ROADTRIP USA – EINMAL QUER RÜBER MIT DEM PORSCHE 911

Max + Sabina Byszio

 · 22.12.2025

Die Stadt, die niemals schläft: Nach drei Wochen Überfahrt für den 911 Turbo und in einem Flug der Besatzung ging es über die Brooklyn-Bridge nach Manhattan. Die große Reise an die Westküste konnte beginnen.
Foto: Max + Sabina Byszio

Sechs Jahre später nahm der Traum Formen an. Wir fanden das perfekte Auto für unseren Roadtrip: einen 911 Turbo 3.3 von 1981. Technisch musste der 930 erst einmal auf Vordermann gebracht werden und auch am Innenraum nahmen wir ein paar Veränderungen vor: Ein neuer Turbolader war fällig, der Elfer erhielt einen großen Ladeluftkühler und neue Sitze, zudem verbauten wir Vierpunktgurte und einen Überrollbügel.

Während die Arbeiten am Elfer in vollem Gange waren, schauten wir parallel schon nach den verschiedenen Transportmöglichkeiten. Von Roll-On/Roll-Off, über Luftfracht bis hin zum Einzelcontainer – alles hat seine Vor- und Nachteile. Der Einzelcontainer erwies sich für uns jedoch als bestes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Was nun noch fehlte, war eine Fahrzeug-Versicherung und die EPA-Ausnahmegenehmigung für eine vorübergehende Einfuhr in die USA.

Im August 2024 fiel der Startschuss für die lange geplante Reise, der 911 Turbo reiste uns voraus. Von Bremerhaven aus schipperte unser Auto über den Atlantik, Zielort war der Bundesstaat New Jersey. Online konnten wir den Standort und die Route des Schiffs verfolgen. Schon ziemlich aufregend, das Ganze!

Drei Wochen später landeten auch wir in den USA. Einen Tag nach Ankunft in New York konnten wir auch schon unseren Elfer abholen – ein surrealer Moment, die ersten Meter mit dem eigenen Porsche auf amerikanischem Boden zu fahren. Der Traum von 2018, der nun endlich Wirklichkeit wurde!

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START NEW YORK, ZIEL LUFTGEKÜHLT 10

Einen schöneren Start hätten wir uns nicht wünschen können. Wir fuhren frühmorgens über die Brooklyn Bridge nach Manhattan, vorbei an der Radio City Music Hall, über den Times Square zum Empire State Building. Um diese Uhrzeit war es ruhig in den Straßen der Metropole. Ein schwer zu beschreibendes Gefühl, die Wolkenkratzer an sich vorbeiziehen zu sehen. Am liebsten wären wir noch länger geblieben, aber wir wollten unbedingt vor Beginn der Rushhour die Innenstadt wieder verlassen haben.

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Nach diesem ersten, wunderbaren Moment waren wir bereit für den Weg in Richtung Pazifikküste. Go West! Doch das erste Stück auf unserem Weg war vor allem eines: nass! Schnell merkten wir, dass unsere Windschutzscheibendichtung leckte. Der nächste Stopp war also erst einmal ein Autozubehörhandel. Nichts, was man nicht schnell mit ein bisschen Dichtmasse reparieren kann.

Über den Blue Ridge Parkway ging es dann für uns zum „Tail of the Dragon“: 318 Kurven auf knapp 18 Kilometern. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Wir fuhren weiter in Richtung Memphis, wo wir zum ersten Mal auf die Route 66 stießen. Bunte Ortschaften, zahlreiche Automuseen und überdimensionale Skulpturen wechselten sich ab mit verlassenen Häusern, geschlossenen Tankstellen und endloser Weite. Gerade Letzteres hat die Strecke für uns so besonders gemacht. Das Gefühl, allein unterwegs zu sein, die Straße bis zum Horizont sehen zu können – diese Eindrücke werden uns auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg zu unserem höchsten Punkt der Reise, tauchten aus dem Nichts plötzlich riesige Sanddünen auf, die Great Sand Dunes. Wie wir finden, eine wirklich beeindruckende Kulisse. Fast wie gemalt!

4.302 METER RICHTUNG HIMMEL

Kurz darauf erreichten wir Pikes Peak. Ein absolutes Highlight unserer Tour. Auf dieser Strecke findet jährlich der berühmte Hill-Climb, das „Race to the Clouds“,“ statt, bei dem Rennsport-Teams aus aller Welt ihr Können beim Gipfelsturm beweisen. Auch unser 911 Turbo 3.3 hat die 4.302 Höhenmeter ohne Probleme gemeistert, die Jagd nach Bestzeiten am Berg überließen wir aber anderen.

