F.A.T. ICE RACE ZELL AM SEE - Wir sind die Neuen

Porsche Klassik

 · 02.05.2024

F.A.T. ICE RACE ZELL AM SEE - Wir sind die NeuenFoto: Maximilián Balázs

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Foto: Maximilián Balázs

Wasser tropft von den Spikes wie Zuckerguss, die Motoren musizieren wie in einem Orchester ohne Dirigent, die Rauchwolken kriechen über den Asphalt. Unter einfachen Klappzelten auf dem Flugplatz in Zell am See stehen ein Rallye-Elfer im legendären Martini-Look, eine Porsche 917-Replika in Gulf-Lackierung und ein blauer 356er mit Skiern auf dem Dach. Ältere Herren mit Schieberkappen, Familien mit Kindern und junge Menschen mit Oversize-Wollmützen wuseln dazwischen.

Die Szene ist ein Mix aus Tradition und Moderne. Alle eint die Begeisterung für die Marke Porsche. Mit dem F.A.T. Ice Race lässt Ferdinand Porsche, Urenkel des Firmengründers, einen Teil der Geschichte wieder aufleben. 1952 fand das „Erste Prof. Dr. h.c. Porsche Gedächtnisrennen“ in Zell am See auf Schnee statt. Darauf basierend, veranstaltete „Ferdi“ vor einigen Jahren zum ersten Mal das moderne Ice Race, das in diesem Jahr nach einer zweijährigen Pause ein Revival feierte.

Das Ice Race ist für viele, die diese Leidenschaft teilen, zu einer Pilgerstätte geworden

Für viele ist es zu einer Pilgerstätte geworden. Für diejenigen, die früher Sticker in Alben und heute auf der hinteren Seitenscheibe ihres Elfers sammeln. Für diejenigen, die sich stundenlang über die Röstung von Kaffeebohnen unterhalten und am Wochenende ihren Elfer über die Bergpässe in den Alpen schwingen. Für alle, die die Leidenschaft für Porsche teilen.

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Cool und zugleich wertstabil

„Leidenschaft schafft Leiden“, sagt Porsche-Werksfahrer Richard Lietz mit einem breiten Grinsen und lehnt sich auf dem Ledersofa im Hangar neben der Eispiste zurück. Er hat drei Autos zum Ice Race gemeldet und sie mit Freunden monatelang vorbereitet. Jeweils ein 911 3.2-Liter-G-Modell in Hellblau und Orange und einen 997 – ein homologiertes Rallye-Auto. Eben schaute er noch zu, wie sein Kumpel den hellblauen Elfer im Drift durch den Schnee gezirkelt hat. „Wir mussten einiges umbauen. Es kamen eine hydraulische Handbremse rein, Bremskraftverstärker, Schalensitze, ein spezieller Unterbodenschutz und ein Käfig. Und natürlich Spike-Reifen“, sagt Lietz. Er war es auch, der bei der ersten Idee zum Ice Race seine Expertise einbrachte. Der 40-Jährige besitzt mehrere historische Porsche. Sein Liebling? Ein 356er. „Dieses Auto erdet mich. Du kuppelst, du schaltest, stehst an der Ampel und schaust immer in lächelnde Gesichter neben dir.“ Für ihn machen mehrere Faktoren den Hype um Porsche in seiner Generation aus. „Zum einen hat mein Fahrerkollege Patrick Long mit den ‚Luftgekühlt‘-Events etwas Neues geschaffen. Zum anderen ist ein alter Porsche problemlos zu fahren, wertstabil und sieht cool aus. Es hat sich auch eine Art Insiderwissen entwickelt, wer die besten Mechaniker sind.“

Verena Proebst, Besitzerin des Automuseums Adlkofen und Organisatorin der Oldtimer-Rallye „Alex von Falkenhausen Classics“, kennt solche Gespräche gut. Die 39-Jährige trägt pistazienfarbene Lederleggings zur gleichfarbigen Daunenjacke, darüber einen bunten Schal. Sie ist hier, um mit ihrer Spiegelreflexkamera Details für ihren Instagram-Account abzulichten. Rund 23.000 Menschen folgen ihr auf der Plattform. In ihren Beiträgen erzählt sie gerne von der emotionalen Beziehung zu ihrem hellroten Porsche 911 F-Modell von 1965. Sie hat das Auto von ihrer Mutter Hilde geerbt, die damit auch auf der Rennstrecke unterwegs war. Ihr ebenfalls verstorbener Vater Walter war in den 70er-Jahren erfolgreich mit einem Porsche 910 bei Rennen am Start und verwandelte seine Sammlung in ein eigenes Museum. „Ich kenne dadurch beide Welten“, sagt sie. „Die sehr traditionellen Kreise wie bei den klassischen Rallyes. Da wirst du bei den Älteren als junger Mensch mit einem Porsche erst mal nicht ernst genommen. Hier ist das anders. Entspannt. Man trifft Freunde.“

Underground-Treffen über Insta

Ein paar Meter weiter. Auf dem Rundkurs pfeift ein Teilnehmer mit seiner Quertreiberei den Zuschauern den aufgewirbelten Schnee in die Nase. Felix Bauermeister, ein junger Typ mit Dreitagebart und stylischer Sonnenbrille, lehnt an der Bande und beobachtet das Treiben. Er ist zum ersten Mal hier. So viel Action gibt es bei den von ihm gegründeten „Heizr“-Treffen rund um Stuttgart nicht. Stattdessen: Benzin-Gespräche auf Parkdecks bei Pulled-Pork-Sandwiches, Espresso macchiato und Musik vom Mischpult.

