.
Seine Stärken liegen in der gelungenen Offroad-Optik und dem praktikablen Platzangebot. In den „Frunk“ unter der vorderen Haube passen 81 Liter (die allerdings bei Mitführen der Ladekabeltasche auf rund die Hälfte schmelzen), im hinteren Kofferraum addieren sich 446 Liter hinzu.
Der Taycan 4S Cross Turismo setzt auf zwei Elektromotoren mit zusammen bis zu 517 PS. Damit ist er die Nummer 3 der vier verfügbaren Motorisierungen. Und eine absolut vernünftige Entscheidung, mit der man trotzdem noch sehr viel Fahrspaß erleben darf. Die Kraftentfaltung ist unmittelbar, das Ansprechverhalten messerscharf, auf rutschigem Untergrund liefert der Allradantrieb die nötige Souveränität und die adaptive Luftfederung samt elektronischer Dämpferregelung sorgt für ein erstaunlich komfortables Fahrverhalten.
Die Exotik der Elektro-Frühzeit ist der Normalität gewichen, der Taycan keine Sensation mehr. Mit maximal 320 kW Ladeleistung und 800-Volt-Technik wird die Elektromobilität immer alltagstauglicher: In unserem Test dauerte der Sprung von 20 auf 80 Prozent rund 20 Minuten. Porsche gibt die Reichweite euphemistisch mit bis zu 614 km an – was wir nie erreichen konnten. Aber wenn man sich auf der Langstrecke nur ein klein wenig zügelt, sind Ladestopps nach 450 bis 500 km realistisch, was der Reiseplanung den Stress nimmt.
Porsche Taycan 4S Cross Turismo
Mittlerweile ist es weniger die Reichweite, die einschränkt, sondern wie so oft die Infrastruktur. Wir hatten uns bei einer Überlandfahrt vom Navi zu einer Schnellladestation leiten lassen, bei der alle vier Ladesäulen als frei gekennzeichnet waren. Vor Ort mussten wir dann feststellen, dass zwar tatsächlich kein anderes Fahrzeug die Ladeleistung verringert hätte, statt der vier Ladesäulen jedoch nur eine vorbereitete Baugrube auf uns wartete. Und das ausgerechnet bei einem Ladestand von nur noch 9%. Die Folge war eine längere Verweildauer beim nahe gelegenen Discounter mit 50 kW.
Klanglich bleibt der Taycan naturgemäß zurückhaltend – kein Bass, kein Grollen, keine Emotion wegen des nicht vorhandenen Auspuffs. Den elektrischen Sport-Sound schenken wir uns. Abenteuer auf Knopfdruck? Das ist eine Spielerei für mitreisenden Nachwuchs auf der Rückbank.
Der 4S Cross Turismo ist ein Fall für Fans der Baureihe, im Vergleich zum Sport Turismo bringt das kleine Plus an Offroadtauglichkeit minimal schlechtere Fahrleistungen und kostet 4.600 Euro Aufpreis. Dass er Fahrspaß, Individualität und Alltagstauglichkeit vereint, steht auf der Habenseite, doch braucht wirklich jemand einen Cross Turismo? Und spätestens mit Einführung des Elektro-Cayenne dürfte die kleine, feine Nische noch weiter schrumpfen.
Erschienen in Ausgabe 2-2026.