Besuch bei DP MotorsportKünstler am Kunststoff

Christian Schön

 · 31.12.2025

Weil alle Formen noch vorhanden sind, ist dp Motorsport die erste Adresse für Restaurierung und Aufbau historischer Porsche- Rennwagen
Foto: Jan Steinhauer

Mücke hat das coolste Körbchen der Welt. Die Mischlingshündin bewacht den Eingang bei dp Motorsport – zusammengerollt in einem gebrauchten Schalensitz. „Sie begrüßt freundlich jeden Besucher. Nur mit anderen Hunden hat sie ein Problem“, erzählt Hausherr Patrick Zimmermann lachend.

Der 48-Jährige ist der Sohn von Firmengründer Ekkehard Zimmermann, in den 1970erund 1980er-Jahren eine Legende im Rennsport und hier besonders im Porsche-Universum. Zimmermann senior, gelernter Modellbauer, arbeitete zunächst als Designer bei Ford in Köln, bevor er 1973 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Seine anfangs in einer Doppelgarage in Bergisch Gladbach beheimatete Firma nannte er schlicht „Design Plastik“.

Windkanal? Es geht auch ohne

„Würde man heute so wohl nicht mehr machen“, grinst Patrick Zimmermann, seit 2002 an Bord und heute Boss. Da klingt dp Motorsport schon vielversprechender. Wobei Gestaltung und Kunststoff ziemlich genau beschreiben, womit sein Vater zu Weltruhm gelangte. Der gebürtige Niedersachse, der sich mit einem Eigenbau auf VW-Käfer-Basis bei Ford beworben hatte, machte sich einen Namen mit selbst entwickelten Aerodynamikkomponenten. Vom einfachen Frontspoiler oder der Kotflügelverbreiterung für verschiedene Porsche-Rennwagen erweiterte er sein Portfolio zügig auf ganze Karosserien, beispielsweise für den Porsche 908 oder den Gruppe-C-Rennwagen CK5. „Mein Vater hatte zwar Erfahrung aus dem Windkanal von Ford. Aber seine eigenen Arbeiten entstanden komplett ohne“, beschreibt Patrick Zimmermann.

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Vor allem die Kooperation mit den Brüdern Erwin und Manfred Kremer verhalf Zimmermann senior zum Durchbruch. Für den Kölner Porsche-Rennstall entwarf er unter anderem eine sogenannte Flachschnauzer-Version des Gruppe-5-Rennwagens 935. Die aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigte Karosserie im Zimmermann-Design stand den Werkswagen in nichts nach. An der Werkstattwand hängen mit Sponsorenaufklebern gepflasterte Fronthauben und historische Rennplakate, die von dieser erfolgreichen Epoche in der Firmenhistorie zeugen. 1979 gewann ein Kremer 935 K3 mit dem Fahrertrio Klaus Ludwig/Bill Whittington/ Don Whittington sogar das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Das Team Kremer feierte auch in den USA zahlreiche Siege, was dp Motorsport einen völlig neuen Markt erschloss.

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Denn längst fertigte der auf 30 Mitarbeiter angewachsene Betrieb auch Flachschnauzer- für Straßen-Neunelfer. An der letzten Evolutionsstufe des dp 935 entsprach nur noch das Dach dem Original, selbst die Türen bestanden aus Kunststoff. Das Exemplar, das Ekkehard Zimmermann für sich selbst baute, steht heute im Showroom von dp Motorsport – 375 PS treffen auf 940 Kilogramm Leergewicht.

Viele Fahrzeuge und Umbaukits gingen nach Amerika. Aber auch in der Heimat sorgte dp Motorsport 1992 mit einer vom TÜV abgesegneten Straßenversion des Gruppe-C-Rennwagens Porsche 962 für Furore. Zehn Jahre später entwickelten Ekkehard Zimmermann und seine Mannschaft zusammen mit den Nordschleifen-Legenden Jürgen und Uwe Alzen mehrere Varianten einer speziellen Karosserie für deren Porsche 911 Turbo. Das von Fans liebevoll „Turbinchen“ genannte Monster zählte zu den Schnellsten auf dem Nürburgring.

MIT EINEM FRONT SPOILER FÜR EINEN KREMER 911 FING ALLES AN 911

Doch die Ära, in der Privatteams auf der Rennstrecke den Herstellern die Stirn bieten konnten, ging zu Ende. Mit der Jahrtausendwende machten zusätzlich verschärfte Zulassungsbestimmungen das Geschäftsleben für Tuner komplizierter. Außerdem liefen ab der Generation 997 immer mehr Neunelfer als Leasingfahrzeuge – Umbauten strikt verboten. Patrick Zimmermann konzentrierte sich auf das Kerngeschäft von dp Motorsport: Fahrzeugkomponenten aus Kunststoff. dp Motorsport, seit 1983 in Immekeppel im Bergischen Land zu Hause, schrumpfte sich auf rund die Hälfte der ursprünglichen Fläche und heute zehn Mitarbeiter gesund. „Einige hat mein Vater noch eingestellt“, erzählt Patrick Zimmermann stolz. So kümmert sich dp Motorsport heute um Service, technische Reparaturen sowie sportliche Optimierungen von alten Porsche-Modellen. Auch Fahrwerksoptimierungen inklusive Achsvermessungen sind gefragt.

