5. AvD-Röhrl-KlassikEine KLASSE für SICH

Markus Stier

 · 06.10.2026

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Foto: O.v. Simon, Markus Stier, Lena Willgalis
Die fünfte AvD-Röhrl-Klassik bot zwei bestens aufgelegte Weltmeister, ein Rekord-Feld, eine Rekord-Kulisse, ein Herzschlag-Finale und eine große Show.

Schon auf der zweiten Etappe war es äußerst knapp zugegangen, lagen doch Christoph und Marina Ditting in ihrem 1973er 911 Targa 2.4T und 1.164 Strafpunkten nur hauchdünne 26 Zählerchen vor Steffen Roehn und Marc Hilbrat in ihrem Ur-Elfer von 1964. Trotz der Nervenschlacht leisteten sich die Duellanten

etappe keinen entscheidenden Fehler. Im Endspurt schoben sich Roehn und Hilbrat noch an der Konkurrenz vorbei – um zwei Strafpunkte, sprich: zwei Hundertstel Sekunden. Peter Göbel braucht nicht in den Annalen nachschlagen, um sicher zu verkünden: „Das knappste Ergebnis, seit ich Rallyes organisiere.“

Sieger Steffen Roehn widmete den Sieg seinem vor zwei Jahren verstorbenen Vater, mit dem er viele Jahre das Cockpit geteilt hat, streute aber auch seinem neuen Partner Hilbrat Rosen: „der beste Beifahrer der Welt.“ Besonders stolz war er auf die Art und Weise des Erfolgs, denn die Startnummer 14 war in der Sanduhrklasse gemeldet. Roehn sagt: „Das ist der Beweis, dass man eine Rallye wie die Röhrl-Klassik mit einer mechanischen Stoppuhr gewinnen kann.“

Weltmeisterlich – neben dem Auto

„Früher war für mich der Wettbewerb entscheidend und die Landschaft nebensächlich, heute ist es umgekehrt“, dozierte der zweimalige Rallye-Weltmeister Walter Röhrl. An das Sauerland hatte der Regensburger seit der dritten AvD-Röhrl-Klassik gute Erinnerungen, Stammbeifahrer Christian Geistdörfer war zum letzten Mal 2015 zu Besuch. Die beiden Herren hatten sich im Porsche 911 RSR offenbar viel zu erzählen, wie sonst wäre zu erklären, dass die Startnummer 1 den ein oder anderen Abzweig verpasste. Was soll’s, an den Durchfahrtskontrollen, an denen das Volk sehnsüchtig auf die Prominenz wartete, traf das Duo zuverlässig ein und ließ sich ausgiebig Zeit für Selfies, kurze Gespräche und Unterschriften.

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Neben weiteren zwei Einträgen in goldene Bücher setzten die viermaligen Monte-Carlo-Sieger ihre Signatur auf alles, was man ihnen vor die Nase hielt. „Wir haben in Amöneburg bestimmt 1.000 Autogramme geschrieben“, schätzt Christian Geistdörfer. Angesichts der langen Stopps wurde der Röhrl-Porsche täglich durchs Feld gereicht, rein sportlich reichte es für die ehemalige Weltklassemannschaft zu Rang 119 und damit noch für einen Platz im zweiten Drittel. Immerhin konnte das Team, das mit nicht allzu viel Ernsthaftigkeit zu Werke ging, einen Teilerfolg vermelden: Röhrl und Geistdörfer gewannen die Prüfung an der Schütte-Mühle. Kommentar Geistdörfer: „Bestimmt ein Zeitnahmefehler.“

Der schönste Stopp – ein offenes Rennen

Es war schwer, sich am Ende darauf zu einigen, welcher Halt der Rallye der schönste war. War es die Altstadt von Arnsberg am ersten Tag, die angesichts des hohen Besuches aus allen Nähten platzte? War es Himmelsberg, wo der früh angereiste Fotograf eine Dreiviertelstunde vor dem Feld noch dachte, er wäre am falschen Ort? Doch dann füllte sich der Platz um die berühmte, 450 Jahre alte Tanzlinde blitzschnell mit Ständen und einer Menge Menschen. War das Highlight der Gipfel des Vulkans im hessischen Amöneburg, wo der örtliche Oldtimerclub eine Ausstellung seiner besten Stücke organisierte, Röhrl und Beifahrer Christian Geistdörfer auf rotem Teppich zu einer aus einem VW T1-Bus gebauten Bar geleitete? Oder war es die Hitzenalm, die keineswegs auf hohem Berge, sondern in einem schmalen Tal nahe des Biggesees liegt und zum Zwischenstopp einlud? Stefan Maiworm, Eigner des aus Tiroler Fichten gezimmerten Hofcafés, ist selbst aktiver Rallyefahrer und nimmt mit seiner Alpine A110 regelmäßig am Eifel-Rallye-Festival und anderen Veranstaltungen von Slowly Sideways teil. Er ließ von seinem freundlichen Personal Kuchen durchs Seitenfenster reichen, während mindestens 300 Fans ein Spalier wie bei einer Bergetappe der Tour de France bildeten.

