MACAN TURBO ELECTRIC – LENKEN, LADEN, LEBEN

Gernot Doldes

 · 28.09.2026

Alexander und seine Frau legten auf ihrer Tour regelmäßige lange Stopps
ein – damit die Kinder Zeit zum Spielen hatten.
Foto: Clément Roy, Alexander Schurtz

MIT DEM MACAN TURBO ELECTRIC AUF DER LANGSTRECKE

Mehr als 6.000 Kilometer in 21 Tagen, 33 Ladevorgänge in vier Ländern: Akribisch hat Alexander Schurtz auf seiner Fahrt von der Schweiz nach Portugal und zurück jedes Detail in einer Excel-Datei dokumentiert, die er dem Magazin „Porsche Fahrer" zukommen ließ. Warum der Aufwand? Der in der Schweiz lebende, gebürtige Kanadier und Porsche-Fan, der neben seinem Macan Turbo Electric einen 718 Cayman GT4 RS fährt, wollte wissen, wie sich ein vollelektrischer Porsche auf der absoluten Langstrecke schlägt – mit einer fünfköpfigen Familie und Gepäck an Bord. Für drei Wochen. Die Antwort hat er im Sommer erfahren: Seine Route führte von Nyon am Genfersee über die Provence, Katalonien und Madrid bis nach Portugal – die Heimat seiner Frau. Von der Atlantikküste bei Aveiro ging es anschließend auf demselben Weg zurück. Drei feste Stationen dienten als Basislager für Tagesausflüge und als Erholungsorte für die Kinder: Marseille, Alentejo im Süden Portugals und die Stadt Mangualde im Norden. Dazwischen lagen Fahrtage mit bis zu 700 Kilometern und viele Pausen an Ladestationen. Die Leistungsdaten des Macan Turbo Electric scheinen wie gemacht für die Mission: 470 kW (639 PS), bis zu 589 Kilometer angegebene Reichweite, in 21 Minuten von zehn auf 80 Prozent aufgeladen. Was die reinen Zahlen nicht erzählen: wie sich diese drei Wochen angefühlt haben. Das schildert Alexander Schurtz in diesem Reiseprotokoll, unterteilt in sieben Etappen.

AUFBRUCH: AB IN DIE PROVENCE!

  • 11.–14. Juli 2026
  • Schweiz ▶ Frankreich
  • Stationen: Nyon, Alixan, Marseille und Fahrten vor Ort
  • Strecke: 491 km Nyon–Marseille + 374 km lokale Trips = 865 km
  • Ladevorgänge: 5
  • Geladene Energiemenge: 158,9 kWh
  • Preis pro kWh: Ø 0,390 €/kWh

Wir starten aufgeregt und vollgepackt: Der Macan bietet zum Glück genügend Platz für unser Gepäck. Dennoch reisen wir möglichst leicht: ein großer Koffer für die Kinder, eine mittelgroße Tasche für meine Frau, ein Rucksack für mich und kleine Taschen für die Dinge, die während der Fahrt griffbereit sein müssen.

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Mit Kindern im Alter von zwei bis fünf Jahren zu verreisen, ist immer ein Wagnis. Meine Frau und ich wissen aber, worauf wir uns einlassen. Wir nennen es die Drei-Stunden-Regel: Eine Stunde schlafen die Kinder, eine Stunde spielen sie, in der dritten wird gestritten. Zum Glück liegen zwischen zwei Ladepausen im Schnitt nicht mehr als drei Stunden. Der Akku bestimmt die Stopps, die Kinder ihre Dauer. Toilettengänge, Trinkpausen, Toben und Rennen machen aus wenigen Minuten, die zum Laden nötig gewesen wären, meist eine halbe Stunde.

Am Ende der ersten Etappe erreichen wir Marseille, der Standort unserer ersten Basis. Die Hafenstadt im Süden Frankreichs wählen wir, weil mein Vater dort den Sommer verbringt. Von hier aus unternehmen wir Ausflüge in die kleinen, malerischen Dörfer an der Côte d’Azur – etwa nach Bandol oder Le Castellet, Heimat der Formel-1-Rennstrecke Circuit Paul Ricard. Die Provence, die Küste – immer und immer wieder drehen wir vor dieser Kulisse mit dem Macan unsere dynamischen Runden. Ein perfekter Start!

GRENZÜBERTRITT RICHTUNG SPANIEN

  • 15. Juli 2026
  • Frankreich ▶ Spanien
  • Stationen: Nîmes-Saint-Gilles, Aire de Gasparets, Perpignan, Camiral/Girona
  • Strecke: 431 km
  • Ladevorgänge: 2
  • Geladene Energiemenge: 120,5 kWh
  • Preis pro kWh: Ø 0,440 €/kWh

Ich mag Grenzen ja: Obwohl die Landschaft zunächst dieselbe bleibt, ist doch plötzlich alles anders. Am ersten Fahrtag der zweiten Etappe halten wir zweimal zum Laden. Die Stationen funktionieren zuverlässig. Anders als an französischen Autobahnraststätten stehen sie hier allerdings an gottverlassenen Orten, an die sich höchstens noch Lastwagenfahrer verirren. Schön ist das nicht, besonders sicher fühlt es sich auch nicht an, vor allem beim nächtlichen Laden. Unterhaltung für die Kinder gibt es auch nicht. Und man muss aufpassen, dass sie nicht zwischen an- und abfahrenden Lkw herumrennen. Es könnte also schöner sein, doch meistens schaffen wir es, am Tag zu laden und kommen zügig voran.

