Porsche Fahrer
· 29.05.2026
Die North Coast 500 existiert erst seit 2015. Damals fügte die North Highland Initiative bestehende Straßen zu einer Route zusammen, die sich entlang der schottischen Nordküste schlängelt. Rund 800 Kilometer lang, fast so nah am Polarkreis wie an London. Entwickelt wurde die Strecke von der Initiative, die König Charles III. gegründet hatte – mit dem Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung in der Region zu fördern. Der Plan funktionierte: Schon in den ersten zwei Jahren stieg die Besucherzahl um 26 Prozent. Eine Studie der Glasgow Caledonian University ergab, dass die NC 500 bereits 2018 rund 26 Millionen Euro zur regionalen Wirtschaft beitrug.
Startpunkt ist Inverness, die „Hauptstadt der Highlands" am River Ness. Viktorianische Architektur prägt das Stadtbild. Wir fahren gegen den Uhrzeigersinn – so bleiben die spektakulärsten Abschnitte im Westen für den Schluss. Der vollelektrische Macan Turbo in Speedgelb leistet 470 kW, also 639 PS. Erste Station nach etwa einer Stunde: das Glenmorangie House in Tain, ein Boutique-Hotel der nahen Destillerie. Auf der Speisekarte stehen frisch gefangene Jakobsmuscheln aus der Region, dazu Lammbraten. Im Sommer sammeln Gäste auf dem Hügel hinter dem Haus Brennnesseln und Bärlauch für das Abendessen.
Eine halbe Stunde weiter nördlich liegt der Royal Dornoch Golf Club. Die erste Runde wurde hier 1616 gespielt. Der US-amerikanische Golfexperte Herbert Warren Wind bezeichnete ihn 1964 als „den natürlichsten Platz der Welt". Eine Mitgliedschaft ist nicht erforderlich, Reservierungen aber empfehlenswert. Weiter geht es zum Castle of Mey aus dem 16. Jahrhundert. Königin Elizabeth, die „Queen Mum", rettete das Schloss vor dem Verfall und verbrachte dort bis zu ihrem Tod 2002 jeden August und Oktober mehr als einen Monat. König Charles III. setzt die Tradition fort. In der Granary Lodge, dem neuen Bed & Breakfast auf dem Gelände, können Gäste übernachten. An der Eingangstür stehen noch die kleinen Gummistiefel der verstorbenen Königin, daneben ein Tablett mit Muscheln von ihren täglichen Spaziergängen.
Hana Sutherland, 21, studiert an der University of the Highlands and Islands und arbeitet im Schloss. „Die NC 500 hat der Region so viele neue Möglichkeiten eröffnet, von Unternehmen über Arbeitsplätze bis hin zu Gemeinschaftsprojekten", sagt sie. „Es ist großartig, zu sehen, wie die Menschen hier leben und arbeiten – und wie sie immer wieder Wege finden, andere für das Leben vor Ort zu gewinnen."
Nächster Stopp: die Gezeitenkraftanlage MeyGen. Seit 2016 produziert das weltweit größte Gezeitenkraftwerk an der Nordküste nachhaltige Energie. Fraser Johnson, Director of Operations and Assets, erklärt: „Im Pentland Firth herrscht einer der schnellsten Gezeitenströme der Welt, und der Inner Sound ist wie ein natürlicher Trichter, der riesige Wassermengen durch einen schmalen Kanal zwischen dem Atlantik und der Nordsee drückt. Die Turbinen am Meeresgrund funktionieren im Prinzip wie Windräder Wasser – nur bleiben sie unsichtbar." Der Macan lädt direkt an der MeyGen-Umspannstation – mit der Kraft des Ozeans. Johnson ist hier aufgewachsen: „Jetzt die Möglichkeit zu haben, an etwas zu arbeiten, das nicht nur hochmodern, sondern auch in dieser Region verwurzelt ist – das ist etwas Besonderes."