„WIR MERKTEN, DASS DIE ÖL-LEITUNG ZUM KÜHLER UNDICHT WAR, ES TROPFTE VOR DAS RECHTE VORDERRAD. ALSO LEGTEN WIR EINEN ZWISCHEN-STOPP IN LAS VEGAS EIN “

Daraufhin überquerten wir die Rocky Mountains und wollten im Anschluss einige Nationalparks besuchen. Doch wie das so ist, wenn man mit einem alten Auto unterwegs ist: Manchmal kommt es anders, als man denkt. Wir merkten, dass die Ölleitung zum Kühler undicht war, es tropfte vor das rechte Vorderrad. Also legten wir einen Zwischenstopp in Las Vegas ein, wo das Problem von lokalen Spezialisten schnell behoben werden konnte.

Die nächsten Tage waren geprägt von wüstenähnlichen Landschaften, beeindruckenden Felsformationen aus rötlichem Gestein und spärlicher Vegetation. Die Staaten Utah, Arizona und Nevada sind definitiv eine Reise wert! Schwer zu sagen, wo es uns am besten gefallen hat. Jeder Ort hatte seinen eigenen Reiz. Egal ob der Arches National Park, das Valley of Fire oder der Red Canyon. Die Natur dort ist einfach unbeschreiblich schön und hat uns gezeigt, wie viel eine halbwegs funktionierende Klimaanlage wert ist. In einem schwarzen 911 Turbo die US-amerikanischen Wüstenstaaten zu bereisen, ist ohne ausreichende Klimatisierung eine schweißtreibende Herausforderung.

ROUTE 66 MIT UMWEGEN

Unser weiterer Weg führte uns zurück auf die Route 66, über den Sitgreaves Pass. Eine tolle Strecke, die viele Kurven zu bieten hat hat, und eine willkommene Abwechslung nach vielen, vielen Meilen immer geradeaus. Über schöne Straßen und durch tolle Szenerien ging es weiter zum Joshua Tree National Park und ins Death Valley. Die vorerst letzte staubige Etappe, bevor die Landschaft wieder etwas grüner wurde.

Das Gefühl, „klein“ zu sein, kannten wir von unserer bisherigen Reise bereits von den Momenten, als wir mit unserem alten Elfer neben modernen Pick-up-Trucks zum Stehen kamen. Im Sequoia National Park nahm dieses Gefühl allerdings noch einmal ganz andere Dimensionen an. Gigantische Mammutbäume, die bis zu 80 Meter hoch in den Himmel ragen. Wirklich beeindruckend!

Unsere Reise führte weiter entlang der Sierra Nevada bis zum Yosemite National Park. Noch vor Sonnenaufgang machten wir uns auf den Weg zum Glacier Point, um den Tag mit einem legendären Blick auf den Half Dome zu starten: ohne Zweifel einer der schönsten Momente der gesamten Reise!

Kurz darauf erreichten wir San Francisco. Natürlich ist die Stadt einen Besuch wert, aber für uns hatte sie noch eine weitere Bedeutung: Wir hatten es geschafft! Wir waren einmal quer mit unserem über 40 Jahre alten 911 Turbo durch die USA gefahren. Über die Golden Gate Bridge ging es auf dem Highway 1 weiter in den Norden. Oregon war unser nächstes Ziel.

20.000 KILOMETER IN NEUN WOCHEN

Nach einem kurzen Stopp am Crater Lake mit schneebedeckten Straßenrändern, machten wir uns auf den Weg zur Alvord Desert, einem ausgetrockneten See inmitten der Steens Mountain Wilderness. Hier musste sich unser Auto erst einmal auf unebenem Terrain beweisen, bevor wir die gigantische, staubige Fläche der Wüste erreichten. Auch hier wären wir gerne noch länger geblieben, es war jedoch an der Zeit, wieder zurück in den Süden zu fahren.

Neun Wochen und 20.000 Kilometer später hatten wir unser finales Ziel Los Angeles erreicht. Pünktlich zu „Luftgekühlt 10“ waren wir an dem Ort, an dem im Grunde genommen alles begonnen hatte. Hätte man uns das sechs Jahre zuvor gesagt, dass wir einmal in unserem eigenen, aus der fernen Heimat mitgebrachten Elfer an diesem Treffen teilnehmen würden, hätten wir es selbst wohl als Letzte geglaubt.

Hat es sich gelohnt? Definitiv! Wir sind mehr als dankbar für all die tollen Erfahrungen, die wir machen, und die Menschen, die wir kennenlernen durften. Erinnerungen, die uns ein Leben lang erhalten bleiben werden. Für die gemeinsame Zeit, die wir wirklich mehr als genossen haben. Und für einen 911 Turbo, der überall durchkommt. Sogar im Wilden Westen.