MENSCHEN – STANLEY UND SEIN 964DER RUBIN VON JAKARTA

Kai Hartmann

 · 08.08.2026

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Foto: Kai Hartmann

Wer dieses Industrieviertel Jakartas betritt, sollte sich auf eine Überraschung gefasst machen: Baumschulen beleben mit ihren Grüntönen das Stadtbild. Und mittendrin fängt ein taufrischer Porsche 964 Turbo in der Farbe Sternrubin das Morgenlicht ein. Dieser seltene 911 wurde vor kurzem umfassend restauriert, und die ersten Kilometer führen rund um die Werkstatt – er ist eines von vier oder fünf Exemplaren in ganz Indonesien. Sein Besit- zer Stanley, Jahrgang 1981, betrachtet seine Leidenschaft für Porsche aus der Perspektive eines Designers. Heute ist er ein erfolgreicher Gastronom mit über 30 Restaurants auf Java und in ganz Indonesien. Seinen 964 Turbo von 1992 beschreibt er als perfekte Balance zwischen Kraft und Zurückhaltung. „Ich mag nichts Auffälliges“, erklärt er. „Ich bevorzuge Unaufdringliches, eher Unterschätztes. Wenn man Porsche fährt, wirkt man unaufgeregter als in einem Ferrari.“

Der 964 Turbo ist nicht Stanleys erster 911, doch er bedeutet ihm weit mehr als bloßer Besitz – es ist die Erfüllung eines Traums, den er seit Studienjahren hegte. „Das ist mein zweiter 911, und es ist der, von dem ich immer geträumt habe“, sagt er. „Genau dieses Modell hatte ich seit der Uni als Bild vor Augen. Ich war besessen vom 964 – nicht vom 993, nicht vom 991. Ich liebe die Turbo- wie auch die Sauger-Versionen, aber dieses Modell …“ Seine Stimme verstummt, während sein Blick über den rubinroten Lack gleitet – als würde er sagen: Manche Träume übertreffen die Erwartungen, wenn sie Wirklichkeit werden.

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DER 964 WARTETE AUF IHN

Die Geschichte seines 964 klingt fast wie eine Legende. Freunden und der lokalen Community hatte Stanley früh erzählt, dass er gezielt nach diesem Modell suche. „Ich glaube an Manifestation“, sagt er lächelnd. „Ich bin ziemlich spirituell. Ich habe mir immer gesagt: ‚Eines Tages werde ich ihn besitzen.‘“ Dieser Tag kam, als ein Freund ihn zu einem verlassenen Haus am Stadtrand führte – und dort stand der Porsche, wartend, als Relikt aus einer anderen Zeit, ein echter „Scheunenfund“. Stanley hielt diesen Moment fotografisch fest.

„NACH DIESEM AUTO WIRD ES WOHL KEIN ANDERES GEBEN, DAS ICH UNBEDINGT HABEN MÜSSTE.“

Die Restaurierung war vollständig – eine Überholung im wörtlichen Sinn, bis auf die letzte Schraube. Die Karosserie wurde bis aufs blanke Metall freigelegt, jedes Teil erneuert oder ersetzt und mit frischer Zinkbeschichtung versehen.

Der Innenraum wurde komplett neu aufgebaut, der Motor bei Engine Plus in Jakarta überarbeitet – wohl die beste 964-Adresse Indonesiens. Moderne Komponenten wie ein Garrett-Turbolader, ein Turbocraft-Ladeluftkühler und eine elektronische Einspritzung heben die Leistung auf 350 PS. „Der Motor ist vermutlich besser als damals, als das Auto gebaut wurde“, sagt Stanley stolz.

Die Wahl von Sternrubin geschah bewusst. Damals trug die Farbe diesen Namen; später änderte Porsche die Formel leicht und nannte sie Rubinrot. „Der 964 Turbo 3.3 ist wie dafür geschaffen“, erklärt Stanley. In Indonesien können Besitz und Unterhalt eines solchen Fahrzeugs getrost als Akt der Hingabe beschrieben werden. Durch die Importbeschränkungen sind klassische Porsche extrem selten. Der Wagen musste zudem bar bezahlt werden – für Klassiker gibt es keine Kredite – und er steht für Jahre des Sparens und, wie Stanley betont, für die Zustimmung seiner Frau.

Dieser 964 ist nicht Stanleys einziger Porsche. Er besitzt außerdem einen 991.2 4S, den letzten mit klassischem Saugmotor, sowie einen weiteren 964, der derzeit im Singer-Stil zum „Backdate“ umgebaut wird. Doch der Turbo in Sternrubin hat einen besonderen Platz in seinem Herzen.

BEREIT FÜR DIE FAHRT IN DIE BERGE

Als passionierter Street-Fotograf, der mit Fujifilm-Kameras arbeitet und Porsche-Bildbände sammelt, schätzt Stanley die visuelle Raffinesse seines 964 ebenso wie die technische. Und fast schicksalhaft erfüllte sich sein Wunsch, den Wagen professionell fotografieren zu lassen, just in dem Moment, als die Restaurierung abgeschlossen war.

Der Wagen ist Teil einer lebendigen Gemeinschaft. Stanley und seine Freunde – allesamt 911-Fahrer – treffen sich regelmäßig bei „Cars and Coffee“ und zu Touren in die Berge, etwa nach Bandung, zwei Stunden entfernt. „Wir sind Enthusiasten, die dieselbe Passion teilen“, sagt er. „Es mag langweilig wirken, aber wir lieben es. Wir reden ständig über die Autos – immer über dieselben, aber jedes Mal mit neuen Geschichten.“

Wenn der 964 in Sternrubin vor Jakartas industriell-tropischer Kulisse glänzt, steht er für weit mehr als einen restaurierten Klassiker. Er ist die Verkörperung eines Traums, eine Hommage an Handwerkskunst – und ein Beweis dafür, dass manche Träume mit Geduld, Vision und einem Hauch von Fügung in Erfüllung gehen.


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Über Kai Hartmann und sein Buch

Kai ist ein deutscher Automobil- und Corporate-Fotograf, der seit mehr als 15 Jahren in Asien lebt. Sein Buch „My First 911“ ist eine Abkehr von kommerziellen Aufträgen – eine persönliche Reise, um die Mensch-Maschine-Geschichten hinter einem der ikonischsten Sportwagen der Welt zu erzählen, wie diese hier von Stanley aus Jakarta. Weitere Infos zu Kai Hartmanns Arbeit unter www.kai-hartmann.net. Das Buch ist erhältlich unter: https://shop.delius-klasing.de/

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