PORSCHE 911 GT3 S/C - KLEINE SERIE, GROSSER SPASS

Wolfgang Schäffer

 · 27.07.2026

PORSCHE 911 GT3 S/C
Foto: Porsche AG

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Die Idee für eine offene Variante des GT3 geisterte schon seit geraumer Zeit in den Köpfen der Entwickler herum: „Man müsste irgendwann mal …“, „Wäre schön, wenn …“. Der entscheidende Impuls aber hat sich mehr oder weniger nebenbei ergeben, so berichtet es Andreas Preuninger, Chef der GT-Abteilung bei Porsche. Eigentlich sollte ein Cabrio nach langem Testeinsatz verschrottet werden und stand im Werkshof. Daneben hatte jemand nach Abschluss einer Messfahrt ein GT3-Erprobungsfahrzeug geparkt. Und plötzlich hat die Vorstellung, aus dem ausgedienten Testobjekt ein neues Projekt zu entwickeln, das komplette Team elektrisiert. „Irgendwann“ war jetzt! Die Gelegenheit parkte mitten auf dem Hof. Nach gerade einmal einer guten Woche hatte das Team den Plan in Grundzügen in die Tat umgesetzt.

Und nun ist er fertig entwickelt da: Der 911 GT3 S/C, als Kleinserie homologiert. So entfallen bei der Version mit dem vollautomatischen Stoffverdeck die üblichen Vorschriften für Assistenzsysteme. Bei weniger als 1.500 Autos jährlich für den europäischen Markt kann auf die oftmals lästigen Warntöne bei Tempoüberschreitung, beim Verlassen der Fahrspur oder mutmaßlich zu geringer Aufmerksamkeit verzichtet werden. Einer der vielen Pluspunkte für den GT3 S/C.

Für das Kürzel S/C hat Preuninger eine schlichte Erklärung. S/C stehe für „Sport Cabrio“. Und diese Bezeichnung hat sich der offene GT3 absolut verdient. Schließlich vereint der generell als Zweisitzer auf die Straße rollende Porsche die Vorzüge des GT3 mit denen eines Cabrios.

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Oberste Prämisse war, das Gewicht des offenen Sport-911 unter der Grenze von 1.500 Kilogramm zu halten. Das ist mit 1.497 Kilogramm bei vollem Tank gelungen. Um das zu erreichen, haben sich die GT-Spezialisten unter anderem beim 911 S/T bedient. Von dem limitierten Sondermodell wurden Kotflügel und Türen aus Carbon ebenso übernommen wie CFK-Fahrwerksteile. Die Carbon-Keramik-Bremsanlage (PCCB) und die bereits unter anderem im Leichtbaupaket des GT3 Touring eingesetzten Magnesiumräder – vorne 20, hinten 21 Zoll – kamen ebenfalls auf die Diätliste des offenen GT3.

Zur Gewichtsreduzierung tragen außerdem die Türinnenverkleidungen aus dem 911 S/T, besonders leichte Teppiche, eine Lithium-Ionen-Batterie und der Verzicht auf die hinteren Notsitze bei.

MANUELLES GETRIEBE MIT KURZEN SCHALTWEGEN

Wer in den vorderen Vier-Wege-Sportsitzen Plus Platz nimmt, blickt auf den aus dem GT3 bekannten Instrumententräger mit digitalen Anzeigen. Und wie im herkömmlichen GT3 gibt es auch im S/C einen angedeuteten Schlüssel auf der linken Seite des Lenkrades.

Der offene GT3 wird mit einem manuellen Sechsgang-Sportschaltgetriebe ausgeliefert. Dabei ist einerseits der Schalthebel schön kurz ausgeführt. Auf der anderen Seite wurden passend zur Charakteristik des S/C auch die verkürzten Schaltwege des S/T übernommen. Ein weiterer Vorteil des Schaltgetriebes ist die Gewichtsersparnis von etwa 20 Kilogramm im Vergleich zum PDK. Alles in allem bringt der 911 GT3 S/C um die 30 Kilogramm mehr auf die Waage als der herkömmliche GT3 und der 911 Speedster der Generation 991. Der war so etwas wie der Vorgänger des neuen GT3 Cabrios. Denn der Speedster war letztlich nichts anderes als die offene Version des 991.2 GT3, hatte aber eben einen anderen Namen.

Für den Vortrieb des S/C sorgt nach wie vor der frei ansaugende Vierliter-Hochdrehzahl-Boxermotor des GT3. Der dreht bis zu 9.000 Umdrehungen pro Minute, liefert 375 kW (510 PS) und 450 Newtonmeter. Damit sprintet der Zweisitzer in 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht in der Spitze 313 Kilometer pro Stunde. Bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h lässt sich das vom 911 Cabrio übernommene Stoffverdeck auf Knopfdruck in zwölf Sekunden öffnen oder schließen. Ein ebenfalls elektrisch bedienbares Windschott kann bis zu Tempo 120 in zwei Sekunden aus- oder einfahren.

