Porsche Fahrer
· 31.03.2026
Fagernes, 2.000 Einwohner am Strondafjorden-See, drei Autostunden nordwestlich von Oslo: Vier Fahrschulen gibt es in dem Ort in der Valdres-Region. Die jüngste betreibt Sonja Øie Petersen seit 2022. Nach 19 Jahren als angestellte Fahrlehrerin machte sich die 51-Jährige mit der „Øie Trafikkskole" selbstständig. Ihr Fahrschulauto: ein Porsche Taycan 4 Cross Turismo mit 320 kW (435 PS) Leistung.
„Von einem Porsche hatte ich lange geträumt", sagt Petersen, „kurz vor meinem 50. Geburtstag entdeckte ich dann den Taycan in Vulkangraumetallic auf einer Internetplattform. Nur 27.400 Kilometer gelaufen. Genau das Auto, auf das ich gewartet hatte." Während einer Fahrschulkonferenz in Trondheim sah sie das Angebot. Auf dem Rückweg machte sie einen Abstecher nach Oslo und kaufte den Wagen – ohne ihren Mann Erik vorab zu informieren. „Es war offenbar Liebe auf den ersten Blick", sagt er heute, „ähnlich wie bei Sonja und mir."
Eine Spezialfirma aus Oslo baute das Fahrzeug um: zusätzliche Pedalerie im rechten Fußraum, weitere Außen- und Innenspiegel. Anders als die drei anderen Schulungsfahrzeuge der Fahrschule – ein Handschalter und zwei ältere Automatik-Modelle – fährt der Taycan nahezu ohne Beschriftung durch Fagernes. „Mir gefällt das Design des Taycan so gut, das sollte auf keinen Fall durch einen Schriftzug verwässert werden", erklärt Petersen. Stattdessen ließ sie spezielle Nummernschilder anfertigen. „Øie" steht auf den weißen Tafeln – ihr Zwischenname, das norwegische Wort für Auge und der Name ihrer Fahrschule. Solche Sondernummernschilder kosten in Norwegen rund 1.000 Euro für zehn Jahre.
Im Schaufenster der Fahrschule hängen 87 Paar Socken – für jeden der 87 Verkehrstoten in Norwegen im vergangenen Jahr. „Ich möchte meinen Schülerinnen und Schülern nicht nur das Autofahren, sondern vor allem Verantwortung beibringen", sagt Petersen. Sie unterstützt mit ihrer Arbeit die „Nullvisjonen" – das Ziel, dass es in Norwegen keine Todesopfer oder Schwerverletzte mehr im Straßenverkehr gibt. „Es ist eine Riesenaufgabe, aber es ist möglich", hofft sie.
In Norwegen dürfen bereits 16-Jährige ans Steuer – in Begleitung eines Erwachsenen, der mindestens 25 Jahre alt ist und seit fünf Jahren einen Führerschein besitzt. Die Fahrschulausbildung umfasst 19 verpflichtende Fahrstunden. Bei der Theorieprüfung müssen von 45 Fragen mindestens 38 richtig beantwortet werden. Allein im vergangenen Jahr haben rund 70 Menschen die „Øie Trafikkskole" besucht und die Führerscheinprüfung bestanden.
Dass Petersen im Taycan unterrichtet, hat sich schnell herumgesprochen. „Hier in der Gegend kennen sich fast alle, und so hatte es sich schnell herumgesprochen, dass man bei mir mit einem Porsche für den Führerschein lernen kann", erklärt sie. Selbst Jens Aksel Jorde aus Oslo, rund 200 Kilometer entfernt, nutzte seine Wochenendausflüge zur Familienhütte bei Fagernes für Fahrstunden. Der 18-jährige angehende Mountainbiking-Profi bestand die Prüfung kurz nach seinem Geburtstag im Januar. „Für mich war der Taycan als Fahrschulauto eine ideale Motivation. Das war Auto fahren, wie ich es mir vorstelle: Lenken, bremsen, beschleunigen – alles fühlt sich direkt und kraftvoll an, und immer ist man als Fahrer im Mittelpunkt des Geschehens", sagt Jorde.
Frida Grindaker-Ask und Margerita Sotomayor, beide 18 Jahre alt und Schulfreundinnen aus Fagernes, absolvierten ihre Fahrstunden ebenfalls im Taycan. „Anfangs war ich ängstlich, gerade bei einem so wertvollen Auto wollte ich auf keinen Fall etwas kaputt machen", erinnert sich Frida. „Aber das hat sich schnell gelegt, denn der Taycan lässt sich auch mit wenig Erfahrung gut kontrollieren." Margerita ergänzt: „Sogar bei wirklich wildem Winterwetter, das hier in Fagernes für mehrere Monate im Jahr herrscht, fühlt man sich im Taycan gut aufgehoben."
Die Fahrstunden finden bei nahezu jedem Wetter statt – auf schneebedeckten Panoramastraßen durch das Skigebiet Vaset, auf Serpentinen und ruppigen Schotterwegen, bei tief stehender Wintersonne oder in grauer Nebelsuppe. Nur wenn ein Schneesturm tobt und die Räumfahrzeuge nicht hinterherkommen, fällt der Unterricht aus. Der elektrische Allradler bewältigt diese Bedingungen souverän.
Dass ein Elektrofahrzeug als Fahrschulwagen zum Einsatz kommt, passt in Norwegen ins Bild. Die Elektroquote den Neuwagen liegt bei mehr als 95 Prozent – höher als irgendwo sonst auf der Welt. „Ich verbringe darin den größten Teil meiner Arbeitszeit, also soll der Wagen so komfortabel, zuverlässig und bitte auch so schick wie möglich sein", sagt Petersen. Sorge vor Schäden durch ungeübte Fahrer hat sie nicht. „Ich habe eher den Eindruck, dass meine Schüler gerade im Taycan besonders aufmerksam fahren. Und für den Fall der Fälle gibt es ja auch in meinem Fußraum Pedale."
Fagernes liegt malerisch am Ufer des Sees Strondafjorden, eingebettet in die Valdres-Region mit zahlreichen Wandergebieten und Skibergen. Der Ort verfügt über ein Freilichtmuseum, zwei Tankstellen und 14 Schnellladesäulen. In dünn besiedelten Regionen wie dieser bedeutet der Führerschein ein hohes Maß an Freiheit. Wenn Entfernungen groß sind und Seen, Schluchten, Moore und Bergketten weite Umwege erfordern, ist ein Auto samt Fahrerlaubnis die Voraussetzung für Mobilität und soziale Teilhabe.
Für Frida Grindaker-Ask hat die Ausbildung im Taycan allerdings einen Nebeneffekt: „Nach mehr als 20 Fahrstunden in einem solchen Sportwagen sind die Erwartungen an ein Auto recht hoch. Und mir ist klar, dass ich nicht so schnell wieder hinters Steuer eines solchen Fahrzeugs kommen werde." Nach mehr als einem Jahr Erfahrung mit dem elektrischen Fahrschulwagen stellt sich für Sonja Petersen eine andere Frage: „Mein größtes Problem wird irgendwann sein: Welches Auto wird mein nächstes?"
| Modell | Porsche Taycan 4 Cross Turismo |
| Leistung | 320 kW (435 PS) |
| Antrieb | Elektrischer Allradantrieb |
| Farbe | Vulkangraumetallic |
| Laufleistung bei Kauf | 27.400 km |
| Sonderausstattung Fahrschule | Zusätzliche Pedalerie, weitere Außen- und Innenspiegel |