Porsche Klassik
· 02.05.2024
Zwei Jahre sind ein bisschen kurz, um von einer Tradition zu sprechen. Aber die 2022 erstmals ausgetragene Röhrl-Klassik war nicht nur ein grandioser Erfolg, sie ist im Kalender des zweimaligen Rallye-Weltmeisters Walter Röhrl auch aus dem Stand ein fester Termin geworden. Bei der Premiere fuhren 111 Starter zum 111. Geburtstag des ausrichtenden Delius Klasing Verlags über die Rampe, ein Jahr später waren es schon 140. „Eigentlich sind wir da am Limit“, sagt Organisator Peter Göbel. Die offizielle Nennungsphase beginnt erst Anfang April, aber schon Ende Januar konstatiert der Veranstalter: „So viele Pro-forma-Anmeldungen hatten wir noch nie.“
Nach einer Runde durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg im ersten Jahr sowie einer Spritztour durch Bayern und Baden-Württemberg im zweiten führt die Route bei der diesjährigen dritten Ausgabe durch Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen. Dreh- und Angelpunkt ist dieses Mal das Städtchen Winterberg im Hochsauerland. Auf knapp 700 Metern gelegen, ist die Hauptstadt des Rothaargebirges eine Wintersport-Hochburg von Weltrang, deren Skisprungschanze und die weltberühmte Bobbahn auch die Teilnehmer zu sehen bekommen.
Auf der Strecke darf selbstverständlich Winterbergs Hausberg, der Kahle Asten, nicht fehlen. Er ist mit 841 Metern Höhe im Winter eines der schneesichersten Gebiete der deutschen Mittelgebirge. An klaren Tagen im Indianersommer reicht der Blick vom Astenturm bis zum über 160 Kilometer entfernten Brocken im Harz.
Mit dem Start im Sauerland schließt sich ein Kreis: Hier lernten sich Röhrl und Göbel einst kennen, als der junge Nachw uchsbeifahrer den Superstar kurzerhand zu Kaffee und Kuchen einlud. „Das finde ich unheimlich schön, dass aus dieser Bekanntschaft so eine langjährige Freundschaft geworden ist“, sagt Röhrl.
Seit sich im Mittelalter die Grafen von Nassau und von Hessen um die Gegend schlugen, war es eher ruhig am nördlichen Zipfel des Lahn-Dill-Kreises. Die 6.000-Seelen-Gemeinde Dietzhölztal war wohl den wenigsten Deutschen ein Begriff, bis der Unternehmer Friedhelm Loh 2023 auf dem Gelände einer alten Eisenhütte das „Nationale Automuseum“ eröffnete. Hier macht er seine in fast vier Jahrzehnten aufgebaute Autosammlung mit 150 Exponaten der Öffentlichkeit zugänglich. Vom Bugatti 57 Atalante bis zum Ferrari F1-2000, mit dem Michael Schumacher seinen ersten Titel für Ferrari holte.
Die spektakuläre Loh-Collection ist der südlichste Punkt der diesjährigen Röhrl-Klassik und für Walter Röhrl eine Rückkehr zur eigenen Geschichte. Hier steht auch der Porsche 959, der einst sein eigener war. Und der höchstgezüchtete Audi quattro S1 E2 – als letzte Eskalationsstufe der legendären Gruppe B – mit knapp 600 PS und dem von Porsche für den Le-Mans-Renner 962 C entwickelten halb automatischen PDK-Getriebe. „So was habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen“, staunte Röhrl bei seinem ersten Besuch. „Das kannst du gar nicht alles erfassen.“
Damit die Teilnehmer der Röhrl-Klassik zur Pause am Freitag neben der persönlichen Stärkung noch Gelegenheit haben, die außergewöhnliche Sammlung anzuschauen, serviert die Loh-Mannschaft das Mittagessen nicht im eigenen Restaurant, sondern zu den verschiedenen Themen der Ausstellung an Stationen mit Spezialitäten aus den jeweiligen Epochen und Regionen.
Berühmt für ihre Detailversessenheit ist auch die Oldtimer-Interessengemeinschaft Berghausen. Wenn die alle zwei Jahre stattfindende Sauerland Klassik durch den Ort rollt, veranstalten die Klassik-Liebhaber dort regelmäßig eine automobile Mottoparty. 2017 bauten sie eine historische Aral-Tankstelle nach, 2019 gar einen Campingplatz aus den sechziger Jahren. Nun freuen sich die Berghausener auf den Röhrl und haben angekündigt, sich wieder etwas Besonderes einfallen zu lassen.
