THE EDITBACKDATE AUS TSCHECHIEN

Robb Pritchard

 · 12.08.2026

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Foto: Robb Pritchard

Themen in diesem Artikel

Petr Novagues Beziehung zu Porsche ist geprägt von seiner Kindheit hinter dem Eisernen Vorhang: „Ich habe einen Teil meiner Kindheit in einem kommunistisch regierten Land verbracht, und wer das nicht selbst erlebt hat, kann nicht wirklich verstehen, wie verheerend dieses Regime war. Ich habe es schon als Kind gespürt und konnte mir nicht vorstellen, dass ich oder jemand in meinem Umfeld jemals einen Porsche besitzen könnte. Man durfte nicht anders sein oder aus der Masse herausstechen.“ Ein Porsche verkörperte in der CSSR weit mehr als nur automobile Exzellenz: Er symbolisierte Freiheit. Er war das Gegenteil all dessen, wofür das repressive Regime stand. Auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs blieb die Marke für die meisten Menschen unerreichbar. „Ich bin erst während meines Praktikums an einer Designschule in Deutschland so richtig mit Autos von Porsche in Berührung gekommen. Ich sah sie auf der Straße und auf Parkplätzen von Einkaufszentren. Damals war der 996 neu, und er sprach mich nicht besonders an, aber alle älteren Modelle schon. Ich war so fasziniert von ihnen, dass ich mir ernsthaft einen eigenen 911 wünschte.“ Sein erster Porsche war ein 997, gefolgt von einem Panamera, dann einem Cayenne und schließlich sogar einem Taycan, den er im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit Porsche als Markenbotschafter erwarb. Er war der erste Taycan-Besitzer in Tschechien. Diese Entwicklung innerhalb der Porsche-Modellpalette verschaffte ihm ein Verständnis dafür, wie die Marke verschiedene Marktsegmente ansprach und dabei eine einheitliche Designsprache beibehielt.

MIT DEM BLICK DES DESIGNERS

Doch Novague, selbst Designer, sah bei seinem bevorzugten Modell, dem 997, Verbesserungspotenzial. „Mit der Zeit störte mich der Innenraum, insbesondere der Mittelbereich, und auch die Rückleuchten gefielen mir nie. Deshalb beschloss ich, das Auto nach und nach zu verändern.“ Dafür studierte er jedes 911-Modell im Detail. „Die Proportionen des Wagens werden hauptsächlich durch die Silhouette und die tiefe Position der Rückleuchten bestimmt. Das macht den 911 zu einer Ikone.“ Ihm fiel auf, wie sich diese Gestaltungsmerkmale in den verschiedenen Generationen des 911 veränderten. „Mit der Zeit wanderten die Rückleuchten höher, und die ursprünglich selbstbewussten Proportionen verblassten.“ Aus dieser Beobachtung entstand das „Edit“-Konzept: „Die Grundidee ist, ein Auto anzubieten, dessen Retro-Design Menschen anspricht, die kein Massenprodukt mit Touchscreens wollen, aber gleichzeitig Wert auf einen modernen und sicheren Innenraum mit Airbags und auf eine präzise Lenkung legen.“ Novagues Plan war im Grunde ganz einfach: „Das Prinzip hieß Minimalismus. Mein Fokus lag vor allem auf dem Interieur, wo ich alles entfernt habe, was meiner Ansicht nach nicht wesentlich war.“ Äußerlich werden beim Edit-Konzept beide Stoßfänger, die hinteren Kotflügel, sämtliche Leuchten und die Motorhaube ausgetauscht. Im Innenraum erhalten Mittelkonsole, Sitze, Türverkleidungen und Lenkrad eine Überarbeitung. Auch unter der Karosserie werden Änderungen vorgenommen. Jeder Motor wird zerlegt und neu aufgebaut. Das beinhaltet neben neuen Zylinderlaufbuchsen und Kolben auch den Austausch aller Verschleißteile einschließlich der Steuerketten. Mit einem Rennansaugsystem und zahlreichen Performance-Teilen von FVD Brombacher leistet der Motor nun satte 400 PS. Dazu erhält er auch eine neue Kupplung und ein neues Zweimassenschwungrad und eine Porsche-Sportabgasanlage sorgt für den herrlich rauen Klang. Durch neue Querlenker und eine neue Lenkung ist das Fahrverhalten auf Neuwagenniveau. Verstellbare Öhlins-Stoßdämpfer übernehmen die Dämpfung, und die Bremskraft kommt von originalen Porsche-Carbon-Keramik-Bremsen. Die Rückleuchten stammen vom 993, die Scheinwerfer sind modifizierte Exemplare vom Facelift-Modell 997.2.

