Interview mit Magnus Walker – Das große Aufräumen

Martin Wittler

 · 01.05.2026

Modedesigner, Stilikone, Porsche-Freak: Magnus Walker genießt wegen seiner unkonventionellen Art in der Autoszene Kultstatus. Über die Jahre legte sich der Brite aus Los Angeles eine spektakuläre Porsche-Sammlung zu. Nun hat er einen Großteil versteigern lassen. Wir sprachen mit ihm.
Foto: Forest Casey ©2026 Cour tesy of RM Sotheby’s, Darin Schnabel ©2025 Cour tesy of RM Sotheby’s

Modedesigner, Stilikone, Porsche-Freak: Magnus Walker genießt wegen seiner unkonventionellen Art in der Autoszene Kultstatus. Über die Jahre legte sich der Brite aus Los Angeles eine spektakuläre Porsche-Sammlung zu. Nun hat er einen Großteil versteigern lassen. Wir sprachen mit ihm.

Die Sonne ist bereits untergegangen, als auf dem Computerbildschirm ein Mann mit Hut, Dreadlocks und langem Rauschebart erscheint. „Hi, schon dunkel in Hamburg? Bei mir hier in Los Angeles hat der Tag gerade erst begonnen“, sagt Magnus Walker, geboren 1967 in Sheffield. Mit 19 Jahren zog es ihn in die kalifornische Metropole. In den Neunzigerjahren machte er sich dort einen Namen in der Modebranche, als Musikgrößen wie Madonna und Alice Cooper von ihm entworfene Klamotten trugen. Damals erfüllte er sich seinen Kindheitstraum: Er kaufte sich einen Porsche. Einen roten 911 Carrera „FlatNose“ Conversion aus dem Jahr 1974. Es sollte der erste von vielen sein. Denn Walker legte sich über die Jahre eine erstaunliche Sammlung an Modellen zu – und verpasste vielen von ihnen seine ganz eigene Note. Jetzt hat er sich von zahlreichen Fahrzeugen und Memorabilia bei einer Online-Auktion von RM Sotheby’s getrennt.

»Fühlt sich SUPER an. Es ist die Summe, mit der ich gerechnet habe «

Herr Walker, rund zwei Millionen US-Dollar hat Ihnen die Auktion eingebracht. Allein Ihre Autos wurden für mehr als 1,8 Millionen US-Dollar versteigert. Zufrieden?

Total. Fühlt sich super an. Es ist die Summe geworden, mit der ich gerechnet habe.

Ihre Porsche-Sammlung war zwischenzeitlich auf über 50 Modelle angewachsen. Nun ist sie um 18 Autos geschrumpft. Brauchten Sie Geld? Oder Platz für neue Pläne?

Weder noch. Ich war nun bereit, mich von Dingen auch mal zu trennen. Gewissermaßen bringe ich damit Ordnung in mein Leben. Insgesamt habe ich einfach zu viele Autos gesammelt. Die konnte ich ja kaum oder sogar gar nicht fahren. Deshalb habe ich schon vor einigen Jahren begonnen, mich von einigen zu trennen. Jetzt, nach der Auktion, habe ich noch 15 Porsche. Das sind die Modelle, die ich am meisten liebe.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Und andere haben nicht so viel Liebe zu spüren bekommen?

Den Großteil der Autos, die ich nun verkauft habe, habe ich mir vor 20 oder mehr Jahren zugelegt. Ewig her. Damals habe ich quasi eine Liste abgearbeitet mit lauter Modellen, die ich irgendwie cool fand. Später empfand ich das als Last: all diese Schätze zu haben, um die ich mich kaum kümmern konnte.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Und dennoch mussten Sie diese Fahrzeuge alle haben. Warum hat man zeitweise über 50 Porsche in der Garage stehen?

Der Mensch sammelt nun mal gern. Ich auch. Ich hatte ein klares Ziel vor Augen: alles erfahren und erleben, was Porsche an Sportwagen zu bieten hat. Front- und Heckantrieb, Mittelmotor, luft- und wassergekühlte Motoren. Und wohl nirgends auf der Welt gibt es so viele Porsche wie in Los Angeles. Also habe ich angefangen, sie zu sammeln. Die Suche, das Umbauen, das Fahren – das bedeutete für mich Nervenkitzel.

Und das ist nun vorbei?

Diese Autos haben damals einen Traum und einen Zweck erfüllt. Ich bin bereit für einen neuen Traum und neue Ziele. Diese Autos sind dafür gebaut, gefahren zu werden. Das habe ich bei vielen nicht mehr so oft wie früher geschafft. Deshalb die Auktion.

