Porsche-Event2. Röhrl-Klassik – Schöner als die Polizei erlaubt

Porsche Klassik

 · 08.02.2024

Porsche-Event: 2. Röhrl-Klassik – Schöner als die Polizei erlaubtFoto: Lena Willgalis, Arturo Rivas, o. v. Simon
Dieser historische Porsche erregte besonders viel Aufsehen: Prof. Dr. Jürgen Wettke ergatterte vor einigen Jahren den einzigen überlebenden Polizei-Porsche 356 aus den Beständen der Düsseldorfer Autobahnpolizei. Der 356 B von 1960 führte durch Zufall diese Porsche-Parade an, kein Zufall war die Startnummer 110.
Foto: Lena Willgalis, Arturo Rivas, o. v. Simon

Die größte Begeisterung beim Start der 2. Röhrl-Klassik in der mittelalterlichen Kleinstadt Rothenburg ob der Tauber zeigte der Oberbürgermeister höchstpersönlich. Dr. Markus Naser begrüßte die 280 Fahrer und Beifahrer im historischen Kaisersaal des Rathauses mit einer klaren Botschaft: »Hier sind 140 wunderschöne Porsche in unserer wunderschönen Stadt, das passt genau zusammen. Und es nehmen Autos teil, die schon mindestens 25 Jahre auf den Straßen dieser Welt unterwegs sind. Auch das ist eine Form von Nachhaltigkeit, die durch höchste Ingenieurskunst ermöglicht wird. Sie alle sind herzlich willkommen.«

Solche Umarmungen waren in der gesamten Stadt zu spüren. Die Ortseingangstafeln wiesen schon Tage zuvor auf den Event hin, in vielen Geschäften hing das kunstvoll gestaltete Plakat der Veranstaltung, und bei der technischen Abnahme schaulustigten Fans mit dem kostenlosen Programmheft durch die Autoreihen.

So richtig los ging es am Donnerstag auf dem Marktplatz der Stadt. Die 140 zugelassenen Fahrzeuge waren nicht nur im Reglement das selbst gesetzte Limit für die zweite Ausgabe, mehr Preziosen passten einfach nicht auf den Markt und in die Gassen rund um das Rathaus. Drei Stunden lang platzierte die Orga-Crew die Porsche an jeder sich bietenden Stelle, spektakuläre Drohnenfotos zeigten das bunte Ensemble der teilnehmenden Fahrzeuge.

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Ganz vorn stand – und mehr Gemeinsamkeiten gab es mit der letztjährigen Premieren-Rallye in Mecklenburg-Vorpommern auch nicht – der Weltmeister mit der Nummer 1. Unfreiwillige Abwechslung gab es aber beim vierfachen Rallye-Monte-Carlo-Sieger. Weil sich am Ende des dritten Tages die Riemenscheibe am 993 Turbo verabschiedete, ließ Copilot Rafael Diez den eigens restaurierten 911 S von 1968 mit der »1« bekleben. Mit einem auch optisch baugleichen Modell gewann Röhrl die Bavaria-Rallye 1970 und setzte damit den ersten Akzent für seine spätere Ausnahme-Karriere. Für den dritten und letzten Tag brachte das Porsche Museum dann noch einen identisch roten 993 S nach Rothenburg. Dass der Turbo-Spoiler plötzlich fehlte, bemerkte kaum jemand.

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Ansonsten hatte Röhrl zwei große Aufgaben bei »seiner« Rallye: lenken und Autogramme schreiben. Die zum Teil knallvollen Anlaufpunkte der Tour sorgten immer wieder für echtes Rallyefeeling, und unterschrieben wurde nahezu alles. Vom obligatorischen Porsche-Tankdeckel bis hin zu Modellautos und T-Shirts aus der Röhrl’schen Rallye-Vergangenheit.

Apropos Vergangenheit. Spannende Geschichten zu den Autos und Menschen gab es reichlich. Zum Beispiel die des Polizei-Porsche 356, der natürlich mit der Startnummer 110 antreten durfte. Professor Jürgen Wettke sicherte sich vor einigen Jahren das einzig überlebende Exemplar der Düsseldorfer Autobahnpolizei. Nur einige Details fehlten. Bei einem Besuch bei der aktuellen Polizei-Mannschaft in Düsseldorf fand man tatsächlich die passende Kelle in der Asservatenkammer. Und auch der überlange und dick gefütterte Mantel der Crew wurde restauriert. »Der musste aus einem einfachen Grund getragen werden«, erklärt Besitzer Wettke. »Weil es mit Polizei-Mütze im geschlossenen Cabrio 356 zu eng wurde, musste bis fünf Grad über null offen gefahren werden.« Vor Erfrierungen schützte der Mantel, der bei der Röhrl-Klassik ebenso zum Einsatz kam wie das spärlich flackernde Blaulicht zu Fotozwecken.

