SSR EVO KIT PORSCHE 911 (992) GT3 RS – „ALTER, BREMS DOCH!“

Bianca Leppert

 · 30.09.2026

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Foto: SSR
Der Porsche 911 GT3 RS ist schon in der Serie eine kompromisslose Maschine. Mit dem SSR Evo Kit legt er auf der Rennstrecke in Spa-Francorchamps noch einmal nach. Eine Mitfahrt, die zeigt, dass manchmal nicht das Auto zuerst an seine Grenzen stößt …

Der Duft von belgischen Fritten liegt in der Luft, die Anzeige am Race Tower im Fahrerlager von Spa-Francorchamps zeigt 44 Grad an. Vor mir baut sich wohl eine der berühmtesten Kurven der Welt wie eine Steilwand auf: Eau Rouge. Gerade pressen sich noch die Autos der Lamborghini-Trofeo-Serie in die Kompression den Berg hinauf. Als ich daran denke, wie die Schwerkraft einen in diesem Moment in den Sitz zementiert, fällt mir ein, dass ich heute Mittag einen Burger gegessen habe und danach noch eine Waffel.

Gut, die optimale Vorbereitung für eine Runde in einem Porsche 911 GT3 RS mit 525 PS sieht vermutlich anders aus als mein belgischer Grand Prix de Gourmet. Ich sollte es besser wissen: Als Motorsportjournalistin habe ich schon das ein oder andere Mal auf dem Beifahrersitz eines Rennautos Platz nehmen dürfen. Und ich gebe zu, es klingt etwas dekadent, aber: Man stumpft ab.

Der GT3 RS mit SSR Evo Kit reißt mich aus meiner Food-Trance, als er für seine erste Runde an mir vorbei in Richtung Eau Rouge durchbeschleunigt und sich direkt in mein Trommelfell klemmt. Dagegen wirken die GT3-Rennautos aus dem 24-Stunden-Rennen, das an diesem Wochenende stattfindet, wie Staubsauger. Die anderen „Taxi-Gäste“ hier an der Boxenausfahrt schreien vor Begeisterung, weil er so laut ist. Okay, auf meiner „Abgestumpftheitsskala“ fallen wir nun von einer 10 auf eine 7. Überraschung gelungen.

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FUSS INS BODENBLECH GERAMMT

Ein paar Minuten später sitze ich neben meinem Kutscher Alfred Renauer im Cockpit. Er ist seit Jahren erfolgreicher Profirennfahrer und selbst Teilnehmer beim 24-Stunden-Rennen in Spa. Der besondere Geruch der warmgefahrenen Bremsen steigt mir in die Nase. Zwischen meinen Füßen klemmt der Feuerlöscher. Der rote Gurt wickelt sich wie eine Geschenkschleife um mich und die RS-Sitze mit Weissach-Bestickung. Die Abgestumpftheits-Lehre sagt mir: Er weiß schon, was er tut. Doch als wir die Boxenausfahrt den Berg hinauf gen Himmel entlang der Eau Rouge beschleunigen, bin ich mir nicht mehr so sicher. Und als ich am ersten Bremspunkt vor der Rechts-Links-Kombination Les Combes meinen rechten Fuß reflexartig aber natürlich völlig sinnbefreit, ins Bodenblech ramme, erst recht nicht mehr. Gut, wir wären auf der Skala also bei 4 angelangt.

„Der Bremspunkt ist nicht weit von dem eines 911 GT3 R entfernt“, sagt Renauer. Bergab fahren wir durch Rivage und brettern am Kurvenausgang über die Kerbs – so wie es sich gehört. Kein Übersteuern, kein Untersteuern. Dass der GT3 RS so stoisch marschiert, kommt nicht von ungefähr. Mehr Leistung hat der SSR Evo nicht. Stattdessen haben die Entwickler ein harmonisches Zusammenspiel aus Aerodynamik, Fahrwerk, Felgen und Setup geschaffen. Ein neu gezeichneter Frontsplitter aus Karbon mit eigener Kontur, der in einen geschlossenen Unterboden übergeht, Air Curtains und Diveplanes drücken die Vorderachse deutlich fester auf den Asphalt. Das Ergebnis spürt sogar die Beifahrerin: Das Einlenken wirkt messerscharf, Untersteuern ist praktisch nicht vorhanden. Im so genannten High-Downforce-Modus, also voll auf Abtrieb getrimmt, erreicht man so ein Plus von 112 Prozent an der Vorderachse.

