OLDTIMER-RALLYEAVD-RÖHRL-KLASSIK 2025

Markus Stier

 · 07.01.2026

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Foto: Johanna Gumbl, Lena Willgalis, Hans-Dieter Seufert, Hardy Mutschler, O.v. Simon

Er wird einfach nicht müde. Das Lächeln der Legende sitzt fester als bei vielen die Frisur und der Schreibarm ist bestens im Training. Die 18 Prüfungen nehmen der Regensburger und sein alter Stammbeifahrer Christian Geistdörfer nicht ganz so ernst, sie kommen nur auf Platz 93 ins Ziel, aber Walter Röhrl rechnet vor: „Würde ich für jedes Autogramm an diesem Wochenende eine Zeitgutschrift bekommen, läge ich eh weit vorn.“ Einen Stift hat er immer dabei, seit Jahren schon, unterschreibt unermüdlich auf Modellautos, T-Shirts, Autogrammkarten oder einem der Teilnehmerautos. Bei der letzten Röhrl-Klassik hat er einen Traktor signiert, dieses Mal einen Käselaib. Er schreibt eigentlich nicht, er malt. Und es wird nicht gehudelt. Das letzte Autogramm sieht noch genauso schön geschwungen aus wie das erste. Es ist eine Mischung aus Perfektionismus und Liebe.

Und die Menschen lieben ihn zurück, nicht für seine zwei Weltmeistertitel, nicht für seine vier Monte-Carlo-Siege, sondern für seine Nahbarkeit. In Bregenz, Seeg, Oberstaufen kommt es zu Menschenaufläufen, selbst in Füssen, wo keiner der Schlachtenbummler bei diesem Wetter den Hund rausjagen würde.

Ausgerechnet der Röhrl, der früher voll im Adrenalinsaft stehend nicht selten Morddrohungen ausstieß, ist die Freundlichkeit in Person, kann niemandem etwas abschlagen. Manche Oldtimerrallye kämpft mit schrumpfenden Teilnehmerzahlen, aber als Organisator Peter Göbel am 1. April 2025 um Mitternacht die Nennliste der 4. AvD-Röhrl-Klassik öffnet, muss er sie 24 Stunden später schon wieder schließen: 150 Plätze hat er, 185 Teams wollen mit. Es folgt Heulen und Wehklagen der zu spät Gekommenen. Am Ende quetscht der Veranstalter noch 19 weitere ins Feld.

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NACH ZWEI STUNDEN AUSGEBUCHT

Am Mittwoch, einen Tag vor dem Start, ist „Willkommensabend“, und weil die vierte Auflage der Rallye am Bodensee gastiert, laden Göbel und Röhrl zur Ausfahrt mit Diner auf die Hohentwiel, dem schicksten und ältesten Raddampfer auf dem Schwäbischen Meer. Bei der Historischen Schifffahrt Bodensee sahen sie der Anmeldungsprozedur gelassen entgegen, schließlich ist so eine Sonnenuntergangstour mit der dampfenden Luxusküche von Heino Huber nicht ganz billig.

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Dann staunten alle nicht schlecht: Nach zwei Stunden war das Schiff ausgebucht, sodass an diesem lauen Spätsommerabend auch noch das gut besetzte Schwesterschiff Oesterreich auf Parallelkurs auslief.

Viele Teilnehmer sind Wiederholungstäter. Wer bei der Erstausgabe der Röhrl-Klassik 2022 an der Ostsee dabei war und alle vier mitgemacht hat, gehört hier zum alten Adel. Mancher legt die Kappensammlung mit dem eingestickten Röhrl-Autogramm stolz in die Windschutzscheibe. Was sie eint, ist nicht nur die Nähe zur Legende, sondern die Marke: Hier sind ausschließlich Porsche zugelassen!

Und so haben selbst die, die sich noch nicht kennen, immer ein Thema, egal ob beim ersten Abendessen auf Seehöhe zwischen den Fliegern im Dornier-Museum in Friedrichshafen oder bei der letzten Mittagsrast auf 1600 Metern auf der Terrasse des Bergrestaurants Goona über dem Brandnertal.