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„ICH KONNTE MIR NICHT VORSTELLEN, DASS ICH ODER JEMAND AUS MEINEM UMFELD EINEN PORSCHE BESITZEN WÜRDE.“

DER SPRUCH GILT: WHEELS MAKE OR BREAK A CAR

„Die Suche nach passenden Felgen war kompliziert. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Zuerst hatten wir Felgen eines italienischen Herstellers. Das erste Auto wurde damit verkauft, aber sie wurden als zu modern kritisiert. Also versuchten wir es mit Retro-Felgen im Fuchs-Design. Schließlich entdeckten wir eine kleine Firma in Deutschland, die Felgen im Turbo-Design des 993 in der gewünschten Größe herstellen kann.“ Das zog sich über drei Jahre hin, aber Novague findet, es hat sich gelohnt, denn ein Prozess ist erst abgeschlossen, wenn man vollkommen zufrieden ist. „Ich bin überzeugt, dass sich das Auto natürlich anfühlt. Viele, die sich nicht mit den Porsche-Modellen und deren Baujahren auskennen, merken oft gar nicht, dass es kein Serien-Porsche ist.“ Das ist das größte Kompliment, das ein umgebautes Auto bekommen kann. Novague verwendet einen 997 als Basis und sorgt so dafür, dass sich das daraus entstandene Auto wie ein moderner Porsche fährt. Der Edit soll das Beste aus beiden Welten für alle vereinen, die die Ästhetik der frühen 911 lieben, aber moderne Fahreigenschaften und technische Features wünschen. Die Preise für den Umbau spiegeln diesen individuellen Ansatz wider. Novague bietet zwei Ansätze: Kunden können ihren eigenen 997 mitbringen, oder das Unternehmen beschafft Spenderfahrzeuge mit weniger als 80.000 Kilometern für rund 80.000 €. Der Restomod selbst ist modular aufgebaut: Änderungen am Exterieur beginnen bei 35.000 €, am Interieur bei 15.000 €. Leistungssteigerungen werden zu den üblichen Preisen einer Fachwerkstatt berechnet, Turboversionen leisten laut Novague bis zu 1.000 PS. Der Höchstpreis für einen kompletten Edit liegt bei rund 200.000 €. Die Umgestaltung eines Basis-997 zum Edit dauert mindestens drei Monate und erfolgt in der eigenen Werkstatt.

