Wolfgang Schäffer
· 26.03.2026
GTS – drei Buchstaben, die bei Porsche für besonders sportlich abgestimmte Fahrzeuge stehen. Das gilt auch für den neuen Macan GTS. Das nunmehr fünfte Modell der vollelektrischen Baureihe ist besonders auf Agilität und Querdynamik ausgelegt. Dazu trägt der Allradantrieb mit dem elektronischen Porsche Traction Management (ePTM) maßgeblich bei.
Der Allradantrieb hat bei Porsche eine lange Geschichte. Vor mehr als 125 Jahren erstmals eingesetzt, haben die Entwickler in Zuffenhausen dem Prinzip 4x4 mit dem Porsche Traction Management (PTM) vor etwa 40 Jahren neues Leben eingehaucht. Wie im Sonderheft Porsche Fahrer „Porsche ePerformance“ bereits ausführlich beschrieben, wurde mit der Einführung des Elektro-Macan die Leistungselektronik genutzt, um die Reaktionszeit des PTM deutlich zu verkürzen. Das daraus resultierende ePTM regelt, so die Porsche-Ingenieure, gut fünf Mal schneller als ein konventioneller Allradantrieb und reagiert in Millisekunden auf Schlupf. Das Ziel dabei ist, das Antriebsmoment situations-und bedarfsgerecht an die Räder zu verteilen. Das klingt erstmal sehr nüchtern, doch was das im Fahrbetrieb wirklich bedeutet, wird sich später noch eindrucksvoll herausstellen. Im Normal-Modus ist die Antriebsverteilung komplett unauffällig und auf hohe Effizienz und Reichweite ausgelegt. Das bedeutet, dass so oft wie möglich nur der Heckantrieb genutzt wird. In den Modi Sport und Sport Plus liegt der Fokus des ePTM auf optimaler Traktion. Dann wird der Antrieb an der Vorderachse häufiger dazugeschaltet. Im Offroad-Fahrmodus schließlich schaltet der Macan auf Allradantrieb mit Schlechtwege-Spezifikation um. Eine virtuelle Längssperre begrenzt dann die Drehzahldifferenz zwischen Vorder-und Hinterachse.
1963: Erstmals darf sich ein Porsche mit dem Kürzel „GTS“ schmücken: der für die Straße zugelassene Rennsportwagen Porsche 904 Carrera, Sinnbild für Leichtbau, fortschrittliche Materialen und ikonisches Design. Es sollte lange dauern, bis wieder ein Porsche zu solch hohen Ehren kam. Denn erst 2010 stattete Porsche nach der Modellpflege der 911-Generation 997 erstmals wieder einen Wagen mit den drei Buchstaben aus. Diesmal blieb es nicht bei einem Solitär: Inzwischen sind GTS-Versionen in allen Baureihen vertreten.
So nun auch im elektrisch angetriebenen Macan. Um die Performance zu steigern, hat Porsche dem GTS außer Allradantrieb und ePTM noch weitere Helfer spendiert. Die schon im Turbo verbaute elektronisch geregelte Quersperre des Porsche Torque Vectoring Plus (PTV Plus) an der Hinterachse unterstützt den GTS je nach Fahrsituation in Sachen Stabilität, Traktion und Querdynamik. Außerdem verfügt die besonders sportliche Macan-Variante serienmäßig über eine Sport-Luftfederung mit Niveauregulierung und das Porsche Active Suspension Management (PASM). Die Dämpfer wurden dabei ebenso wie die Stabilisatoren speziell auf die DNA eines Gran Turismo Sport aus der Porsche-Familie abgestimmt. Die Karosserie lässt sich zudem um zehn Millimeter
LORUM IPSUM absenken und im Offroad-Niveau um 30 Millimeter anheben. Wie beim Macan Turbo kommt auch beim Macan GTS der von Porsche entwickelte sogenannte „Performance-Hinterwagen“ zum Einsatz. Die dort um 180 Grad gedreht eingebaute E-Maschine ist ebenfalls mit der aus dem Turbo identisch; aus ihrer Einbaulage resultiert eine leicht hecklastige Gewichtsverteilung von 48:52. Das verbessert die Traktion und das Einlenkverhalten. Außerdem ist der Antrieb über vier Punkte direkt am Aufbau befestigt. Das sorgt für mehr Steifigkeit.
