Roadtrip mit dem Porsche 911 CabrioPurple Reign

Maren Braun

 · 03.01.2026

Im Porsche 964 Cabrio durch Kalifornien cruisen – ein Traum, der für Maren Braun und ihre Mutter Brita vor über 30 Jahren in Erfüllung ging
Foto: Maren Braun

„This is the purplest Porsche I’ve ever seen.“ Der schlaksige Mann an der Ausfahrt der Autovermietung am Flughafen Los Angeles hebt anerkennend die Augenbrauen, bevor er uns durchwinkt. Auch ich habe noch nie ein Cabrio in so einem satten Violett gesehen – geschweige denn gefahren. Ein besonderes Auto für eine besondere Reise: Mutter und Tochter, zwei Wochen auf dem Highway 1 durch die USA. Der einzige Haken: Es ist nicht unser Auto. Doch dank der Kontakte unserer Motorsport-Familie und meines Vaters, Motorsport-Journalist und Streckensprecher Rainer Braun, dürfen wir uns diesen Traumwagen ausleihen. Es ist nicht irgendein Cabrio, sondern ein Porsche 911 Carrera 2 (964) mit Tiptronic – damals war dieses Automatikgetriebe mit manueller Gangwahl noch eine kleine Sensation.

Mutter und Tochter auf dem Weg in das gemeinsame Abenteuer

Unser Plan für die Route? Grob. Der Weg ist das Ziel. Bevor wir auf Kaliforniens klassischer Küstenroute in Richtung San Francisco cruisen, müssen wir uns zunächst durch das verworrene Straßennetz der Super-City Los Angeles wühlen. Pflichtprogramm in der Filmstadt: einmal über den Sunset Boulevard rollen. Vorbei an Hollywood, den Villen von Beverly Hills und dem noblen Rodeo Drive. Wir wissen beide: Mutter-Tochter-Shopping hier macht uns eigentlich arm. Aber mit diesem lilafarbenen Porsche Cabrio kann ich nicht widerstehen, in eines der pompösen Parkhäuser zu fahren und den Elfer den weiß befrackten Parkwächtern für zwei Stunden kostenloses „Valet Parking“ zu übergeben. Und klar, wie von Zauberhand landet doch etwas in unseren Einkaufstüten. Wir fühlen uns ein bisschen wie in „Pretty Woman“.

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Danach schwingen wir uns auf den Highway. Strecken die Arme in die Luft, lassen uns die Haare vom Fahrtwind frisieren und spüren die 250 PS des 964 Cabrios. Vor uns liegt die Küstenstraße. Und jede Menge Freiheit. Diesen Klassiker nicht mit offenem Verdeck zu erleben, wäre fast schon ein Stilbruch – auch wenn ich jeden Morgen fast daran verzweifle, das Gepäck in den kleinen Kofferraum vorne zu quetschen. Doch ein Blick auf den Strand von Malibu entspannt mich wieder. Hier, wo braun gebrannte „Beach Boys“ mit sonnengebleichten Mähnen und Surfbrettern die Wellen des Pazifiks bezwingen, spürt man den kalifornischen „Way of Life“. ›

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Früher hieß der Highway 1 „Camino Real“ und war die einzige Straßenverbindung von Mexiko in den Norden der USA. Spanische Ortsnamen und mexikanische Restaurants zeugen noch heute von dieser Vergangenheit. Santa Barbara, rund 100 Meilen nördlich von L.A., lockt mit Sandstrand, exklusiven Hotels und dem spanisch-mexikanischen Flair der Altstadt. Uns gefällt es hier. Mehrmals rollen wir die von Cafés und Geschäften gesäumte Einkaufsstraße entlang und genießen die Blicke. Spätestens beim dritten Mal habe ich das Gefühl, jeder hier kennt uns.

In Carmel-by-the-Sea wirkt alles wie aus der Zeit gefallen

Nach so viel Trubel sehnen wir uns nach Ruhe. Überhaupt sind wir uns oft einig. Mutter und Tochter, 24 und 49 Jahre alt – da könnte man Streit erwarten. Doch wir zanken uns nur, wenn es um die Restaurantwahl geht. Ich mag Hot Dogs, meine Mutter liebt kulinarische Highlights. Auch beim Fahren finden wir eine Lösung: Wir wechseln uns ab. Wenn meine Mutter fährt, fange ich mit der Kamera die Kulisse ein.