Der Porsche 959 von Heinz Schmersal ist den Teilnehmern ein gewohnter Anblick, schließlich ist der rote Renner Stammgast im Starterfeld der AvD-Röhrl-Klassik und eine große Rarität. Wurden vom revolutionären Allradsportwagen mit Doppelturbo und Registeraufladung ohnehin nur 292 Stück produziert, ist Schmersals Exemplar noch erlesener, denn es ist einer von nur 30 gebauten 959 S, der es statt auf 450 auf 515 PS bringt und damit 339 km/h Topspeed schafft.

Ein absolutes Einzelstück aus dem Jahr 1989 brachten Christian Osters und Greta Lührmann an den Start. Der einst schwarze 964 im Besitz von Gretas Vater Dirk Lührmann diente ihm lange als Versuchsträger für Tuningmaßnahmen, bis ein Jugendfreund für eine Veranstaltung eine Leinwand brauchte. René Turrek liebt alte niederländische Meister von Rembrandt bis Vermeer, beherrscht aber neben Pinsel und Öl auch die Sprühflasche. Als rasender Regenbogen kam die Startnummer 137 daher, die bereits bei der vierten AvD-Röhrl-Klassik in Bregenz am Start war – damals als Flitterwochengefährt für Tochter Greta und Schwiegersohn Christian Osters.

Neuer Rekord

Schon letztes Jahr vermeldete der Veranstalter ein Rekordfeld. Bei der fünften Ausgabe setzten die Teams noch einen drauf. 176 Autos mit Luftkühlung oder Transaxle-Bauweise bis Baujahr 1998 gingen in Schmallenberg auf die Reise. Die Auftaktetappe am Donnerstag, sonst eher ein besseres Aufwärmtraining, war mit 191 Kilometern die längste in der Geschichte. Insgesamt blieb die Distanz mit 750 Kilometern und 23 Wertungsprüfungen, ausgetragen über drei Tage, im üblichen Rahmen der Röhrl-Klassik, die in ihrer fünften Ausgabe mit Nordrhein-Westfalen und einem Abstecher über Rheinland-Pfalz nach Hessen drei Bundesländer bereiste. Das Dach der Tour war wie bei der ebenfalls im Sauerland ausgetragenen dritten Ausgabe der Rallye der Kahle Asten, mit 841 Metern der dritthöchste Gipfel des Rothaargebirges. Trotz einiger technischer Probleme blieb die Ausfallquote im Rahmen. 162 Porsche sahen am Samstagnachmittag das Ziel in Schmallenberg.

Das hier ist mehr als eine Rallye. Das ist eine Familie

Es gehört längst zur Röhrl-Klassik-Folklore, dass der weiße Porsche 356 der Autobahn-Polizei Düsseldorf im Feld für Ordnung sorgt. Aber die weiße Rarität aus dem Jahr 1960 war nicht der einzige Star mit Blaulicht. Schon im Vorjahr hatte sich Thomas Groschek einen Polizei-914 zugelegt, mit dem Gattin Anke und Tochter Maike nun für Aufsehen sorgten. Dass sie mit Blaulicht und Sirene durch diverse Altstädte fuhren, wurde nicht etwa als unbotmäßige Amtsanmaßung sanktioniert, sondern sogar belohnt. Bei der Durchfahrt durch das Polizei-Oldtimer-Museum in Marburg hatte Vereinsvorstand Frank Dönges nicht nur die schönsten der 110 Exponate zum Spalier ins Freie bringen lassen, sondern eigens eine historische Polizeikontrolle aufgebaut. Das Damenteam erhielt für einen noch stilechteren Auftritt zwei Dienstmützen verliehen. Der Marburger Polizeisportclub hat selbst bisher nur einen Porsche 924 in Grün-Weiß aufzubieten, dessen rechter Klappscheinwerfer nun immerhin ein Röhrl-Autogramm ziert.