In dem Raum, in dem früher Renn-Boxer auf dem Prüfstand brüllten, werden heute Karosserien restauriert. Aktuell entsteht hier die Replika eines Porsche 906. Qualitativ hochwertiger als das Original aus den 1960er-Jahren und mit auf den Besitzer maßangefertigtem Schalensitz. In der Werkstatthalle wartet ein Porsche 934 auf Komplettierung. Außerdem existiert bei Sammlern ein nennenswerter Bestand an ehemals bei dp Motorsport modifizierten Neunelfern. „Die meisten laufen heute noch. Gerade haben wir ein Erste-Hand-Fahrzeug zur Inspektion auf der Hebebühne“, beschreibt Patrick Zimmermann die Treue der Kunden.

IN VIELEN KLASSIK-RENNSERIEN WELTWEIT SIND RENNWAGEN MIT DP-KOMPONENTEN UNTERWEGS

Konstruktionspläne durch Hochwasser zerstört

Seine GFK-Spezialisten sind gut damit beschäftigt, Karosserieteile für historische Rennfahrzeuge der Marke Porsche anzufertigen. An einem Tisch entsteht gerade ein Frontspoiler für den Nachbau eines Walter-Röhrl-Neunelfers von der Rallye San Remo 1981. Nebenan wird der Kotflügel eines Flachschnauzers laminiert, der in der Youngtimer Trophy im Einsatz ist. In vielen Klassik-Rennserien weltweit sind Rennwagen mit dp-Komponenten unterwegs. Wenn irgendwo an einem klassischen Neunelfer ein Karosserieteil aus Kunststoff zu Bruch geht, kann man in Immekeppel höchstwahrscheinlich helfen. „Unsere eigenen Konstruktionszeichnungen sind leider zerstört worden, als das Haus meines Vaters beim Hochwasser 2021 abgesoffen ist“, blickt Patrick Zimmermann zurück. „Aber zum Glück haben wir noch alle Originalformen von früher.“ Die Arbeitsqualität made in Immekeppel hat sich herumgesprochen. Auch der Straßen-962 von 1992 kam nach einem Unfall zurück ins Bergische Land. „Sogar das Porsche Museum zählt zu unseren Kunden“, verrät Zimmermann, gelernter Lackierer, Karosseriebauer und Kfz-Mechatroniker-Meister.

VIELE HIER UMGEBAUTE 911ER SIND NOCH IMMER IN ERSTER HAND

Als Hommage an die Arbeit seines Vaters denkt er über die Neuauflage des Porsche 944 Cargo nach. Heute abenteuerlich anmutende Pick-up- und Kombi-Umbauten von Sportwagen waren in den 1980er-Jahren ein beliebter Trick, um hohe Luxussteuern in skandinavi-schen Ländern zu umgehen. dp Motorsport hatte damals sogar eine Dependance in Schweden und bot den Porsche 944 Cargo offiziell als Lkw an. Mit dem letzten von damals neun gebauten Exemplaren, in perfekt restauriertem Zustand, sammelt Zimmermann gerade das Feedback potenzieller Kunden. „Auch das Interesse für ein Comeback des dp 935 wäre da“, verrät er.

Ohnehin beschäftigt sich der rührige Firmenchef schon seit 2012 intensiv mit dem Thema Restomod. „Porsche mit moderner Technik, aber klassischer Optik faszinieren mich“, gibt er zu. Seinem Projekt diente ein Neunelfer der Generation 964 als Ausgangspunkt. Jetzt zeigt er die Optik eines 1973er Carrera RS. Im Heck arbeitet ein 3,8-Liter-Sauger mit rund 310 PS. „Mehr Leistung braucht man nicht. Stattdessen haben wir Wert auf maximale Gewichtseinsparung gelegt“, verdeutlicht Patrick Zimmermann. Federleichte Elfer, lautet sein Credo, zu dem er sogar eine eigene Internetseite angelegt hat. So bestehen beispielsweise die um 25 Millimeter verbreiterten Kotflügel aus Kohlefaser-Kevlar-Gewebe. Das Leergewicht des Restomod von unter 900 Kilogramm spricht für sich. Parallel dazu sorgen die Bremsanlage vom 911 Turbo der Generation 993, ein Gewindefahrwerk von H&R sowie 17-Zoll-Felgen für ein modernes Fahrverhalten.

Restomods gehören längst zum Angebot

Inzwischen bietet dp Motorsport verschiedene Backdate-Spezifikationen für die Neunelfer-Generation 964 an. Die Spannweite reicht vom schmalen 2.4 S bis zum breiten 2.8 RSR. Auch für die Baureihen 914, 928 und 944 bis zum Neunelfer der Generation 993 finden sich im Online-Katalog Komponenten für Karosserie und Fahrwerk.

Zu den Spezialitäten von dp Motorsport zählen Schalensitze nach Vorbild des Porsche 935 aus den 1970er-Jahren. Wegen der runden, abgesetzten Kopfstützen sprechen Kenner vom Lollipop-Sitz. Ein älteres Exemplar steht im Eingangsbereich. Dass der Bezug schon ziemlich abgewetzt ist, stört Wachhündin Mücke nicht im Geringsten.