DER SSR EVO KLEBT AM BODEN

Auf unserer Achterbahnfahrt, auf der mein Hirn mittlerweile gefühlt einen Kilometer hinterherhinkt, sind wir inzwischen in der schnellen Doppel-Links Pouhon angelangt. Auch hier klebt der SSR Evo am Boden. Das Heck macht keinen Mucks. Die Techniker haben mit vergrößerten Endplatten aus Karbon am Heckflügel Hand angelegt und etwa den sogenannten Spacer-Diffusor aus Aluminium angebracht. Was der Laie für Spaltmaß halten könnte, dient der optimierten Anströmung des Diffusors. Charmant: Jedes einzelne Bauteil des Pakets ist mit einem Schriftzug und einem Pfeil ins Design integriert.

Vor der nächsten Kurve „Les Fagnes“ denke ich nur: „Alter, brems doch. Brems doch.“ Wobei ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich es nur gedacht oder sogar gebrüllt habe. Alfred, den alle nur Fredl nennen, scheint es wenig zu interessieren. Er hat sichtlich Spaß, ist voll im Tunnel und flippt nun wieder die Gänge an den Paddles durch. „In Pouhon hatten wir vielleicht noch ein bisschen Luft nach oben“, sagt er, während wir uns kurz auf der schnellen Passage Richtung Blanchimont entspannen. „Macht der Scherze?“, frage ich mich. Auf der Abgestumpftheitsskala sind wir bei 2 angelangt.

WIE AUF SCHIENEN

Vielleicht hat Fredl sogar recht. Immerhin habe ich selbst schon Rennwagen bewegt, saß im LMP1-Auto von Audi und unzählige Male neben Profi-Rennfahrern. Gerade deshalb fällt auf, wie wenig Bewegung in diesem Auto steckt. Wo viele Straßenautos irgendwann zu arbeiten oder zu schieben beginnen, bleibt der GT3 RS wie festgenagelt auf der Bahn. Das ist auch dem KW V7 Fahrwerk zu verdanken. Es ist ein sechsfach verstellbares Rennsportfahrwerk, das auf dem hauseigenen 7-Post-Prüfstand von KW speziell für GT3-Rennfahrzeuge entwickelt wurde.

Nun ist der GT3 RS eine sensationelle Basis, klar. Aber auch die Pirelli Trofeo RS, die inzwischen als ernsthafte Alternative zu Michelins Cup-Reifen gelten, kleben förmlich auf der Fahrbahn. Dazu kommt eine Besonderheit beim Aero-Kit von SSR: Die Felgen mit den Aerodiscs an jedem Rad sind aus einem Guss. Das bringt noch einmal mehr Steifigkeit und somit ein besseres Fahrgefühl, das sich in präziserem Einlenken und mehr Stabilität in Kurven zeigt. Zudem reduzieren sie Verwirbelungen im Radkasten und senken den Bremsen- sowie Reifenverschleiß.

FÜR DIE RENNSTRECKE GEMACHT

Gerade auf einer Strecke wie Spa zeigt sich, dass die Summe der Verbesserungen bei Aero, Fahrwerk, Felgen und Setup mehr ist als ihre Einzelteile. Für den Alltag braucht wahrscheinlich niemand das SSR Evo Kit. Aber wer mit seinem GT3 RS regelmäßig auf Rennstrecken unterwegs ist und dort jede Runde ernst nimmt, wird verstehen, warum die Entwickler so an den Details gefeilt haben. In Spa jedenfalls hatte ich nie das Gefühl, dass dem Auto zuerst die Grenzen ausgehen würden – höchstens meinem Mut.

Wir zacken durch die enge Bus-Stop-Schikane, rauschen über die Zielgerade, dann geht es noch einmal um die Ecke durch La Source und schon ist die wilde Achterbahnfahrt in den Ardennen vorbei. Ich schäle mich aus dem Sitz, ziehe den Helm vom Kopf und bin glückselig. Denn wenn ein Auto selbst jemanden überrascht, der sich für ziemlich abgebrüht hielt, macht es vieles offensichtlich verdammt richtig.

​Erschienen in Ausgabe 6-2026

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