Spanien selbst überrascht mich. Ich hatte es fälschlicherweise als eher flach in Erinnerung, dabei ist es abwechslungsreich und bergig. Perfekt für den Macan mit seinem Antritt. Der Turbo Electric katapultiert einen in 3,3 Sekunden auf 100 km/h. Es ist ein Genuss, mit ihm aus den Kurven zu kommen. Den ersten Abend verbringen wir im fantastischen Camiral Resort im katalonischen Girona. Für uns ist es einer dieser Orte, wo sofort klar ist: Wir kommen wieder.

ÜBER MADRID NACH PORTUGAL

Die erste Etappe über mehr als 1.000 Kilometer steht an – und die Fahrt über die spanische Hochebene ist anstrengender als gedacht: Trockene Hitze, beinahe unerträglich. Infrastruktur an den Ladestationen? Fehlanzeige. Morgen ist der wohlverdiente Ruhetag, den wir bewusst für die Kinder eingeplant haben. In Sachen Laden empfehle ich IONITY und Zunder. Sie halten hier in Spanien durchgehend hohe Leistungen, selbst bei mehr als 37 Grad Außentemperatur drosselt der Macan nie spürbar.

Als wir am Ende der Etappe nach Portugal weiterfahren, ändert sich die Stimmung spürbar ins Positive: Die Vorfreude wird größer, schließlich wartet ein Haus mit Pool auf uns und meine Frau kehrt zurück in ihre portugiesische Heimat – besonders sie sorgt für gute Laune, reißt Witze beim Grenzübertritt und bringt alle zum Lachen.

NÄCHSTES ZIEL: ALENTEJO IN PORTUGAL

  • 19.–23. Juli 2026 Portugal (Basis Santo Amaro/Estremoz)
  • Stationen: Estremoz, Alandroal, Reguengos de Monsaraz, Corval, Évora, Portalegre, Arraiolos
  • Strecke: 970 km
  • Ladevorgänge: 7
  • Geladene Energiemenge: 255 kWh
  • Preis pro kWh: Ø 0,546 €/kWh

Der erste Ladeversuch in Portugal funktioniert überhaupt nicht wie erwartet – ein totaler Reinfall. Und das mehrfach hintereinander. Die Stationen verlangen allen Ernstes zur Anmeldung eine portugiesische Telefonnummer. Ich bin frustriert und bekomme sogar ein wenig Reichweitenangst. Im Internet finden wir schließlich eine funktionierende Alternative. Meine Tipps für Portugal-Reisende: Der Anbieter Atlante funktioniert nach dem Herunterladen der App am zuverlässigsten, bei InstaVolt kann man direkt mit Kreditkarte zahlen. Allerdings läuft dort die Porsche Charging Card nicht. Wer die einsetzen will: IONITY nimmt den Macan ohne Probleme an und bleibt mit 0,39 €/kWh sogar der günstigste Anbieter der Reise.

Im Alentejo, einer Region im Süden Portugals, bleiben wir für einen längeren Aufenthalt. Wir mieten erst eine Unterkunft im Süden und wechseln später in den Norden, weil wir hier auch ein Haus bauen und dafür Teppiche, Keramik und Geschirr kaufen wollen. Wir besichtigen Burgen, besuchen malerische Dörfer und eine Töpferei in Corval – Familienurlaub in Perfektion. Mit dem Macan genießen wir immer wieder die Serpentinen und kreieren neue Erinnerungen. Doch wir gehen es gelassen an. Die Hitze drückt.

CENTRO UND DIE PORTUGIESISCHE ATLANTIKKÜSTE

  • 23.–28. Juli 2026 Portugal (Basis Mangualde)
  • Stationen: Castelo Branco, Viseu, Salva Almas, Torreira, Estarreja, Albergaria-a-Velha, São João da Madeira, Santa Maria da Feira, Póvoa da Calde
  • Strecke: 880 km
  • Ladevorgänge: 7
  • Geladene Energiemenge: 326,3 kWh
  • Preis pro kWh: Ø 0,455 €/kWh

Unsere nächste Basis: die Stadt Mangualde. Aus dieser Region stammt die Familie meiner Frau. Wir genießen die Berge, fahren an die Atlantikküste. Salva Almas, ein Bergrestaurant mit authentischem Essen und großartiger Aussicht, ist ein absolutes Highlight. Oder der Strandtag in dem Küstenort Torreira: Essen im Strandrestaurant, Sandburgen bauen, Abkühlung im Atlantik. Der perfekte Tag für die Kinder. Und dann immer wieder unterwegs im Macan, weiter nach Norden, die Landschaft ändert sich: Aus Olivenbäumen, Kuhweiden und Burgen wird nach und nach eine saftig grüne Bergwelt. Nach vielen Höhenmetern und dem Laden in der Stadt Albergaria zeigt der Macan zwar 48 Grad Batterietemperatur, doch sein Thermomanagement arbeitet tadellos.