Das gilt auch für Veranstalter Peter Göbel, der eine Prüfung auf einer Kartbahn vorgesehen hat. Auf der Landebahn des Flugplatzes Meschede findet eine Parallelprüfung statt. Nach voller Konzentration auf bunte P ylonen und Stoppuhren ist zum Ausgleich Wellness angesagt. Den Anfang macht ein Abendessen im Golfclub des Fünf-Sterne-Hotels Deimann. Danach erfolgt der Aufbruch ins Abendrot des Donnerstags, ehe am nächsten Tag die kurvigen Sträßchen durch die tiefen Wälder des Hochsauerlands mit ihren zahllosen Seen warten. Die Route passiert die Diemel-, die Eder- und die Hennetalsperre.
Zum Staunen und Gruseln schickt der Veranstalter das Feld zum 700 Meter hohen Mühlenkopf im nordhessischen Willingen. Hinter dem unscheinbaren Kürzel HS147 verbirgt sich ein echter Superlativ: die größte Skisprungschanze der Welt. „Komisch, oder? Schnelles Skifahren war für mich nie ein Problem, aber nicht für eine Billion würde ich da runterspringen“, sagt Röhrl ehrfürchtig.
»Ich finde es schön , dass aus dieser BEKANNTSCHAFT eine langjährige FREUNDSCHAFT geworden ist«
Der Rallye-Weltmeister von 1980 und 1982 führt das Feld am Samstag im Norden der diesjährigen Tour zu einem echten Highlight auf der Paderborner Hochf läche. Auf der 4,2 Kilometer langen Renn- und Teststrecke Bilster Berg ist sogar eine Kurve nach Röhrl benannt. 72 Meter Höhenunterschied klingen auf den ersten Blick nicht besonders beeindruckend, aber die vom berühmten Rennstrecken-A rchitekten Hermann Tilke ent worfene Achterbahn enthält Mutpassagen mit extremen Steigungen und Gefälle.
„Wenn du da mit vollem Speed die 26 Prozent steile Mausefalle runterkommst, das ist schon nicht so lustig“, meint Röhrl und verspricht: „Das ist wie in Laguna Seca oder am Nürburgring: Der Bilster Berg ist eine absolute Fahrerstrecke und für jeden, der dort gefahren ist, ein unvergessliches Erlebnis.“ Damit die Teilnehmer der Röhrl-Klassik in diesen Genuss kommen, ist nach der Mittagspause für alle Teams eine Prüfung auf ebendieser Strecke geplant, bevor es durch den Naturpark Teutoburger Wald zurück nach Winterberg zum Galaabend mit Siegerehrung in der Stadthalle geht.
Rallye-Legende Walter Röhrl ist nicht nur für seinen perfektionistischen Fahrstil berühmt, sondern vor allem für seine Nahbarkeit. Und weil der viermalige Sieger der Rallye Monte Carlo die Atmosphäre bei der Röhrl-Klassik besonders schätzt, lädt er die früh A nreisenden schon am Mittwoch vor der Rallye in Winterberg zu einem Kennenlern-Abend ein. Röhrl ist schließlich nicht nur ein Ass mit dem Gasfuß, sondern auch ein großartiger Erzähler und eine nicht endende Quelle von A nekdoten aus einem halben Jahrhundert Motorsport- und Automobilgeschichte. Also, wie war das jetzt noch mal 1980 im Nebel von Arganil?
» Der Bilster Berg ist eine absolute FAHRERSTRECKE «
Die Route der dritten Ausgabe der Gleichmäßigkeits-Rallye führt zweieinhalb Tage und rund 750 Kilometer in sechs Etappen durch das Hochsauerland, Nordhessen und das südliche Niedersachsen. Die Dokumentenabnahme und die technische Kontrolle der Fahrzeuge beginnen am Mittwochnachmittag, am frühen Abend gibt es zudem einen Beifahrer-Lehrgang mit dem fünffachen Deutschen Rallye-Meister Peter Göbel.
Für Spätanreisende sind die Abnahmen auch noch am Donnerstag bis 11:30 Uhr möglich. Der endgültige Start erfolgt am Donnerstag, 19.09.2024, um 14 Uhr.
Zugelassen sind 140 luftgekühlte Porsche-Fahrzeuge bis Baujahr 1998 sowie die vier Transaxle-Modelle 924, 944, 928 und 968. Die Startgebühr liegt bei 2.800 Euro für zwei Personen, der erste Abendstopp im Fünf-Sterne-Hotel sowie zwei spektakuläre Mittagspausen und natürlich auch die abschließende Gala samt Siegerehrung sind in der Nenngebühr enthalten. Die Startnummern werden in der Regel nach Nennungseingang verteilt. Die Nennfrist beginnt mit dem 1. April (kein Scherz) und endet am 31. Juli. Veranstalter Delius Klasing und Organisator Göbel haben neben Zeitplan und Roadbook auch einen Wunschzettel geschrieben: „Wir würden uns sehr über Porsche-Exoten freuen, angefangen beim 550 Spyder, Abarth Carrera, 959 oder vielleicht sogar einen 906!“
Mehr Infos und Anmeldung unter roehrl-klassik.de