In Castletown verwandeln Claire und Martin Murray eine verfallene alte Mühle in die Whiskybrennerei Stannergill. „Es hätte nur noch zwei Stürme gebraucht, um die Mühle zum Einsturz zu bringen", sagt Martin. Das Paar hat drei kleine Kinder und wollte sie dort großziehen, wo sie selbst aufgewachsen sind. „Aber das ist nicht einfach, da diese Region eine fragile ländliche Wirtschaft hat, in der die Bevölkerung schrumpft und es nur wenige Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Also haben wir uns unsere eigenen Perspektiven geschaffen", erklärt Claire. Ohne die NC 500 hätten sie diese Entscheidung wahrscheinlich nicht getroffen. „Wir haben den Betrieb gegründet, bevor die Route bekannt wurde. Unser Laden war ein Bücherregal in unserem Büro", erinnert sich Martin. „Doch plötzlich standen die Leute bei strömendem Regen quer über den Parkplatz Schlange, um bei uns einzukaufen."
Nach Thurso führt die Route in den äußersten Norden Großbritanniens. Zum ersten Mal befahren wir eine einspurige Straße mit Ausweichstellen, für die die NC 500 bekannt ist. Die Wendigkeit des Macan bewährt sich, während sich die Strecke um den alten Wikingerankerplatz Loch Eriboll schlängelt. Das Lundies House im Dorf Tongue verbindet skandinavische Coolness mit Erdtönen, polierte Holzböden und Möbel von schottischen Handwerkern. Abends gibt es Meeresfrüchte aus den Gewässern unterhalb des Hotels, dazu Wildfleisch und Gemüse aus dem ummauerten Garten.
Am nächsten Morgen geht es über den Kyle of Tongue Causeway. Robben, Otter und sogar Stein- und Fischadler lassen sich hier beobachten. Die Straßen werden breiter, als wir nach Süden zur Kylesku Bridge fahren. Übernachtung im Torridon Hotel in Achnasheen. Besitzer Dan Rose-Bristow erwartet uns am Porsche Destination Charger mit seinem 911 Carrera 3.2 Coupé (G-Serie), Baujahr 1989. „Das Marketing für die NC 500 war phänomenal und hat sicherlich mehr Besitzer schöner Autos hierhergebracht", sagt Dan. „Das merken wir besonders in der Nebensaison, die viel belebter und wahrscheinlich die beste Zeit für die NC 500 ist. Weniger Mücken, weniger Wohnmobile." Ihm sei wichtig zu betonen, dass Besucher Verständnis für die Lebensweise der Menschen aufbringen sollten. „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man seinen Porsche nicht unbedingt schnell fahren muss, um die Straßen hier oben wirklich genießen zu können."
Der Ratschlag wird wichtig auf der Applecross-Halbinsel. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war sie nur über das Meer erreichbar. Der Bealach na Bà (schottisch-gälisch für „Pass der Rinder") ist der anspruchsvollste Abschnitt der gesamten Strecke. Extrem schmale Fahrbahn, enge Haarnadelkurven. Auf der einen Seite steile Felswände, auf der anderen der tiefe Abgrund – hier beweist der Allrad-Macan seine Qualitäten.
Bei einem Zwischenstopp treffen wir David Richardson, Development and Engagement Manager bei NC 500 Ltd. „Wenn Sie hier wohnen und Ihnen Arbeitsplätze für Ihre Kinder wichtig sind, haben Sie eine positive Sicht auf die NC 500", erklärt er. „Aber wenn Sie hergezogen sind, um die Ruhe zu genießen, die teils von Fahrzeugen gestört wird, die nicht besonders rücksichtsvoll fahren, dann denken Sie vielleicht etwas anders." Auf der Website der NC 500 gibt es deshalb eine Verpflichtungserklärung, die Besucher dazu auffordert, keine Spuren zu hinterlassen, verantwortungsbewusst zu fahren und lokale Unternehmen zu unterstützen.
Die letzten Kilometer führen entlang des Loch Ness. Die erste Sichtung von „Nessie" wurde 1933 von einer Hotelbesitzerin gemeldet – die lokale Zeitung bezeichnete es als Monster. Der Mythos wurde zu einem Touristenphänomen. Genauso hat sich die NC 500 zu einem Phänomen entwickelt. Seit mehr als zehn Jahren gehört sie zu den spektakulärsten Routen der Welt.
| Modell | Porsche Macan Turbo |
| Antrieb | Vollelektrisch |
| Leistung | 470 kW (639 PS) |
| Stromverbrauch (WLTP) | 20,7 – 18,4 kWh/100 km |
| CO₂-Emissionen | 0 g/km |
| CO₂-Klasse | A |