Wenn es ums Fahrwerk und die entsprechende Performance geht, muss derzeit noch auf Mr. GT Andreas Preuninger vertraut werden. „Zum ersten Mal kommt im 911 GT3 S/C bei einem offenen Neunelfer die Doppelquerlenker-Vorderachse zum Einsatz. In Kombination mit den Sportreifen und dem niedrigen Gewicht bietet das Auto auf kurvigen Straßen einen Fahrspaß, der bei einem offenen Auto bisher kaum zu erleben war. Der GT3 S/C ist eben kein Cabrio, in den wir einen dicken Motor eingebaut, sondern ein GT3, dem wir das feste Dach weggenommen haben.“ Die Fahrwerksabstimmung des neuen 911 GT3 S/C entspreche der des 911 GT3 mit Touring Paket. Serienmäßig sind, wie bei allen 911 GT3, Sportreifen in den Dimensionen 255/35 ZR 20 vorn und 315/30 ZR 21 hinten verbaut.

FLACHERER SPOILER UND SCHLÜSSIGES DESIGN-KONZEPT

Optische Besonderheiten bietet das Heck des S/C. So wurde zusätzlich auf dem ausfahrbaren Spoiler eine so genannte Gurney-Flap angebracht, um bei hohen Geschwindigkeiten den Abtrieb und damit eine möglichst perfekte Fahrstabilität zu gewährleisten. Der Spoiler muss deshalb weniger hoch ausfahren. Ganz neu ist zudem das davor liegende und wunderschön gearbeitete Lufteinlassgitter.

Bereits vor der eigentlichen Markteinführung des 911 GT3 S/C, der von sofort an bestellt werden kann, hat die Porsche Exklusive Manufaktur ein Street Style Paket gestaltet. Unter anderem setzen dabei Dekorgrafiken an den vorderen Radhäusern und auffällige Porsche-Schriftzüge an den Seiten sowie abgedunkelte HD-Matrix-Scheinwerfer spezielle Akzente. Im Innenraum sind die Kopfstützen der Sportsitze dezent mit einem gestickten Umriss des Porsche Wappens versehen.

Vierfarbiges Flechtleder in Schiefergrau, Indischrot, Magnesiumgrau und Kalahari wurde für den Bezug der Sitzmittelbahnen gewählt. Das Passagierabteil ist nahezu vollständig mit Bi-Color-Leder in Schiefergrau/Indischrot ausgeschlagen. Passend dazu nehmen die Kontrastnähte, Türöffnerschlaufen, Sitzschlaufen und Gurte die Farbe Indischrot auf. Wer sich für das Paket entscheidet, muss zum Basispreis des 911 GT3 S/C von 269.000 Euro noch einmal mit knapp 28.000 Euro mehr rechnen.

Der Preis von 269.000 Euro liegt um etwa 60.000 Euro über dem des GT3. Das erscheint zunächst reichlich viel. Doch sind im S/C eine Reihe von teuren Ausstattungen serienmäßig verbaut, die im GT3 extra geordert werden müssen. Unterm Strich relativiert sich also der Aufpreis für die offene und „piepfreie“ Version des GT3.


Porsche 911 GT3 S/C

  • Motor: Wassergekühlter Boxer-Saugmotor, 6 Zylinder, 24 Ventile
  • Bohrung x Hub: 102 x 81,5 mm
  • Hubraum: 3.996 cm3 Leistung: 375 kW (510 PS) bei 9.000/min
  • Drehmoment: 450 Nm
  • Gemischaufbereitung: Benzindirekteinspritzung
  • Kraftübertragung: Heckantrieb
  • Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
  • Karosserie: Cabrio
  • Fahrwerk: PASM Sportfahrwerk mit 20 mm Tieferlegung, Doppelquerlenker-Vorderachse, Hinterachslenkung mit Sportabstimmung, Porsche Torque Vectoring (PTV)
  • Bremsen: Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB). Bremsscheibendurchmesser vorn 410 mm, hinten 390 mm
  • Radstand: 2.457 mm L x B x H: 4.570 x 1.852 x 1.279 mm
  • Reifen: 255/35R20 ZR vorne/315/30R21 hinten
  • Leergewicht: 1.497 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 1.767 kg
  • Höchstgeschwindigkeit: 313 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h : 3,9 s
  • Tankinhalt: 63 l
  • Durchschnittsverbrauch: 13,7 l (Werksangabe)
  • Basispreis: 269.000 Euro

​​​​Erschienen in Ausgabe 5-2026

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