„Ich bin sehr zufrieden. Eigentlich hat alles sehr gut geklappt“, lobte Organisator Peter Göbel sein Team und auch die Teilnehmer, die sich durchweg als gute und im Wochenendverkehr disziplinierte Gäste erwiesen. Und so wies Schmallenbergs Bürgermeister Johannes Trippe drauf hin, „dass es keine Unfälle gab.“ Ansonsten ließ sich der CDU-Politiker von der guten Stimmung im Feld anstecken: „Man merkt, dass das hier sehr familiär ist und einen ganz besonderen Spirit hat.“ Er und seine Stadt Schmallenberg hatten sich als Startort aktiv beworben und angesichts der offenen Türen bei den Behörden und der modernen, großen Stadthalle, die optimale Bedingungen für die große Abschlussgala bot, auch schnell den Zuschlag bekommen. Obwohl in Sachen Tourismus viel gewohnt, betont Trippe: „Das ist ein Highlight für uns, im Rathaus bewegt das Thema jeden, und in der Stadt herrscht eine gute Stimmung.“ Für den Chef der Stadt gab es nur einen Wehmutstropfen: „Das Gehalt eines Bürgermeisters reicht leider für einen Porsche nicht aus.“ Die siebte Veranstaltung, die Peter Göbel in seiner Heimat ausgetragen hat, war für den gebürtigen Attendorner auch die bemerkenswerteste: „Die Zuschauermengen waren unglaublich und das Beste, was wir bisher hatten.“

Das Urteil der Fans: Alle schön

Der erste, der seiner Begeisterung freien Lauf ließ, war Schmallenbergs Polizeichef Markus Brüning. Zwar kein ausgewiesener Porsche-Fan, hat der selbsternannte „Dorfsheriff“ aber den Blick fürs große Ganze: „Diese Veranstaltung hat für unsere Stadt eine Riesenbedeutung und macht Schmallenberg ganz sicher nicht unbekannter.“

Um seinen Bekanntheitsgrad muss sich Prinz Gustav zu Sayn-Wittgenstein keine Sorgen machen. Der Cousin des dänischen Königs Frederik lud wie 2025 zur Durchfahrtskontrolle in den Hof von Schloss Berleburg und nahm persönlich die Porsche-Parade ab. „Ich kann mir nicht helfen, ich finde die alle schön“, sagte ihre Durchlaucht begeistert, und demonstrierte, dass der Enthusiasmus kein vorgespieltes Hofzeremoniell darstellt. In der offenen Schlossgarage verwies er auf seinen eigenen 911 GT3.

Von einem Porsche kann Manuela Alawieh nur träumen, und das tut sie auch. Die Mutter war mit ihren zwei Töchtern mit ihrem Golf 6 eigens aus dem westfälischen Warendorf angereist und wartete mit dem Nachwuchs bei strammen 13 Grad am frühen Morgen als Erste an den Sauerland-Pyramiden auf die Porsche-Parade. Als bekennender Röhrl-Fan seit Kindheitstagen spähte sie mit Kribbeln im Bauch nach der Startnummer eins. Als die ersten Autos vorbeirollten, hatte sie Gänsehaut. Als Röhrl für ein gemeinsames Foto eigens für sie anhielt, gestand sie: „Mir schlägt das Herz bis zum Hals.“ Der kurz darauf eingetroffene Notarztwagen des Veranstalters stoppte umgehend und behandelte die Patientin – mit einem Lolli mit Brombeergeschmack.

Krönendes Finale

Nach dem Auftritt der Blackouts im Vorjahr waren sich die Wiederholungstäter im Feld weitgehend sicher, dass sich diese Show nicht toppen ließe. „Schade, dass die Monika das nicht miterlebt hat“, sagte Walter Röhrl in Bregenz. Die Gattin musste daheim die Katze hüten, während Röhrl aus dem Stand zum Fan der Shooting Stars der Castingshow Britain’s Got Talent wurde. Die Bewunderung beruht auf Gegenseitigkeit, und so trat die Schweizer Tanztruppe mit ihren LED-Anzügen in Schmallenberg einfach nochmal auf – dieses Mal mit sieben statt fünf Tänzern und noch länger als im Vorjahr. „Super“, befand Monika Röhrl, die dieses Mal mit dabei war. Zuvor aber hatte Veranstalter Peter Göbel die Gäste der Abendgala nach draußen gebeten, wo 150 choreografierte Drohnen die Silhouette eines 911, die Signatur Walter Röhrls und schließlich eine Liebeserklärung an das Sauerland in den Nachthimmel schrieben.

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