RÜCKREISE DURCH SPANIEN

  • 29. Juli 2026
  • Portugal ▶ Spanien
  • Stationen: Mangualde, Fuentes de Onoro, Salamanca, Zamora, Palencia, Haro
  • Strecke: 553 km
  • Ladevorgänge: 3
  • Geladene Energiemenge: 242,6 kWh
  • Preis pro kWh: Ø 0,403 €/kWh

Mit gemischten Gefühlen treten wir die Rückreise an. Einerseits neigt sich der Urlaub dem Ende, andererseits folgt jetzt der nächste Roadtrip. Auf rund 1.000 Kilometern können wir die Qualitäten unseres Sportwagens nochmal richtig auskosten. Und das vor dieser Kulisse. Wieder einmal stellen wir fest, dass wir Spanien als Reiseziel enorm unterschätzt haben. Durch die Berge der Weinregion Rioja im Norden Spaniens zu fahren und in den Bodegas das Leben zu genießen, ist ein traumhaftes Erlebnis. In Subijana erleben wir dann aber doch noch eine letzte Enttäuschung. Die vom Porsche Routenplaner vorgeschlagene Ladestation ist komplett außer Betrieb. Also ein Umweg über Olaberria, dort lädt der Macan bei bp pulse Iberdrola wenigstens konstant mit mehr als 150 kW und gleicht die verlorene Zeit schnell aus.

DIE LETZTE ETAPPE NACH NYON

  • 30.–31. Juli 2026
  • Spanien ▶ Frankreich ▶ Schweiz
  • Stationen: Subijana, Olaberria, Captieux, La Chartreuse du Bignac, Périgueux, Orleat, Valleiry, Nyon
  • Strecke: 1.190 km
  • Ladevorgänge: 5
  • Geladene Energiemenge: 294,4 kWh
  • Preis pro kWh: Ø 0,403 €/kWh

Plötzlich sehen wir Rauch, Feuerwehrfahrzeuge und kleine Flammen in der Nähe der Autobahn. Auf unserer Route gibt es einen Zwischenfall, also müssen wir umplanen. Statt im Südwesten Frankreichs an der Atlantikküste zu fahren, werden wir Richtung Périgord umgeleitet. Das Ergebnis: Ein letzter Fahrtag mit mehr als 699 Kilometern – aber vor der Vulkanlandschaft Zentralfrankreichs. Es gibt schlimmere Routen für einen Umweg. Vor dem Ort Valleiry warnt mich der Macan vor Müdigkeit – ganz Unrecht hat er nicht, doch wir schaffen es sicher ins Ziel.

FAZIT: GÜNSTIGER GEHT ES NICHT!

  • 11.–31. Juli 2026
  • Schweiz ▶ Frankreich ▶ Spanien ▶ Portugal ▶ Spanien ▶ Frankreich ▶ Schweiz
  • Strecke: 6.124 km
  • Ladevorgänge (Anzahl): 33
  • Geladene Energiemenge: 1.461 kWh
  • Preis pro kWh (Ø): 0,436 EUR/kWh

Mehr als 6.000 Kilometer. Vollelektrisch. In knapp drei Wochen. Mit der ganzen Familie. Was als Experiment begann, führte zu einer Erkenntnis. Eine so lange Reise im Macan Turbo Electric funktioniert tadellos. Hohe Ladeleistung, perfektes Thermomanagement und problemloses Reisen in allen Ländern – wobei sich in Portugal zeigte, dass es Verbesserungsbedarf in Sachen Anmeldung und Bezahlung an den Ladesäulen gibt. Für mich ist es der Beweis, dass ein Porsche auch auf der Langstrecke mit Familie voll alltagstauglich ist. Wer mit Kindern reist, macht ohnehin mehr Pausen. Und am Ende werden diese von den Kleinen verlängert, während der Wagen schon längst vollgeladen ist. Und in Sachen Kosten ist die Reise im E-Auto ohnehin konkurrenzlos günstig. Auf knapp 6.100 Kilometern haben wir rund 580 Euro für Energie ausgegeben. Vergleicht man das mit einem Benziner, der – wohlwollend gerechnet – 10 Liter auf 100 Kilometern verbraucht, landet man auf dieser Strecke bei den aktuellen Benzinpreisen schnell bei mehr als 1.300 Euro. In diesem Punkt ist der E-Sportler unschlagbar!

Eine Sache würde ich bei Roadtrip Nummer zwei aber anders machen: Für die nächste Reise prüfe ich die nötigen Lade-Apps und Bezahlverfahren vorher genau. Damit mir die kleine Frustration und die kurzzeitige Reichweitenangst, die ich in Portugal erlebt habe, erspart bleiben.

​Erschienen in Ausgabe 6-2026

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