PERSÖNLICHE FAHREINDRÜCKE

Der wahre Test für einen Restomod ist nicht die Rundenzeit oder das Leistungsdiagramm, sondern die Frage, ob man ihn auch wirklich im Alltag fahren kann. Um das zu beantworten, bekamen wir für drei Tage einen Edit zur Verfügung gestellt, mit dem wir uns durch das tschechische Hinterland schlängeln konnten. Der Testwagen hatte die dezentere schwarze Lackierung mit dem eher klassischen Heckdesign inklusive der 993-Leuchten und war mit einem leicht getunten 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor ausgestattet samt einer Sportabgasanlage von Porsche. Startet man ihn und fährt zügig los, erinnert der Klang sofort an die klassischen Saugmotoren: Das mechanische Knurren eines SC RS, besonders präsent im mittleren Drehzahlbereich, wo der Sechszylinder seine volle Kraft entfaltet. Doch am meisten beeindruckt die Alltagstauglichkeit. Mit meinen 1,90 Metern bin ich es gewohnt, dass mich Porsche-Sitze wie einen ungebetenen Gast behandeln. Die Sitze des Edit erwiesen sich hingegen auch auf längeren Strecken als komfortabel. Geht man auf das Auto zu, fällt es schwer, das Baujahr direkt zu bestimmen. Wo immer wir anhielten, zog der Edit die Blicke auf sich – Blicke, die verweilten und darauf hindeuteten, dass die Menschen etwas Besonderes erkannten, selbst wenn sie nicht genau benennen konnten, warum. Der 3,8-Liter-Motor verfügt über reichlich Drehmomentreserven und wirkt stets bereit, auf Abruf zu beschleunigen, ist aber gleichzeitig souverän genug für ruhigere Fahrten, wie beispielsweise im Prager Berufsverkehr. Er verkörpert den Charakter der 997-Generation: reaktionsschnell, vertrauenserweckend, gutmütig genug für den Stadtverkehr und mit jederzeit abrufbarer Leistung auf freier Strecke. Die neue Lenkung, die Novague so hoch schätzt, vermittelt ein natürliches Lenkgefühl und eine direkte Rückmeldung, die in modernen Autos immer seltener wird. Dabei zeigen sich ihre Vorzüge eher subtil, anstatt aufdringlich zu wirken. Über drei Tage hinweg wirkte der Edit weder überzüchtet noch mit Makeln behaftet. Es funktionierte einfach alles genau, wie von Novague beabsichtigt: Ein Auto zum Fahren, nicht zum Sorgen machen. Mit diesem Weg hat Novague etwas geschaffen, das eine Marktlücke füllt: Einen 911 im Retro-Stil, den man tatsächlich jeden Tag fahren kann, der die visuelle Essenz der klassischen Ära einfängt und gleichzeitig moderne Fahreigenschaften bietet. Es ist ein durch und durch pragmatischer Ansatz für ein zutiefst emotionales Thema – und das ist vielleicht das typischste Tschechische daran.


​Porsche Edit g11

  • Motor: Wassergekühlter Boxer-Saugmotor, 6 Zylinder, 24 Ventile
  • Bohrung x Hub: 91,0 x 76,4 mm
  • Hubraum: 3,8 Liter (3.824 cm.)
  • Leistung: 355 PS (261 kW) bei 6.600/min
  • Drehmoment: 400 Nm (295 lb-ft) bei 4.600/min
  • Kraftstoffsystem: Benzindirekteinspritzung
  • Antrieb: Allradantrieb
  • Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
  • Karosserie: Selbsttragend, vollständig verzinkt
  • Federung: Einzelradaufhängung, McPherson-Federbeine an
    Querlenkern (vorne); Aluminium-Mehrlenkerachse (hinten);
    Stahlfedern, PASM-Fahrwerk mit um 10 mm tiefergelegt
  • Bremsen: PCCB-Keramik-Verbundbremsen, Sechskolben-Monoblock-Aluminiumbremssättel; innenbelüftete, gelochteBremsscheiben mit 350 x 28 mm Durchmesser rundum
  • Radstand: 2.450 mm
  • Länge x Breite x Höhe: 4.542 x 1.852 x 1.290 mm
  • Räder/Reifen: 8J x 19 ET57 mit 235/35 ZR 19 (vorne); 11J x 19 ET51 mit 305/30 ZR19 (hinten)
  • Leergewicht: ca. 1.450 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 1.985 kg
  • Höchstgeschwindigkeit: 293 km/h
  • Beschleunigung 0–100 km/h: 4,8 s
  • Tankinhalt: 63 l
  • Durchschnittsverbrauch: 11,0–10,7 l/100 km (Werksangabe); 11,3 l/100 km SP (getestet über 1.000 km)
  • Grundpreis: 161.000 € (Preis des Testwagens: 177.916 €)

​Erschienen in Ausgabe 5-2026

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