Das Feld ist traditionell so vielfältig wie exklusiv und reicht vom 356 A Speedster des Baujahres 1956 bis zum 993 4S von 1998. Auch ganz seltene Stücke wie ein 911 SC RS in voller Rothmans-Rallye-Kriegsbemalung, ein 911 Carrera 3.2 Speedster oder ein 911 Turbo Targa Flachbau und sogar ein 959 S, die noch mal verschärfte Version des Allradlers mit Doppelturbo-Registeraufladung und 515 PS sind am Start. Die Startnummer 1 klebt auf einem raren 3,2-Liter-Clubsport-Carrera, Baujahr 1985, aus dem Porsche-Museum. Walter Röhrl, wenn es nicht um Bestzeiten ging, schon immer ein Spritsparfuchs, fährt mit fossilfreiem Synthetik-Sprit durch die Lande.

Von wegen Rentner, es gibt Monate, da ist der Mann aus Sankt Englmar keine Woche zuhause. Mal abgesehen von Präsentationen und Presseterminen laden ihn beinahe wöchentlich Clubs oder Porsche-Zentren zu Ausfahrten ein. Als der berühmteste Porsche-Repräsentant vor zwei Jahren seinen Vertrag erneuerte, bat er um weniger Termine, schließlich ist er mittlerweile stolze 78 Jahre alt.

Röhrl hat Rücken und das schon lange, „aber so lange ich im Auto sitze, geht’s“, sagt er grinsend. Und die Rallye, die seinen Namen trägt, lässt er sich ohnehin nicht entgehen. „Beim Peter gibt’s immer tolle Strecken und gutes Essen“, lobt er seinen Freund Göbel. Bevor der sein Beifahrer und nun seine Gallionsfigur wurde, lockte er einst Röhrl im Sauerland mit Kuchen in die gute Stube.

SPOTTING STATT SPEEDING

Es geht ums Genießen, nicht ums Tempo. Auf den Prüfungen kommt es zwar durchaus auf die Hundertstelsekunde an, aber eben auf die exakte, nicht auf die schnellste Zeit. Walter Röhrl ist dermaßen entschleunigt, dass ihn selbst der an diesem Wochenende im Bregenzer Wald angesetzte Almabtrieb keinen Meter stört. Die Kühe haben Vorfahrt. Was soll’s, der Lorenz strahlt, auf den Gipfeln des Panoramas liegt nach dem Regen von gestern frischer Schnee.

Dass es vom Donnerstagabend bis zum Freitagnachmittag schüttet, schnürlt, regnet und tröpfelt, stört den früheren Schnee- und Nebelkünstler kein bisschen. Als der Bürgermeister von Füssen ihn und Schauspieler Hinnerk Schönemann („Nord bei Nordwest“) zum Empfang ins Rathaus lädt, läuft Röhrl 20 Minuten früher ein als der TV-Kommissar. „Weißt, im Regen kannst halt den Unterschied machen“, flachst er.

Für ihn ist die AvD-Röhrl-Klassik eine alljährliche Entdeckungsreise. Der Weltenbummler Röhrl reist nur noch dorthin, wo er mit dem Auto hinkommt. Obwohl es von seinem Haus im Bayerischen Wald bis Füssen keine 300 Kilometer sind, war er zuvor noch nie in diesem Teil Bayerns, während sich Christian Geistdörfer durchaus auskennt: „Ich bin hier ein Jahr lang auf die Volksschule gegangen.“

Lech am Arlberg ist ihm als Skiläufer ein Begriff, aber Hochtannbergpass und Flexenpass hat er im Auto noch nie durchwedelt. „Traumhaft“, sagt er nach drei Tagen, nicht wissend, dass ein Höhepunkt erst nach der Rallye ansteht. Die „Blackouts“ waren bei der berühmten britischen Talentshow die Shootingstars des Jahres und sind seitdem völlig ausgebucht. Für die Abendgala der Rallye im Bregenzer Festspielhaus treten die Schweizer in ihren LED-Anzügen mit ihrer spektakulären Show trotzdem auf. Sie wollten mal den Röhrl kennenlernen. Der freut sich schon auf die 5. AvD-Röhrl-Klassik, und mindestens 185 Porsche-Eigner zittern jetzt schon, ob sie es 2026 auf die Nennliste schaffen.