RESTAURIERUNG PORSCHE 997.2 GT3ALP-TRAUM

Thorsten Elbrigmann

 · 04.08.2026

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Foto: Dino Eisele, Domenico Incollingo

Ein Porsche 997.2 GT3, der „über zwei Jahre aufwändig instandgesetzt“ wurde? Wie kann das sein bei einem so jungen Sportwagen? Es war diese Formulierung, die erst zu mehreren Mails zwischen Domenico Incollingo und der Redaktion, dann zu einem Gespräch via Teams und schließlich zu einem Termin vor Ort führte. Das mussten wir genauer wissen!

Domenico empfängt uns fröhlich in der Nähe von Zürich, der Schweizer Akzent passt perfekt zur freundlichen Erzählstimme. Drei prall gefüllte Aktenordner liegen parat. Zwischen den Aktendeckeln verbirgt sich mitunter das nackte Grauen. Das will so gar nicht passen zu dem unschuldigen Weiß des Porsche und zur lebenslustigen Art des Besitzers. „Sie müssen wissen, ich arbeite im Autogewerbe seit Ende meiner Schulzeit“, beginnt er. „Weil ich vor etwa 26 Jahren in einem Porsche-Rennstall als Mechaniker und Karosserie-Allrounder arbeitete und eine tolle Zeit hatte – ich durfte kurz gesagt, den Übergang vom luftgekühlten Boxer zu den ersten 996 GT3, Cup, RSR usw. erleben –, blieb dieser Porsche-Virus irgendwie in meiner DNA hängen.“

Nach etwa drei Jahren ergab sich für ihn die Gelegenheit, in einem renommierten Autohaus der Luxusklasse die Vertretung von Automobili Lamborghini zu etablieren – und das kurz nach der Vorstellung des neuen Gallardo. „Für mich eröffnete sich eine neue Welt.“ Domenicos Augen leuchten: „Ich war Feuer und Flamme für diese exklusive Marke, auch weil ich als einziger Techniker in unserer Werkstatt einen Draht zum Werk in Sant Agata aufbauen konnte und somit hinter die Kulissen blicken durfte.“

Doch 2017 war leider Schluss mit dem Lamborghini-Vertrag. Es folgte eine neue Funktion in der alten Firma: Bürojob. „Ich merkte schnell: Es fehlt mir was“, zieht Domenico Resümee. Das alte Porsche-Fieber kehrte zurück. Domenico war inzwischen Papa geworden, man besuchte das Museum in Zuffenhausen, war auf der 70-Jahr-Feier von Porsche, traf Walter Röhrl beim Solitude-Revival: „Ein Foto von ihm mit meinem Sohn hängt heute noch in meinem Büro.“

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HANS MEZGER WAR SCHULD

Das PFF-Porschetreffen in Böblingen 2019 wurde dann zur Initialzündung: „Da ging ein älterer Herr neben mir auch auf das Gelände und je weiter wir kamen, desto mehr Jugendliche und Porsche-Fans wollten ein Selfie mit diesem Herrn und seiner alten Lederaktentasche machen. Ich wusste überhaupt nicht, wer das war. Als er dann auf dem Sofa Platz nahm und durch den Gastgeber vorgestellt wurde, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das war Hans Mezger! Und ich lief die ganze Zeit nebenher und ich habe es nicht geschnallt!“ Gebannt hörte Domenico ihm zu und wusste: „Wenn ich als normaler Familienvater meinen ersten Porsche kaufe, dann ein 997 GT3!“ Sein 50. Geburtstag sollte der Anlass sein.

Domenico verschlang in den folgenden Monaten alle Berichte und Bücher über den 997, entdeckte das PFF-Forum für sich und scrollte sich durch Kleinanzeigen: „Ich suchte ungefähr zwei Jahre lang nach einem geeignetem GT3 und kaufte am Schluss den vernachlässigsten und vergammelsten 997.2 GT3, der jemals auf dem Schweizer Markt aufgetaucht war.“

Warum tut man sowas? Versuch einer Erklärung: „Ich hatte unzählige 997 GT3 und GT3 RS angesehen, Besitzer kennengelernt, Probefahrten ausgeführt, Absagen bekommen oder die Ausstattung passte mir nicht.“ Und dann war da diese Annonce über einen 997.2 GT3 in Weiß. Das Auto stand im Tessin bei einem freien Händler. Der Zustand: Voller Dreck, weil er etwa drei Jahre draußen stand; Saharastaub in allen Ecken, Spinnennetze wohin man schaute, Innenraum sehr verschmutzt und vernachlässigt, außen mit der Sprühdose nachlackiert, vorn und an den Schwellern mehr Steinschlag als Lack, Airbag-Warnung an, dritte Bremsleuchte defekt, Warnung im Bordcomputer, Reifendruckmanagement nicht aktiv, Service seit Jahren fällig, Bremsen runter, Reifen verschlissen. Seit 2013 hatte dieser Porsche keine Werkstatt mehr gesehen. Dazu noch ein umgebautes Fahrwerk und ein nicht originales Sperrdifferenzial. „Und mit dem Händler einig geworden bin ich auch nicht“, erzählt Domenico weiter. Etwas verwirrt fragen wir nach: Wieso kauft man am Ende dann doch so ein desolates Auto? Der Züricher Porsche-Fan grinst: „Naja, er hatte das Clubsport Paket mit den seltenen Carrera-GT-Vollschalensitzen, die ohne den Seitenairbag, dazu den 90-Liter-Tank, Leichtbau-Scheinwerfer, also kein Xenon, kein Kurvenlicht, keine Waschanlage. Außerdem auch kein Chrono Paket, kein Navi – einfach null Schnick- Schnack. Leichtbau vom Feinsten!“

SEINE BESONDERE AUSSTATTUNG RETTETE DEN PORSCHE

Fast ein Jahr zog sich alles hin. Erst im März 2021 kaufte Domenico schließlich den waidwunden Porsche. Die Probefahrt war erwartet katastrophal verlaufen: „Ich wusste, da kommt eine Menge auf mich zu.“ Aber der Preis passte jetzt und der traurige Zustand des 997 schien den neuen Eigner zu motivieren.