Die ist rund um das Herz des California Highway 1 grandios. „Big Sur“ nennt sich jenes Stück des Coastal Highway kurz vor Monterey, das sich durch Meer und Klippen schlängelt. Hinter jeder Kurve wartet ein neuer faszinierender Anblick. Wie auf einem Podest fahren wir auf der hoch gelegenen Küstenstraße durch die rau-wilde Natur und genießen den Weitblick. Es fällt mir schwer, die Augen von diesem weiten Blau des Meeres zu trennen, um nach vorn auf die Straße zu schauen. In Carmel holt uns die Zivilisation ein – auf geschmackvolle Art. Das kleine Örtchen auf der Monterey-Halbinsel wirkt wie aus der Zeit gefallen. Kein Wunder bei nur 3.000 Einwohnern.

Witzig: Schauspieler Clint Eastwood war hier einst Bürgermeister. Damals hatten die Häuser keine Nummern, sondern Namen. Das änderte sich erst 2024. Meine Mutter und ich plaudern als Motorsport-Nomaden während der Fahrt über einen anderen Fakt: Ganz hier in der Nähe befindet sich die Rennstrecke von Laguna Seca, die für die „Corkscrew“-Kurve so bekannt ist.

Doch der Reiseführer lenkt uns nicht an die Rennstrecke, sondern zum 17 Miles Drive. Eine Touristenstraße mit unzähligen Aussichtspunkten. Mich faszinieren vor allem die Golfplätze. Und das, obwohl ich kein Golf spiele. Dazu gehört auch der Golfplatz in Pebble Beach, auf dem seit 1950 der Pebble Beach Concours d’Elegance stattfindet. Um mit unserem Elfer daran teilnehmen zu können, bräuchte es aber dringend ein ausgiebiges Bad. Denn mittlerweile haben wir über 500 Kilometer zurückgelegt und eine dicke Staubschicht hat dem Violett unseres 911 den Glanz genommen.

Wir wagen das amerikanische Abenteuer „Self Wash“. Erst mal Verdeck zu – damals noch manuell und mit etwas Aufwand verbunden, aber auch eine lieb gewonnene Routine. Ich bewaffne mich mit Wasserschlauch und Bürste, werfe einige Quarters in den Münzzähler und schon werde ich von den Ereignissen überrollt: Das Wasser schießt aus dem Gummischlauch, aus dem Besen quillt Seifenschaum. Nun gilt es, beides geschickt zu koordinieren und in zwei Minuten fertig zu sein. Sonst verlangt der Apparat eine neue Ladung Quarters, damit er Schaum und Wasser wieder freigibt. Meine Mutter beobachtet das Schauspiel aus sicherer Entfernung und plaudert mit einem Mann mit Lockenkopf, der uns glatt für Schwestern hält. Meine Füße und das linke Hosenbein sind zwar nass, aber dafür glänzt der Elfer wieder.

Die nächsten hundert Meilen bis nach San Francisco vergehen wie im Flug. „Frisco“ einmal nicht im Nebel zu erleben, ist reine Glückssache – und das Glück ist mit uns. Blauer Himmel statt Nebel. Umso verworrener der dichte Stadtverkehr auf den ersten Metern, der uns die Erkenntnis bringt: Es wird knifflig, sich hier zurechtzufinden. Wir parken den 964 in der Tiefgarage des Hotels. Hier kommt wenigstens kein Kratzer dran. Stattdessen steigen wir auf die lustigen „Cable Cars“ um. Die antiken Kabelbahnen gehören zum Stadtbild San Franciscos wie die Golden Gate Bridge. Und bei dem steilen Auf und Ab der Straßen sind wir als Fußgänger für ihre Existenz äußerst dankbar.