Verkauft haben Sie auch einen 911 Carrera „Flat-Nose“ Widebody Conversion von 1974 – quasi eine Kopie Ihres ersten Modells, das Sie sich einst mit 25 Jahren zugelegt haben. Der Verlust einer Kopie ist sicher zu verkraften. Aber den ersten haben Sie sicher noch, oder?

Nein, den habe ich schon Ende der Neunziger wieder verkauft, um mir den nächsten Porsche zu kaufen: den 911 T mit der Nummer 277.

» Ich wollte alles ERFAHREN und erleben, was Porsche an Sportwagen zu bieten hat «

Ihr wahrscheinlich bekanntestes Modell. Mit dem haben Sie sogar in der Videospielserie Need for Speed mitgespielt. Aber nochmal zurück zum „Flat-Nose“-Modell. Sie haben Ihren ersten Porsche einfach so verkauft?

Ich musste. Hätte ich das Geld gehabt, mir den 277 zu leisten, ohne meinen ersten Porsche zu verkaufen, hätte ich das gemacht. Wahrscheinlich habe ich deshalb vor acht Jahren angefangen, nach einem Carrera „Flat Nose“ zu suchen. Und dann habe ich ihn gefunden.

Trotzdem haben Sie entschieden, ihn wieder los zuwerden?

Ja! Weil ich dazu bereit bin, mich neuen Dingen zuzuwenden. Ein neues Kapitel aufzuschlagen. Viele konnten es kaum glauben, als ich erzählt habe, dass ich mich von den ganzen Modellen trennen will. Aber: Ich habe die Autos ja nicht für andere gekauft, sondern für mich. Und ich brauche sie jetzt nicht mehr. Ich will mehr sein als dieser Porsche-Typ.

Und zwar? Was sind Ihre nächsten Ziele?

Warten wir es ab. Das wird sich zeigen.

Aber es gibt doch bestimmt einen Porsche, den Sie niemals hergeben könnten…

Ganz klar, meinen 911 T mit der 277. An dem hängt mein Herz am meisten. Mit dem verbinde ich so viel. In allen Autos, die ich behalten habe, steckt ganz viel von meiner DNA drin. Neue Sitze, neue Felgen, neue Lackierungen. Das unterscheidet sie auch von einigen der Autos, die bei der Auktion versteigert wurden. Da waren auch Fahrzeuge dabei, etwa die Transaxle-Modelle, an denen ich überhaupt nichts verändert habe.

Mit 9.900 US-Dollar das günstigste Modell der Auktion war ein 944 von 1987. Wäre es Ihnen da wichtig, dass der in junge Hände gekommen ist?

Es ist zumindest ein schöner Gedanke. Und wenn man sich so einen Traum erfüllen kann, warum nicht mit einem Transaxle-Modell?

Hier in Europa ist zu beobachten, dass die Oldtimer-Szene auf einem absteigenden Ast ist, der Nachwuchs bleibt aus. Oldtimer aus den Sechzigern etwa sind bei den nachkommenden Generationen nicht mehr so gefragt. Wie ist das in den USA?

Es ist nun mal so, dass Leute vor allem die Autos interessieren, die in ihrer Kindheit eine besondere Rolle gespielt haben. Das sind bei jüngeren Generationen hier in den USA aktuell vor allem Autos aus den Neunzigern, ein Lamborghini Diabolo zum Beispiel oder ein Ferrari Testarossa. Oder in der Porsche-Welt: ein 911, die Generation 964, 993 oder auch 996.

» Hier im SÜDEN von Kalifornien haben wir herrliche Straßen zum Fahren «

Sie wiederum haben eine Schwäche für die Modelle der Sechziger. Dennoch haben Sie sich nun von einem 911 S aus dem Jahr 1967 getrennt.

Mein Geburtsjahr. Und auch die Geburtsstunde des 911 S, deshalb habe ich die 67 auch gut sichtbar aufs Auto auftragen lassen. Der Wagen war die Grundlage für einige meiner absoluten Lieblingsautos, zum Beispiel für den 911 R von 1967 oder auch den 911 T/R von 1968. Aber ich hatte einfach zu viele 911 S, zwischenzeitlich fünf parallel. Dieser 911 S war besonders. Er hatte einen 2,3-Liter-Motor anstelle des 2,0-Liter-Aggregats an Bord. Deshalb war er besonders spritzig. Überhaupt war das Auto sehr analog. Das komplette Gegenteil von meinem derzeitigen Alltagsauto.

