Sieger aus LeidenschaftPorsche 911 T

Porsche Klassik

 · 18.02.2024

Sieger aus Leidenschaft: Porsche 911 TFoto: Alfie Goodrich
Motorsportlegende Tetsu Ikuzawa am Steuer des 911 T von 1968. Der Autodidakt fährt heute immer noch Rennen – und gewinnt.
Foto: Alfie Goodrich

Im leicht spießigen London der verrückten 1960er-Jahre posiert ein Japaner ziemlich cool und lässig für ein Lifestyle-Magazin. Sein Name: Tetsu Ikuzawa. Die Kulisse: sein nagelneuer gelber 911 S Targa. Zu dieser Zeit fährt er gegen die Stars des Rennsportzirkus: gegen Ronnie Peterson, Emerson Fittipaldi, Jochen Rindt und all die anderen Helden der berauschenden Epoche. 40 Jahre später steht Tetsu wieder im Regent’s Park, diesmal mit seinem weißen 997. Auch wenn sich eine Menge geändert hat, die Leidenschaft ist noch immer da.

Fünf Jahre bevor das historische Bild 1969 in London entstand, machte Ikuzawa bereits Bekanntschaft mit Porsche-Fahrzeugen – als seine Gegner beim zweiten Japanischen GT-Grand-Prix in Suzuka. Für nur eine einzige Runde hatte Ikuzawa in seinem Nissan Skyline GT die Führung vor einem Porsche 904 übernehmen können. Das war 1964, ein Jahr nach Erscheinen des 911. Noch heute gilt seine Heldentat als »der« legendäre Moment in der Renngeschichte des Inselstaates. Doch von 1967 an galten sein Talent, seine Leidenschaft und vielleicht sogar seine Urinstinkte nur einer Marke: Porsche.

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Der 911 T mit der Chassisnummer 11835301 wird von Tetsu ausschließlich bei klassischen Rennen bewegt. Kurios: Die anderen Fahrer freuen sich, von ihm überholt zu werden.

Der junge Japaner war besessen von der Idee, nicht nur erfolgreich Rennen zu fahren, er wollte für Porsche Rennen fahren. Auf der Suche nach einem Platz im Werksteam aus Zuffenhausen sprach Tetsu den damaligen Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein einfach direkt an. Man fand zueinander, und bei einem späteren Besuch des Japaners in Stuttgart überließ ihm von Hanstein bereits großzügig das eigene 911 Coupé.

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Der Einführung in das Thema 911 schloss sich ein Einsatz im Werks-908 beim Sechs-Stunden-Rennen in Watkins Glen 1968 an. Der Kauf jenes gelben 911 S Targa 1969 in London war gleich dreifach motiviert: erstens durch die Notwendigkeit, schnell und problemlos Rennstrecken kreuz und quer in Europa zu erreichen. Zweitens erlaubte ihm der Gepäckraum seines 911 sogar, einen zusätzlichen Motor für seinen Formel-3-Rennwagen zu transportieren. Und drittens hatte sich Tetsu längst in die Formen des Klassikers verliebt. Aus diesen Gründen nahm er 1971 seinen gelben 911 S Targa auch mit nach Japan zurück, um ihn 1973 dann aus bis heute streng geheimen Gründen zu verkaufen.

2010 begann Ikuzawa damit, Targa-Modelle aus jeder Generation des 911 zu sammeln. Alle in der gleichen Farbe: Signalgelb. Kürzlich hat er mit Oldtimer-Rennen angefangen. Und das im zarten Alter von 70 Jahren.

Ein paar Jahrzehnte später, im Jahr 2007, war der 65-jährige Ikuzawa auf der Suche nach einem Auto, das seine Leidenschaft befriedigen könnte, vielleicht mit einem ganz eigenen Charakter, ähnlich dem ersten 911 S Targa von 1969. Er wusste bald sehr genau, was er suchte, und so wandte er sich an das Porsche Zentrum und bestellte gleich drei 997 Carrera S, einen für jedes seiner Häuser in Tokio, London und in Südfrankreich. Beim Reshoot im Regent’s Park, diesmal mit seinem englischen 997, kam ihm ein Gedanke: »Was mag aus meinem ersten gelben 911 S geworden sein?«

Mit der Hilfe seiner zahlreichen Freunde und vieler Kontakte gelang ihm dann in nur drei Monaten das unglaubliche Kunststück: Er entdeckte seinen 1969er 911 S Targa – mittler-
weile tiefschwarz lackiert. Sein erster Porsche vegetierte in der ländlichen Bergregion um Nagano in einer Scheune dahin. Am 22. August 2008 war es dann so weit: 39 Jahre nach der Erstauslieferung in London gehörte das Auto wieder Tetsu Ikuzawa, nach einer Odyssee durch die Hände von elf unterschiedlichen Besitzern.

Die Restaurierung begann. Ende 2008 wurde sein 911 Targa zu Porsche ins Classic Center nach Stuttgart geschickt. Glücklicherweise konnte das Unternehmen noch die Originalspezifikationen zu Ikuzawas Fahrzeug finden. Im ersten Jahr der Restaurierung reisten Ikuzawa und seine Frau Hitomi mindestens zehnmal nach Stuttgart. Im Frühjahr 2009, während der gelbe 69er seiner Fertigstellung entgegensah, kam Ikuzawa ein Gedanke. Sollte er nicht sein Jubiläum von 40 Jahren 911 gebührend feiern? Wäre es möglich, einen neuen 997 Targa 4S des Jahrgangs 2009 in der gleichen Farbe und Ausstattung zu produzieren wie das Original? Signalgelb und mit Pepitasitzen? Der am gleichen Tag über das Band laufen würde, dem 22. Juli, mithin auf den Tag genau 40 Jahre nach seinem ersten? Ingo Frenkel, Leiter Exclusive und Tequipment, und sein Team fanden die Idee so außergewöhnlich, dass sie sich mit Leidenschaft an die Arbeit machten, das neue Fahrzeug so nah wie möglich dem Original von 1969 anzupassen. Seit 2010 parken nun beide gelben 911 Targa einträchtig nebeneinander in Tetsus Tokioter Garage.