Genauso wie für die Stille bei unserem nächsten Halt in Richtung Las Vegas. Wenn es in Kalifornien einen Ort gibt, wo du dir selbst mit einem violetten Porsche 911 Cabriolet unwichtig und klein vorkommst, dann ist es der Sequoia National Park. Niemals hätte ich gedacht, dass es so riesige Bäume gibt – geschweige denn, dass wir mit unserem Porsche unter einem umgefallenen Baumriesen hindurchfahren würden. Um die 80 Meter können die mächtigen Sequoias in den Himmel ragen. Unser Porsche sieht daneben aus wie ein Spielzeugauto. Manche dieser Mammutbäume sind weit über 2.000 Jahre alt und haben schon unzählige Waldbrände überstanden. Kurios: Das Feuer brauchen diese Riesen, um sich fortzupflanzen. Der Besuch bei „General Sherman“, dem höchsten Baum der Welt, ist natürlich Pflicht.

Übergroße Schilder erzählen von Millionen-Jackpots

Dabei geht es von einem Superlativ zum nächsten. Wir peilen Las Vegas – wo es von allem einfach nur zu viel gibt – als nächsten Halt an. Zunächst fahren wir ewig durch die Wüste und lauschen dem Sechszylinder-Boxer als Soundtrack, denn Radioempfang haben wir hier keinen mehr. Hitzeflimmern geradeaus am Horizont. Diese Kargheit hat ihren Reiz. Eine monotone Einsamkeit, in der die kreisenden Adler am Himmel fast schon inszeniert erscheinen. Plötzlich tauchen Joshua Trees auf, dann verschwinden sie wieder. Während die dahinplätschernden Gedanken rätseln, ob ein Joshua Tree nun mehr Baum oder mehr Kaktus ist, verfängt sich der Blick plötzlich an einem auffälligen Zeichen der Zivilisation.

Übergroße Schilder ragen aus der Wüste und erzählen von Millionen-Jackpots, von großen Hotels zu kleinen Preisen und von „All you can eat“-Büfetts. Jäh verabschiedet sich die Illusion, diese Wüstenstraße würde ins Endlose führen. Stattdessen erscheint am Horizont die flimmernde Vision der wohl verrücktesten Stadt auf Erden: das Spielerparadies Las Vegas. Inzwischen hat auch das Radio in das Tauziehen um den sich nähernden Besucher eingestimmt. Auf 107,5 MHz werden die tollsten Angebote durch den Lautsprecher geschmettert. Der spiel- und zahlungswillige Neuankömmling soll gleich wissen, welches Hotel das sensationell preisgünstigste, welches Büfett das reichhaltigste, welche Show die beste und welche Slot Machine die großzügigste in Las Vegas ist.

Bei der Einfahrt in den legendären Las Vegas „Strip“ – das Zentrum des Geschehens – wird man von der Geschäftstüchtigkeit der Hotels und Casinos fast erschlagen. Ein Bau prunkvoller als der andere – immer noch bunter, noch ausgefallener, noch verrückter und vor allem noch größer. Dennoch, dies ist nicht das Las Vegas, das man kennt und das man sucht. Nicht, solange das Tageslicht den Strip beherrscht. Erst wenn der Sonnenball verschwunden ist, protzt die Stadt mit ihren Reizen. Eingehüllt in ein Kleid aus Licht und Glamour, eingetaucht in das Make-up von Show und Illusion – das ist die Diva Las Vegas so, wie man sie gerne sieht.

Wir verabschieden uns. Vom Porsche. Und von Las Vegas

Wenn sie dann auch noch verführerisch mit den Geldscheinen wedelt, begleitet von der Melodie der klimpernden Dollar-Münzen, die aus den Slot Machines drängeln, dann kann keiner mehr der Versuchung widerstehen. Warum auch? Schließlich ist das Glücksspiel im Staat Nevada seit 1931 eine ganz legale Sache, die ursprünglich einmal helfen sollte, die geschröpften Staatskassen wieder zu füllen. Heute dürften Geldsorgen für Las Vegas kein Thema mehr sein: Jedes Jahr kommen über 40 Millionen spielwütige Besucher in die Glamour-Stadt und lassen einige Milliarden Dollar dort, bevor sie wieder gehen.

Auch wir verabschieden uns. Von Las Vegas. Und bald auch von unserem „Purple Porsche“, den wir nach unserer letzte Etappe nach Los Angeles wieder zurückgeben. Ein letztes Mal quetschen wir die Taschen in den kleinen Kofferraum. Der Hotelboy öffnet mir die Fahrertür. „Nice color“, sagt er. Finden wir auch.