Aber genug der technischen Daten, der Abkürzungen, der guten Absichten der Ingenieure. Wir wollen fahren!
Das Zusammenspiel dieser technischen Maßnahmen führt in Kombination mit der sehr direkten Lenkung und nicht zuletzt der in diesem Modell verbauten, optionalen Hinterachslenkung dazu, dass der Macan GTS mit beeindruckender Präzision um die Ecken fegt. Der Stromer weicht selbst bei richtig flotter Fahrt nicht einen Zentimeter von der vorgegeben Linie ab. Auch plötzliches Beschleunigen in der Kurve bringt den Wagen nicht aus der Ruhe. Auf feuchten Straßen in den Höhenlagen der französischen Seealpen spielt der GTS schließlich seine ganze Klasse aus. Die Traktion ist jederzeit bestechend. Von Schlupf keine Spur. Der Macan bietet Fahrspaß in Reinkultur.
Trotz der sportlichen Ausrichtung ist das Fahrwerk keinesfalls bretthart. Die von Regen und Kälte oftmals heftig ramponierten Straßen passiert der Stromer absolut souverän. Stöße und Schläge kommen so gut wie gar nicht im Passagierabteil an, die Spreizung von Komfort bis Sportlichkeit ist extrem breit. Ein wesentlicher Grund dafür sind die Dämpfer des PASM, die Einkammer-Zweiventil-Technik nutzen. Da Zug-und Druckstufe deshalb individuell angesteuert werden können, ist das Umschalten vom sportlichen zum komfortablen Fahren in Bruchteilen von Sekunden möglich.
Wenn's ums Ausreizen der Sportlichkeit geht, dann lässt der Macan GTS mit einer Overboost-Leistung von 420 kW (571 PS) und einer Dauerleistung von 380 kW (516 PS) bei einem Drehmoment von 955 Newtonmetern mit Lauch Control kaum Wünsche offen. Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 gelingt mit der Lauch Control in 3,8 Sekunden, in 13,3 Sekunden klettert die Tachoanzeige auf die Marke 200 und in der Spitze schafft der GTS 250 Kilometer pro Stunde.
Klar, dass bei solcher Fahrweise die WLTP-Reichweite von 586 Kilometern bei einem Normverbrauch von 18,5 kWh in weite Ferne rückt. Wir sind bei fraglos zügiger Fahrweise über etwa 280 kurvenreiche und bergige Kilometer bei Temperaturen zwischen drei und 13 Grad über Null auf einen Verbrauch von 26,6 kWh gekommen. Bei einer Batteriekapazität von 95 kWh würde das trotz der ambitionierten Fahrweise für mehr als 350 Kilometer reichen.
Aufgrund der 800-Volt-Technologie hat der GTS, wie alle anderen Varianten der Baureihe, eine Ladeleistung von bis zu 270 kW. Unter besten Bedingungen dauert es 21 Minuten, um den Energieinhalt der Batterie von zehn auf 80 Prozent zu bringen. Der serienmäßige On-Board-Lader ermöglicht das Laden mit elf kW. Optional bietet Porsche jetzt für den Macan GTS auch eine 22-kW-Alternative an.
Wie für GTS-Modelle von Porsche üblich, sind viele Elemente wie beispielsweise Radlaufblenden und Schweller in schwarz gehalten. Das gilt ebenfalls für die Lippen der Bugverkleidung und des adaptiven Heckspoilers. Beides ist im neuen Sport-Design-Paket enthalten. Das gibt es jetzt für alle Macan-Varianten, wird dem GTS allerdings generell mit auf den Weg gegeben. Außerdem ist der Gran Turismo Sport der erste Macan, der 2,5 statt bisher 2 Tonnen an den Haken nehmen kann. Die 500 Kilogramm mehr kann bis auf den Macan mit Heckantrieb für alle Versionen nachträglich in den Porsche-Werkstätten eingetragen werden.
Zu den Besonderheiten, die Porsche dem GTS spendiert hat, zählen die mit Race-Tex bezogenen 18-Wege-Sportsitze, das Sport Chrono Paket, das Interieur-Paket Carbon, das beheizbare GT-Sportlenkrad sowie zwei speziell komponierte Soundprofile – eines für den Modus Sport, eines für Sport Plus. Und natürlich ist das Kürzel GTS! Ein Garant für ein hohes Maß an Agilität und Querdynamik seit 1963.
Erschienen in Ausgabe 3-2026