Die weiße unscheinbare Tür ist mit einem Codeschloss gesichert wie früher Fort Knox. Nicht jeder darf hier herein. Hier parken schließlich ganz besondere Porsche. Der Nummer 1 ist ebenso mit dabei wie eine ganze Armada an Elfern oder ganz spezielle Porsche 917, aber auch Studien, die noch nie jemand gesehen hat. Deshalb ist diese Schatzkammer auch so gut gesichert. Eine Sache haben alle echten Porsche, die hier untergebracht sind, gemeinsam: Sie sind nicht im Maßstab 1:1 gebaut. Das macht sie fast noch etwas geheimnisvoller.
Hinter der Tür, die wir nun nach fruchtbaren Verhand-lungen passieren durften, verbergen sich die sogenann-ten kleinen Exponate. Aber für uns sind es Kronjuwelen. Tobias Mauler, der Experte für diese Kleinodien: »Hier finden sich Trophäen, Skulpturen, Siegerkränze und vieles mehr, aber eben auch Modelle, die aus ganz unterschiedlichen Gründen für Porsche entstanden sind.«
Modelle gewinnen auch in den Ausstellungen des Museums immer mehr Raum. Zudem gehen diese Raritäten vermehrt als Leihgaben in alle Welt.
Diese Modelle haben wieder Konjunktur. Jörg Thilow vom Porsche Museum: »Wir haben diesen Schatz nach und nach wiederentdeckt und bauen ihn bewusst in die Ausstellungen ein. Als wir im letzten Jahr eine Schau zum Thema ›50 Jahre Porsche Design‹ geplant haben, war einer der Stars dabei ein Modell vom Ur-Targa in Blau in 1:5, das damals, in den Sechzigern, ein virtuo-ser Modellbauer für die Familie Porsche angefertigt hat.« Das Publikum findet die kleinen Porsche jeden-falls großartig. Tobias Mauler: »Deshalb haben wir das Thema Miniaturen ja auch in die neue Präsentation des Museums an ausgesuchten Punkten mit eingebaut. Miniaturen sind offenbar Sympathieträger und können auch einige Dinge sehr gut anschaulich machen.«
Das hat sich nicht nur in Zuffenhausen herumgesprochen. Noch einmal Mauler: »Mir fällt gerade ein Exponat en miniature ein, das seit fast einem Jahr im Rahmen verschiedener Ausstellungen auf der ganzen Welt unterwegs ist. Auch solche Anfragen haben Konjunktur. Modelle können auch kleine Botschafter unserer Marke sein – und zwar weltweit.«
Aber, und das macht diese Story noch interessanter, viele Modelle aus dem Fundus haben zudem eine klare Funktion. Beispielsweise jener silbern schimmernde Porsche Carrera 904 GTS, den Besucher der Lounge im »Christophorus«, dem stylischen Museumsrestaurant, entdecken können und der im Maßstab 1:5 gehalten ist. Die Scheiben sind geschwärzt, die Startnummer 33 klebt auf den Türen und etwas Patina ist auch zu entdecken. Der verkleinerte Rennwagen kam als Designmodell auf die Welt. Zeichnungen geben eben nur unvollkommen darüber Auskunft, ob eine Form gelungen ist. Genau deshalb entstanden in der Frühzeit der Marke auch solche Designminiaturen, die von ihrer handwerklichen Machart sehr virtuos wirken. Silber ist dabei die erste Wahl, es soll Formen am besten erkennbar machen.
»Porsche: Das Auto von morgen« lautete die Schlagzeile von Heft 16, Jahrgang 1978, von »Auto, Motor und Sport«. Illustriert von einem silbernen 1:4-Modell.
Gerade nicht in Silber, sondern in ganz anderen, meist mutigen, wilden Farben leuchtet eine andere Kategorie von 1:5-Modellen: Es sind die Farbstudien. Porsche fing mit solchen Miniaturen beim ersten Boxster und beim Elfer der Generation 996 in großen Stil damit an, Farben im Zusammenklang mit der Form des neuen Modells zu testen. Die Karosserien sind aus Kunststoff in Kleinserie geformt, die passenden Räder auch. Beim Boxster gibt es sogar wahlweise Softtop und Hardtop zum Draufsetzen. Beim 986, wie der Boxster ja auch heißt, schlägt das Herz des Autors für Veilchen-Blaumetallic. Und das dunkle Kupferbraun im Metallicschimmer beim 996 ging nie in Serie und bleibt wohl eine Studie.
Einige der Verkleinerungen, sie sind heute meist in 1:3 gehalten, haben einen Job als Kanalarbeiter. Es sind Aerodynamikmodelle, die im Windkanal in Weissach im Entwicklungszentrum von Porsche an Straßensportwagen wie Rennfahrzeugen die Performance verbessern sollen. Zwei besonders interessante können wir hier zeigen. So etwa den Porsche 911 GT1 des Jahrgangs 1998. Porsche hatte ihn für diese Saison noch schärfer gefeilt, ihn noch flacher gemacht, und das bescherte ihm den Sieg, für den er eigentlich bereits 1996 entwickelt worden war: bei den legendären 24 Stunden von Le Mans. Und den Turbo S des Porsche 911 (992) dürfen wir gleichfalls zeigen.
Kommen wir zu einer ganz anderen Art von Miniaturen, die den Stauraum im Fundus füllt. Den Skulpturen, die wahre Kunstwerke sein können. Noch kompakt, wohl ungefähr im Maßstab 1:18, kommt die metallische Interpretation des Porsche 550 Coupé daher, die 1953 der US-Importeur »Hoffmann Porsche Car Corporation« zur Carrera Panamericana mit der Startnummer 152 geschenkt bekam! Noch furioser, auf einem Bronzesockel parkt ein dynamisch driftender Porsche Nummer 1, der Ferry Porsche hinter dem Lenkrad den Schal im Fahrtwind flattern lässt. Dieses Werk schenkte sich Zuffenhausen selbst zum 40. Geburtstag des Hillclimbs am Pikes Peak 1988.
Lassen Sie uns noch einmal zurückkommen auf den blauen Targa in 1:5, der schon einmal in der Ausstel-lung stand. Derselbe Modellbauer, Elmar Roßmayer, hatte auch begonnen, ein 1:5-Modell des damals neuen Porsche 914 zu entwickeln. Wie eine unvollen-dete Sinfonie aus einer unvergesslichen Zeit virtuosen Handwerks parken die Teile dieses halbfertigen Meis-terwerks ebenfalls im Museumsfundus. Wir mussten das einfach ablichten. Denn Modelle legen ja bei Porsche in der Bedeutung zu. Und man stelle sich vor, dieses Werk würde einmal prächtig vollendet. Dann kommen wir wieder! Versprochen!