Bianca Leppert
, Elmar Brümmer
· 30.12.2025
Manchmal verändern nicht die Zitate berühmter Dichter und Denker dein Leben, sondern die deiner liebsten Menschen. Und dazu gehört ein Satz meines Vaters, den ich, seit ich 14 Jahre alt bin, in meinem philosophischen Werkzeugkasten habe. „Nur wenn du selbst schraubst, bekommst du ein Verständnis dafür, wie alles funktioniert.“
Damals ging es freilich noch nicht um einen Porsche, sondern um mein Zweitakter-Gokart, mit dem ich jahrelang Rennen gefahren bin. Bis heute bin ich dankbar für die Konsequenz meines Vaters. Hätte ich mir damals nicht die Finger schmutzig gemacht, hätte ich in dem einen oder anderen Rennen schlechter abgeschnitten. Und ich hätte längst nicht so viel Verständnis für Fahrphysik und Technik im Allgemeinen, was sich in meinem Beruf oft als (Schrauben-)Schlüssel erweist.
Ja, ich weiß, mein Beifahrer predigt: „Fahren statt schrauben.“ In meiner Welt heißt es: „Fahren und schrauben.“ Denn für mich ist beides untrennbar miteinander verbunden. Das heißt nicht, dass ich die Zylinderköpfe mit der Zahnbürste schrubbe, aber ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn Bremsflüssigkeit in den Ärmel läuft. Immer zwischen Drehmoment und Demut. Gelegentlich auch zwischen Drehzahlbegrenzer und verbrannter Hoffnung. Deshalb stimme ich dem Nebensitzer auch in einem Punkt zu: Nie würde ich allein loswerkeln. Ein Porsche ist kein Puzzle. Es braucht Profis. Um von ihnen zu lernen, wie man sich die Hände richtig schmutzig macht. Immer mit dabei: die ungebremste Neugier, wie alles zusammenspielt. Was passiert, wenn ich an welcher Schraube drehe?
Dafür muss ich nicht in den blauen Overall springen. Zuletzt sägte mein Elfer im Leerlauf. Da ist es zumindest ein gutes Gefühl, wenn man weiß, wie man easy mit dem Schraubenzieher die Leerlaufdrehzahl justiert. Es gab noch keinen Zündfunken, der die Erleuchtung gebracht hat, aber ein Teil des Detektivteams zu sein, erfüllt mich. Schließlich kann nur ich, die dieses Auto regelmäßig durch die Kurven zirkelt, den Profis von außergewöhnlichen Vorkommnissen berichten. Und mit ihnen Hand anlegen und eine Lösung finden. Saubere Leistung.
Sauber, dieses Heft. Dieser Porsche sowieso. Zeit also für ein wirklich dreckiges Thema. Das jedenfalls verspricht die leicht ketzerische Frage der Fahrerin, kombiniert mit einem Blick, den man fast für geringschätzig halten könnte: „Wann hast du dir das letzte Mal die Hände schmutzig gemacht?“
Früher, ungefähr im Baujahr unseres Elfers, ging Angeben mal so: Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Inzwischen muss es zielführender wohl so heißen: Mein Porsche, meine Garage, mein Werkzeugkasten. Wohin er auch guckt, er ist von Schraubern umzingelt – siehe Fahrersitz.
Klingt ja auch wirklich cool, bei den scheinbar unvermeidlichen Diskussionen über Federbeine ganz lässig einzuwerfen: „Ich schraube übrigens selbst ...“ Wer hätte da nicht gleich Steve McQueen im Kopf? Perfektes Image, bis zum Schwenk auf die Hände: wahlweise mit Schmierstoffresten oder halb roh von der Waschpaste. Sicher, so ein Overall mit durchgehendem Reißverschluss ist auch total praktisch. Will der Beifahrer aber spontan mal mit dem Auto raus, ist er trotzdem ganz froh, dass er nicht immer erst stundenlang zusammensetzen muss, was er vorher mühsam auseinandergenommen hat. Puzzeln ist was für die Monate nach dem Saisonkennzeichen. Schon McQueen wusste: A driver can’t wait to drive. Fahren statt schrauben.
Denn technisches Verständnis muss belastbar sein. Wer würde sich zu einem ins Auto setzen wollen, der bei Ikea-Schränken immer ein paar Teilchen übrig hat? Niemand, schon gar nicht beim Blick auf das alibimäßig vorhandene Schraubendreher-Set, das übrigens eine Abo-Prämie war. Der Beifahrer hat überhaupt nichts gegen Do-it-yourself, aber er steht auch auf dem klaren Standpunkt: Originalteile brauchen Originalmechaniker. Ein Flugzeugpilot macht ja auch nicht zum Spaß am Triebwerk herum. Zugegeben, richtig komplizierte Schraubvorgänge können ihn trotzdem begeistern. Stundenlang – auf YouTube. Sein Lieblingskanal ist der, auf dem Profis zu Ende bringen, was andere angefangen haben. So hält er es auch mit dem eigenen Fuhrpark: Beim Schrauben ist es immer gut, jemanden zu kennen, der sich auskennt.