Schon der Umbau auf das Originalfahrwerk offenbarte weitere Mängel. Defekte Achsmanschetten und beschädigte Teile überall. Es folgte die Instandsetzung der Karosserie und die Neulackierung. Auch die Felgen erfuhren eine Überarbeitung. Bei der Farbe ist Domenico überzeugt, dass der Grauton nicht hundertprozentig ist: „Ich war der Meinung, das Grau wäre ein bisschen zu dunkel geraten, mit dem Farbcode EP8 liess ich mir bei drei verschiedenen Lackierern ein Farbmuster herstellen – am Schluss hatte ich drei Muster. Alle waren unterschiedlich. Jetzt lebe ich halt damit.“

„DER 997 HATTE DAS CLUBSPORTPAKET MIT DEN SELTENEN CARRERA-GT-VOLLSCHALENSITZEN UND EINFACH NULL SCHNICK-SCHNACK. LEICHTBAU VOM FEINSTEN.“

Am 12. April 2022 stehen die Zeichen auf Happy End: Gelungene technische Abnahme und Zulassung! Aber schon auf der ersten Ausfahrt taucht ein schwerwiegender Fehler auf: Der Katalysator der Zylinderbank 2 ist defekt. Domenico ließ daraufhin beide Katalysatoren samt Lambdasonden austauschen. Doch der Porsche erwies sich als ziemlich bockig, die nächste Panne folgte im Mai. Domenico war mit seinem damals elf Jahre alten Sohn unterwegs, als auf der Autobahn die Schaltung den Dienst quittierte – und das obwohl die Seilzüge erneuert waren. „Ich hatte wirklich Panik, dass uns jemand auf dem Standstreifen rammt.“ Und das mit dem kleinen Jungen im Auto. „Das war wieder einer der Momente, wo meine Frau den Porsche verflucht hat“, fährt Domenico fort. Und auch wenn er den Porsche stets in Schutz nahm: Diesmal konnte er sie verstehen. Erst zwei Reparaturen später war das Problem letztlich behoben: Seit am Schalthebelkopf eine zusätzliche Sicherung angebracht ist, ist der Fehler nicht mehr aufgetreten.

Tortur statt Tour

Der Porsche 911 war wahrscheinlich zeitlebens als Sportgerät unterwegs und wurde auf Rennstrecken geschunden, bis er wegen eines kleineren technischen Defekts abgestellt wurde. Die lange Standzeit im Freien besorgte dann den Rest. Wahrscheinlich ist noch kein so junger 997.2 mit so hohem Aufwand restauriert worden. Egal ob Lack, Motor oder das Fahrwerk: Alle Baugruppen erhielten ein Update.

GUTES ENDE ERST NACH GANZ VIEL ÄRGER

Auch mit dem Motor gab es noch Schwierigkeiten – vielmehr mit der Werkstatt, die ihn reparieren sollte. „Ich mag da gar nicht zu sehr ins Detail gehen“, seufzt Domenico, „aber nicht jeder, der sich Porsche-Experte nennt, ist auch einer. Da gibt man den Motor in Expertenhände und danach ist das Kettenrasseln viel schlimmer als vorher oder man schaut auf Schweißarbeiten, bei denen man sofort weiß: Das hält von zwölf bis mittags.“ Am Ende mussten sich hier Anwälte kümmern. Domenico hat dabei einiges an Geld eingebüßt. Sollte denn wirklich so der Wurm drin sein? Erst zur Saison 2024 wurde der GT3 richtig fertig und für Domenico kam wieder die Freude zurück. „Ich habe dann noch das Radio CDR30 auscodiert und die Radioentfall-Schublade vom 997 GT3 RS eingebaut. Dank der US-Seitenblinker in Orange erkenne ich meinen 997 bei einem Porsche-Treffen sofort. Außerdem habe ich die Cup-Spoilerlippe vorne montiert, denn die verbessert den Geradeauslauf bei hohen Geschwindigkeiten und eine Cup-Getriebe-Unterbodenverkleidung mit zwei Lüftungskanälen verbessert die Kühlung der Antriebswellen bei hartem Einsatz.“ Außerdem hat der Motor RSS Performance-Lager erhalten und auch das Getriebe bekam eine steifere Lagerung dank der 997-Cup-Getriebe-Silentblocks.

Die letzte größere Schraubaktion betraf die originale Kunststoffschaltbox, die ihren Führungsaufgaben nicht mehr gewachsen war. Ein Shifter von USA Numeric Racing erledigt das nun recht ordentlich. Und für das gute Gefühl hat Domenico nun noch das Lenkrad neu mit Alcantara beziehen lassen. Der Porsche dankt es ihm und funktioniert nun ohne Fehl und Tadel. Und die Lehre aus all dem? Selbst ein Porsche kann schon in jungen Jahren zum Groschengrab werden. Er muss nur mangelhaft genug gepflegt worden sein.

​​Erschienen in Ausgabe 4-2026

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