Der 32-Jährige erfüllte sich vor einigen Jahren seinen Traum von einem klassischen Elfer und suchte Gleichgesinnte, um ein bisschen im Schwarzwald zu „heizen“. „Ich hatte aber nicht viele Freunde mit demselben Hobby. Also habe ich einen Instagram-Account gegründet und erste Treffen eher ‚underground‘ in Parkhäusern und Co. organisiert“, sagt er. Mittlerweile rollen rund 500 Autos pro Treffen an – alle Marken sind willkommen. „Es gab vorher schon Cars-&-Coffee-Events wie vom Mercedes-Museum. Das war mir etwas zu altbacken. So hat sich rund um die Treffen ein neuer Lifestyle entwickelt, mit dem man sich identifiziert.“

Den jungen Porsche-Lifestyle leben auch Moritz Leidel und Kerstin Battenfeld von der Community „Flat6High5“. Die beiden Kreativen könnte man sich genauso gut in einem Hipster-Café in ihrer Heimat Frankfurt beim Lesen des Zeit Magazins vorstellen. Stattdessen trinken sie Cappuccino in Liegestühlen neben der Rennstrecke. Es zieht sie immer wieder zum Ice Race. Die gemeinsame Porsche-Leidenschaft verbindet sie auch als Paar. Mit „Schorschi“, ihrem Hochzeitsauto, einem 912 mit Vierzylinder-Motor aus den USA, fing alles an. Heute organisieren sie Alpentouren unter dem Namen „Sick Alps“ für Gleichgesinnte. Weil sie es lieben, schöne Orte aufzuspüren und sie mit anderen Porsche-Liebhabern zu teilen. Ohne Kaviar und Champagner. Stattdessen mit Bergkäse und Kaiserschmarrn.

Gleichgesinnte finden

„Dass wir das als Paar machen, zeigt vielen, dass es nicht nur ein Männerthema ist. Viele Frauen sind deshalb neugierig und interessierter“, sagt Kerstin. Ursprünglich haben die beiden lokale Treffen rund um Frankfurt organisiert. „Als Erwachsener ist es nicht immer easy, neue Leute kennenzulernen. So erlebst du gemeinsam etwas und begegnest Menschen mit denselben Interessen. Das trifft einen gewissen Zeitgeist“, sagt Moritz.

Den verkörpert auch Hanna Schönwald. Die 28-Jährige posiert mit hipper Basecap vor den in einer Reihe aufgestellten silberfarbenen 550 Spyder für ein Foto. Es dauert nur wenige Sekunden, bis jemand nachfragt, ob man die blonde Frau irgendwoher kennen müsse. Sie ist kein Model – auch wenn sie als eines durchgehen könnte.

Ihr Instagram-Account steht in der Szene vor allem für eine spezielle Eleganz, Ästhetik und Kunst, die man nicht direkt mit dem Thema Oldtimer in Verbindung bringen würde. Die 28-Jährige, die in Pforzheim Industriedesign studiert hat, gestaltete für Porsche ein „Art Car“ in einem minimalistischen schwarz-weißen Design und wurde damit bekannt. In die Schublade der lächelnden Influencerin lässt sie sich allerdings nicht stecken. Sie schraubt seit Jahren selbst – bisher nur an alten Mercedes. Schon lange träumt sie von dem, was Richard, Verena, Felix, Moritz und Kerstin schon haben: einem eigenen Elfer. Vielleicht steht der ja schon im nächsten Jahr beim Ice Race unter einem der Klappzelte.


3 FRAGEN AN FERDINAND PORSCHE

Rund um Events wie das F.A.T. Ice Race hat sich eine neue junge Kultur entwickelt. Wie würdest du sie beschreiben?

Ich würde sagen, das Ice Race ist der Ursprung. Es dreht sich aber auch viel rund um die Marke F.A.T. und das Mankei am Großglockner und was rundherum gewachsen ist. Was das F.A.T. Ice Race so besonders macht? Das spiegelt sich in der Vielfalt der Autos wider. Es sind auch viele junge Leute dabei, die gar nicht so tief im Motorsport verwurzelt sind, sondern die es eher aus einer Lifestyle-Perspektive heraus sehen und den Festivalcharakter mögen. Der Mix macht es so besonders.

Wie bist du auf die Marke F.A.T. gekommen?

Wir wollten etwas Übergeordnetes zum Thema Ice Race und zu unserer neuen Location Mankei am Großglockner schaffen. Wir haben überlegt, ob eine Dachmarke mit Geschichte besser ist oder ob wir uns etwas Neues ausdenken. Wir fanden etwas mit Geschichte cool, weil es dem Spirit des Ice Race entspricht – etwas Altes aufleben zu lassen, was es nicht mehr gibt. Also sind wir die Le-Mans-Siegerfahrzeuge von Porsche durchgegangen. So kamen wir auf das ehemalige Logistikunternehmen F.A.T. Es war eines der coolsten Sponsorings und die Firma gab es nicht mehr. Jetzt lassen wir damit den Spirit eines alten Rennteams wieder aufleben.

Das Merchandise war extrem schnell ausverkauft. Woher kommt der Hype?

Ich glaube, das schafft die Marke F.A.T. Sie spannt die Brücke. Das Logo gibt etwas her, es klingt gut und es gibt die Verbindung zur Historie. Das macht es so authentisch. Man spannt die Brücke vom Motorsport zum Lifestyle und zur Kultur und dem ganzen Visuellen von früher. Das gefällt den Leuten.


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