Das da wäre?

Ein 911 Turbo S, Generation 991 von 2014. Natürlich ein tolles Auto, aber ich fühle mich manchmal nicht so verbunden mit dem Wagen. Alles geht so einfach: das Lenken, das Beschleunigen. Beim 911 S von 1967 ist das genaue Gegenteil der Fall. Alle Sinne sind gefordert und werden angeregt, wenn man mit dem Wagen auf Touren kommt.

Wie fahren Sie all Ihre ganzen Sportwagen überhaupt aus? Auf einer Rennstrecke?

Nein. Hier im Süden von Kalifornien haben wir herrliche Straßenabschnitte zum Fahren. Der Angeles Crest Highway verläuft durch die San Gabriel Mountains auf mehr als 2.000 Metern Höhe. Das ist bei mir um die Ecke. Ich bin da in 30 Minuten. Schöner geht’s nicht.

Das reicht Ihnen also?

Wir reden ja immer noch von Sportwagen, die für die Straße gemacht sind. Das sind ja keine Rennautos. Deswegen kann ich auch mit neuen Porsche-Modellen wie etwa dem 911 GT3 RS nicht so viel anfangen. Die Straße bestimmt die Geschwindigkeit. Und mit einem 911 GT3 RS kann man auf der Straße gerade mal 50 Prozent des Leistungsvermögens abrufen. Was soll ich dann mit so einem Auto?

Wenn man so viele Autos hat: Wie entscheidet man sich dann eigentlich dazu, welches Auto man wann fährt?

Das kommt auf die Tour an. Wenn ich 1.600 Kilometer von Los Angeles nach Denver fahre, nehme ich sicher keinen 911 S von 1967. Wenn ich aber einen kurzen Trip mache und mich mit der Straße verbunden fühlen möchte, dann wäre es genau der richtige Wagen. Die Auswahl zu haben, ist natürlich ein Privileg.

Sind denn alle Porsche immer fahrbereit?

Nein, wenn ich einen Wagen mal mehrere Monate nicht bewegt habe, dann ist auch bei dem ein oder anderen die Batterie tot, oder es ist nicht genügend Luft in den Reifen. Alltägliche Probleme. Aber das ist auch ein Grund, warum ich mich von den ganzen Autos verabschiedet habe. Damit ich die, die ich nun noch habe, auch wirklich nutze.

» Jetzt können die LEUTE meine Porsche-Geschichte zu ihrer machen «

Bei der Online-Auktion von RM Sotheby’s wurden die Fahrzeuge ja quasi unpersönlich verkauft. Sie haben also keine Ahnung, wem Sie Ihre Schätze überlassen haben...

Die Autos werden die Zeit überdauern. Da bin ich mir sicher. Wer dafür verantwortlich ist, ist mir relativ egal. Ist nicht mein Problem, was aus den Autos wird. Das liegt nun in den Händen der neuen Besitzer.

Aufgefallen ist mir bei der Auktion auch ein sogenanntes „Porsche 911 Outlaw Starter Kit“ von 1968 – quasi eine Art Bausatz für einen Porsche. Was fehlt denn da eigentlich noch, dass das Teil fährt?

1.000 Stunden Blut, Schweiß und Tränen. Das wird für den neuen Besitzer bestimmt ein tolles Projekt. Eigentlich alles, was das Auto braucht, ist vorhanden. Es muss nur noch zusammengesetzt werden.

Neben den 18 Autos haben Sie sich auch von zahlreichen Memorabilia getrennt.

Das waren in Summe über 1.000 Erinnerungsstücke. Da waren irre Dinge dabei. Zum Beispiel dieser 911 GT3 RS 4.0 Motorkolben im Glaszylinder, den ich mal von Porsche bekommen habe. Im Prinzip habe ich alles verkauft, was man braucht, um ein Auto zu bauen: Räder, Reifen, Lenkräder, Motoren, Bremsen.

Und das wollten Sie plötzlich alles loswerden?

Eigentlich wollte ich bloß aufräumen. Aber irgendwann war ich an dem Punkt, dass ich mir dachte: Das brauchst du doch alles nicht mehr. Aber ist doch eine coole Sache: Jetzt haben die Leute da draußen die Möglichkeit, meine Porsche-Geschichte zu ihrer zu machen.

Letzte Frage: Mit welchem Porsche fahren Sie als nächstes?

Mit meinem 991. Ich muss zum Flughafen und meine Frau abholen.