Ist eine Ölanalyse wirklich sinnvoll?

Porsche Klassik

 · 01.01.2026

Ist eine Ölanalyse wirklich sinnvoll?Foto: Jann Höfer
Die Ingenieurin Laura Kukuk von Glahn ist eine renommierte Oldtimer-Expertin und Kfz-Sachverständige. Mit gerade mal 31 Jahren sitzt sie in der Jury des prestigeträchtigen Concorso d’Eleganza und leitet mit ihrem Vater das Ingenieurbüro Kukuk bei Köln.

Es gibt diese besonderen Momente, in denen der erste Eindruck nicht die ganze Wahrheit zeigt. Der Lack glänzt, die Linienführung wirkt makellos, der Innenraum präsentiert sich beinahe wie im Neuzustand. Nach dem ersten Motorstart sagt mir mein technisches Gefühl: Hier stimmt etwas nicht. In solchen Fällen greife ich auf ein Werkzeug zurück, das vielen noch unbekannt ist: die Ölanalyse. Sie ist vergleichbar mit einer Blutuntersuchung beim Gesundheitscheck. Sie kann Hinweise liefern auf Lagerabrieb, Verunreinigungen, Kraftstoffeintrag oder unsaubere Verbrennungsvorgänge. Spuren von Metall im Öl, etwa von Kupfer oder Aluminium, sprechen eine klare Sprache. Sie können auf erhöhten Abrieb oder Materialermüdung hinweisen, auch wenn der Motor äußerlich perfekt erscheint.

Ein Kunde brachte vor Kurzem einen Porsche zur Vorkaufprüfung. Das Fahrzeug wirkte frisch überarbeitet, die Dokumentation war vollständig. Doch die Ölanalyse zeigte ungewöhnlich hohe Anteile von Kraftstoff. Die Einspritzanlage arbeitete offenbar nicht korrekt. Dadurch kam es zu einem Abwaschen des Ölfilms im Zylinder, was langfristig die Zylinder schädigen kann.

  • Erhöhtes Eisen im Öl kann zum Beispiel bedeuten, dass Einspritzdüsen, Einspritzpumpe oder Ölpumpe einen Verschleiß aufweisen, oder zeigt Verschleiß durch Korrosion (Wasser, Säuren …) oder Feinstabrieb/Fressverschleiß.
  • Viel Alu im Öl weist oft darauf hin, dass etwas mit den Zylindern und/oder Kolben nicht Ordnung ist.
  • Viel Silizium deutet auf Dreck, Sand und Staub hin, der sich abrasiv und damit verschleißfördernd auswirkt. Das Luftfiltersystem sollte überprüft werden.
  • Blei und Kupfer können ein Signal dafür sein, dass die Lager erhöhten Verschleiß aufweisen und somit beschädigt sein können.
  • Ein erhöhter Kraftstoffgehalt kann die Ursache haben, dass das Fahrzeug häufig auf Kurzstrecken bewegt wurde. Das Öl wurde über einen längeren Zeitraum nicht so erhitzt, dass der Kraftstoff verdampft ist. Durch zu viel Kraftstoff wird das Motoröl verdünnt und der Aufbau eines tragfähigen Schmierfilms beeinträchtigt. Es kann aber auch ein Fehler oder Schaden an der Vergaser anlage oder der Einspritzpumpe vorliegen.
  • Werte von Kalium und Natrium lassen auf Kühlmittel schließen, der Kopf sollte auf Risse oder andere Ursachen des Kühlmitteleintritts analysiert werden. Ein erhöhter Wassergehalt kann auf eine defekte Kopfdichtung hinweisen.

Klingt spannend, oder? In der Praxis werden kleine Ölmengen entnommen und eingesendet. Diese prüft ein Labor, das wiederum detaillierte Handlungsempfehlungen gibt. So können Probleme frühzeitig erkannt werden, bevor es zu einem kostenintensiven Austausch teurer Bauteile kommt.

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