Ein gutes Motiv war auch der Porsche 959 S von Heinz Schmersal, von dem es gerade einmal 30 Exemplare gibt. Noch heute gilt der Allradler als der Über-Porsche schlechthin. Die Zuffenhausener wollten mit diesem Modell Mitte der Achtzigerjahre die technische Überlegenheit der Marke demonstrieren. Man siegte 1986 bei der Rallye Dakar und wurde in der GTX-Klasse Siebter bei den 24 Stunden von Le Mans. Und auch Röhrl war begeistert: »Die Wartungen beim 959 sind extrem aufwendig, umso schöner, dass wir auch diesen Typ dabeihaben.«

Zu den extrem seltenen und zugleich ältesten Modellen gehörten in Rothenburg auch zwei Porsche 356 Carrera 1500 GS. Auf den ersten Blick weitere schöne Modelle aus der Anfangszeit von Porsche, für Technikverliebte jedoch ein Carrera mit Fuhrmann-Motor und obenliegender Nockenwelle, damals gebaut für den harten Einsatz im Motorsport.

Bunt und vielseitig waren aber auch die Mitstreiter. Bestaunt wurde alles und alle, vom 911er bis zum ebenfalls luftgekühlten 993, der die obere Reglements-Grenze markiert. Gut möglich, dass alle RS-Modelle einen Blick mehr auf sich zogen, ebenso die erste Serie des Porsche 911 und auch die legendären 2,7-Liter-F-Modelle. Aus motorsportlicher Sicht war zudem der orange-gelbe Porsche 914/6 GT im SUNOCO-Design eine Seltenheit bei der 2. Röhrl-Klassik.

Wenn man überhaupt ein Haar in der Suppe finden wollte, dann kann man anfängliche Stimmungsschwankungen problemlos dem schlechten Wetter am Starttag in die Schuhe schieben. Petrus wollte nicht so, wie sich die Gastgeber des Delius Klasing Verlags und die Rothenburger das für den Auftakt vorgestellt hatten.

Für echte Krisen reichte das aber nicht. Dafür leuchtete neben den verschiedenen Porsche-Lackierungen nun eine kaum überschaubare Menge bunter Regenschirme. Und auch die kurzfristige Sperrung eines Bahnübergangs direkt nach dem Start hatte man schnell im Griff. Noch vor dem Schwenken der Startflagge war die Umleitung mit den Behörden besprochen, den 780 Kilometern der 2. Röhrl-Klassik stand nichts mehr im Wege.

Was jedoch dem ein oder anderen im Wege stand, waren bunte Pylonen. Vor dem ehemaligen Hangar des Flugplatzes Giebelstadt warteten gelbe, grüne, blaue und rote Hütchen auf die korrekte Durchfahrt in der vorgegebenen Reihenfolge und Zeit. Vor allen Dingen die beiden gelben Pylonen wunderten sich zuweilen über die unterschiedlichen Lösungsansätze. Doch fast alle Teams nahmen die frühe Herausforderung sportlich, und Fahrer und Beifahrer vertrugen sich spätestens beim »Brückenbaron«.

Die Location der ersten Abendpause hatte – wie die Rallye selbst – ebenfalls historischen Mehrwert. Chef Holger Metzger kaufte vor einigen Jahren eine alte Main-Stahlbrücke. Er bewahrte das Stahlross vor Abriss und Verschrottung, wuchtete es auf sein Gelände, baute eine gehobene Gastro obendrauf und einen eleganten Teich darunter, und fertig war der »Brückenbaron«, der auch bei Minus-Sonnenschein zur gemütlichen Einkehr wurde.

Vielseitig war auch die Strecke. Im Vergleich zum Vorjahr wurde es bergiger, schöne Passagen wurden umrahmt von gelben Rapsfeldern, und zur »Bunte Pylonen«-Prüfung organisierte das Team von Plusrallye unter der Leitung des fünffachen Deutschen Rallyemeisters Peter Göbel gleich drei der beliebten Parallel-Prüfungen. Auf extra abgesperrten Landebahnen ging es im Parallel-Schwung zur Sache. Die breiteren Pisten ermöglichten ein dezent höheres Tempo, für zusätzliche Spannung und Ablenkung sorgte der jeweilige Sparringspartner. Ein gut kalkuliertes Durchschnittstempo hatte zuweilen nur so lange Bestand, bis das parallel fahrende Team plötzlich Gas gab. Irritierte Fahrer schauten zuerst zum ebenso perplexen Copiloten, und der verlor in Einzelfällen das Vertrauen in die eigenen Stoppuhren. Nur selten passierten beide Mannschaften bei identischer Zeitvorgabe wirklich parallel das Ziel.

Der allgemein guten Laune konnten selbst knifflige Prüfungen spätestens ab Freitag nichts mehr anhaben. Die Wolken hatten der Kraft von 140 Porsche nichts mehr entgegenzusetzen, die Straßen wurden noch schöner, und bei der Mittagspause im Gut Leimershof saß man bereits entspannt zwischen den geparkten Wagen und kramte nach der Sonnenbrille. Die beiden Gastronomen Christian und Helmut Kann hatten sich für den Besuch des zweifachen Weltmeisters nicht nur kulinarisch viel vorgenommen. Die Rallye- und Röhrl-Fans waren bereits im Vorfeld derart beflügelt, dass sogar eine geplante Hochzeit am selben Termin weichen musste. So schön, wie man sich das rollende Porsche-Museum im eigenen Garten vorstellte, wurde es auch, »… und wenn der liebe Gott des Rallyesports kommt, muss man Prioritäten setzen«, meinte Chef Helmut.

Dabei hatte das Stimmungsbarometer zu diesem Zeitpunkt den folgenden Anlaufpunkt noch gar nicht eingefangen. Neue Maßstäbe in Sachen Zuschauer setzte das beschauliche Örtchen Brunn bei Heiligenstadt in Oberfranken. Was war passiert? Seit Jahren sorgt die nationale Rallye Fränkische Schweiz für unbremsbare Begeisterung in Brunn, nur der einzige deutsche Weltmeister war noch nie da. Das hatte mit der 2. Röhrl-Klassik nun ein Ende. Der Champion kam und mit ihm 139 weitere Porsche-Klassiker sowie geschätzt 1.200 Zuschauer bei gerade einmal 135 Einwohnern. Um alles im Griff zu behalten, sperrte man den Ort großräumig ab. Über den obligatorischen Grillwürstchen-Stand musste man gar nicht erst reden, der Landrat kam und auch der Bürgermeister mitsamt dem Goldenen Buch. Der Bayerische Rundfunk war ebenso vor Ort, und die gute Stimmung schwappte über, als Bürgermeister Stefan Reichold als Copilot von Röhrl ein paar schnelle Runden im Drift absolvieren durfte.

In besonderer Erinnerung bleiben den Fans und Teilnehmern mindestens drei weitere Koordinaten im 212 Seiten starken Roadbook der 2. Röhrl-Klassik. Erstmals plante man eine Wertungsprüfung in einer Steilkurve. Als die Mannschaften am frühen Samstagmorgen auf die letzten beiden Etappen geschickt wurden, ahnten diese noch nicht, dass die Lichtschranken auf dem Bosch-Testgelände bei Boxberg an der steilsten Stelle des Ovals aufgestellt wurden. Einige Teams hatten so viel Freude in den Schrägen, dass sie anschließend mit zwinkerndem Auge erklärten, die gut markierte Ausfahrt nach zwei Pflichtrunden schlicht übersehen zu haben.

Voll im Blick waren alle Autos dann bei strahlendem Sonnenschein in der letzten Pause auf dem winzigen Flugplatz von Mainbullau. Für ein gemeinsames Gruppenbild parkte man alle luftgekühlten und Transaxle-Modelle zentimetergenau in vier Reihen, organisierte zudem frisch panierte Schnitzel und feinsten Kuchen zur Stärkung und veredelte die Szene mit dem Überflug von Heinz-Jürgen Scholz, der hinter seinem Sportflieger das übergroße Logo der Röhrl-Klassik über den Platz wehen ließ. Sogar Röhrl war baff: »Unglaublich, was die sich alles einfallen lassen.«

Eng wurde es dann noch einmal zum Schluss. Und zwar in Tauberbischofsheim. Die letzte Kontrolle vor dem Ziel der Veranstaltung kombinierte der Tourismus mit einem Kunsthandwerkermarkt auf dem Marktplatz der Fechter-Stadt. »Der Menschen-Auflauf war hier so groß, dass Walter kaum aus dem Auto aussteigen konnte«, lachte Co Rafael Diez und auch Schauspieler Hinnerk Schönemann, der in einem Nachbau des Porsche 911 SC/RS unterwegs war, zog ein mehr als positives Fazit: »Ich bin schwer gerührt von der Begeisterung der Menschen in dieser Region. Falls mich jemand fragen sollte, ob ich auch 2024 wiederkomme, sage ich schon jetzt JA.«


3. Röhrl-Klassik 2024

Foto: Arturo RivasFoto: Arturo Rivas

Nach der Premiere in Mecklenburg-Vorpommern und der diesjährigen Ausgabe rund um das mittelalterliche Rothenburg ob der Tauber steht schon jetzt fest: Es wird eine dritte Röhrl Klassik geben. Und auch der Namenspatron und zweifache Weltmeister Walter Röhrl möchte erneut mit gleichgesinnten Porsche-Enthusiasten auf die Reise gehen. Sicher ist aber auch: die dritte Gleichmäßigkeits-Veranstaltung wird aus terminlichen Gründen wieder in den September wandern. Offen ist aktuell noch der Dreh und Angelpunkt. »Das könnte gerne wieder Rothenburg sein, aber wir haben bereits andere Stationen auf dem Radar, die sich gut für eine solche Ausfahrt eignen«, so Peter Göbel. Er wird mit seiner Plusrallye-Mannschaft wieder alles daransetzen, dass die Teilnehmer über die schönsten Straßen und durch ein ebenso buntes Rahmenprogramm geführt werden.